Wiedereinstieg

  • Hallo Drummergemeinde,


    bin neu hier und wollte mal nach Erfahrungen von Euch fragen.


    Habe ca. 20 Jahre kaum noch an den Drums gesessen und bin letztes Jahr wieder aktiv eingestiegen.


    Da ich meine Nachbarn nicht verärgern möchte, suche ich nach einer sinnvollen Möglichkeit leise(r) zu üben.


    Ich überlege mir ein EDrum-Set zuzulegen, oder diese Übungsmatten, die man auf die Toms und Snare legt.


    Dazu die leisen Becken.


    Wie ist das Spielgefühl bei den beiden Möglichkeiten.


    Freue mich über Antworten und Erfahrungsberichte.


    LG


    Huesi

  • Moin,


    lies mal hier für den Anfang: Schlagzeuganfänger sucht Rat... (FAQ)


    Genau in deiner Situation waren viele, ergo gibt es über die Forensuche auch viele Beiträge zu genau deinen Fragen, E-Drum ja oder nein, Schall reduzieren, aber wie, Meshhead oder nicht,... einfach mal durchstöbern, dann werden alle deine Fragen wohl beantwortet sein. ( https://www.drummerforum.de/fo…ghlight=e-drum+akustikset )


    Das Übliche zum Schluss: E-Dum ist was gänzlich anderes als Akustikset, spielt sich anders, belastet den Körper anders, klingt anders. E-Drum ist nicht per se leiser und Nachbarfreundlicher. Die beste Lösung ist immer ein separater Proberaum, dort, wo es niemanden stört, das man musiziert.

    "You don't have to show off" - Peter Erskine

  • Ich habe selbst ne Weile im heimischen Keller ein Akustikset mit Matten gespielt. Den Rebound fand ich deutlich schlechter als bei jedem mir bekannten E-Set, was aber in meinen Augen sogar von Vorteil war, weil man zu kontrollierter Technik gezwungen war. Koordination kann man ohne Sound ebenso üben, nur mag der Spaßfaktor leiden, wenn man nicht regelmäßig die Chance hat, z.B. mit Band gemeinsam auf nem ordentlichen Akustikset zu spielen, wie es bei mir zu der Zeit möglich war. Ich hatte auch nie Silent Cymbals, sondern habe meine Becken ebenso mit Matten zum Schweigen gebracht.

  • Hallo huesi

    Da ich meine Nachbarn nicht verärgern möchte, suche ich nach einer sinnvollen Möglichkeit leise(r) zu üben.

    Ein wichtiger Punkt: Wohnt Dein Nachbar (oder mehrere) im selben Haus? Was für eine Art Haus ist das? Davon hängt viel ab.


    Das Übliche zum Schluss: E-Dum ist was gänzlich anderes als Akustikset, spielt sich anders, belastet den Körper anders, klingt anders. E-Drum ist nicht per se leiser und Nachbarfreundlicher.

    Da hat Moe vollkommen Recht.


    oder diese Übungsmatten, die man auf die Toms und Snare legt.

    ... also auf einem Akustik Set? Denn auf Edrums bringen die nichts.


    Wie ist das Spielgefühl bei den beiden Möglichkeiten.

    Ich kenne Drummer, die mit Gummipads anstandslos zurechtkommen ... mir dagegen geht Gummi regelmäßig durch die mechanischen Eigenschaften auf Muskeln und Gelenke (Spannfedereffekt). Mesheads fühlen sich ziemlich echt an, vom Schlaggefühl. Becken am Edrum sind ... Gummi ...


    Grob gesagt gibt es am Edrum 2 Störquellen, wenn Du den Strom abschaltest, als Nachbarsimulation: a) die Becken, b) das BD-Pedal. Die Becken machen Tok-Tok, etwa bei 80 dBSPL, also ähnlich wie bei einer lauter aufgedrehten Stereoanlage. Störte so etwas in der Vergangenheit Deine Nachbarschaft?


    Beim BD-Pedal gehen Erfahrungen und Meinungen auseinander. Als Geräuschquelle harmlos sind als Pedale ausgebildete Schalter: Die kannst Du mit wenig Fußkraft schließen und öffnen. Einige EDrums benutzen normale Fußmaschinen, die irgendwo anknallen. Entscheidend ist bei denen, wie heftig Du treten musst, um elektrisch zu triggern. Je nach EDrum genügt ein zartes Trittchen oder erfordert einen echten Mördertritt - und der ist das Problem. Der nämlich bringt Deinen Boden in Eigenschwingung. Übst Du beispielsweise im 1. Stock über Deinem Nachbarn, und swingt durch den Tritt Dein Boden = die Decke Deines Nachbarns, dann "erfreut" er sich an einer mörderlauten Membran über ihm: seine Decke. (Podeste haben für den Fußkick eher kosmetisch beruhigende Wirkung; manche verschlimmern auch, statt zu verbessern.)


    2 Tests kannst Du dazu machen: a) Stereoanlage ordentlich aufdrehen, b) kräftigst auf Deinem Boden stampfen, z.B. fußfreundlich mit einem Gummihammer. Sein/Ihr Feedback gibt Dir dann Aufschluss, ob das überhaupt etwas werden kann.


    Die beste Lösung ist immer ein separater Proberaum, dort, wo es niemanden stört, das man musiziert.

    Das könnte eine Konsequnez aus dem Test sein. Alternativen sind verabredete Übungszeiten. Richter waren in ähnlichen Fällen der Ansicht, dass a) Niemand einem Musiker das Spielen komplett verbieten kann, und b) kein Nachbar jeden als Musik beschönigten Krach unendlich erdulden muss: Man möge sich einigen.


    Gutes Gelingen, Michael

    "Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie." (Wird Kurt Lewin zugeschrieben) // Was schlechte Theorien unbrauchbar macht ... //

  • E-Dum ist was gänzlich anderes als Akustikset, spielt sich anders, belastet den Körper anders, klingt anders.


    Das ist wirklich ein guter Punkt. Wenn ich auf einem E-Set spiele, klinge ich scheißer als der letzte Anfänger. Umgekehrt klingt man auf einem Akustikset erst mal scheiße, wenn man nur auf einem E-Set übt.

  • Podeste haben für den Fußkick eher kosmetisch beruhigende Wirkung; manche verschlimmern auch, statt zu verbessern.


    Es gibt hier doch einige Anleitungen zu "Podesten" die extra der Trittschalldämmung dienen. Die wurden je nach Bauart als sehr wirksam beschrieben.

  • Es gibt hier doch einige Anleitungen zu "Podesten" die extra der Trittschalldämmung dienen. Die wurden je nach Bauart als sehr wirksam beschrieben.

    Ja, ich weiß davon. Die Frage ist, was "sehr wirksam" bedeutet, und woran die Wirksamkeit zu orientieren ist.


    Ich habe den Eindruck, dass die "Messung" häufig darin besteht, festzustellen, dass keine Beschwerden mehr kommen (Nebenbei: Unter allen Messmethoden ist das die ungeeigneste, denn sie lässt keine übertragbaren Vorhersagen zu). Wenn das Podest das so leistet, ist das sicher ein Fortschritt für alle Beteiligten. Aber es ist nicht eindeutig: Vielleicht hat Nachbar auch nur entnervt aufgegeben? Des Weiteren ist mir noch kein Podestbauer aufgefallen, der einen messbaren Vorher-Nachher-Vergleich liefern konnte, etwa aus allen Räumen aller Nachbarn.


    Und nun die eigentlich wichtige Frage: Woran sollte man Wirksamkeit messen?


    Schauen wir einmal von der einen Seite: Ein paar dB Veränderungen sind immer möglich, sagen wir 3 - 6 dB. Verbesserung (leiser) oder Verschlechterung (lauter) - immerhin, wir handhaben hier auf das Gebäude bezogen komplexe Resonanzphänomene. Das mag genügen, wenn Nachbar ein nahezu schwerhöriger Mitmensch ist. Hat Nachbar ein Neugeborenes oder ist Nachbar Schichtarbeiter, oder bespielt Drummer sein Set wie ein Fitnessgerät, mag es anders aussehen.


    Schauen wir von der Umweltseite her. Messe ich den Schallpegel meiner Umweltgeräusche, dann verändern die sich über den Tag zwischen der lautesten und der leisesten Tageszeit um 20 dB oder mehr. Und nun wird es spannend: "Wirksam" könnte ein Podest sein, wenn es 20 dB oder mehr abdämpft. Denn dann könnte der Drummer zu beliebiger Tages- und Nachtzeit unhörbar sein. Und das schafft unter 100 Hz bisher kein mir bekanntes Podest.


    Schade, denn in dem Frequenzbereich der Deckenschwingungen legen sich auch Akustiker die Karten. Die Normen berücksichtigen das, indem sie erst Anforderungen ab 100 Hz aufwärts stellen. Darunter schlagen gnadenlos viele Resonanzphänomene zu: Das wissen auch die Normenschreiber. Oder einfach: 20 dB oder mehr unterhalb von 100 Hz wird ein Traum bleiben.


    Also: Ja, ein bischen Dämpfung könnte eintreten, und Nein, es wird nicht genügen, und Nein, es wird in dem Maße nicht realisierbar sein, wie es sein müsste. Denn "Nachbauen" heißt ja - unausgesprochen, dass so ein Podest für Jeden überall in jedem Gebäudekomplex mit beliebigen Nachbarn zu beliebigen Tages- und Nachtzeiten gleichmäßig gut wirkt. Unter diesem praktischen Gesichtspunkt sind wir da wohl weit von weg. Im Einzelfall mag etwas gelungen sein, was beim nächsten Drummer so nicht gleichermaßen wirkt.


    Insofern sehe ich da mehr Kosmetik und Beruhigung als quantifizierbare Wirkung. Leider. Na ja, und von den Euros habe ich noch gar nicht gesprochen.


    Grüße, Michael

    "Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie." (Wird Kurt Lewin zugeschrieben) // Was schlechte Theorien unbrauchbar macht ... //

  • Die Frage ist, was "sehr wirksam" bedeutet, und woran die Wirksamkeit zu orientieren ist.


    Ich habe den Eindruck, dass die "Messung" häufig darin besteht, festzustellen, dass keine Beschwerden mehr kommen (Nebenbei: Unter allen Messmethoden ist das die ungeeigneste, denn sie lässt keine übertragbaren Vorhersagen zu). Wenn das Podest das so leistet, ist das sicher ein Fortschritt für alle Beteiligten. Aber es ist nicht eindeutig: Vielleicht hat Nachbar auch nur entnervt aufgegeben?

    Dazu passend habe ich hier einen Beitrag von Beeble in meinem Galeriethread zitiert:

    Lieber brennende Herzen, als erloschene Träume! <3 xxxx Love life, and live! - It's worth it.


    “You are never too old to set another goal, or to dream a new dream.” ― C.S. Lewis


    Don‘t waste your time or time will waste you. (Muse - Knights of Cydonia)

  • Ja, ich weiß davon. Die Frage ist, was "sehr wirksam" bedeutet, und woran die Wirksamkeit zu orientieren ist.


    Ich habe den Eindruck, dass die "Messung" häufig darin besteht, festzustellen, dass keine Beschwerden mehr kommen


    Hast du dich mal mit dem Befriff "Overengineering" beschäftigt? ;) :P :)
    Das Ziel ist tatsächlich, dass keine Beschwerden mehr kommen. Ob das dann deshalb ist, dass jemand aufgegeben hat ist erstmal egal. Bei den bisherigen DIY-Threads wurden diese Ergebnisse meist dann auch dokumentiert, d.h. dass es eben keine Beschwerden mehr gibt oder man es im eigenen Haus nur noch so wahrnimmt, dass es nicht stört. Und das ist natürlich eine sehr individuelle Sache, aber nochmal: Keine Bescherden und das Problem ist gelöst. Du versuchst manchmal, nein sehr oft, Lösungen für nicht vorhandene Probleme zu finden. Hier ist nicht nach Grundlagenforschung gefragt, sondern nach einer praktikablen Lösung (die eben schon mehrfach gefunden wurde) für ein praktische Problem. Manchmal reicht es da sich an den Lösungen der anderen zu orientieren und ein wenig mit Trial and Error sich der eigenen ausreichenden Lösung anzunähern.

    Einmal editiert, zuletzt von Das Honk ()

  • Hast du dich mal mit dem Befriff "Overengineering" beschäftigt? ;) :P :)

    Nun, es gibt auch Underengineering ;) :P :)


    Manchmal reicht es da sich an den Lösungen der anderen zu orientieren und ein wenig mit Trial and Error sich der eigenen ausreichenden Lösung anzunähern.

    Sicher. Es sind nicht meine Nachbarn, es ist nicht mein Geld, es ist nicht mein Aufwand. So gesehen ist es mir relativ wurscht.


    Wenn Jemand allerdings seinen Boden "befragt", durch stoßartige Anregung, und als Antwort einen tiefen Ton unterhalb von 100 Hz bekommt, der weiß spätestens mit diesen Zeilen, dass er/sie ein ernstes Problem hat. Wer dann gerne bastelt und probiert: Nur zu ... es wird nicht viel bringen. Manche Ansätze ohne Podest könnten in derselben Zeit für fast keine Euros weiter tragen. Ein Placebo wurde ja gerade benannt, Absprachen wären auch eine friedensstiftende Alternative, s.o.

    "Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie." (Wird Kurt Lewin zugeschrieben) // Was schlechte Theorien unbrauchbar macht ... //

  • Wenn Jemand allerdings seinen Boden "befragt", durch stoßartige Anregung, und als Antwort einen tiefen Ton unterhalb von 100 Hz bekommt, der weiß spätestens mit diesen Zeilen, dass er/sie ein ernstes Problem hat. Wer dann gerne bastelt und probiert: Nur zu ... es wird nicht viel bringen.


    Hier bin ich mir eben nicht sicher, denn ein Podest soll ja gerade diese Stoßenergie aufnehmen und versanden lassen. Die Energie soll/wird im Podest abgebaut/werden und kommt beim eigentlichen Boden kaum noch an. Hälst du dieses denn für unmöglich? Und wenn ja, warum?

  • Hallöle,


    ich habe bis heute (auch nach Wiedereinstieg) kein Podest gebaut und auch
    kein E-Drums angeschafft und werde das aus praktischen, rechtlichen und
    musikalischen Gründen auch nicht tun.


    Meine Frage lautet immer: wie lautet das Ziel?


    Wenn es heißt "leise(r) zu üben", dann habe ich das jedenfalls preiswert
    und sachdienlich gelöst:
    1. Gewebefelle ("mesh heads", namentlich aktuell Remo SilentStroke) für Bass Drum und Tom-Toms als Schlagfell
    2. Gummimatte ("Gladstone") für die Snare Drum
    3. Evans "Sound Off" Gummi- bzw. Neoprenmatten für Hi-Hat, Ride und sonstige Becken
    4. Tolle Nachbarn
    5. Ältester Mieter im Haus
    6. Selbstbewusstsein oder Mut des Verzweifelten
    7. Super Übeperformance, die applauswürdig ist
    8. Relativ klare Übezeiten
    9. Proberaum in 5 km Entfernung, wenn mal Weihnachten ist


    Grüße
    Jürgen

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!