Adieu, Plattensammlung!

  • Ein - wie ich finde - sehr schönes Essay über Plattensammlungen im Zeitalter der digitalen Musik auf sz.de: Klick


    Für junge Leute deren täglich Brot Spotify & Co. ist, vielleicht etwas schwer nachvollziehbar, aber mir spricht dieser Artikel sehr aus der Seele.


    Ich halte es ja nach wie vor so, dass ich das was ich besitzen will, auch als CD/LP kaufe, sofern dies möglich ist. Nur digitale Files irgendwo gespeichert, das ist nicht das meine. Mit dem Alter lässt - zumindest bei mir - die Sammelwut stark nach, viel neues kann mich nicht mehr begeistern, weshalb bei mir im Jahr vielleicht noch 20 Alben im Jahr dazukommen. Irgenwie bin ich mit dem Alter musikalisch dann doch angekommen.


    Tipp zum Schluss: Der leider nicht mehr neu käufliche Ipod Classic mit 160GB hält bei mir schon seit ca. 4 Jahren. Da haben auch die ganz großen Sammlungen in der Hosentasche Platz.

  • ich hab mich schon lange entschieden...
    ...und bleibe altmodisch.


    Immer noch im Besitz von funktionierenden Plattenspielern, werde ich auch weiterhin nur Musik kaufen und "speichern" (=ins Regal stellen), die ich auf einer Scheibe nach hause tragen kann - wenns das mal nicht mehr gibt, dann habe ich genug davon zu hause um zu zehren. Im Zweifel kauf ich mir wieder ein Tonbandgerät und hol auch noch die paar hundert Bänder vom Speicher..., Cassettenspieler habe ich auch noch und aberhunderte Radiomitschnitte von Jazzsendungen, viele davon Liveaufnahmen, die es eh nicht auf Konserve gibt.


    Bisher habe ich noch nirgends Musik auf einer Festplatte gespeichert und höre auch per I-Net fast nicht, die Schnipsel in der Tube kann ich nicht wirklich leiden.


    Sogar meine Datenbanken, die meine Sammlung organisieren, füttere ich weiter, nur ob der Abfragemenge habe ich inzwischen Abstriche gemacht.

    ..."meine" Musik: Jazz (Big Band bis Free), brasil. Musik, Avantgarde, hin+wieder Klassik ->am Drumset, an den Percussions, am Schlagwerk

  • Und aus den im letzten Absatz des Artikels geschriebenen Gründen nutze ich beides:
    Apple Music und den Plattenhändler. Ich möchte es nicht einfach nur offline verfügbar machen, ich möchte es auch im Vorbeigehen in MEINEM CD/Plattenregal stehen sehen und mir denken: "Ziemlich gute Mucke! Leg ich nachher bei nem Bierchen auf!"


    Sorry, ganz vergessen: Danke für den Link!

    Aber ich möchte fliegen.
    Ganz weit oben, überm Meer.
    Und dann seh' ich all die Scheiße,
    all die Scheiße hier unten gar nicht mehr.

    Einmal editiert, zuletzt von OnkelPlayse ()

  • Hi,

    Und aus den im letzten Absatz des Artikels geschriebenen Gründen nutze ich beides:
    Apple Music und den Plattenhändler.

    mach ich genauso. Und doch muss ich von einem erschreckenden Erlebnis berichten: Vor ein paar Monaten holte ich eine CD aus dem Regal, öffnete das verhasste Jewel-Case (Plastikjuwelen! Zum Glück gibt's heute Digipacks). Ich schaute dann auf einen silbernen Datenträger und dachte zum ersten Mal: Oh, das ist ja noch 'ne CD! Kicher, hach ja, darauf haben wir früher Daten gesammelt. Bis mir klar wurde, dass ich eine Audio-CD in der Hand habe, eine "Platte", eine "Scheibe", ein "Album" etwas ganz anderes. Ich fürchte, seit dem ist die "Platte" bei mir entzaubert.


    Ich wäre bereit, nach dem Aufgeben von Vinyl nochmal einen Sprung zu machen, aber dann müsste mir jemand etwas zum Anfassen und zum Anschauen, zum Durchblättern geben. Etwas zum Besitzen. Danach sieht's leider nicht aus. Ich kann nicht begreifen, dass die Musikindustrie da wieder pennt: Für wahre Liebe braucht's doch ein "to touch and to hold", wie soll das gehen? Ich hab letztes Jahr mal ein Hörbuch verschenken wollen – tja. Am Ende isses tatsächlich ein Download geworden. Ein "wunderschönes" Geschenk.


    Grüße
    Hajo K

  • Zitat

    Ich wusste nicht mehr, welches Cover zu welcher Platte gehörte, welche Songs zu welchem Album...

    Genau das ist es, was mich an den digitalen Alben stört. Bei meinen CD's kenne (und bei meinen Platten (RIP) und Kasetten (RIP) kannte) ich das Cover, die Lieder, von wann das ist. Haptik, die Dinge verinnerlicht. Meine digitale Sammlung ist dagegen eine gefühlt recht belanglose anonyme Masse an Daten. Und die Langzeitarchivierung macht mir ehrlich gesagt auch sorgen. Sowohl hinsichtlich hunderter CDs, als auch abertausend MP3-Dateien. Manchmal ist technischer Fortschritt echt doof.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Die Mp3-Story habe ich noch nie verstanden. Die Praxis - klar, so ein kleiner Apparat ist prima für unterwegs, ja. Zuhause ist meine (hochwertige)
    Anlage allerdings abgeschirmt, da hängt weder PC noch sonstwas dran.
    Da heissts, CD oder Platte einlegen, wenn man denn was hören möchte.
    Ich sehe es nicht ein für Zeug zu bezahlen, dass ich nicht anfassen kann. Das heisst nicht, dass ich mir sämtliche Musik per Festplatte illegal besorge,
    das heisst einfach, dass ich keine Musik auf dem Rechner habe. Die Leute mit ihren gesammelten GBs sind und waren eh nie Musikliebhaber...


    Ob das die Wahrheit oder nur nostalgischer Blödsinn ist, wer weiss.

    SUCHE:

    - Sonor Designer Toms in Birdseye Maple/Birdseye Amber

    - Zildjian K Sweet 19" Crash


    "Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!", Ballroom Schmitz (RIP)

    Einmal editiert, zuletzt von DannyCarey ()

  • Und die Langzeitarchivierung macht mir ehrlich gesagt auch sorgen.

    +1 !!


    Das macht mir sogar großen Kummer. Meine erste CD ist von 1986 (Manhattan Transfer "Vocalese"), die wird nächstes Jahr 30 und da mach ich mir schon Gedanken. Festplattenplatz für die Digitalisierung ist ja kein Problem mehr, aber der Aufwand (wenn man in dem Schritt gleich die Song/Albendaten einpflegen will) ist halt immens. Nuja, mal schauen bzw. hören. :)


    Gruß
    Hajo K

  • Da das hier ein Forum ist, wo man auch gerne diskutiert, will ich mal einen Gegenpol bilden :D
    Ich weine dinglichen Datenträgern keine Träne hinterher.
    Die wirren des DRM und sonstiger Fesseln sind ja glücklicherweise vorbei. Speicherplatz ist auch kein Thema mehr.


    Kaufe nach wie vor mehr oder weniger regelmäßig Musik. Auch gern als CD. Nur um sie auf auf den Server zu packen und dann irgendwo verstauben zu lassen.
    Seitdem ich keine CD's mehr einlegen muss, höre ich viel öfter Musik. Genauso meine Frau. Smartphone raus, Titel auswählen, auf die man gerade Bock hat und ab dafür.
    Nach Lust und Laune Titel in die Playliste rein, also Alben-übergreifend versteht sich. Und auf einen TastenTouchscreendruck macht man alles aus und verlässt die Wohnung. Keine CD's im Wechsler, deren Hülle man suchen muss. Kein Stapel unsortierter CD's. Der Sohnemann kann das CD-Regal auch nicht ausräumen.


    Habe im Freundeskreis auch einige, die auf Vinyl schwören. Meiner bescheidenen Meinung nach dreht es sich dabei aber lediglich um die Befriedigung haptischer und besitzlicher Bedürfnisse, was okay wäre, wenn man es sich eingestehen würde. Wenn es aber wirklich, wie beteuert, um audiophile Bedürfnisse gänge, würden ja wenigstens ordentliche Lautsprecher in den Wohnungen stehen.
    Aber jeder Jeck ist anders.


    So, und jetzt zerfleischt mich. :P


    Grüße Marcus


  • ... Meiner bescheidenen Meinung nach dreht es sich dabei aber lediglich um die Befriedigung haptischer und besitzlicher Bedürfnisse, was okay wäre, wenn man es sich eingestehen würde.


    Spricht nichts gegen, oder?
    Wie gesagt, ich kann auf Teufel komm raus keinen Cent locker machen, wenn ich dafür nichts "reales" bekomme.
    Und das wäre mir dann widerum zu blöd, wenn ich Kumpel XY mit gleichem Material auf seiner Festplatte im Nachbarshaus zur Verfügung habe.
    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe Geld bezahlt, habe etwas in der Hand und wenn ich wöllte, würde ich mir den Kram einfach auf den PC ziehen ;)

    SUCHE:

    - Sonor Designer Toms in Birdseye Maple/Birdseye Amber

    - Zildjian K Sweet 19" Crash


    "Wenn man das Knie sieht, ist die Bassdrum zu klein!", Ballroom Schmitz (RIP)

  • naja, grundsätzlich geht es bei Musik nicht darum etwas in der Hand zu haben, sondern im Gehörgang und das kommt beim Streaming-Dienst wie auch beim Plattenspieler gleichermaßen aus den Boxen (Qualitätsunterschiede außen vor gelassen). Der eine streamt ausPlatz- und Organisationsgründen lieber, während der andere Eigentumswohnungen mit CD/Plattenregalen zupflastert! Beides hat seine Daseinsberechtigung und wird auch noch immer gut angenommen. Nicht umsonst erlebt die Schallplatte momentan wieder einen kleinen Höhenflug. Das Wort "früher" ist ja momentan in aller Munde.

    Aber ich möchte fliegen.
    Ganz weit oben, überm Meer.
    Und dann seh' ich all die Scheiße,
    all die Scheiße hier unten gar nicht mehr.

  • Spricht nichts gegen, oder?

    Absolut rein garnichts. :)

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe Geld bezahlt, habe etwas in der Hand und wenn ich wöllte, würde ich mir den Kram einfach auf den PC ziehen ;)

    Ich bezog mich da eher auf die Vinyl-Liebhaber. Bei CD's ist das ja alles konvertibel. Handhabe ich ja auch so. Wobei ich nur CD's kaufe, wenn diese billiger als der Download sind.


    Edit: Ich kann die Vinylliebhaber ja auch verstehen. Es geht bei der Vinyl ja nicht rein rational um das Musikhören, sondern sich bewusst Zeit nehmen und das ganze zelebrieren. Da habe ich ja auch kein PRoblem damit. Ich habe nur festgestellt, dass ich meine Musik wesentlich mehr "nutze", wenn flexibler verfügbar. Manche mahlen sich morgens ja auch in Ruhe ihren Kaffee. Ich würde da eher ohne KAffee ausm Haus gehen. :D

  • Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe Geld bezahlt, habe etwas in der Hand und wenn ich wöllte, würde ich mir den Kram einfach auf den PC ziehen ;)

    Das ist doch bei vielen Dingen und auch Dienstleistungen im realen Leben so, dass man für etwas nicht reales bezahlt.


    Ich persöhnlich habe keine CDs mehr. :)

  • Bitte nicht falsch verstehen und ich möchte auch niemanden angreifen. Aber ich denke das ist doch genauso ein Generationenkonflikt wie PC-Spiele oder Internet :D Ich bin mit Kassetten und Später CDs aufgewachsen (90s Kid, bin 24). Außerdem habe ich den Walkman, den Discman und den ersten MP3-Player "miterlebt", und kann die Sache glaube ich ein bisschen aus beiden Blickwinkeln betrachten. Ich muss leider sagen dass dieses "was in der Hand haben" bei schon Leuten meiner "Generation" nicht mehr so wichtig ist. Es ist zwar momentan wieder ein Vinyl-Hype (oder war zumindest in den letzten 2 Jahren), aber das war glaub ich nur ein Lifestyle-Trend. Es ist aus der Sicht der momentanen Jugend denke ich einfach unpraktisch wenn man seine Musik noch in materieller Form irgendwo zu lagern und zu verwalten. Und die "älteren Eisen" unter uns wollen einfach nicht ihre geliebten Dinger aus ihrem Leben aufgeben müssen. Das ist ja auch verständlich.


    Ich möchte mich gar nicht negativ gegen die coolen Old-School-Sachen äußern. Da bin ich selbst ein riesen Fan davon. Aber es lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht mehr Musik in materieller zu veräußern. Sehr Schade... Das hindert mich und meine Band aber nicht unsere erste Single ganz nach alter Punk-Tradition als 7" LP pressen zu lassen :D



  • Ich hänge dann doch noch an meiner Platten/CD Sammlung. Ich wüsste nicht was ich im Wohnzimmer aufstellen sollte wenn ich die nicht mehr hätte. Zimmerspringbrunnen, Wohnwand voll Tinnef?
    Ausserdem mag ich (wenn mich die Lust danach packt) das Stöbern darin. Das hat für mich etwas nostalgisches, entspanntes und heute schon fast subversives. Zeit(einteilung), Nutzen und Persönlichkeit sollen ja immerwährend optimiert werden.
    Dennoch habe ich alle CDs (Platten ist mir [noch] zu aufwändig) auf Festplatte. Im FLAC Format als Backup und als MP3 für unterwegs. Ausserdem befürchte ich, dass es irgendwann keine Hardware mehr gibt um CDs abzuspielen. Mein Plattenspieler hält hoffentlich noch fünfzig Jahre.
    Das "gute" Gefühl etwas handfestes zu besitzen spielt auch eine Rolle.
    Was passiert wenn sich das Geschäftsmodell der Streamingdienste oder deren technische Infrastruktur, einmal in Wohlgefallen auflöst? Alle die ihre Musik bis dahin ausschliesslich darüber konsumieren, kramen dann wieder den UKW Empfänger vor um festzustellen dass es ausser atmosphärischen Störungen, oder schlimmer noch Quotenradio, nichts mehr zu hören gibt.
    Naja, bin halt jung aber irgenwie auch alt. So what!


    Ein (für mich) ganz starkes Argument gegen die Verwendung von CDs etc. ist der notwendige Rohstoff- und Energiebedarf den diese zur Herstellung benötigen. Aber so lange PKW mit weniger als 100 PS die Ausnahme darstellen, habe ich da kein schlechtes Gewissen...


    Grüsse


    PS: Dass das "Wiederaufkommen" von Vinyl eine Modeerscheinung ist höre ich schon seit zwanzig Jahren. In den Nischen und dunklen Ecken war es nie verschwunden, auch wenn die Gründe dafür sicher nicht rational sind. Irgendwann behauptet man das sicher auch über Wein in Glasflaschen.

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

    Einmal editiert, zuletzt von hr808 () aus folgendem Grund: ratio, nicht ration

  • Man hört ja raus, dass das Sammeln von CDs und Vinyls eher Leidenschaft als rationale Entscheidung ist.


    Eine Sache kann man aber noch in die Diskussion werfen: Soweit ich weiß, profitieren Musiker mehr davon, wenn man "feste" Datenträger von ihnen kauft, sollen also mehr Geld pro Album kriegen, wenn es in Form einer CD/Vinyl verkauft wird, als wenn es als Download angeboten wird.


    Wenn da jemand konkretere Infos/ Daten hat möge bitte antworten, mich interessiert das auch.


    Gruß,
    Jarrek

  • Das betrifft weniger die Downloads grundsätzlich. Aber die Streaminganbieter sind in der Hinsicht schon fast der Sklaverei schuldig.

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Moin Moin,


    Ich kann irgendwie beide Seiten sehr gut verstehen, da ich früher (Ich bin nicht so alt, insofern ist es auch nicht so lange her) auch eher digital meine Sammlung auf dem Rechner rumliegen hatte und es immer mehr wurde. Demnach hatte man auch irgendwann nicht mehr so den Überblick über die gesamten Musik, die man besaß. Mittlerweile fahre ich zweigleißig und kaufe mir häufiger mal CD's oder Vinyl aber eben auch digitale Downloads, die aber auch in guter Qualität, da ich auch kein bock habe 10€ für bescheidene mp3 Qualität auszugeben. Alles was ich auch als CD's oder Vinyl habe, habe ich auch digitalisiert, damit man die Sachen auch bequem unterwegs hören kann. Dafür dient, wie der Threadstarter auch schon empfohlen hat, ein Ipod Classic mit 160Gb Kapazität. (Was heute auch nicht mehr viel Speicherplatz ist, gerade wenn man auf mp3 verzichtet und lieber in flac oder wav hören möchte.)


    Ich muss aber auch dazu sagen, dass man auch zu seiner digitalen Musiksammlung eine gewisse Bindung aufbauen kann, gerade wenn man sich selbst die Mühe macht und alles selber einordnet und beschriftet, sofern die Dateien nicht ordentlich beschriftet sind. Da geht auch mit gewissen Hilfsprogrammen doch schon gut Zeit drauf. Aber dadruch ist mir auch meine digitale Musiksammlung ans Herz gewachsen und die wird nun auch doppel und dreifach gesichert, falls mal eine Festplatte den Geist aufgeben sollte.


    Aber wie gesagt es ist auch super geil sich eine Platte zu schnappen, die auf den Plattenspieler zu legen und sich einfach zurückzulehen und zu genießen.


    Mh... keine Ahnung worauf ich mit dem Text hinaus wollte... just my 2 cents


    Cheers
    L4ngerDrummer

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