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Druffnix

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101

Sonntag, 25. Februar 2018, 13:02

@sonorfan

Mit dem Bildungsbürgertum hast du absolut Recht. Aber dieses Bildungsbürgertum gibt es auch noch reichlich, wenn das mal langsam weggeht, wird dieser Zweig den selben Weg gehen.

Ich glaube, der Kollege drumrumköln zeigt auf, dass die klassischen Möglichkeiten eines Kunstschaffenden sich immer mehr verändern (nicht notwendigerweise zum Besseren), und dass vieles von den Fördermitteln für Kunst gar nicht beim Künstler ankommt. Zusätzlich leben wir in der "Ära der Dilettanten", wo früher die Kulturschaffenden oft ausgebildet waren in ihrem Gebiet und daher auch in Musikschulen, VHS und so weiter Einkommen erzielen konnten, drängen immer mehr Quereinsteiger in solche Bereiche, die ihr Instrument beherrschen und das ganze teilweise nur nebenher machen und daher nicht so aufs Geld angewiesen sind. Da kann man Solidarität für diejenigen einfordern, damit die, die noch den althergebrachten Weg verfolgen, weitermachen können. Oder man paßt sich den neuen Gegebenheiten an, was auch heißen kann, dass bestimmte Segmente einfach in immer kleinere Nischen verschwinden und für ihre Betreiber nicht auskömmlich sind.
667 - The Neighbour Of The Beast!!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Druffnix« (25. Februar 2018, 13:05)


Two

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102

Sonntag, 25. Februar 2018, 13:04

Lieber Drumrumköln,

irgendwie weiß ich jetzt auch nicht was genau dein Argument ist. :S


+1

sonorfan

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103

Sonntag, 25. Februar 2018, 13:23

@ Druffnix

Ich persönlich habe ja gar nichts gegen die Ideale des sog. Bildungsbürgertums. Die sind mir sogar sympathisch, muss ich zugeben :D. Nur scheitern meist die militanten Vertreter dieser Gattung schon an ihren eigenen Maßstäben. Man kann da schon - wie ich finde - aus weiter Ferne erkennen, dass das ganze eigne Verhalten dazu dient, sich selbst gegenüber anderen zu erheben und sich auch - auf Dauer - von anderen abzugrenzen. Da wird dann Bildung und auch die Kunst in einem Maße zweckentfremdet, dass mir schlecht wird. Von daher kann ich auf diese Art von Bildungsbürger echt verzichten. Nicht auf Bildung selbst :D!

Mich würde es freuen, wenn wir in Deutschland grundsätzlich allen Arten von künstlerischer Betätigung einfach Raum geben. Die Chance geben, sich zu entwickeln und auch zu wachsen.
Das wäre mein Traum. Das entbindet natürlich die Kunstschaffenden nicht von der Aufgabe, sich selbst mit der eigenen Tätigkeit versorgen zu müssen. :D
SCIENCE FOR THE WIN!
Ich habe Interesse an dünnen vintage Zildjian K-Istanbul und Avedis Rides und Hihats (bis ende 60er) :thumbsup:

Druffnix

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104

Sonntag, 25. Februar 2018, 13:47

@sonorfan

Diese Neigung sich aufgrund vermeintlich besserer Bildung oder kultureller Erziehung über andere erheben zu wollen, kenne ich, mein Vater ist so einer ;) Diese Generation ist auch so aufgewachsen und konserviert diesen Bildungsstatus, so lange sie kann. Da hat Allgemeinbildung ganz andere Inhalte als heute, und Rockmusik ist Hottentottenkram. Andererseits hat dieser Konservativismus auch was gutes, denn eine gute Aufführung klassischer Musik ist auch für mich als bekennender Rockfan eine beeindruckende Sache.

Die Erhebung des eigenen Horizontes über den der "Ungebildeten" muss ich leider auch im Jazzbereich immer wieder feststellen. Und so ein Stück weit strahlt diese Selstbetrachtung auch aus dem Jazzbericht. "Wir leisten einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Kultur unseres Landes"...
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ibins

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105

Sonntag, 25. Februar 2018, 14:57

Huch, wo sind wir denn jetzt gelandet? ;)
Ging's hier nicht um Hut oder Gage im (Rock-)Amateurbereich?

Also, wie das die Jazzer oder die Klassiker oder auch die klassischen Jazzer im Vergleich zu den Freejazzern handhaben, ist deren Sache.

Aber glaubt ihr im Ernst, ich lasse mir von irgendjemand hier oder anderswo reinreden, wie ich mein HOBBY auszuüben habe?

Mir reden genug Leute in meinen BERUF rein und für den brauche ich eine abgeschlossene Ausbildung mit unzähligen Vorschriften.
Da kann ich auf Vorschriften aus dem DF in meiner Freizeit gut verzichten!

De Maddin

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106

Montag, 26. Februar 2018, 12:01

Das Dilemma bei der ganzen Diskussion ist ja, dass zum einen unheimlich viele verschiedene "Anbieter" mit unterschiedlichsten Ansprüchen an ihre Entlohnung (oder auch nicht) auf dem sehr heterogenen Markt unterwegs sind. Zum anderen bieten all diese Anbieter etwas an, was keiner wirklich haben muss: Musik! Einen Zahnarzt braucht man, einen Klempner im Bedarfsfall auch (außer man kann das selbst), beim letzten Weg ist so gut wie immer ein Bestatter am Start. Wenn Muikanten Auftrittsmöglichkeiten suchen, dann treffen sie immer auf Menschen, die völlig frei wählen können, ob sie gerade diesem Musiker ihre Zeit, ihre Location oder Geld zur Verfügung stellen. Sie haben aber immer auch die Wahl, gar keine Musik nachzufragen. Oder im Fall des Kneipenwirts zu sagen, Konzerte zu veranstalten ist nicht mein Haupterwerb, das mache ich so nebenher ab und zu (wie die beschriebenen Freizeit-Mukker auch), da zahle ich keine Gage, da gibt's den Bölk umsonst und der Hut geht rum. Und letztendlich kann man da so viele betriebswirtschaftliche Theoreme bemühen oder irgendwelche Management-Methoden durchexerzieren, am Ende muss man sich doch eine Fanbasis erarbeiten und Veranstalter davon überzeugen, mit einem arbeiten zu wollen. Dann kommen ja selbst im Semiprofi- und Amateurbereich noch die verschiedenen Arten von Musik durch, die man anzubieten hat. Wer Cover-Party-Musik spielt, und die auch noch gut, der hat ungleich mehr Möglichkeiten, sich um Gigs zu bewerben als die freundliche Thrash Metal Band von nebenan.

Letztendlich muss man hier seine Zielsetzung für sich selbst festlegen, und dabei realistisch bleiben. Es ist ja fein, wenn eine Amateurband MEINT, sie wären die nächsten Foo Fighters und müßten Gage bekommen, aber in Wirklichkeit keine 10 Zuschauer ziehen. Ziel festlegen, Plan machen und loslegen, wer hier wirklich Initiative zeigt, wird eher zu Pott und an die Fleischtöpfe kommen als jemand, der ab und zu mal irgendwo nachfragt oder nur alle 4 Wochen mal übt. Und immer dran denken: Das Nachfragen jedweder musikalischer Dienstleistung ist eine KANN-Entscheidung, keine MUSS-Entscheidung! Und wenn immer mehr professionelle Musiker nicht mehr davon leben können, Gigs gegen Gage zu spielen, das ist das einfach mal die marktliche Gegebenheit. Wenn ich meine Kunst für XY€ pro Stunde verkaufen will, aber nur XY-30% auf dem Zielmarkt dafür erzielen kann, dann muss ich entscheiden, ob ich das auch für weniger Geld mache oder mir langfristig einen anderen Broterwerb suche.


DAS ist für mich einer der stimmigsten Aussagen, die eigentlich alles zusammenfasst.

Weiter vorne hat jemand schon sehr deutlich den/die Ansätze geschrieben, mit denen wir mit der Band von Katastrophe zu sehr erfolgreich einen Weg beschritten hatten.
Bei 0 sehr dillentantisch angefangen. Gagen für lau (Essen / Getränke), Anlage noch mitgebracht, 20 Leute Publikum.
Nur 10 Jahre später, jeder wußte, was er mit seinem Instrument machen muss/kann, Gage 1.500,- € und Technik für 3.000 €, 800 Leute im Zelt.
Weitere 5 Jahre später Band tot. :D (Hatte nix mit dem Erfolg zu tun)

Der Weg: Sehr, sehr steinig, mühevoll und mit Rückschlägen überhäuft. Was sich wie ein roter Faden durch die 15 Jahre zieht:
Musik machen, die DER MASSE DES PUBLIKUMS gefällt (zum Glück auch den Leuten in der Band), einen absoluten Vollblutverkäufer, der die Band
verkauft auch unter widrigen Bedingungen (keine Homepage, keine Demos), Musiker die den unbedingten Willen haben, besser zu werden
in allen Bereichen (nicht nur musikalisch, auch Showtechnisch) und alle in der Band pflegeleicht und menschlich im Umgang samt superdickem
Fell. Und dann noch zwei Leute in der Band, die die nötige Kreativität mitbringen, 1.000-mal gehörte "Gassenhauer" neu und lebendig
klingen zu lassen.

Das hier immer wieder auftauchende Kredo, Kunst MUSS honoriert werden, halte ich für falsch. DSDS ist supererfolgreich und hat für mich
nix mit Kunst zu tun - wird aber honoriert. Eine ehemalige Klassenkameradinn konnte schon immer super zeichnen/malen/modelieren/bildhauern. Sie hat mittlerweile
eine eigene Galerie in Berlin und verkauft ihre Exponate für 5.000,- bis 50.000,- € das Stück. Und damals wie heute hat das für mich nix mit Kunst zu
tun, noch finde ich es schön - wird aber honoriert. Also: Ich bin da nicht der Maßstab. ;) Was ist Kunst überhaupt? Das liegt im Auge des Betrachters - und nur dort und nur bei ihm!

Der Marktwert und damit die Auftrittsmöglichkeiten sowie die Gage richtet sich in der Regel rein nach Marktlage/Marktwert. Momentan ist die Marktlage
mau (Lautstärkenbestimmungen, Sicherheitsvorschriften, Gewerbevorschriften, Weggegepflogenheiten), da wird es schwer, sich mit Forderungen
durchzusetzen, weil ein Wirt/Veranstalter eben Geld verdienen MUSS. Und nur weil etwas künstlerisch wertvoll ist (Erinnerung: Auge des Betrachters)
heißt das nicht, das es auch wertvoll ist oder eben wertvoll honoriert werden muss.
Wir hatten mit der Band nach 10 Jahren Plakerei einen riesen Vorteil: Wir konnten dem Wirt VERSPRECHEN, das wir mindestens 100 Leute ziehen.
Wir waren auch hier vorsichtig, weil es in der Regel eher 150 waren. Oder wir konnten es uns erlauben, für Essen und Getränke zu spielen und
haben den Eintritt selbst organisiert. 9,- € pro Person waren dann immer so zwischen 900,- und 1.400 ,-€. Da konnten wir auch gerne die
Technik selbst bezahlen.

Heute ist das vorbei, weil wir keinen Vollblutverkäufer mehr haben, die Band 5 Jahre nicht aufgetreten ist und die musikalischen Leiter nicht mehr
in der Band sitzen. Also fragt man höfflich nach einer Möglichkeit zu spielen - gerne auch für eine Nullsumme oder über alles gerechnet auch ein
Minusgeschäft. Und ich finde Musikmachen als Hobby unterliegt den gleichen Gesetzmäßigkeiten, wie jedes andere Hobby, egal ob Tennis,
Angeln, Modellbau etc.
Es ist ein Hobby und kostet Geld. Ob die Erfüllung des Hobbys mit Zuschauern zu tun hat oder nicht, spielt da keine Rolle für mich.
Grüße,

De' Maddin Set
________________________________

Dängdäng-Dängdäng-Dängdäng
Bababababaaa-baba - Brack........Meet you all the way....dadadab...usw.

107

Montag, 26. Februar 2018, 14:15

Kann Druffnix und auch Maddin nur zustimmen.
Und ja: Ein guter Verkäufer hat manchmal mehr Einfluss auf den Erfolg als ein gutes Produkt.

Ich hätte bei den Events die ich beruflich organisiere auch immer gerne Live-Musik am Start und bekomme das auch oftmals hin.Ich sehe Live-Musik (sowohl Klassik als auch Coverb-Musik) als kulturellen und qualitativen Aspekt einer Veranstaltung. Aber bei allen Kosten die man heute für ein Event hat, die man so vor 10 Jahren (Thema: Sicherheit) nicht hatte, bekomme ich eben immer seltener eine Band (und die zugehörige Technik) unter.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Seven« (26. Februar 2018, 14:22)


MS-SPO

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108

Montag, 26. Februar 2018, 19:24

Huch, wo sind wir denn jetzt gelandet? ;)
Ging's hier nicht um Hut oder Gage im (Rock-)Amateurbereich?

Also, wie das die Jazzer oder die Klassiker oder auch die klassischen Jazzer im Vergleich zu den Freejazzern handhaben, ist deren Sache.
Vielleicht kennt ja Jemand eine Rockstudie, analog zur Jassstudie, oder für andere Genres? Popstudie, Funkstudie, ...
"Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie." (Wird Kurt Lewin zugeschrieben) // Was schlechte Theorien unbrauchbar macht ...

sonorfan

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109

Dienstag, 27. Februar 2018, 08:27

....eine Grind-Core-Folk-Funk-Studie würde mich interessieren ;) :D
SCIENCE FOR THE WIN!
Ich habe Interesse an dünnen vintage Zildjian K-Istanbul und Avedis Rides und Hihats (bis ende 60er) :thumbsup:

ibins

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110

Dienstag, 27. Februar 2018, 10:54

:D
Jetzt mal ernsthaft: Ich bin mir sehr sicher, dass wir mit unserer Amateurtruppe bei unseren halb-privaten und Kneipe-um-die-Ecke-Gigs noch nie einer Jazz-Truppe einen einzigen (gutbezahlten) Gig weggenommen haben, bloß weil wir für lau oder den Hut gespielt haben.
Never ever!

sonorfan

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111

Dienstag, 27. Februar 2018, 12:12

Edith.
SCIENCE FOR THE WIN!
Ich habe Interesse an dünnen vintage Zildjian K-Istanbul und Avedis Rides und Hihats (bis ende 60er) :thumbsup:

criSis

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112

Mittwoch, 28. Februar 2018, 11:24

Ich hab jetzt nicht die ganze Diskussion verfolgen können, würde aber generell einmal einwerfen, dass man da natürlich erstmal zwischen einem Kunst Anspruch und Dienstleistung unterscheiden muss. Mit der eigenen Musik Geld zu verdienen funktioniert halt generell über Fan Base. Natürlich veranstaltet niemand Konzerte mit dir, wenn da keiner kommt. Die Verantwortung sich mit seiner Musik zu etablieren, die bleibt da natürlich erstmal an einem selbst als Künstler/Band hängen. Und klar, dass ist schwieriger geworden sich da zu etablieren in einer Welt, wo immer mehr Menschen einfach kreativ und musikalisch aktiv sind. Aber da wären für mich die Veranstalter trotzdem wirklich raus aus der Diskussion.

Was Dienstleistungsmusik angeht, ich spiel da halt in zwei solchen Projekte, da geht's natürlich bissel um Angebot und Nachfrage. Sehe aber schon, dass die auch da ist. Wenn jemand ne Jazz Kapelle haben will, dann wird dieser sich eben diese auch suchen. Da gibt's ja mittlerweile auch ganz gute Online Portale. Und Standards runter zocken kann man als Semi oft ja nun auch nicht einfach aus der Tasche heraus. In dem Bereich bin ich ohne Musikstudium eher eine Ausnahme und eher aufgrund von Beziehungen hier und da mal dabei. Da kann man dann aber schon auch ordentliches Geld verdienen. Soweit man als Musiker von ordentlich Geld verdienen überhaupt reden kann. Ich vermute, dass es da im Bereich Cover Bands gar nicht so groß anders ausschaut. Ich komm selbst aus der Veranstaltungsbranche und würde schon klar sagen, dass da auch vornehmlich Bands gebucht, die halt auch überzeugt haben, oder die einem als Veranstalter empfohlen wurden. Wenn es ums Geld verdienen geht, setzt sich dann schon auch das durch was einfach gut ist und rockt.

Diese Hutgeschichte kenn ich da eher aus Singer/Songwriter Kreisen - da ist das nunmal so. Da muss man sich erst einmal etablieren um auch von kommerziellen Veranstalter gebucht zu werden. Da braucht es eine mediale Plattform auch. In der Szene bin ich schon recht aktiv und spiel da für unterschiedliche Leute mal gelegentlich. Geld kommt da am Anfang erstmal generell weniger rum - da geht's halt dann schon auch erstmal um die Kunst. Und man spielt halt auch nicht zwingend immer mit Band. So wie es halt passt. Oft ja auch in sehr fluider Besetzung. Da tourt ja auch nicht jeder mit meist.

Klar, der Markt ist generell sehr hart. Aber schon halt auch sehr different. Ist immer die Frage was man halt machen will.

Druffnix

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113

Dienstag, 13. März 2018, 09:21

Ein kleiner Erfahrungsbericht:

Unsere kleine Grunge-Kapelle wollte mal wieder auf die Gass, eine befreundete Band hat uns angeboten, mit ihnen einen Auftritt zu machen, da haben wir gern zugesagt. Stattgefunden hat das ganze in einem optisch recht knuffigen Musikkeller in Frankfurt-Sachsenhausen am letzten Samstag (für aufmerksame Leser: Der Name des Ladens ist im Text versteckt ;) ). Konditionen: Keine Gage, die (recht resolute) Chefin des Etablissements läßt hinterher den Hut rumgehen. Wichtigste Regel dort: Mindestverzehr ein Getränk, (Hefeweizen 5 Euro, also echtes Schnäppchen) wer nix bestellt, wird des Lokals verwiesen. Amps und Schlagzeug sind da, Getränke sind für die Musikanten nicht (!) frei. Werbung wurde seitens des Veranstalters nicht gemacht. Erstmal egal, Bühnenerfahrung zählt für uns, also dran.

Die recht schwierige Kommunikation mit der Chefin hat dann ergeben, dass an Trommelzeug vorhanden sind: Bass, 2 Hängetoms, 1 Standtom, 2x Crash, 1x Ride, HiHats, FuMa. Das stimmte auch: Das Set war ein Maxwin mit Vintage Pressspan-Kesseln in orange Sparkle aus den 70ern, alle Schrauben durch 40 Jahre Schmulch fest in den Gewinden fixiert. Die Felle waren noch die ersten, glaube ich. Die Fußmaschine war fest mit dem Spannreifen verbunden, die Schrauben leißen sich nur mit Trompetenöl und leichter Gewalteinwirkung lösen. Mein Kollege hatte seine DW 4000 dabei (sehr gutes Pedal übrigens), die haben wir dran geschraubt. Der Beckensatz war von vor der Währungsreform (nicht die Euro-Umstellung, die davor :D ), also eigene aufgehängt. Zwei Toms waren zwar da, aber nur ein Einzeltomhalter, und der ließ sich nicht fixieren, da die Schraube eins mit dem Gewinde geworden war. Das Tom lag dann quasi in ziemlich unergonomischer Position auf der Bassdrum, und das Set sah insgesamt sogar besser aus als es dann klang. Einzig die Snare war gut, die gehörte meinem Kollegen.

Nachdem wir unser Geraffel auf der ca. 2 Quadratmeter großen Bühne verstaut hatten, mußten erst mal alle Taschen in die Autos verladen werden, Frau Wirtin wollte da keinen Krempel rumliegen haben. Also Soundcheck gemacht, einmal aufs Crash gehauen, da stand Frau Wirtin auch schon vor der Bühne: Das wäre viel zu laut, ich solle mal nicht so reinwemsen, sie hätte keine Lust, sich auf ihre alten Tage das Gehör zu versauen. Also erstmal Becken streicheln, beim Auftritt selber hab ich dann etwas mehr hingelangt :D

Der Auftritt selber lief ganz gut, die Gitarreros und der Basser hatten ganz gute Amps gestellt bekommen, und unsere Kollegen haben uns super mit Technik unterstützt. Unser Gesangsmonitor lag auf einem Tischchen vor der Bühne, auf der Bühne klang es grausig, im Saal aber wohl ziemlich gut. Nach uns dann die Kollegen, eine super-nette und hilfsbereite Truppe, die einen sehr individuellen Mix aus Stilen spielen. Man schaut erst etwas komisch, aber nach ein paar Stücken hatten sie den Laden im Griff und haben richtig abgeräumt :thumbup: Kurz vor Schluß kam dann Madame mit dem Hut, und eigentlich jeder (so um die 40 Leute) hat auch was reingeschmissen. Die Resonanz auf beide Bands war auch gut, das soll ja spendenfördernd wirken. Auftritt fertig, abgebaut, ich bin dann etwas früher los, weil ich ne weitere Rückfahrt hatte. Meine Bandkollegen haben dann gefragt, was denn im Hut drin wäre, nach mehrfachem Drängeln hat Frau Wirtin dann einen Betrag rausgeholt, der allen Beteiligten etwas mickrig vorkam. Unser neuer Sänger hatte ein paar Freunde mitgebracht, die dürften allein schon etwas mehr reingeschmissen haben. Vielleicht hätte Frau Wirtin darauf hinweisen sollen, dass der Hut die Trinkgeldkasse ist, dann hätte ich mir was rausgenommen. Irgendwie wurden wir den Verdacht nicht los, dass Frau Wirtin ihren Finanzbestand etwas aufgebessert hat, denn sie hatte auch vorher schon jedem 5 mal erzählt, wie schwierig das ist, so einen Laden am Leben zu erhalten, deswegen müsse sie sehr aufs Geld schauen.

Summa Summarum: Trotz der widrigen Umstände war der Abend cool, wir haben seeehr nette Musikerkollegen kennengelernt, und wir wissen jetzt auch, worauf man bei solchen Kneipengigs achten muss. Das Prinzip von Geben und Nehmen hat die Betreiberin dieser Bude leider gar nicht verstanden, sie hatte zwei Bands, an einem Samstag abend den Keller voll und wahrscheinlich auch ordentlich Umsatz gemacht. Da fühlt man sich als Musiker schon ziemlich abgezockt, wenn man auch noch die Getränke selber bezahlen muß und keinerlei Entgegenkommen seitens des Veranstalters spürbar ist. Das nächste Mal werden wir uns bei solchen Rahmenbedingungen zwei Mal überlegen, ob wir dann da spielen, Bühnenerfahrung hin oder her.
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Jürgen K

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114

Dienstag, 13. März 2018, 09:49

Hallo,

vielen Dank @Druffnix, aber an der ein oder anderen Stelle hätte hier der ein oder
andere eine umfassende Vorwarnung erteilen können, aber anscheinend muss da
jeder selber durch, deshalb spielen bei der Sabine so viele Kapellen.
Ich hatte das Vergnügen, die Dame mal in gemütlichem Rahmen interviewen zu
dürfen, später habe ich dann mal mit einem Kollegen einen Kollegen da in dem
urigen, aber eben auch etwas zweifelhaften Club zu erleben.
Meiner Kapelle habe ich danach seinerzeit eröffnet, dass ich dort nicht spielen
werde/würde.

Ich glaube durchaus, dass es schwer ist, so einen Schuppen zu betreiben und
dass man da knallhart sein muss, ob das aber genau so sein muss, das will ich
dann doch nicht so recht glauben.

Grüße
Jürgen

st_b

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115

Dienstag, 13. März 2018, 10:38

Jup solche Erfahrungen hab ich auch gemacht. Es gab zum Beispiel mal einen Gig in einer Bar in der mir der Wirt schon vor dem ersten Hallo ein unfreundliches "Das ist hier nicht der Madison Square Garden" entgegenschmetterte als ich meine Bassdrum reingetragen hab. Auch hier war beim Gig der Laden gut gefüllt, die Stimmung gut und die Leute haben ordentlich gebechert. Leider haben wohl die Einnahmen der Bar nicht gereicht und so war der Wirt gezwungen uns unsere Handvoll Softdrinks zu berechnen und ohne Bezahlung nach Hause zu schicken.
Ich war damals neu in der Stadt und da will man natürlich jeden Gig spielen. Aber sowas mach ich bestimmt nicht mehr. Mehr noch, ich geh nicht mal mehr als Kunde zu Konzerten von Freunden in der Bar.

Aber jetzt das Hut-Thema mal von einer anderen Seite betrachtet:
Es soll ja auch Menschen geben, die wirklich professionelle Musiker sind, also so richtig mit Selbstständigkeit und Finanzamt und Versicherung. Und es gibt ja durchaus Situationen, in denen man nachweisen können sollte, dass man mit dem was man macht ein vernünftiges Einkommen erzielt.
Als Beispiel fällt mir ein wenn man etwa in die KSK will, dann wollen die Rechnungen sehen, die belegen, dass man professionell arbeitet. Wenn ich denen sage, sowas hab ich nicht, weil ich nur auf Hut spiele, dann wird das wohl nix werden.
Wie händeln das denn die ganzen Hutspieler?
Oder ist das Hutspielen nur gut, solange man einen anderen Job hat oder noch Student ist?

sonorfan

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  • »sonorfan« ist männlich

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116

Dienstag, 13. März 2018, 10:54

... ich vermute mal: Da die Nachweise bei der KSK so zu machen sind, dass sich die KSK ein Bild darüber verschaffen kann, ob man von der KSK erfasst wird oder nicht, kann man ja Abmachungen mit Wirten auf einem DINA4 Blatt festhalten (Gastspiel-Vertag: "Musiker/Band XYZ spielt für Hut am TT.MM.JJJJ", Unterschrift Wirt). Wer in der Fußgängerzone spielt braucht, so weit ich weiß, eine Genehmigung der Behörden. Wenn man dann die eingenommenen Beträge auch in der Steuererklärung korrekt offen legt und, sollte es dann so sein, einen Steuerbescheid mit diesen Einkünften in der Hand hat, dürfte das + die anderen Belege die KSK auch überzeugen. Vorausgesetzt man wird grundsätzlich von der KSK erfasst, is ja klar ne :D!
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »sonorfan« (13. März 2018, 11:17)


Nefarion

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Dienstag, 13. März 2018, 12:18

Wir haben auch schon Gigs abgelehnt bei denen es hieß keine Getränke und nur Hut.
Lieber spielen wir dann einen Gig weniger.
Bisher war dies allerdings doch sehr selten.

Druffnix

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Dienstag, 13. März 2018, 12:37

@Jürgen

Dass die Rahmenbedingungen und Frau Wirtin etwas speziell sind, wussten wir im Vorfeld. Uns ging es um das Sammeln von Bühnenerfahrung, da macht man so was schon mal. Dass ein im Prinzip unbespielbares Instrument hingestellt wird, finde ich doof, ich hätte ja auch was passendes mitgebracht, wenn ich's gewusst hätte. Und dass alle Musiker den Eindruck hatten, dass im Hut mal mehr dringewesen sein müsste als Frau Wirtin dann ausgeschüttet hat, das geht gar nicht mehr. Uns geht es auch nicht ums Geld, wir und auch die andere Band leben nicht davon, wir sind Idealisten. Aber verarschen lassen muss man sich ja trotzdem nicht.
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Mittwoch, 14. März 2018, 12:39

Vielleicht sollten wir mal eine Selbsthilfegruppe gründen, die sich über Erfahrungen im Kellergewölbe austauscht. Auch ich durfte schon vor ein paar Jahren mich mit der Wirtin auseinander setzen. "Letzten Samstag hat hier eine Punkband gespielt, die waren viel leiser und haben das tolle Schlagzeug von mir gelobt." Summa Summarum ist der Laden echt speziell und wer mal Bock auf Geschcichten hat, die er dem Musikernachwuchs erzählen kann, wird in der Klappergass bestens bedient.
Wer leichter glaubt, wird schwerer klug!

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