Irgendwann war es dann mal soweit das ich mich für eine Vollholz - Cajon interessierte, wie kann es auch anders sein.......

So telefonierte ich dann mit Tres Lados. Paco de Lucia hatte ja schon eine Vollholz - Cajon gekauft. Ein ehemaliger Percussionist und Tänzer bei Paco war ein paar mal in Bremen zu Gast. Der Gitarrist unserer Band hatte Flamenco Workshops organisiert und Joaquin Grilo dafür angeheuert. Wenn man diesen Meistern einmal zuschaut, dann wird klar das diese Jungs in einer Liga für sich spielen, um das mal so auszudrücken......... Und wenn ein Paco de Lucia von einer Tres Lados Vollholz Cajon schwärmt, dann fragt man sich halt warum er das tut.........
Also erzählte mir Tres Lados das so eine Cajon schon nochmal ein gutes Stück anders klingt. Fantastisch saubere und andere Resonanz und noch feinere Ansprache sollen diese Modelle von den "normalen" Cajons unterscheiden. Ehrlich gesagt konnte ich das nicht so recht glauben, ich war skeptisch. Denn schliesslich, was sollte meine bereits vorhandenen Cajons noch übertreffen ? Was sollte da noch drüber gehen ? Konnte eigentlich kaum sein....... dachte ich .....
Naja, dem wollte ich natürlich gerne auf den Grund gehen. Dauerte nicht lange und ich saß auf einer Tres Lados Zebrano TRC 50 Vollholz Cajon. In dem Moment war ich mir sicher das ich auch eine Vollzholz Kiste haben wollte. Warum, das erzähle ich euch im folgenden Test einer Tres Lados TRC 50 Vollholz Cajon aus Riegelahorn (curly maple).
In vorherigen Tests erwähnte ich bereits die sehr gute Verarbeitung der Cajons, perfekt, das sucht seinesgleichen. Die Optik der Kiste ist fulminant, hammergeil kommt sie in hochglanz daher. Was ich noch nicht erwähnt hatte in vorherigen Tests, das ist das vom feinsten abgerundete obere Ende der Schlagplatte und des Korpus. Im Prinzip ist das eine großzügig abgerundete Kante, wo Schlagplatte und Korpus zusammen eine Rundung ergeben. Das ist Gold wert, das habe ich bei anderen Marken so noch nicht gesehen. Das schont die Hände ungemein. Ich kenne das von anderen Cajons her, nach gewisser Zeit der härteren Spielweise denkt man sich: " Die verdammte Kante ". OK, das geht dann trotzdem, aber das kann dann schon unangenehm sein und dem freien Feel beim spielen hinderlich sein. Bei den Tres Lados Geräten merke ich eigentlich gar nicht das da eine Kante ist, d.h. selbst nach 4 Stunden spielen merke ich in der Hand keinerlei Schmerz oder Druck an der Stelle wo die Hand auf die Kante, oder besser gesagt auf die Rundung schlägt. Allein dieses Feature reicht benahe aus um sich für eine Tres Lados zu entscheiden. Wenn man gegen eine Horde entfesselter Musiker anknüppeln muss, dann ist das eine richtige Erleichterung..... ächz..... Die Kiste fühlt sich fantastisch geschmeidig an.
Nun zum Sound des "5 Sterne Kaninchen-Hotels". Hammergeil....... super sensitive Ansprache, weich, rund, exakt definierter Ton. Die Schnarrsaiten sprechen leicht an, feinste Tips mit Snare-Effekt sind super zu spielen. Weiche Höhen, nicht aggressiv. Der Bass ist fett und rund mit Ton.
Ich neige dazu meine Cajon zu dämpfen, weil der Sound dadurch knackiger wird und sich klarer abzeichnet. Das kann leicht auf Kosten der sensiblen Ansprache der Schnarrsaiten gehen. Die TRC 50 Vollholz cajon hat da überhaupt kein Problem mit, leichte "Tips" kommen trotzdem feinzeichnend durch. Man könnte nun meinen, wenn man nicht dämpft, das dann alles unkontrolliert schnarrt. Genau das ist nicht der Fall, der Snare Effekt ist ungedämpft tadelos, absolut frei von irgendwelchen unkontrollierten Tönen des Schnarrsaiten. Die Saiten liegen absolut perfekt und gleichmässig an der Schlagplatte an. Ich kenne das von anderen Fabrikaten, eine Saite hat genau die richtige Spannung, während eine andere Saite die über die gleiche Stellschraube läuft, irgendeinen Brei erzeugt. Nicht so bei dem Tres Lados Gerät. Mit der Tres Lados sind zig verschiedene Stimmungen möglich die dann auch noch perfekt klingen. Im Livebetrieb habe ich ein Mikrofon in der Cajon, da darf es innerhalb der Kiste keinen Klangbrei geben. Die TRC 50 erfüllt das spitzenmässig. Der Bass ist satt, spricht leicht an und ist spieltechnisch easy umzusetzen, im Eifer der Virtuosität kann das durchaus von Vorteil sein. Trifft man den Bass mal nicht richtig so kommt immer noch ein brauchbarer Ton

Das Teil riecht nach einem Meisterstück, Handarbeit auf höchstem Niveau.
Die Cajon hat zwei Spielflächen, obwohl selbst die Vollholz - Seitenwände ihren Reiz haben. Die Rückseite ist im "cuban - style" gehalten, also ohne Snare Effekt. Conga ähnliche Sounds die eher im high pitched Bereich liegen. Schärfere Slaps spielen sich sich wie Butter, für eine Spielfläche mit den Maßen erstaunt mich das. Der Vollholzkorpus trägt auch hier wieder für eine feine angenehme Resonanz bei.
"Ja verdammt" was ist den nun der klangliche Unterschied zwischen Sperholz/Schichtholz und Vollholz Cajon ?"....... werden einige jetzt fragen. Das ist gar nicht so leicht in Worte zu fassen für mich. Cajonisten mit dem Sinn für die "Seele im Sound" haben garantiert ihren Spass mit so einer Vollholz Kiste. Warum soll das gute Holz für eine Gitarre wichtig sein und für eine Cajon nicht? Wer will denn eine Sperholzgitarre spielen? OK, vielleicht kann man das nicht zu 100% vergleichen, aber an dem Gedanke ist was dran, es macht sich eben auch bei der Cajon bemerkbar. Ich hab hier einen Küchentisch aus einem schwedischen Möbelhaus und ich hab hier einen antiken verzierten Louis Philipe Vollholz Tisch aus einem französischen Schloss. Ja nee...is´n Erbstück, würde ich mir sonst kaum leisten...... Hau mal auf den einen Tisch und dann auf den anderen. Der Küchentisch kommt eher leblos rüber, der Vollholz Tisch hingegen klingt nach irgendwas, als ob er irgendwas zu erzählen hätte. Das ist eben natürlich gewachsenes Holz und kein querbeet zusammen geleimtes Stück Holz. Die Holzstruktur macht´s. Platt gesagt, es klingt halt irgendwie schöner, ausgewogener, feinere Resonanz und individueller.
Das Gerät schlägt mit 600 Euro eine Kerbe ins Portemonnaie. Ist es das Wert ? Da kommt niemand drum hin das für sich selbst zu entscheiden. Cajonisten mit Draht zum Exklusiven wird das sicherlich gefallen. Für Suchende nach dem perfekten Sound ist das sicher auch eine Überlegung wert.
Meine Tres lados Tineo hat in der Einspielphase einiges an Klang und Ansprache gewonnen, ich mag gar nicht dran denken wie das Vollholz Gerät nach dem Einspielen tönt..... wenn ich die Schlagfläche weich geklopft habe.....
Raum für negative Kritik lässt die TRC 50 nicht. Nun gut, der Preis ist nicht ohne, so ist das eben mit erstklassigen Instrumenten. Man bekommt aber von solchen Instrumenten auch was zurück, so geht es mir zumindest.....