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Donnerstag, 28. August 2014, 16:25

Anika Nilles - Leidenschaft und Disziplin

Das Schlagzeug ist ein Teil von mir
In letzter Zeit fand Anika Nilles zu Recht immer mehr Beachtung nicht nur in der Schlagzeugszene. Dank der Vermittlung von fw drums konnten in angenehmer Atmosphäre der Wahl-Mannheimerin die üblichen und andere Fragen gestellt werden.
Vielen Dank an Anika für das kurzweilige und interessante Interview sowie für die Fotos.




DF: Du sagst in einem Interview, dass du durch deinen Vater,
der ja auch Schlagzeuger ist, zum Trommeln gekommen bist, weil
bei Euch im Keller ein Set stand. Bekamst du ein eigenes Set, dass
deiner Größe angepasst war?

AN: Es dauerte einige Jahre, bis ich mein eigenes Drumset bekam
und bis es soweit war, habe ich am Set meines Vaters gespielt.
Das ganze Getrommel ging los, als ich sechs Jahre alt war und mich
meine Eltern an einer Musikschule angemeldet haben.
Der Unterricht dort konzentrierte sich mehr auf die Snare.
Zuhause spielte ich aber dann viel lieber Grooves und Fills, die mir mein
Vater gezeigt hat. Ich versuchte dann Musik zu hören und dazu zu spielen
und habe mir auf diese Weise viel selbst beigebracht.
DF: Warum gerade dieses Instrument, was bedeutet es für
dich?
AN:
Ja, warum eigentlich? So genau kann ich das gar nicht
sagen... sagen wir, es ist so passiert!
Es zeigte sich ja doch recht früh ehe gewisse Leidenschaft zu diesem
Instrument und mit den Jahren ist es immer mehr ein Teil von mir
geworden. So ist mir auch klar geworden, dass ich einfach nur Musik machen und
Schlagzeug spielen will. Mittlerweile kann ich mir mein Leben auch überhaupt nicht mehr ohne
diesen Teil vorstellen, denn das ist das, was mich erfüllt.
DF: Welche Rolle spielten und spielen deine Vorbilder wie Jeff
Porcaro oder Chris Coleman bei deiner Entwicklung als
Schlagzeugerin? Wie wichtig sind Vorbilder an sich?

AN: Das ist ein gute Frage. Ein Teil meiner Aufmerksamkeit
fällt schon auf meine Vorbilder, wenn ich das so nennen kann.
Die Grooves von Jeff Porcaro, die ja eher zu hören als zu sehen sind,
dienen mir immer noch als Playathrough.
Es macht mir einfach sehr viel Spaß ihm zuzuhören oder mit zu spielen
und ich genieße das total.
Bei Chris Coleman hingegen konzentriere ich mich mehr auf seine Videos
und weniger auf die Bands, in denen er spielt. Seine Soli inspirieren mich.
Ob das jetzt aber Vorbilder für mich sind ist eine schwierige Frage.
Ich würde es mehr als Inspirationsquellen bezeichnen.
Als tatsächliches Vorbild sehe ich da eher meine Lehrer und vor Allem
Claus Hessler. Von ihm habe ich wirklich viel gelernt.
Besonders was den technischen Aspekt meiner Spielweise angeht, war
und ist er immer noch ein großes Vorbild für mich.
Ich persönlich finde Vorbilder schon wichtig, aber mir ging es dabei immer
mehr um Inspiration als um Imitation.



DF: Ist es sinnvoll, einen Beruf zu erlernen, damit notfalls die
Brötchen nicht durchs Trommeln verdient werden können? Du bist
ja laut einem Interview seit dem Beginn deines Studiums zum
Glück in der Lage, vom Trommeln leben zu können.

AN:
Glücklicherweise konnte ich seit dem Entschluss das Trommeln zum Beruf
zu machen, recht schnell davon leben, ja.
Das heißt aber nicht, das mir die Jobs zufliegen.
Ich arbeite genauso hart wie alle Anderen in diesem Job auch, dennoch
muss ich sagen gehört nicht nur Fleiß und Disziplin, sondern auch ein
wenig Glück und gute Kontakte dazu.
Wenn man sich dafür entscheidet mit dem Trommeln seinen
Lebensunterhalt bestreiten zu wollen, sollte man auf jeden Fall für sich
klarmachen mit was genau man sein Geld verdienen will.
Ich meine damit zum Beispiel Ziele festlegen, auf die man hinarbeiten
kann, wissen, was man genau machen will und vor Allem Prioritäten
setzen, was bei mir eine große Rolle gespielt hat.
Im Endeffekt ist es wie bei jedem selbstständigen Unternehmer - man
muss immer wieder hinter neuen Jobs her sein und schauen, dass sich
genügend ergeben.
Einen Job im Voraus zu erlernen ist als eine Art Sicherheit sicherlich nicht
falsch. Bei mir war es schließlich auch so, auch wenn der Gedanke dazu weniger
von mir als aus der Familie kam.
Jemandem jedoch aus Prinzip zu einem anderen Beruf zu raten, dessen
Leidenschaft das trommeln ist, würde ich nicht machen.
Ich würde sagen, „stecke deine ganze Kraft, Energie und Leidenschaft in
das, was du wirklich zu 100 Prozent aus Überzeugung machen möchtest.
Das mach dann richtig!“
DF: Was sind die Vorteile und die Nachteile des "Jobs"?
AN: Naja, der größte Vorteil für mich ist, dass es sich nicht wie ein
Job anfühlt. Ich habe morgens nicht das Gefühl, ich muss jetzt acht Stunden für
jemand anderen arbeiten. Meine Motivation ist eine ganz andere.
Manchmal „arbeite“ ich tagelang durch und es macht mir überhaupt nichts
aus; ganz im Gegenteil, ich genieße das sehr, da ich ja zuvor ein normales
Arbeitsverhältnis hatte und ich dadurch meine jetzige Arbeit umso mehr
zu schätzen weiß.
Ein Nachteil allerdings, ist vielleicht die unsichere finanzielle Situation.
Die lässt sich als selbstständiger Musiker nur schwer über einen längeren
Zeitraum planen.
Zu Unterrichten, war für mich aus diesem Grund eine super Option,
obwohl selbst das nicht langfristig über die nächsten Jahre planbar ist, da
geht es eher um die nächsten Monate.
Es gilt den Kalender immer wieder auf’s Neue zu füllen und das ist, wie
schon gesagt, ähnlich wie bei jedem anderen selbstständigen Unternehmer
und ist nicht nur bei uns Musikern so.



DF: Neben Leidenschaft gehört dann aber auch die Disziplin
dazu, sich durchs Üben das notwendige Handwerkszeug drauf zu
schaffen?

AN: Gewisse technische Grundlagen und das „Know How“ am Set
sind natürlich das A und O und Üben gehört einfach dazu, denn von Nichts
kommt Nichts.
Es sollte einem schon Spaß machen, stundenlang im Proberaum zu sitzen.
Ich mache das immer noch gerne und nehme mir auch die Zeit dafür,
denn ich will immer weiter kommen und nicht auf einem Level
stehenbleiben.
Da steckt viel Disziplin, Zeit, Ordnung und Struktur dahinter und das
entwickelt sich mit der Zeit zu einer gewissen Übe-Routine.
DF: Wie siehst du die Funktion / Rolle des Drummers innerhalb
einer Band / eines Projektes und was macht einen guten Drummer
aus?

AN: Also als Drummer in einer Band sollte man auf jeden Fall
songdienliches Spielen. Zudem ist es wichtig ein Gefühl dafür zu haben,
wo Akzente gesetzt werden müssen oder auch mal nichts gespielt werden
sollte.
Als Schlagzeuger kannst du einen Song lenken, zum Beispiel das Feeling
bestimmen und musikalisch wichtige Entscheidungen für einen Song oder
die ganze Band treffen.
Das läuft oft auch unterbewusst und komplett nonverbal.
Wenn man als Drummer für einen Job gebucht ist und nicht ausschließlich
in eigenen Projekten trommelt, gibt es manchmal auch Vorgaben des
Songwriters, die man dann unbedingt beachten sollte, denn man ist in so
einem Fall schließlich auch eine Art Dienstleister.
Wenn man aber an einem Song selbst kreativ beteiligt ist und sozusagen
freie Hand hat, dann zählt deine Musikalität und Kreativität. Das ist
wunderbar!
DF: Wie wichtig ist die zwischenmenschliche Kommunikation
und sollte ein Schlagzeuger einen ausgleichenden Charakter
haben?

AN: Die zwischenmenschliche Kommunikation ist extrem wichtig
und soziale Kompetenzen spielen eine große Rolle.
In Bandcoachings sehe ich immer wieder Negativbeispiele in Sachen
Bandkommunikation. Teamfähigkeit und ein respektvoller Umgang miteinander ist für mich
genau so wichtig wie kritikfähig zu sein, also nicht alles persönlich zu
nehmen, sondern die Kritik auf die Sache und den Song bezogen zu
sehen.
Was auch noch wichtig ist, ist Zuverlässigkeit und Verantwortung für die
Band oder das Projekt zu übernehmen. Das gehört alles dazu und spielt eine große Rolle ob es in einer Band gut
läuft oder nicht.
DF: Gerade als quasi Selbstständiger spielt ja auch die
Selbstvermarktung wie zum Beispiel auch durch Interviews eine
große Rolle?

AN: Die Selbstvermarktung ist ein wichtiger Punkt, wo wir wieder
beim Thema selbständiger Unternehmer wären.
Es gibt schließlich genügend Drummer da draußen und es wird auch
immer welche geben, die viel besser trommeln als man selbst.
Dennoch will man ja Jobs spielen - und die gibt es auch.
Allerdings müssen Agenturen oder Künstler, die dich eventuell engagieren
wollen, erst einmal von dir erfahren.
Da bietet sich natürlich das Medium Internet super an.
All diese Portale wie Youtube, Facebook, Twitter und Co lassen sich super
als Ort der Selbstvermarktung nutzen und die Wege werden durch das
Internet einfach verkürzt.
Alles geht viel schneller, zum Beispiel muss ich kein Promomaterial mit
der Post verschicken, sondern kann alle Infos online stellen, die andere zu
meiner Person wissen sollten.
Das geht natürlich auch anders herum - ich kann viele Infos einsehen, die
ich brauche.
Auch viele Kontakte verlaufen durch das Vernetzen und das ist doch
genial!
DF: Wie siehst du die Zukunft der Musikindustrie und was
bedeutet dabei das Medium Internet?

AN: Ich denke, das Internet wird auch zukünftig eine große Rolle in
der Musikindustrie spielen, schließlich muss alles schnell und
unkompliziert erreichbar sein und vonstatten gehen.
Die Kinder und Jugendlich wachsen ja quasi in einer digitalen Welt auf und
erleben es als Selbstverständlichkeit, das Haus nicht mehr verlassen zu
müssen um an Musik zu kommen, denn alle Informationen und Produkte
sind im Internet zu finden.
Die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahren bereits gewandelt und
sich deutlich mehr auf den digitalen Markt eingestellt, der mit Sicherheit
auch zukünftig stetig wachsen wird.
Ich bin mit meiner EP ja auch schon mittendrin, diese ist schließlich auch
nur online als Mp3 Format erhältlich.
Musik so zu vertreiben ist für den Künstler einfach viel kostengünstiger.
Generell finde ich es aber wichtig die vielfältigen Informationen, die das
Internet bietet, zu filtern.
Manchmal ist es schwierig zu erkennen, welche Qualität die Information
hat, also was hochwertig und seriös und was nur Halbwissen ist.
Es gibt ja mittlerweile für alles rund ums Drumset Anleitungsvideos, was
für mich aber auf keinen Fall das „learning by doing“
oder einen guten Unterricht ersetzt.
Die Praxis und das Ausprobieren zum Beispiel bei der Fellauswahl und
dem Tuning, kann ja auch Spaß machen. Und dabei lernt man was über
seine Tuning-Vorlieben etc.
DF: Wie wichtig sind Netzwerke und Kontakte für die Arbeit?
Wie konntest du sie knüpfen?

AN: Das hat sich tatsächlich schrittweise entwickelt.
Sehr hilfreich auf dem Weg war das Studium an der Popakademie in
Mannheim. Dort lernte ich zunächst viele Leute aus den Musikbusiness kennen und
durch verschiedene Jobs mit anderen Musikern kamen wieder neue Leute
dazu - und so weiter.
Es ist irgendwie ein Selbstläufer, denn die Kontaktbörse wird am Laufen
gehalten.



DF: Welche Erfahrungen konntest du durch die Popakademie
Mannheim machen?

AN: Das Netzwerk ist wie gesagt sehr gut gestrickt.
Neben Musikern bekommt man Kontakte zu Bookern, Managern,
Onlinespezialisten, Produzenten, usw.
Wichtig sind auch die Promoter, die dafür sorgen, dass deine
Konzerttermine auch lokal Beachtung finden.
Bei den Jobs lief es aber so, dass sich durch den einen Job der nächste
ergab.
Man lernt sich durch gemeinsame Konzerte kennen, empfiehlt sich weiter
und wird selbst weiter empfohlen.
DF: Den Tipp für das DF bzw. junge Schlagzeuger?
AN: Das, was ich auch meinen Schülern sage: Hört viel Musik,
spielt viel zu Musik und versucht das Feeling für einen Song zu
bekommen. Weniger denken, mehr spielen. Es geht darum, einen eigenen Charakter
am Set zu entwickeln.
DF: Wo und wann bist du demnächst auf der Bühne zu erleben?
AN:
Folgende Termine stehen schon fest:

Drumclinics
09.09.14 Toulon / Steelmusic (F) sponsored by Meinl Cymbals
10.09.14 Montepellier / La Boite Aux Rythmes (F) sponsored by Meinl Cymbals
11.09.14 Toulouse / La Baguetterie (F) sponsored by Meinl Cymbals
18.09.14 Frankfurt a. M. / Session Music (D)
20.09.14 Dresden / Dresdner Drumfestival (D) sponsored by Meinl Distribution
27.09.14 Karlsruhe / Musikhaus Schlaile (D) sponsored by Meinl Distribution
22.09.14 onlinelessons.tv /online Drumlessons
22.10.14 Ravensburg / Musikhaus Lange (D) sponsored by Meinl Distribution
18.10.14 Koblenz / Drums Only (D) - sponsored by Mapex Drums
30.10.14 Gießen / Musikhaus Schönau Drumnight sponsored by Mapex Drums
08.11.14 Weiler / Little Big Beat Studios (AUT)
09.11.14 Weiler / Little Big Beat Studios (AUT)
22.11.14 Bremen / Trommelwerk (D)
23.11.14 Bremen / Trommelwerk (D)

Außerdem planen wir ja am 15. November einen Workshop fürs
Drummerforum im Rahemn des Mittelhessenstammtisches in Friedberg.

DF: Eine Frage ist mir noch eingefallen, möchtest du etwas zum
Thema Dominanz der Männer im Musikbusiness und deinen
eventuellen Status als Exotin als Schlagzeugerin sagen?
AN:
Nun, ja ich bin als Drummerin schon eine unter Wenigen, das
ist eine Sache die so ist wie sie nun mal ist.
Vielleicht ändert sich das ja in den nächsten Jahren noch.
Aber ich bin damit ja quasi aufgewachsen und es fühlt sich für mich
normal an.
In der Regel habe ich da keine Probleme und habe bisher auch keine
großartig schlechten Erfahrungen gemacht.
Klar, der ein oder anderenSpruch kam schon mal, aber I don’t mind! Das
meiste dabei waren Stereotype und Klischees.
Es hat seine Vorteile als Frau in der Branche, aber ebenso seine Nachteile.
Ich kann mit beidem gut Leben.

Weitere Infos: http://www.anikanilles.com
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https://twitter.com/AnikaNilles