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Dienstag, 30. Oktober 2007, 12:03

Jan Dehling - Humor und gutes Timing

Auf die Wünsche der Musiker eingehen

Jan Dehling ist der Backliner von Armin Rühl und Mark Essien, die Grovemaschinen von Herbert Grönemeyer. Ohne ihn wären die beiden Trommler auf der Tour-Bühne verloren. Mit Humor, aber auch großer Perfektion sorgt er dafür, dass die Instrumente sicher auf- und abgebaut werden.
Zudem kümmert er sich während des Konzertes um das Wohl der beiden Künstler. Sein Arbeitsplatz ist direkt hinter dem Schlagzeug von Armin.
Vielen Dank an Jan für den tollen Tag in Nürnberg und an Armin, der den Kontakt zu Jan ermöglichte.




DF: Welche Voraussetzungen brachtest du für deinen Job als Drumtechniker mit?

JD: Du musst als Drumtech in der Lage sein auf die Wünsche der Musiker eingehen zu können. Du hast deinen Job so zu erledigen, dass sie gut arbeiten können. Viele Leute in meiner Branche sind auch Musiker. Es gibt aber auch Backliner, die mehr aus der technischen Ecke kommen.

DF: Wie hat sich das denn so entwickelt, du hast ja sicherlich nicht als Backliner angefangen?

JD: Mein Werdegang sieht so aus, dass ich als Musiker den Armin kennen gelernt habe. Ich bin ja auch im Rhein-Neckar-Kreis zu Hause. Ein Kollege, der Armins Backliner war, ging mehr in die Richtung Video und er fragte mich, ob ich nicht Interesse an seinem Job hätte. Da Armin und ich uns ja schon kannten, gab es keine Probleme. Ich bin dann nach ein paar Gigs auf der Tour "Es bleibt alles anders" eingestiegen.

DF: Du bist auch Drummer?

JD: Ja, allerdings schon seit längerem ohne feste Band, dafür reicht die Zeit einfach nicht. Ich bin froh, wenn mal keine Jobs anstehen, auch mal Zeit für die Familie zu haben. Neben Armin betreue ich ja auch z.B. die Söhne Mannheims oder Xavier Naidoo ohne die Söhne. Ich mache eben nicht nur Drumbackline, sondern auch andere Instrumente wie Gitarre oder Keyboard.

DF: Wann hast du angefangen mit dem Schlagzeugspielen?

JD: Mit zwölf habe ich angefangen, vor rund 22 Jahren.

DF: Auch professionell?

JD: Ja, so in den 1990er Jahren machte ich mehrere CD-Produktionen und war viel unterwegs. Zunächst habe ich bei Konzerten in der Local-Crew gearbeitet und das weitete sich dann immer mehr aus. Schließlich bekam ich dann den Job bei Armin. Das Ganze ergab sich über die bestehenden Kontakte.



DF: Die Kontakte sind das A&O in deinem Job?

JD: Ja, du musst immer die richtigen Leute kennen, um an den Job zu kommen. Wenn du das aber eine Weile machst, dann bist du so bekannt, dass immer ein Job sich ergibt. Du wirst angesprochen.

DF: Es gibt in Deutschland wohl nicht so viele, die davon leben können, oder?

JD: Ich denke, es sind so zehn bis 15 Drumbackliner, die als Profis ihren Job machen. Das ist natürlich überschaubar und man kennt sich untereinander. Wenn der eine nicht kann, dann gibt er den Job an den anderen weiter, es geht also sehr kollegial zu.

DF: Was liebst du an deinem Job und was magst du weniger?

JD: Schwierige Frage, ich gehe immer davon aus, dass die Show gut läuft. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich z.B. Armin auf der Bühne wohlfühlt und seinen Job gut machen kann, das ist die Aufgabe, die mir Spaß macht. Schön ist, wenn das Team funktioniert und keiner sich gegenseitig in seiner Arbeit behindert. Was ich nicht mag ist, dass bei einem Outdoorgig wie dieser hier es anfängt zu regnen. Wenn ich meine Arbeit nicht machen kann, ich warten muss, da die Sachen nicht vor Ort sind, weil z.B. die lokalen Helfer nicht anpacken wie sie sollen, dann wird es anstrengend. Da sagst du den Helfern etwas, aber sie verstehen dich nicht oder wollen dich nicht verstehen.

DF: Dein Tagesablauf?

JD: Nach dem Aufstehen ist ein gutes Frühstück wichtig. Damit lege ich die Grundlage für meinen Arbeitstag. Es kann dauern, bis ich wieder Zeit für eine Mahlzeit habe. Du siehst ja, wir haben jetzt halb vier und ich war seit heute morgen noch nicht wieder beim Catering. Nach dem Frühstück beginnt der Aufbau. Heute zum Beispiel habe ich die Racks von Mark Essien, den ich ja auch betreue und Armin vor der Bühne montiert und lasse es dann von den Aufbauhelfern hochtragen. Aber, manchmal baue ich die Sets auch direkt auf der Bühne zusammen. Dann folgt die Verkabelung der Mikros und der Elektronik. Dann wird der Linecheck gemacht. Dann ist erst Mal alles erledigt. Wenn Zeit ist, putze ich die Sets noch. Auch wechsel ich manchmal noch Felle.



DF: Wann triffst du Armin und Mark

JD: Manchmal treffe ich sie erst vor Beginn der Show, manchmal kommt er aber so wie heute eher auf die Bühne. Es kann auch passieren, dass wir das Set von Armin leicht verändern, z.B. wenn er andere Schuhe mit einer höheren Sohle trägt. Dann wird die Snare ein bisschen höher gesetzt. So etwas musst du beim Aufbauen einplanen.

DF: Zeitmanagement ist sicherlich wichtig?

JD: Klar, du musst wissen, wie lange du für welchen Arbeitsschritt ungefähr brauchst, damit du rechtzeitig anfängst und fertig bist, wenn der Linecheck gemacht wird.

DF: Nach der Show schaust du dir die Felle nicht an?

JD: Nein, nach der Show muss so schnell wie möglich abgebaut werden, dass ist auch die stressigste Zeit. Danach geht es entweder in den Nightliner oder, wenn ein Tag ohne Show dabei ist, ins Hotel. Wenn abends keine Show ist, fangen wir so gegen 16 Uhr mit dem Aufbau an. Deswegen hatte ich während der Tour jetzt auch nur einen freien Tag.
Das mit dem Nightliner finde ich sehr praktisch, du wachst auf und bist direkt am Stadion, beim Frühstück und dann bei der Arbeit.

DF: Kannst du deine Aufgaben mal näher beschreiben?

JD: Neben dem Auf- und Abbauen gehört auch dazu die Künstler bei Laune zu halten. Die Cases mit den Instrumenten drin bewegen die Helfer nach meinen Anweisungen, den Aufbau mache aber ich. Aber, auch dabei kann es sein, dass ich unterstützt werde. Während der Show versorge ich die Künstler z.B. mit Getränken und habe ein paar Cues, auf die ich achten muss. Dann muss ich hin und wieder mal was festschrauben, allerdings geht es bei mir während der Show relativ ruhig zu. Die Kollegen mit den Gitarren haben da schon mehr zu tun. Die müssen ja stimmen, das fällt bei mir fast ganz weg. Allerdings kann es schon mal sein, dass ich eine Conga nachstimmen muss.

DF: Wo ist dein Platz während des Konzertes?

JD: Mein Platz ist direkt hinter Armin auf einem Rollbrett. Ich sitze da gehockt, das Publikum kann mich nicht sehen. Das mit dem Rollbrett hat sich als sehr praktisch rausgestellt. Damit es nicht so hart ist, hocke ich auf zwei Handtüchern.
Da der Bühnenaufbau immer identisch ist (während dieser Grönemeyer-Tour kommen insgesamt drei Bühnen zum Einsatz), ist es mittlerweile sehr viel Routine. Ohne die Routine würde der ganze Show-Verlauf mit Auf- und Abbau nicht so schnell gehen. Trotzdem musst du immer voll konzentriert deinen Job machen.

DF: Trotzdem passieren Fehler?

JD: Klar, aber zum Glück habe ich das immer vor der Show z.B. beim Linecheck gemerkt. Es kann schon passieren, dass ein Kabel falsch gesteckt ist. Aber, während der Show ist zum Glück noch nie etwas so richtig schief gegangen.

DF: Was wäre der Super-GAU?

JD: Wenn das Bassdrumfell reißen würde. Alles andere bekommst du schnell in den Griff, aber, wie willst du die Bassdrum beim Spielen tauschen? Fußmaschinen haben wir mehrere da, das ist kein Thema. Deswegen schaue ich mir das Fell auch schon genauer an vor der Show. Ich muss aber auch sagen, wenn ein Bassdrumfell reißt, dann wird es sicherlich nicht gerade frisch aufgezogen gewesen sein. Wir haben mit Remo jedenfalls in dieser Hinsicht sehr gute Erfahrungen gemacht, da ist noch nie etwas während der Show kaputt gegangen.

DF: Dein Kommentar zum Wahan-Set und was hat es mit dem Kompass sowie dem Thermometer auf sich?

JD: Die kurzen Toms über der 26er Bassdrum haben sehr gut funktioniert, die kann ich nur empfehlen. Überhaupt, es ist ein tolles Set. Es sieht nicht nur gut aus, sondern klingt auch dementsprechend.
Ja, der Kompass dient zur Orientierung, damit wir wissen, wo wir sind (grins). Im Ernst, es ist schon wichtig, dass ich weiß, ob das Set irgendwann von der Sonne erwärmt wird oder nicht. Dazu passt dann auch das Thermometer am Rack, wenn die Trommeln zu warm werden sollten, decke ich sie ab. Für die Percussion und die Elektronik ist das noch wichtiger. Außerdem ist das Thermometer eine Argumentationshilfe, um dem schwitzenden Künstler davon zu überzeugen, dass es z.B. bei zehn Grad keine gute Idee ist, nur mit einem T-Shirt bekleidet zu spielen. Die beiden Teile erfreuen sich übrigens bei der Crew einer wachsenden Beliebtheit, so mancher Kollege holt sich die Daten entweder von mir ab oder schaut direkt auf sie.

DF: Ihr arbeitet hier im Team ja schon zum Teil jahrelang zusammen. Haben sich da Freundschaften entwickelt?

JD: Klar, ich spreche manchmal sogar von meiner Ersatzfamilie. Wir verbringen ja viel Zeit miteinander und es ist toll, wenn man sich statt gegenseitig die Arbeit schwer zu machen sich unterstützt und kein Gewerk dem anderen in die Quere kommt. Das klappt natürlich nicht immer und mit jedem, aber, im Großen und Ganzen ist es ein tolles Team.
Auch außerhalb der Tour bleibt der Kontakt erhalten. Wenn ich z.B. mit einer anderen Produktion unterwegs bin, dann kann schon mal jemand von dieser Crew dann beim Konzert vorbeischauen.



DF: Was macht für dich einen guten Schlagzeuger aus?

JD: Das hängt sehr von der gespielten Musik ab. Er muss in der Lage sein die Musik richtig zu interpretieren. Das klingt natürlich vage, ist aber so. An einem Metall-Drummer werden andere Ansprüche gestellt als an einen, der in einer Pop- oder Jazzband spielt. Grundsätzlich sollte er immer songdienlich spielen. Das kann eben unter Umständen nach dem Motto "Weniger ist mehr" abgehen.

DF: Ein ganz anderes Thema: Was bedeutet das Internet für dich?

JD: Kommunikationsplattform Nummer Eins: Wenn ich heute eine Information brauche, gehe ich online. Hier auf der Tour haben wir Hotspots, sodass ich an meinem Arbeitsplatz unter der Bühne ins Internet kann. Ich muss aber gestehen, dass ich mir das Drummerforum noch nicht so intensiv angeschaut habe.

DF: Wie siehst du die Zukunft der Musikindustrie?

JD: Das ist ja schon gut zu sehen, die Downloads werden immer mehr. Da ja immer weniger Tonträger umgesetzt werden, gehen immer mehr Künstler auf Tour. Das kommt uns Backlinern natürlich zu Gute. Das Livegeschäft boomt.

DF: Dein Tipp für junge Drummer?

JD: Üben, üben, üben (lacht). Im Ernst, das Hören ist sehr wichtig. Nicht nur nachbeten, was irgendwelche Supertrommler so machen, sondern einfach mal den Altmeistern der Trommelgeschichte lauschen. Dazu gehören eben Drummer, die grooven und einfach geradeaus spielen. Ich finde es immer schade, wenn junge Schlagzeuger sich zum Beispiel nur an Dave Weckl orientieren. Schneller, Höher, Weiter ist eben nicht immer angesagt. Als guter Trommler musst du nicht der größte Künstler sein. Das Gefühl für Musik ist entscheidend.
Du musst auch nicht immer alles so machen, wie alle anderen es machen. Die Beine des Racks z.B. stehen ja nach außen. Das sieht erst Mal merkwürdig aus. Wir haben aber festgestellt, dass das Rack so stabiler steht. Darum ruhig mal etwas unkonventionelles ausprobieren. Wenn es nicht hinhaut, kannst du es immer noch verwerfen.


Weitere Infos: http://www.clonetone.de