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1

Dienstag, 14. Mai 2019, 14:50

Bonham quantisieren...

Moin zusammen,

ich spiele zwar eigentlich immer zum Klick bei Aufnahmen, aber mehr und mehr Zweifel ich an dem Konzept. Zumindest an der Allgemeingültigkeit. Es groovt doch oftmals besser ohne, und vor allem wenn man schon zum Klick spielt sollte man danach nicht auch noch jede Note quantisieren.

Rick Beato hat hier mal das Experiment gewagt Bonham zu quantisieren. Grausam! Aus Bonham wird Roboham.

https://www.youtube.com/watch?v=hT4fFolyZYU



WIe haltet Ihr es mit dem Quantisieren / auf Klick spielen bei Aufnahmen. Macht es für Euch bei allen Aufnahmen Sinn? Ich denke ich werde zukünftig anstreben wieder mehr ohne Grid zu spielen. Auch wenne s heut zu Tage eher als unprofessionell gilt Temposchwankungen im Song zu haben. Bei alten Songs ist das doch auch ganz normal!

Gruß, Blues
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“Life sucks, but in a beautiful kind of way.” Axl Rose

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bluesmaker« (14. Mai 2019, 14:54)


m_tree

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2

Dienstag, 14. Mai 2019, 14:55

Auf Klick einspielen ist halt 'ne saubere Sache. Ohne Klick mit "passenden" Schwankungen ein wirklich rundes Ergebnis zu erreichen ist schon nicht so einfach.

Es sagt ja keiner, dass man danach alles aufs Grid schieben muss. Grobe Schnitzer sollten sowieso nicht passieren. Im besten Fall spielt nur der Drummer auf Klick ein und die anderen halten sich an den Drummer. Egal ob live oder mit Overdubs.

Andererseits gibts aber auch Extrembeispiele, die ein ganz schlechtes Timing haben und quantisiert werden müssen, damit's nach was klingt. Ein Mixing Kunde von mir, der alle Instrumente selbst einspielt, ist so ein Fall.

Aber eine wirklich gute Performance tot zu quantisieren ist m.E. einfach irrsinnig. Die Musik wird durch die technischen Möglichkeiten sowieso immer lebloser.

Gabs die Diskussion hier vor nicht all zu langer Zeit schon mal?

3

Dienstag, 14. Mai 2019, 14:57

Gabs die Diskussion hier vor nicht all zu langer Zeit schon mal?
Mit Sicherheit, aber die ist immer aktuell. Seit der Möglichkeit mit Beats zu frankensteinen.
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“Life sucks, but in a beautiful kind of way.” Axl Rose

Rampen

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4

Dienstag, 14. Mai 2019, 15:04

Ein Klick macht es halt beim Editieren einfach (Takte umschieben, Takes umschalten etc.). Daher werden sich Toningenieure darüber freuen. Und ich finde nicht, dass ich schlechter groove, wenn ich zu einem Klick spiele. Quantisieren finde ich aber auch grausam, das mache ich noch nicht mal bei mir selber (und ich habe ein echt mieses Timing). Ich schiebe höchstens mal hie und da einen Schlag, der wirklich total danebenging.
Nix da.

trommeltom

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5

Dienstag, 14. Mai 2019, 16:27

Jetzt musste ich erstmal das verlinkte Video anschauen, um zu lernen was quantisieren überhaupt ist... ^^

Schoppe

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6

Dienstag, 14. Mai 2019, 16:47

Hallo.
Bei Toningenieuren sind wir ja schon eher im professionellen Bereich wo das schon angebracht(er) ist.
Hier sollte sich das aber auch in Grenzen halten, da es sich ja um Profi's handelt.

Im Amateur/Semi Professionellen Bereich sehe ich das nicht so.

Dort sollte man sich eher darauf konzentrieren genauer zu spielen, denn auch wenn man mit Klick spielt heißt das ja nicht das man auch exakt spielt ;)

D. h. die Zeit die man später zum "Quantisieren" bräuchte lieber vorher zum üben nutzen :P


Gruß

Ralf
Bier und die Pfalz, Gott erhalt's ;)

Rampen

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7

Dienstag, 14. Mai 2019, 16:53

Nunja, man hört doch seeehr oft von Toningenieuren, die sich bitterlich ausweinen weil sie wirklich miserable Künstler aufnehmen mussten. Kleine Bands, die CDs oder Demos produzieren sind nicht unbedingt alle Weltklassemusiker, und es gibt ja auch den einen oder anderen Multiinstrumentalisten, der ein Album komplett alleine performt (was ich übrigens in keinster Weise abwerten will!). Den Bassisten einer mir bekannten aufstrebenden Band haben sie letztlich gnadenlos durch einen Studiomusiker ersetzt, so dass er auf seinem ersten Album gar nicht zu hören ist... ;(
Nix da.

Schoppe

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8

Dienstag, 14. Mai 2019, 17:07

Hallo.

Ok, dann transponiere ich das in meine Sätze 4 und 5 und sage, dass sie die Zeit die der Toningenieur zum Quantisieren braucht (und die ja auch Geld kostet), besser zum üben genutzt hätten :thumbsup:

Gruß
Ralf
Bier und die Pfalz, Gott erhalt's ;)

9

Dienstag, 14. Mai 2019, 17:15

Was soll das ganze?

Warum macht man durch einen Computer einen Musiker zu etwas, was er gar nicht ist?

Die Bilder, die mein Sohn mit 2 Jahren malt, finde ich gut. Ich käme nie auf die Idee, die durch einen Computer laufen zu lassen, um sie "zu verbessern". Sollte ich doch mal auf die Idee kommen, einen Baum, den er gezeichnet hat, am Computer zu "verbessern, so dass er dann perspektivisch korrekt und präzise mit Schattierungen und Hintergrund auf dem Papier erscheint, interessiert das Bild doch niemanden mehr.

Ich bin mir sicher, dass es tausende Bands und Studio-Menschen gibt, die der Musik durch Quantisierungern, Schnibbeleien etc. ihren unverwechselbaren Charme genommen und somit zu etwas Unbedeutendem gemacht haben. Hört Euch mal Elephant von den White Stripes an und stellt Euch mal vor, das Album hätte jemand "amtlich" produtziert.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Surfkoala« (14. Mai 2019, 17:51) aus folgendem Grund: Rechtschreibung


trommla

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10

Dienstag, 14. Mai 2019, 17:50

Das Thema ist wirklich nicht neu, und meine Einstellung dazu auch nicht. Allerdings lässt sie sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten.

Das Quantisieren ist noch relativ leicht zu beantworten. Ich bin total begeistert von der technischen Möglichkeit, dank der heutigen Digitaltechnik im Track rumeditieren zu KÖNNEN. Ist mir nicht nur einmal passiert, dass ein eigentlich schöner Track irgendwo nen Holperer drin hatte, der hörbar genervt hat. Früher hat man dann halt damit leben müssen oder den Track wenigstens teilweise neu eingespielt. Heute schiebe ich mir das einfach so hin, dass es nicht mehr nervt. Spart einerseits Zeit, und andererseits hat oft der erste Track eine Energie, die möglicherweise bei Wiederholungen nicht mehr so da ist. Zumindest ich werde mit zunehmender Zahl an Versuchen dann nicht unbedingt besser, und oft genug haben wir uns dann doch für den ersten Track entschieden.

Weshalb heute oft der gesamte Track am Grid ausgerichtet wird, erschließt sich mir nicht, und ich frage mich ehrlich gesagt, wie sich diese Produktionsweise so entwickeln konnte. Das passiert ja nicht nur bei wackeligen Amateurdrummern, sondern auch bei gefragten Studiogrößen. Na ja, ist halt inzwischen ein Industriestandard.

Das Thema Click hängt meines Erachtens von mehreren Faktoren ab. Wenn man eine eingespielte Band aufnimmt, spricht nichts dagegen, wie früher die Band gemeinsam einzuspielen, um die bestmögliche Energie einzufangen. Click braucht es dabei nur, wenn nachträglich Bearbeitungen stattfinden sollen, die syncron sein müssen. Für reine Overdubs geht es auch gut ohne. Insbesondere für Amateurbands, die nicht viel Routine beim Spiel zum Click haben, eine ernstzunehmende Alternative, wenn man wirklich eine überzeugende Aufnahme will.

Für "Auftragsproduktionen" macht es schon Sinn, Track für Track aufzunehmen, weil man ja in der Regel Termindruck hat und nicht die Zeit, einen für alle geeigneten Termin zu finden. Und da ist dann natürlich auch Click erforderlich. Für Multiinstrumentalisten wohl logischerweise auch. Obwohl ich mir vorstellen könnte, dass man sich selbst leichter auch ohne Click begleitet, weil man ja die eigene Phrasierung aus dem Effeff kennt.

GuTh

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11

Dienstag, 14. Mai 2019, 19:03

Da stimme ich trommla zu.

Ich habe bei wenigen Produktionen nach Klick spielen müssen, fand es aber nicht störend, es drei bis viermal (dann kannte ich den Track praktisch auswendig) einzuspielen. Wenn schon eine Instrumentierung vorhanden war, um so mehr spaß hat es gemacht sich da einzugeben. Bei manchen Parts spielt man millisekunden später, inspiriert von den vorhandenen Instrumenten und bei manchen Parts hört man den klick nicht mehr weil Bassdrum und Snaredrum sie zudecken. Der Klick ist schon lange ein probartes Mittel bei Aufnahmen, Instrumente einzuspielen.

:thumbup: GuTh

m_tree

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12

Dienstag, 14. Mai 2019, 19:24

Den Track auswendig kennen sollte man aber schon vor dem ersten Take. ;)

Klar hat das alles seine Vor- und Nachteile. In einem ansonsten guten und sauberen Take mal 1-3 leicht unsaubere Stellen zu schneiden kann ein Segen sein. Einen guten und sauberen Take allerdings komplett zu zerpflücken und ans Raster anzugleichen ist aber eben m.E. eine Art Missbrauch dieses technischen Hilfsmittels.

GuTh

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13

Dienstag, 14. Mai 2019, 19:47

Den Track auswendig kennen sollte man aber schon vor dem ersten Take. ;)


Schon klar, nur hörte ich die Songs zum ersten mal im Studio :S

m_tree

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14

Dienstag, 14. Mai 2019, 20:01

Den Track auswendig kennen sollte man aber schon vor dem ersten Take. ;)


Schon klar, nur hörte ich die Songs zum ersten mal im Studio :S

Hatte ich auch schon mal, allerdings in ziemlich kleinem Rahmen. Es wirkt sich aber immer - ganz unabhängig von den Fähigkeiten und dem Anspruch des Tracks - negativ auf die Performance und das Ergebnis aus. Eine gute Vorbereitung ist das A und O - immer und überall. :)

trommla

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15

Dienstag, 14. Mai 2019, 20:17

Wenn eh alle gleich klingt, wäre dann der nächste Schritt konsequent. Man bietet Studios Templates an, bei denen (quantisierte) Drums, Bass, Gitarre und Keyboards schon komplett vorproduziert sind und der Produzent lediglich bei der Online-Bestellung noch die Tonart bzw. die Harmoniefolge wählt.

Marius, das wäre doch ne Geschäftsidee ;)

martinelli

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16

Dienstag, 14. Mai 2019, 21:01

Ein Klick macht es halt beim Editieren einfach (Takte umschieben, Takes umschalten etc.). Daher werden sich Toningenieure darüber freuen.

Jaja, vor allem, wenn der Fummler gar nicht weiß, dass der Schlagwerker ganz bewusst in der 3. Strophe leicht anders spielt als in der 2. und er endlich auch mal Musik gestalten (oder der Präzision zuliebe verunstalten) kann. ;-)

M.

Rampen

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17

Dienstag, 14. Mai 2019, 21:28

Also die meisten Fummler haben ein hervorragendes Gehör für Details und erkennen ganz genau die Unterschiede zwischen verschiedenen Parts. Wobei, genau wie bei den Musikern gibt es da natürlich auch Leuchten und Flaschen :D
Nix da.

m_tree

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18

Dienstag, 14. Mai 2019, 21:40

Marius, das wäre doch ne Geschäftsidee ;)

Ne Geschäftsidee eher um dagegen zu halten und auf Echtheit zu setzen. ;)
Fragt sich allerdings, wie idealistisch ich bleiben können werde ... :rolleyes:

Bei einem Mixing Wettbewerb von Cambridge MT - wohlgemerkt kein Remix-, sondern wirklich nur ein reiner Mixing Wettbewerb - war es erlaubt nicht nur Spuren weg zu lassen (was im Fall von mehrfach mikrofonierten Elementen durchaus mal üblich ist und sich ja wirklich nur auf die tontechnische Umsetzung beschränkt), sondern auch zu verschieben. D.h., den Track umzuarrangieren.
Ohne Absprache mit dem Künstler ist das so ziemlich das unprofessionellste, das man machen kann. Ich frage den Kunden sogar, bevor ich Timing Geschichten korrigiere, Samples hinzufüge, automatische Tonhöhen Korrektur benutze oder eben mal eine (bspw. Snare Teppich oder Drums Raum) Spur weglasse usw. ... alles in Rücksprache.

19

Dienstag, 14. Mai 2019, 23:49

Wenn eh alle gleich klingt,
Na der Gipfel der modernen Teschnik ist ja erst erreicht, wenn man die gespielten Drums nicht nur quantisiert, sondern auch noch durch Sample ersetzt. Geht ja heute auch alles bestens. Dann klingt es endlich alles wirklich gleich perfekt. :D

Ich sehe das auch so, dass es Luxus ist den ich nicht mehr missen möchte, wenn man Schläge die nicht ganz gelungen sind ein bisserl zurechtrücken kann aber bei dem Quantisieren vergeht einem ja irgendwie der Spaß komplett.
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“Life sucks, but in a beautiful kind of way.” Axl Rose

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bluesmaker« (15. Mai 2019, 11:54)


20

Mittwoch, 15. Mai 2019, 09:08

Ich hab mit meinen ersten Bands noch Demo-Tapes mit einem Vierspur-Recorder aufgenommen. Ich hab Zuhause auch noch einige Demos von anderen Bands rumliegen und viele dieser Aufnahmen sind toll, gerade weil man hört, wie die Band wirklich klingt.

Als dann die Zeit der ersten Studios mit Computern kam, haben wir auch so aufgenommen. Da hat sich viel geändert.
1. Man musste das Studio teuer bezahlen. Vorher haben wir Mikros und Recorder für ein paar Mark geliehen.
2. Man musste CDs brennen lassen.
3. Man musste jemand bezahlen, der einem das Cover in druckfertige Dateien umwandelt.
4. Im Studio war jemand, der nicht zur Band gehört hat, aber die Macht über den Sound hatte.
Und jedesmal sind wir anfangs an Leute geraten, die einen "perfektionistischen" Ansatz vertraten. Es musste mit Click gespielt werden. Krummes wurde gerade gerückt. Gitarren mussten gedoppelt werden. Effekte wie Gates, Kompressoren und Hall mussten alles "fetter" machen. Nicht nur meine Bands, sondern auch viele befreundete Bands klangen danach aufgepumpt, pompös und irgendwie heavy-metalig.

Seitdem hat sich viel verändert. Man kann sich moderne Studiotechnik wieder selbst leisten, CDs sind günstiger geworden und die Cover bekommt man auch selbst wieder hin.

Was aber geblieben ist, ist der Ansatz des Perfektionistischen bis weit in den Amateur-Bereich. Subtiler als von mir oben beschrieben, aber eben doch da. Und ich finde das schade, weil ich glaube, dass dadurch Nuancen in der Musik verloren gehen.

Das Gegenprogramm heißt "Haltung": Steve Albini, die Stones auf ihrem Blues-Album, Jack White...Sie propagieren einen klaren ästhetischen Ansatz zu ihrem Sound, ihrer Herangehensweise, das finde ich gut.

Ich wünsche mir tatsächlich ein Bio-Label für Musik, wie zum Beispiel "No Computers on this record".

Gegen Click hab ich im übrigen gar nix ;-)