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Samstag, 1. November 2014, 06:29

Armin Rühl - Immer auf die Eins nicht nur bei Herbert Grönemeyer

Das dritte Mal
Grönemeyers Groove Maschine ist ja ein alter Bekannter. Dieses Mal trafen wir uns im Drumladen in St. Leon-Rot. Rudi Ille und sein Team stellten dankenswerteweise ein Teil des Ladens zur Verfügung. Mit dabei war auch Willi Wahan (siehe letztes Bild links), er stellte vor über zehn Jahren den Kontakt her. Auch als Fotograpf gab er keine schlechte Figur ab. Danke an alle, die das Interview ermöglichten.



DF: Das letzte Mal unterhielten wir uns 2007, das erste Mal vor über zehn Jahren. Was ist das Wichtigste für dich in der letzten Dekade? Was hat sich geändert?

AR:
Das Gute ist, dass sich im Prinzip beim Grönemeyer in den letzten 30 Jahren nichts geändert hat. Da gibt es eine Kontinuität, das ist mir sehr recht. Vor zehn Jahren haben wir ja „Mensch“ aufgenommen und die riesige Tour dazu gespielt, die einen unglaublichen Zuspruch hatte. Inzwischen haben wir ja zwei weitere Platten, die „Zwölf“ und die „Schiffsverkehr“, gemacht.
Im November kommt ja die neue Platte raus. Sie heißt „Dauernd jetzt“. Ich hoffe mal, dass sie ähnlich erfolgreich wie die „Mensch“ wird, zumindest gibt es jetzt schon Termine für Zusatzkonzerte. Nächstes Jahr im Mai und Juni werden wir dann auf Tournee sein. Was mich immer wieder fasziniert, die Fans haben die neue Platte noch gar nicht gehört, kaufen aber trotzdem die Tickets. Das heißt, wir als Band haben nachhaltig gearbeitet. Die Leute wissen anscheinend, dass sie beim Grönemeyer live etwas für ihre Kohle geboten bekommen, da ist was los.

DF: …und für dich persönlich?

AR:
Für mich persönlich hat sich geändert, dass ich mittlerweile drei Kinder habe. Eines davon ist noch ein Baby und dem ist es egal, ob ich vorher noch ein Gig bis spät in die Nacht hatte, ich muss dann um sechs Uhr aufstehen. Das ist dann eher das Gegenteil von Rock n‘ Roll, haha. Aber, Kinder sind das Schönste, was es gibt! Es ist in diesem Zusammenhang toll, dass mit Grönemeyer die Konstante da ist, denn ich muss ja Geld verdienen, der Nachwuchs braucht ja Essen und Sonstiges.
In den Pausen zwischen den Aufnahmen und Tourneen spiele ich viel in anderen Bands und helfe auch gerne mal aus, wenn ein Kollege einen Doppeltermin hat. Meine Studioarbeit ist in den letzten zehn Jahren aber deutlich weniger geworden. Meistens ist das nur noch für private Leute und Freunde, nichts spektakuläres. Die aktuelle Popmusik wird ja fast nur noch am Computer programmiert.

DF: Homerecording…

AR:
Genau! Heute kann jeder mit ein bisschen Software und Ahnung seine Stücke daheim aufnehmen. Es ist faszinierend, was es mittlerweile an Drumsounds gibt. Früher hast du im Studio dafür drei Tage gebraucht. Dagegen heute lädst du dir den Sound einfach runter.

DF: In eurem Studio hast du noch die analoge Bandmaschine?

AR:
Ja, aber, sie wird leider nur noch selten benutzt. Wir machen auch keine Werbung mehr, eigentlich ist es mittlerweile ein Hobby, Geld ist damit nicht mehr zu verdienen.




DF: Wie waren denn die Aufnahmen mit Grönemeyer?

AR:
Im gesamten April waren wir in Südfrankreich in der Provence in einem wunderschönen Studio. Ein altes Landgut hatte ein französischer Produzent zum Studio umgebaut. So nahmen wir mit einem riesigen analogen Mischpult in vielen guten Räumen auf. Fürs Schlagzeug nutzen wir mehrere Räume: Erstens eine große Scheune, zum Glück war es im April schön warm, im Winter hätte ich da nicht aufnehmen wollen, so ohne Heizung. Durch den Steinboden klang der Raum natürlich besonders. Der Toningenieur war wie ich Bonhamfan und für den fetten Bassdrumsound nutzen wir zwei Stück, die wir hintereinander stellten, also wie ein Woofersytem. Das hat einen riesigen Spaß gemacht, weil das so gedrückt hat. So könnte ich ein paar Platten im Jahr aufnehmen.
Zweitens nutzten wir eine Bibliothek zum Aufnehmen der Drumspuren. Durch die Regale, in deren Fächer nicht immer Bücher standen, klang auch dieser Raum sehr besonders. Lustig war, dass mein Drumtec Jan und ich eine 20er Wahan-Acryl genutzt haben, obwohl die Vorgabe „Vintagesound“ war. Das ist aber auch mehr so eine psychologische Sache. Wir haben darauf aufgepasst, dass die Crew die Trommel nur gehört und nicht gesehen hat, was da eigentlich den Klang erzeugt. Auch die 5,5 Zoll tiefe Snare und die Toms waren aus Acryl. Um sie „Vintage“ klingen zu lassen, haben wir sie abgeklebt bzw. mit einem Handtuch gedämpft. Wie immer bin und war ich sehr, sehr zufrieden mit den Trommeln, die Willy Wahan mir gebaut hat.
Ich bin immer wieder überrascht, wie breit das Spektrum dieser Trommeln ist: Mein Drumtec kann ohne Probleme sie total modern, aber eben auch „Vintage“ klingen lassen. Der Wechsel von einem Klang zum anderen dauerte manchmal nicht mal fünf Minuten. Jan hatte immer sehr schnell die Wünsche vom Toningenieur, dem Produzenten, Herbert und auch von mir umsetzen können.
Wenn ich da an Früher denke, es war eine Materialschlacht und manchmal schraubten wir drei Tage rum, bis endlich das Set so klang, wie wir es haben wollten. Früher brauchte ich schon mal die Auswahl unter sieben verschiedene Bassdrums und zwölf Snares. Heute reichen mir zwei Bassdrums und drei verschiedene Snares für die gesamte Produktion. Es sind eben auch wegen ihrer Vielseitigkeit Klasse-Instrumente.

DF: Mit dem Jan arbeitest du ja schon länger zusammen…

AR:
Ja und mittlerweile legt der Herbert auch sehr großen Wert darauf, dass Jan für mein Set verantwortlich ist. Er baut es mit auf, stimmt es, sucht zusammen mit dem Toningenieur und dem Produzenten den gewünschten Klang. Ich brauche mich also nur auf das reine Spielen zu konzentrieren. Das heißt, ich mache mir keine Gedanken mehr über die Auswahl der Felle, Trommeln und Becken. Ich warte und liege vielleicht lesend auf dem Sofa, bis sie mich rufen, dass ich loslegen kann. Das erleichtert mir die Arbeit natürlich enorm, ja, es ist der reinste Luxus. Aber, klar, es kommt der gesamten Produktion zugute, wenn ich ausgeruht und nur auf das Wesentliche fixiert sein kann.




DF: Wie habt ihr aufgenommen, einzeln oder quasi live zusammen?

AR:
Wir haben zusammen aufgenommen. Früher habe ich meine Spuren eingespielt und konnte dann abhauen. Mittlerweile aber fangen wir meistens so gegen zehn Uhr morgens an. Wir versuchen dann, zumindest einen Song fertig zu bekommen. Dann kann es aber auch schon mal zehn, elf Uhr abends sein. Ja, so zwölf Stunden aufm Hocker zu sitzen, daran musst du dich erst mal gewöhnen. Beim Konzert sind es ja höchstens drei Stunden.
So manches Mal musste ich dann sagen, dass ich eine Pause brauchte, um einfach mal auf zu stehen. Irgendwann ist die Konzentrationsfähigkeit auch weg. Du musst bedenken, dass die Ansagen aus der Regie auch nicht Ohne sind, da muss ich mir merken, dass sie ein Tom an einer bestimmten Stelle haben wollen oder auch mal die Hihat einen halben Millimeter weiter offen und so ein Zeugs. Da ist der Kopf dann irgendwann trotz Spickzettel mal zu. Am Schönsten ist dann aber immer die Anweisung: “Und jetzt mit Feeling!“ Dass die Band vielleicht schon seit zehn Stunden da spielte, war dann nicht so wichtig, haha.

DF: Und dann läuft es mit „Feeling“ und ein andere macht einen Fehler…

AR:
Genau! Wenn wir dann das Set nicht in einem von den restlichen Instrumenten isolierten Raum aufgebaut hatten, es also Übersprechungen gibt, dann war es das. Aber, ehrlich gesagt, deswegen sind wir ja Musiker geworden. Das Gute ist dabei, dass Herbert Grönemeyer noch nie so den großen Boss hat raushängen lassen. Er hat ein sehr gutes Gespür dafür, wie lange er die Band belasten kann. Es kam oft vor, dass wir sagten: “Komm, einen noch“. Er aber meinte, dass es besser wäre, eine Pause zu machen und dann den Take noch mal zu versuchen. Er spürte dann, dass wir zu viel wollten, also übermotiviert waren.
Und das war das Schöne an dem Studio, wir konnten dann zur Entspannung in den Garten. Vorher waren wir ja in London, Berlin oder so und dann noch meistens im Winter. Da bist du nicht freiwillig vor die Tür gegangen. Ja, wir lebten da wirklich wie Gott in Frankreich.
Abgesehen davon, Herbert weiß, wie wir ticken und berücksichtigt das. Er kommt eben vom Theater, Peter Zadek in Bochum zum Beispiel, das merkt man. Früher, wenn wir in Bremen gespielt haben, dann hat sich Herbert öfters mit Otto Rehagel getroffen, als dieser noch Werder trainiert hat. Und die beiden haben sich darüber unterhalten, wie mit einem Team zu umzugehen ist. Es war schon immer sehr angenehm, mit Herbert zu arbeiten.
Ich weiß von Kollegen wie Bertram Engel, dass Lindenberg und Maffay auch wissen, wie sie ihre Band optimal motivieren können. Oder auch der Peter Lübke von Udo Jürgens ist ja schon ewig in der Band. Der Udo Jürgens ist ja 80 geworden und spielt jedes Jahr noch 50 Gigs. Das machte er nicht, weil er es bräuchte, sondern aus Spaß und Leidenschaft. Abgesehen davon weiß er auch, dass Einige davon leben, mit ihm zu auf Tour zu gehen.
In Amerika mag es Acts und Bands geben, wo ein anderer Wind herrscht und die Leute kommen und gehen. Hier bei uns setzten die Künstler mehr auf Kontinuität und Nachhaltigkeit. Neid und Missgunst haben da keinen Platz, zum Glück!



DF: Es war sicherlich körperlich sehr anstrengend und du musstest dich bestimmt auch sehr konzentrieren. Würdest du die Aufnahmen als Arbeit bezeichnen?

AR:
Letztendlich ist das meine Arbeit. Aber, ich würde diesen Teil der Arbeit gerne öfter machen. Was kann es denn Schöneres geben, als mit deinen Freunden Musik zu entwickeln und zu konservieren. Wenn der Take dann gelungen ist und sich alle nur noch angrinsen, diese Erfahrung ist einfach super.
Was die Wahl des Studios anbelangt, so lagen wir als Band Herbert schon sehr lange in den Ohren, mal eines zu wählen, dass ein schönes Ambiente hat. Wir hatten dann auch mal das Studio von Eddie Grant auf Barbados vorgeschlagen, aber, da meinte er nur, dass wir ja eher dann nur abhängen würden um Cocktails zu schlürfen. Gutes Essen war auch ein Thema, in einer Großstadt gehst du eher mal schnell zum Imbiss und das kann dann schon mal mit Sodbrennen enden.
Tja, und jetzt waren wir auf dem Land, da standen Fahrräder rum, wenn ich denn mal spielfrei hatte, fuhr ich durch die Gegend. Letztendlich ist es ja auch so, dass die Atmosphäre drum herum sich auf die Aufnahme auswirkt. Ich denke, das hat Herbert auch gemerkt und wir beim nächsten Mal wieder so ein tolles Studio nutzen können.

DF: Konntest du dir den finalen Mix schon anhören?

AR:
Nein! Ich habe noch nichts gehört. Du bist nicht der Einzige, der mich danach schon gefragt hat. Aber, es ist so, ich habe meine Spuren ja im April eingespielt und die sitzen jetzt noch teilweise daran, um noch zu mischen. Ich habe in der Zwischenzeit viele andere Lieder gelernt und gespielt, da weiß ich zum Teil nicht mehr so genau, was da eigentlich aufgenommen wurde. Zudem ist bis zur fertigen Platte dann ja noch Einiges verändert worden. Wenn ich aufnehme, habe ich im Kopfhörer manchmal den Klick, dann das Set selber, den Bass, Herberts Piano und vielleicht noch eine Gitarre. Ich versuche immer so wenig wie möglich mir auf den Hörer legen zu lassen, denn das strengt ja auch an, wenn du da die volle Breitseite drauf hasst.



DF: Was ist mit dem Gesang?

AR:
Den macht er erst später. Zuerst nehmen wir immer die Musik auf. Er singt dann immer irgendwelche „Blabla-Texte“. Die Melodien stehen, aber, die Worte fehlen eben noch. So arbeite ich mich durch die Songs. Wie das Endergebnis dann klingen wird, weiß ich meistens erst, wenn die Platte schon auf dem Markt ist.

DF: Dann ist die Veröffentlichung für dich auch sehr spannend?

AR:
Absolut, dann höre ich ja erst, was daraus wurde. Aber, ich kann sehr gut so aufnehmen, denn ich kann mich so auf das Wesentliche konzentrieren.

DF: Ist es für dich positiv, dass du nach den Aufnahmen dich auf völlig andere Projekte und Bands stürzen kannst und so auch eine Distanz wieder zur Produktion schaffst?

AR:
Ja, das ist klar. Es ist schon passiert, dass ich von der Plattenfirma kein Exemplar zugeschickt bekommen habe und ich mir eine CD im Laden gekauft habe. Die Verkäuferin fand das sehr interessant, dass ich eine CD kaufe, auf der ich zu hören bin. Aber, ich will ja wissen, wie sie klingt. Und außerdem muss ich mich ja dann irgendwann auf die Tour vorbereiten. Ich muss dann regelrecht die Lieder wieder lernen, da ja oft schon ein Jahr rum ist, bevor wir auf Tour gehen. Da geht es dann nicht nur um Abläufe, sondern eben auch um das Feeling und den Spirit eines Songs. Ich versuche mich an die Situation zu erinnern, wie sie beim Aufnehmen war.

DF: Das ist deine persönliche Vorbereitung. Danach probt ihr ja noch zusammen.

AR:
Genau! Dabei kann es passieren, dass wir Songs noch mal umbauen, neu interpretieren. Manche Songs können wir live gar nicht so präsentieren, wie wir sie aufgenommen haben. Die Songs müssen auch in den Gesamtablauf passen. Auch alte Songs, die von den Fans verlangt werden, arrangieren wir um oder spielen sie einfach ein bisschen anders. Das macht Spaß und du kannst nicht nur die Songs so spielen, wie du sie vielleicht vor 30 Jahren aufgenommen hast, das würde uns als Band dann auch irgendwann nerven. Letztendlich sind wir vor einer Tour noch mal kreativ. Ansonsten würde man ja auch sich selbst nur covern. Obwohl, es gibt den Spruch, dass wir die beste Grönemeyer-Coverband sind, haha.
Abgesehen davon, es gibt genug Leute, die seit vielen Jahren zu den Konzerten kommen und denen wollen wir auch was Neues bieten, so dass sie nicht gleich mit dem ersten Ton erkennen, um was für einen Song es sich da handelt. Wir haben uns weiter entwickelt, das Publikum aber ist ja auch zumindest zum Teil nicht stehen geblieben.

DF: Im Urlaub in der Clubdisco haben sie irgendwann „Bochum“ gespielt. Da musste ich an das Interview heute denken.

AR:
Ich war mal mitten im Nirgendwo im Outback mit einem australischen Freund unterwegs. Dann hatten wir eine Panne und zum Glück fanden wir eine Werkstatt. Ich kam mit dem Typen da ins Gespräch und er fragte so, was ich denn machen würde. Ich sagte, dass ich Musiker sei. Dann wollte er die Band wissen. Ich dachte, so mitten in Australien, der kennt uns bestimmt nicht. Aber, als ich dann Grönemeyer nannte, fielen ihm sofort „Das Boot“ und „Bochum“ ein.




DF: Mal was ganz anderes, wie hast du deinen Stil entwickelt?

AR:
Das kommt mit der Zeit von ganz alleine, das ist ja das Tolle daran, wenn du als Drummer am Ball bleibst. Das Wichtigste ist, das Ganze locker verfolgen, weil du es nicht erzwingen kannst. Du musst versuchen, jeden Tag so gut wie möglich zu spielen und dein Ding zu machen. Ich sage immer, jeden Gig, den ich spiele, auch mit meinen kleinen Bands, ist das Ergebnis aller vorherigen. Ich will auch jeden Auftritt so genießen, meine ganze Entwicklung in diesen Augenblicken rein legen. Deswegen höre ich mir auch keine Sachen von mir selber an oder schaue Konzerte im Internet. Mein Fokus ist das nächste Konzert, egal, ob mit Grönemeyer im Stadium vor 50 Tausend Leuten oder mit einem Trio im Club vor 50 Leuten.
Dann freue ich mich, wenn alles klappt und gut klingt und keine Schrauben raus fallen oder der Schlegel nicht abfällt, haha. Eines muss ich Wahan lassen, seit dem ich seine Trommeln spiele, ist mir sowas nicht mehr passiert. Was auch interessant ist, ich haue keine Felle mehr kaputt, obwohl ich seit Jahren immer dieselben drauf habe. Das mit den Dellen ist Geschichte und auch auf die Spannreifen haue ich kaum noch. Vielleicht habe ich ja doch noch gelernt, effektiver und gleichzeitig materialschonender zu spielen. Das ist eben eine Entwicklung, die ersten 20 Jahre meiner Karriere habe ich die Arbeit gemacht, seit ungefähr 15 Jahren macht immer mehr das Schlagzeug die Arbeit.
Ich bin jedoch nicht leiser geworden oder spiele mit weniger Präsenz. Bisher hat jedenfalls noch keiner zu mir gesagt, der Rühl wird auch alt und hat es nicht mehr drauf. Das größte Lob, das ich in letzter Zeit erhalten habe, lautet, dass bei mir immer die „eins“ steht, man würde sie spüren, wenn man mit mir auf der Bühne stünde. Das höre ich natürlich gerne. Es mag sich jetzt blöd anhören, aber, für mich macht es schon einen Unterschied, ob ich meine 24 Bassdrum eines anderen Herstellers oder welche von Wahan spiele. Mit denen fällt es mit leichter zu grooven.

DR: Das mit der eins weiß Grönemeyer bestimmt auch zu schätzen.

AR:
Ja, deswegen sitz er auf der Bühne auch immer so, dass er die Bassdrum im Rücken hat. Ich habe mal vorgeschlagen, dass er seitlich, leicht gedreht sein Piano aufbauen lässt, damit ich seine Hände und sein Gesicht sehen kann, um noch tighter zu spielen, aber, er will die Bassdrum im Rücken spüren.
So als Sänger kannst du dich auch ganz schön alleine fühlen. Wir hatten mal so eine Art Catwalk als Bühnenzusatz und dann wurden wir vorgestellt und mussten einzeln nach vorne laufen. Ehrlich, diese Masse von Menschen macht mir irgendwie Angst, ich wäre am liebsten sofort wieder hinter mein Set oder am besten hinter die Bühne gerannt. Es ist unglaublich, wenn sich die ganze Energie von so einem Stadium auf dich fokussiert. Ich habe vor jedem, der ausschließlich im Rampenlicht steht, hohen Respekt, denn damit musst du erst mal klarkommen.
Ich spüre da subtiler, welche Macht ich oder viel mehr mein rechter Fuß hat. Im Stadion habe ich mich mal gewundert, warum die Leute immer vor -und zurückgingen. Bis ich drauf gekommen bin, dass das genau mit der eins von der Bassdrum zusammen hing. Durch die große PA wurde so ein Druck erzeugt, dass die Leute bei meinem Bassdrumschlag in Wellen darauf reagierten. Seitdem nenne ich meinen rechten Fuß „Die Macht“. Das darfst du aber keinem Gitarristen erzählen, dass letztendlich du den Laden rockst.
Schön sind auch immer die Diskussionen übers Tempo. In Workshops sage ich immer, dass die Drummer raus aus dem Übungskeller und rauf auf die Bühne müssen. Live sollen sie dann schauen, ob das Publikum mit den Hüften wackelt oder zumindest mit den Füßen wippt. Dann ist das richtige Tempo. Du musst das Publikum packen, darum geht es.

Weitere Infos: http://www.armin-ruehl.de

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