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Sonntag, 26. Oktober 2008, 22:44

Florian Alexandru-Zorn - Mr. Brush - Familie und Beruf nicht getrennt voneinander -

Trommeln als Mittelpunkt des Lebens
Florian Alexandru-Zorn, hier als Mr. Brush unterwegs, ist ein interessanter Schlagzeuger und Perkussionist. Sein Ding ist der Jazz und die Weltmusik. Sein Nickname ist Programm, denn besonders das Besenspiel hat es ihm angetan.
Sein kleines, aber feines Set ist außergewöhnlich. Dank dem Hersteller des Sets konnte ich Florian besuchen und einen sehr kurzweiligen Abend mit ihm verbringen. Danke für diese interessanten Stunden.




DF: Seit wann spielst du Schlagzeug und warum ausgerechnet dieses
Instrument?

FAZ:
Schlagzeug spiele ich, seitdem ich acht bin. Auslöser war eine Anzeige
im Wochenblatt, dass der örtliche Spielmannszug einen Schlagzeuger
sucht. So wurde ich dann kurzerhand von meinen Eltern angemeldet. Das
habe ich ein Jahr lang gemacht und dann gemerkt, dass diese Musik
nichts für mich ist. Daraufhin bin ich dann u.a. zu Tom Hapke
gekommen. Seit dieser Zeit habe ich das Schlagzeug spielen sehr
intensiv betrieben.

DF: Seit wann darfst bzw. musst du davon leben?

FAZ:
Ich wollte schon immer davon leben. Ich hatte schon seitdem ich elf
war, den festen Wunsch Profidrummer zu werden. Es ging dann relativ
schnell, mit 15, 16 unterrichtete ich schon an Musikschulen. Ich baute
mir einen Stamm an Schülern auf, mit 18 hatte ich so um die 25. Ich
spielte außerdem in den unterschiedlichsten Bands. Das waren zum Einen
Coverbands, aber eben auch zum Anderen Alternative- oder Metalbands
bis hin zum Jazz.

DF: Du studierst an der Musikhochschule in Mannheim?

FAZ:
Ja, ich bin der Region treu geblieben, gebürtig stamme ich aus
Grünstadt. Ich bin hier auch aufgewachsen.

DF: Das hört man aber nicht (Lachen von ipo).

FAZ:
Jaaa, ich bin hochdeutsch erzogen worden.
Ich bin jetzt im dritten Semester, bin also noch nicht so lange
Student. Mit 18 hatte ich eher die Vorstellung nach Amerika zu gehen.
Jedoch lernte ich dann meine Frau kennen und so bin ich heute Stolzer
Vater von zwei Söhnen. Nun war Amerika natürlich abgehakt.
Ich machte mich schlau, was hier in Deutschland so verlangt wird. Ich
konzentrierte mich eher auf den Bereich Jazz und da bin ich in
Mannheim gut aufgehoben.

DF: Was bedeutet das Schlagzeug für dich?

FAZ:
Ich habe mich sehr viel mit afrikanischer Musik beschäftigt, d.h. vor
allem mit Percussion und Trommel. In Afrika ist die Trommel auch
historisch gesehen ein Lebensmittelpunkt. Für mich heißt das Spielen,
dass ich eben nicht nur den Beat liefere, sondern mich auch durch mein
Instrument ausdrücke. Es ist in meinem Leben ein absoluter Mittelpunkt.



DF: Was macht für dich einen guten Drummer in einer Band aus?

FAZ:
Das ist sehr unterschiedlich, es kommt eben auf die Band an. Er muss
songdienlich spielen, wie es so schön heißt. Ein guter Drummer sollte
wissen, in welchem Metier er sich bewegt.
Meine Musik liegt eher im Jazz bzw. Weltmusikbereich. Da geht es eher
darum, die Musik als Kunstform zu begreifen. Es geht um die
künstlerische Aussage. Ich spiele nicht nur stur vom Blatt, sondern
versuche das Stück zu interpretieren und mit meinen Mitmusikern zu
interagieren.

DF: Sollte ein Drummer einen ausgleichenden Charakter haben?

FAZ:
Musikalisch gesehen kann ich natürlich auch ausgleichen, aber eben
auch den Fokus auf mich ziehen. Das funktioniert aber nicht mit jedem
Musiker. Abseits der Bühne ist ein ausgleichender Charakter aber auch
förderlich, besonders, wenn da so ein paar Hibbelköppe unterwegs sind.
Sozusagen als Ruhepol auch mal das eigene Ego runterfahren.

DF: Wie ist für dich das Verhältnis Technik/Gefühl?

FAZ:
Es ist klar, dass ein guter Drummer eine technische Grundlage braucht.
Die braucht man aber nicht, um eine musikalische Aussage zu treffen.
Die Technik sollte nicht in den Vordergrund gestellt werden. Es gibt
viele Drummer, die über wenig Technik verfügen, aber trotzdem gut
spielen können. Die Phase in der Entwicklung eines Drummers, in der er
versucht, möglichst der Band zu zeigen, was er kann beziehungsweise
gerade gelernt hat, ist wichtig. Nach den ersten Aufnahmen und der
Erkenntnis, dass zu viel gespielt wurde, ist wieder Bodenhaftung
angesagt.
Allerdings muss der Drummer selbstkritisch genug sein, zu erkennen,
dass das Gefrickel vielleicht nicht zum Song passt. Dann kann es
passieren, dass das Set schrumpft, die zweite Snare fällt weg, das
eine oder andere Becken muss nicht wirklich sein und so weiter. Es ist
eine Frage der Erfahrung.



DF: Was bedeutet das Internet für dich?

FAZ:
Es ist natürlich schön, dass man durch das Internet Zugriff auf viele
schöne Songs hat. Das Schlimme daran ist aber, dass der Wert der
einzelnen Songs geringer wird. Die Musik wird nicht mehr so geschätzt.
So ist es keine Wunder, dass viele Bands wieder Live spielen müssen,
damit das Geld reinkommt.
Es ist toll, wenn ich ein Lied für eine Probe vorbereiten muss und
finde es sofort bei den diversen Portalen. Zum Beispiel bei meinen
Schülern sehe ich jedoch, dass sie ganz stolz erzählen, sie hätten
10.000 MP3s. Wenn man dann aber nachfragt, gestehen sie, dass sie
davon vielleicht nur 100 gehört haben. Das kann es einfach nicht sein.
Ich finde z.B. den iTunes-Store eine faire Sache, du bekommst
einzelne Songs für einen guten Preis. Das Wichtige ist, dass es eben
nicht umsonst ist. Das ist für mich der richtige Weg.
Ich nutze die verschiedenen Plattformen um Videos und MP3 zu finden.
Wichtiger sind aber die Informationen, die ich bekommen kann. So kann
ich herausfinden, wie beispielsweise ein Pandeiro oder eine Cajon
gespielt werden kann.
Das Drummerforum ist eine Supersache. Auf jede Frage kriege ich sofort
eine Antwort.

DF: Was ist zurzeit dein Fokus?

FAZ:
Ich konzentriere mich seit fünf Jahren auf das Besenspiel, daher auch
mein Nickname im DF. Der Auslöser war eine Zusammenarbeit mit einem
polnischen Gitarristen. Das war ein Weltmusik-Projekt. Mit mir waren
es vier Musiker, Gitarre, Querflöte und Oud, eine elfsaitige Laute. Da
waren Besen angesagt. Ich konnte zwar etwas spielen, aber, richtig
zufrieden war ich nicht.
Ich habe dann gemerkt, dass mir die angebotenen Bücher nicht
ausreichten. Es gab auch nur eine DVD zu diesem Thema. Die Übungen
waren alle toll. Aber, ich merkte an verschiedenen Stellen, dass sie
erweitert werden könnten. Irgendwann hatte ich einen Stapel mit
eigenen Übungen und dann war es an der Zeit, diese in einem Buch zu
veröffentlichen.
Mein Ansatz ist, dass du alles nicht als fertige Pattern lernst,
sondern jeden Notenwert mit den verschiedenen Wisch-Techniken zu
spielen. Es ist ein Baukasten, diese Note spiele ich mit der einen
Technik, eine andere mit einer anderen Technik.
Wenn ich so zurückgucke, war eine entscheidene Entwicklung, dass ich
mich vom Rock, Metal und ähnliches dem Jazz und der Weltmusik
zugewandt habe. Es war jedoch gut und wichtig in den eher populären
Musikgattungen meine Erfahrungen zu machen. Außerdem sehe ich als
weiteres Plus meine Erfahrungen mit Percussion an. Ich muss nicht
immer am Drumset sitzen, sondern kann auch z.B. mit einer Cajon den
passenden musikalischen Beitrag leisten.



DF: Was sind die Vorteile beziehungsweise Nachteile deines Lebens als
Drummer?

FAZ:
Meine beiden Söhne und meine Frau sind total begeistert von den
Trommeln und der Musik . Sie fahren bei jeder sich bietenden
Gelegenheit mit auf Konzerte, wenn das möglich ist. So lässt sich der
Beruf mit der Familie vereinbaren. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich
hier bei mir zu Hause unterrichten und üben kann. Ich bin somit
flexibel und kann mir die Zeit frei einteilen. Das geht im normalen
Berufsleben nicht.
Der Nachteil ist, wenn einem etwas passiert, z. B. der Bruch des
Fußgelenkes, dann fällt man aus, hat Pause und kann in dieser Zeit
nicht spielen, ja, kein Geld verdienen. Da muss man irgendwo seine
finanziellen Rücklagen haben, um solche Situationen überstehen zu
können und ein Haus halten zu können.

DF: Dein Tipp für junge Schlagzeuger bzw. das DF?

FAZ:
Wenn ihr Fragen habt, dann stellt sie ohne Scheu. Wenn auch mal böse
Antworten kommen.
Einen jungen Schlagzeuger rate ich zu einem guten Lehrer, viel
Motivation, auch in schwierigen Situationen dranbleiben. Außerdem, ist
es wichtig, dass der Enthusiasmus stimmt und erhalten bleibt. Dann
kann auch etwas aus dem Trommeln werden.

Weitere Infos: http://www.besenspiel.de