Schlagzeugspur eines Songs für Play-Along extrahieren

  • Hi Leute,


    wenn ich 'n Play-Along zu einem Stück spiele, dann mache ich das bisher wie folgt:


    a.) ich habe mir einige Notenbücher gekauft, in welchen die gesamte Notation zu finden ist. Zusätzlich haben solche Notenbücher auch CDs inbegriffen, die den jeweiligen Song "mit" und "ohne" Schlagzeug beinhalten. Das heißt ich kann hier problemlos das Lied abspielen lassen, aber eben ohne der Schlagzeugspur. Eigentlich genau das was ich brauche. Aber: viele solcher Stücke auf diesen CDs sind nicht nur die Schlagzeugspur kastriert worden, sondern auch die Voice, also ohne Gesang. Das finde ich dann etwas fad, wenn ich dazu spiele.


    b.) ich lass einfach das original Lied dazu laufen, dreh die Bässe runter damit ich meinen eigenen Kick sehr gut wahrnehme und spiel einfach dazu. Ist halt 'ne Notlösung, weil ich dadurch auch immer den original Schlagzeuger höre.


    Was mir am allerliebsten wäre: ich kann mir einen Song aussuchen, und einfach die Schlagzeugspur irgendwie entfernen. Ich hab's mal mit Adobe Audition versucht, aber ich krieg's nicht gebacken.


    Jetzt kommt's: ich kann mich erinnern irgendwann mal auf eine Webseite gelangt zu sein, auf welcher man sich einen Song aussuchen konnte. Ich hab also im Suchfeld eingegeben "Michael Jackson - Smooth Criminal" und das Lied wurde geladen. Dann konnte ich jede einzelne Spur wie im Studio lauter, leiser drehen, oder eben komplett stummschalten. Das ganze war kostenpflichtig, man konnte also nur wenige Sekunden reinhören wie sich das dann anhört. Das zum Beispiel wäre eine gute Möglichkeit wie ich finde, allerdings auch kostspielige.


    Kennt ihr denn so eine Site, oder ähnliche Alternativen, evtl. auch kostenlose? Würde mich über jeden Tip freuen.


    Danke schon mal und trommlige Grüsse
    Rene

  • trommelfrosch: Hehe, ich weiß was du meinst (wenn du richtig im Timing spielst, hörst du den Klick nicht) aber darum geht's nicht wirklich. Ich möchte teilweise Passagen anders spielen, und dann stört mich z.B. der originale Schlagzeugsound (z.B. bei Kick-Variationen)


    Lonestar: ja ich glaube das war's sogar :) so hab ich das in Erinnerung. Danke!


    @all: kann man eigentlich einen original Song irgendwie so bearbeiten, dass man das Schlagzeug anhand Frequenztrennung rausfiltert? Kennt sich da jemand besonders gut aus und könnte mir ein paar Tutorials nennen, wo das genau beschrieben wird? Oder ist das technisch so gut wie nicht möglich?

  • trommelfrosch: Die Methode klappt aber nicht beim Jazz.

    (19:45:39) _kaotical_: ich wollte schon immermal in irgendwessen signatur
    (01:13:44) seppel: unglücklich sein hat eine ganz besondere qualität. hält länger an als glücklich sein. das muss man auch mal positiv sehen.
    (21:32:33) Drummingguitaris: gube, hast du brüste? wenn ja, hoffe ich dass du ein mann bist

  • Hallo,


    neben den geschilderten Möglichkeiten bieten die Playalongs der Sticks den Gesang mit an, dafür sind dann die Noten etwas rudimentär, was aber, wenn man sowieso anders spielen will, nicht so schlimm sein dürfte.


    Original ist allerdings nichts. Das sind alles Dinge, die von Profis nachgespielt wurden.
    Original ist schwer zu bekommen, da müsste man Kontakte zum Plattenverlag knüpfen. Aufwendig und regelmäßig wenig erfolgversprechend.
    Mixen ist sinnlos, beim Schlagzeug ist ja praktisch jede Frequenz dabei, das bekommt man einfach nicht richtig weg.


    Grüße
    Jürgen

  • trommelfrosch: Die Methode klappt aber nicht beim Jazz.

    Doch, da ist es nur schwieriger. Die ganzen Jazz-Granaten haben genau so geübt, lange bevor es Play-alongs gab.


    Renegade:
    Dein Wunsch ist nachvollziehbar, aber durch das Zudecken der Original-Schlagzeuglinie lernst Du mehr. Sieh es mal so: Warum solltest Du einen Song anders spielen als John Robinson, Ndugu Chancler oder Bernard Purdie? Meinst Du, Dir würde was Besseres einfallen als denen (oder den Produzenten, die solche Platin-Seller arrangiert haben)? Wenn Du aber solche Kollegen "wegspielen" kannst, hast Du Dir echt was draufgeschafft. Mit dem so erworbenen Vokabular schaffst Du eine geile Basis für Deine eigene Kreativität.


    Ich würde zu den Originalaufnahmen trommeln. Da hast Du dann wirklich den namhaften Kollegen als Referenz, und außerdem die ebenso hoch bezahlten anderen Instrumentalisten. Diese Karaoke-Multitracks sind musikalisch betrachtet schließlich nur ein müder Abklatsch der jeweiligen Originalvorlage.


    .

  • Ja da geb ich dir Recht, diese Karaoke-Songs klingen echt ätzend (vor allem der Gesang, ich könnt kotzen). Ich spiel ja auch oft mit den original Tracks mit, das ist nicht das Problem. Aber ich muss wirklich sagen, dass ich manche Tracks schon etwas variiere. Das hat nichts mit Respekt gegenüber den Künstlern zu tun, ich tu einfach eigene Sachen versuchen und bei manchen Passagen eigene Fills oder Beatveränderungen einbauen. Das geht aber manchmal schlecht, da ich ja dann beide Sachen überlagert höre. Darum ging's mir hauptsächlich. Der andere Hintergrund wäre, weil ich einfach auch meine musikalische Richtung etwas erweitern möchte, z.B. versuche einen eigenen passenden Beat drauf zu spielen.

  • Wenn man vorhandene Drums plattspielt/kopiert, kann man zwar durchaus was lernen, aber kreativ ist anders.


    Ich stell gern bei meinem TD6 die Drumspur aus, nehm irgendeinen Loop und nen Klick und probier viel rum, Blastbeats auf ein Dixiland-Pattern z.B. sind sehr unterhaltsam.

    “If you end up with a boring miserable life because you listened to your mom, your dad, your teacher, your priest, or some guy on television telling you how to do your shit, then you deserve it.”
    Frank Zappa (1940-1993)

  • Na ja, das mit der Kreativität ist die Standard-Diskussion, die ich hier schon öfter geführt habe. Wenn ich solche Kommentare lese wie "kreativ ist anders", muss ich den Kopf schütteln. Dem liegt meines Erachtens ein völlig falsches Verständnis von Kreativität zugrunde, nämlich dass kreativ zu sein bedeutet, sich nie da Gewesenes auszudenken. Am besten noch völlig frei von Einflüssen, die einen in althergebrachte Schubladen zwängen könnten. So kommt man zu dem Wunsch, auch bereits bestehenden Arrangements seinen eigenen Stempel aufdrücken zu wollen. Prinzipiell ist das noch nicht mal verkehrt, aber es stellt sich die Frage nach der Grundlage meiner Kreativität. Wie kreativ kann beispielsweise ein Dichter sein, dessen Wortschatz mit dem für die Antworten auf Reporterfragen auswendig gelernten Repertoire eines Fußballspielers vergleichbar wäre? Man stelle sich dann noch vor, Lukas Podolski würde vor diesem Hintergrund den Wunsch äußern, literarisch kreativ werden zu wollen...


    So ähnlich kommen mir die Wünsche nach dem individuellen Ausdruck der Trommler vor, die sich gar nicht im Detail damit auseinandersetzen möchten, was die Meister der Kreativität bereits geschaffen haben. In Anbetracht der hundertjährigen Geschichte des Schlagzeugs und der Legionen experimentierfreudiger Virtuosen dürfte es überraschen, wenn sich jemand noch etwas wirklich Neues ausdenken könnte. Es ist einfach alles, was physikalisch möglich ist, schon mal gespielt worden. Kreativität bedeutet demnach, bestehendes Material neu zu kombinieren und in anderen Kontexten als bisher einzusetzen (wie der Dixieland-Blastbeat). Je mehr bestehendes Material ich also studiert habe, desto Erfolg versprechender wird mein Streben nach dem eigenen Ausdruck ausfallen.


    Mir als Hobby-Schlagzeuger ist es mittlerweile übrigens fast völlig egal, ob vor mir schon mal einer das Gleiche gespielt hat. Wenn es sich gut anhört, bin ich schon zufrieden. Und bis sich mal etwas gut anhört, hab ich in der Regel schon genug zu tun...


    .

  • Zitat

    Je mehr bestehendes Material ich also studiert habe, desto Erfolg versprechender wird mein Streben nach dem eigenen Ausdruck ausfallen.


    Einverstanden, seh ich nicht anders. Ich drück's mal ganz grob gesagt so aus: ich möchte das Stück oder die Passage nicht bewußt verändern, weil es mir nicht gefällt oder weil ich der Annahme bin, ich könnte es besser, sondern ich möchte verstehen lernen, warum er das eigentlich so spielt und das gut reinpaßt. Ich möchte weder irgendwas "verbessern" oder am Stück kritisieren, sondern einfach nur probieren und meinen Horizont erweitern. Schaden kann's nicht ;)


    Nochmals danke an Alle und Grüße,
    Rene

  • Patrick, Du hast ja durchaus Recht mit Deinen Aussagen, aber es gibt ja auch die Technikkrüppel wie mich, die gern nach Originalen spielen, ohne sie richtig zu können...
    ... und ich glaube, von meiner Sorte gibt es es einige.
    Eigentlich bin ich sogar sicher, wenn ich in der Hörzone stöbere 8)


    .

    Schöne Grüße - Rainer K. aus B. an der W.

  • warum sollte das beim jazz nicht klappen?


    Weil du da oft keinen Beat hast den du dir einprägen und nachspielen kannst bis du Synchron mit dem echten Schlagzeuger spielst. Da Imporivisert der Schlagzeuger ja immer sehr viel.


    edit: Bis zu einem Gewissen Grad geht das schon, stimmt. Ich hab das nie versucht weil mir das viel zu heftig ist. Aber stimmt, so habens die Jazzer auch gelernt. Nur es sind so unglaublich viele Details.
    Also ich zieh meine Aussage mal zurück, im Jazz ist es einfach nur eine ganz andere Liga.

    (19:45:39) _kaotical_: ich wollte schon immermal in irgendwessen signatur
    (01:13:44) seppel: unglücklich sein hat eine ganz besondere qualität. hält länger an als glücklich sein. das muss man auch mal positiv sehen.
    (21:32:33) Drummingguitaris: gube, hast du brüste? wenn ja, hoffe ich dass du ein mann bist

    Einmal editiert, zuletzt von Michelchen ()

  • Patrick, Du hast ja durchaus Recht mit Deinen Aussagen, aber es gibt ja auch die Technikkrüppel wie mich, die gern nach Originalen spielen, ohne sie richtig zu können...

    Zu denen gehöre ich auch! Dann trommelt man halt dazu, was man kann oder möchte, ist ja nicht verboten. Es ist ja auch durchaus möglich, dass ein Honk unseres Kalibers auch mal eine gute Idee für eine Groove-Variation oder ein Fill hat, die vom Original abweicht und sich trotzdem gut anhört. Aber dann kann man das doch einfach drüberknüppeln und braucht kein richtiges Play-along, das aufwendig zu beschaffen ist. Der TS verfolgt ja mit seiner Frage ein durchaus ambitioniertes Anliegen, und da hab ich ihm nur geraten, das Ganze dann auch methodisch konsequent zu handhaben.


    Aber ganz abgesehen davon gibt es viele, viele großartige Songs, die man auch ohne beeindruckende technische Fähigkeiten eins zu eins umsetzen kann. Und manchmal merkt man sogar beim Nachspielen vermeintlich schwieriger Drum-Parts, dass die großen Kollegen am Ende auch nur mit Wasser kochen...


    .

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