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  • »Mueller-Stashik« ist der Autor dieses Themas

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1

Donnerstag, 16. Mai 2019, 23:41

Sinnvolles Drumsolo in Jazz Standartsda

Hallo Trommelgemeinde
Wie legt man ein Schlagzeugsolo an der Form eines Jazzstandarts an?
Ich bin technisch, würde ich sagen, schon recht fit, und das Vocabulary klingt auch ganz passabel. Trotzdem fühle ich mich in der Jazzband oft überfordert wenn es darum geht, eine oder mehrere Formen alleine zu gestalten, oder auch in der vier-vier-Situation. Wie macht ihr das, also wonach richtet ihr euch, wie baut ihr das auf, und wie sehen eure Spannungsbögen aus? Transkriptionen helfen mir nur bedingt, weil nicht erkennbar ist, wie der entsprechen Drummer welche Idee interpretiert, sondern man hat nur das Resultat.

KC

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  • »KC« ist männlich

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2

Freitag, 17. Mai 2019, 08:06

m.E.
wichtig die Rudiments in Fleisch und Blut, bei Jazz/Swing-Solo erstmal die tenär angelegten, z.B. 6-Stroke -Roll, Double-Paradiddle...im weiteren
auch abgewandelt rllrllrrlrrlrr...usw usw da eröffnen sich viel Varationen fast von selbst. Und wenn die gehen da gibt es ja noch mehr z.B. Flams
Ich würde mich aber erstmal auf 2-3 beschränken. Die auch verteilt über das Set, das klingt schon ordentlich.
Um die Zählzeiten nicht zu verlieren lasse ich am Anfang auch immer Bass/Hihat im Wechsel auf die Viertel durchlaufen, je sicherer ich
werde kann dann auch da angefangen werden zu variieren, insbesondere BD.
Als Rückfalloption finde ich den Double-Stroke-Roll hilfreich (als Ternäre 16tel rrllrrllrrllrrll....) - m.E. aber auch technisch
so mit das Anspruchvollste was es gibt. Wenn es mal läuft easy, aber ich habe ungelogen Jahre gebraucht die gut zum Laufen zu bringen.
Was mir auch geholfen hat das Feel zu entwickelen einfache ternäre 8tel (RLR LRL RLR LRL) aber auch vom Handsatz variiert (RRL LRR LLR RLL...)
und immer schön Bass/ HiHat auf die viertel weiter...
Damit hat man m.E. schon ein ziemlich gutes Repertoire um zu solieren und in Time zu bleiben - da sind dann 2/4/6....Takte zu zählen auch kein Problem mehr.
Wenn das läuft eröffnet sich viel ganz von allein.
Meine bescheidene Meinung, habe aber lange gebraucht um das halbwegs brauchbar und ohne Hemmungem und Bammel hin zu bekommen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »KC« (17. Mai 2019, 11:09)


  • »Mueller-Stashik« ist der Autor dieses Themas

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3

Freitag, 17. Mai 2019, 08:24

Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Wie gesagt, die technischen Dinge laufen eigentlich, sowie auch Unabhängigkeit und Koordination. Ich möchte gern wissen, wie ihr im Ernstfall das Solo gestaltet, also ob ihr erstmal ganz spartanisch die Melodie spielt (mit Snare, Toms und Bassdrum zB), dann vielleicht Akzente und Rolls oder andere Floskeln, LICKPLAYING.... und macht ihr das dann so, dass man das Thema immer genau erkennt, oder reicht es, wenn das „nur“ in meinem Kopf weiterläuft, während ich spiele?
Also, wie gestaltet ihr für gewöhnlich eure Spannungsbögen? Bei mir verhält es sich leider so, dass ich beim Solo direkt keine Idee hab und dann nur irgendwelche technischen Floskeln kloppe. Aber das hat ja dann mit Gestaltung nicht zu tun. Das hab ich Bedarf und bräuchte euren Support.... 8)

KC

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  • »KC« ist männlich

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4

Freitag, 17. Mai 2019, 08:45

Hängt ein wenig von der Situation ab:
wenn es quasi, ich nenne es mal ein Fill-Solo über 2-4 Takte ist, hast

du ja gar keine Zeit groß was aufzubauen: Rudiments.Als für mich hilfreichen Tip für das "Big Drum-Solo" das Solo als Lied betrachten und ausnotieren. Ob dann der eine andere Takt dazu kommt ist auch erstmal egal, aber du bringst Struktur rein. Nur Impro geht m.E. erstmal nicht gut.
Ich gehe gerne mit Rudiments rein, zuerst auf der Snare, dann verteilt auf die Toms.
Rückfalloption Doubles auf der Snare, dann rüber zu Drags (rll lrr, du weißt schon) auf der Snare in unterschiedlicher
Phrasierung (da fühle ich mich ein wenig wie ein Buddy Rich :-).
Zum Ende hin schön Alarm mit Becken, meist sehr einfach rlrlrl mit BD auf den Becken re, li Snare, ternär, gefällt mir einfach.
Zum Abschluß wieder rein in Doubles, die dann aufgelöst zu singles, noch aufgelöster nach
binäre 8 tel, das immer lauter und Schluß auf 1 mit Becken BD Snare. Trara, Verbeugung, andere Bandmitglieder genervt
vom 100sten hören, und gut ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »KC« (17. Mai 2019, 11:12)


Flexiflo

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5

Freitag, 17. Mai 2019, 08:59

Mittlerweile fast ne Floskel, aber dennoch wahr: Listen, listen, listen.
Was spielen die Großen über eine Standardform und wie bedienen die das Thema?
Hilfreich ist es sicherlich, den Standard, also die Melodie gut zu kennen.
Eine gute Übung ist zB. die Melodie zu singen und darüber zu spielen...Begleitung und Solo.
Unerlässlich ist es m.E. 4-,8- und 12taktige Phrasenlängen zu verinnerlichen.
Das hilft ganz gut, während des Solos in der Form zu bleiben.

Lite-MB

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  • »Lite-MB« ist männlich

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6

Freitag, 17. Mai 2019, 09:51

mich nerven oftmals die zu technischen Soli im Jazz, ich halte meine relativ einfach, überschaubar, IMMER Stück/Musik-relevant, wenn möglich singbar. Melodie, Rhythmik, Phrasierung, etc. weiterführen, gerne entwickeln, aber beim Song bleiben.
Der Zuhörer soll das Gefühl haben, der Song geht weiter, nicht: der Song wird zerhackt.

Geb zu, das ist Geschmacksache, als Beispiel: mich sprechen oft Soli von Dave Weckl gar nicht an, die von Steve Gadd mag ich oft.
Ich hab nix gegen die geballten Technik-Exzesse, dann aber bitte bei Workshops und nicht auf der Bühne bei Konzerten.


Ich habe vor Jahren mal ein Konzert gehört von Richard Galliano im Trio mit Kontrabaß und Drums. Am Schlagzeug saß Bruno Castelucci, der hat bei fast jedem Stück ein Solo gespielt, das war einfach Song pur - so machen Drum-Soli Laune!
..."meine" Musik: Jazz (Big Band bis Free), brasil. Musik, Avantgarde, hin+wieder Klassik ->am Drumset, an den Percussions, am Schlagwerk

Jürgen K

PS: Mitglied

  • »Jürgen K« ist männlich

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7

Freitag, 17. Mai 2019, 16:28

Hallo,

ich lege nichts an, ich spiele einfach.

Zur Inspiration höre ich gerne Radio.

Grüße
Jürgen

PS
Ganz nebenbei: jedes Lied ist anders.

trommla

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  • »trommla« ist männlich

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8

Freitag, 17. Mai 2019, 19:06

Für mich sind zwei Dinge beim Solieren wichtig.
a) dynamisch abwechslungsreich muss es sein
b) it must Schwing

Kein Mensch interessiert sich dafür, ob ich ohne hörbaren Unterschied von Singles zu Doubles, über Paradiddles, Pataflaflas über eine lange Linkskurve durch Reverse Flam Taps wieder zurück zu Singles rase. Aber die allermeisten hören, wenn ich in einen subtilen Roll ein paar Akzente knalle, ein paar Flams auf den Toms in einem langen Crescendo anschwellen lasse oder unvermittelt mal eine Generalpause in den Raum stelle.

Wenn mein Handwerkszeug es mir erlaubt, alles im Solo so zu spielen, dass der Swing nicht verloren geht und die Zuhörer nicht aufhören, mit den Füßen zu wippen, hab ich aus meinen überschaubaren technischen Fähigkeiten das beste rausgeholt.

Und abgesehen davon, dass ich es technisch natürlich gar nicht könnte, Soli wie Buddy Rich zu spielen, finde ich es auch gähnend langweilig. Buddy spielte Soli ohne Punkt und Komma, wie manch andere Leute reden, und beides ertrage ich nicht lange.

Ich finde, es lohnt sich, mal intensiver zuzuhören, wie die alten Meister solierten. Ob das nun Art Blakey, Gene Krupa oder Max Roach ist, alle haben oft mit recht einfachen technischen Mitteln großartige Wirkung erreicht, weil man den Swing jederzeit spüren konnte. Keiner von den dreien war techinsch in meinen Augen auch nur annähernd so gut wie Mr. Buddy Rich, aber sie hatten den Swing im Blut und waren keine Zirkusartisten wie BR.

bergheimer

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9

Samstag, 18. Mai 2019, 08:28

Aber die allermeisten hören, wenn ich in einen subtilen Roll ein paar Akzente knalle, ein paar Flams auf den Toms in einem langen Crescendo anschwellen lasse oder unvermittelt mal eine Generalpause in den Raum stelle.
Ich mag deine Beiträge Trommla! :thumbsup:

Bei den 4/8-Fills: Zählt ihr da eigentlich im Kopf mit? Bei mir klappt das überhaupt nicht, gibt sofort Kopfsalat und meine Hände gehorchen mir plötzlich nicht mehr. Spiel ich's nach Gefühl, geht das zumindest bei den 4 Takten ganz gut meist ganz ordentlich.
Macht das Sinn, zu Übungszwecken erstmal zu Lernen, mitzuzählen bis das in Fleisch und Blut übergegangen ist?

KC

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10

Samstag, 18. Mai 2019, 09:04

Kein Solo muss oder braucht wie eins von BR zu klingen, für mich
wirken sie auch meist überladen und zu voll gepackt - er treibt's halt auf die Spitze.
Aber alle (zumindest von mir gehörten) bekannten Jazz-Drummer bauen auf den gleiche Grundprinzipien (Rudiments halt) auf, und wenn
man das mal begriffen hat wird es m.E. etwas gemütlicher
und einfacher seinen Stil zu finden und auch gerne offen und reduziert im Solo den Swing zu behalten.
Für mich war es immer schwierig bei Solos den Faden nicht zu verlieren und das
hat meist im Nirvana geendet - damit habe ich es lieber gleich bleiben lassen.
Für mein Empfinden sind es immer wieder Rudiments die einfach gut sitzen sollten und ohne
auch nur eine hundertstel Sekunde drüber nachdenken zu müssen abgefeuert werden können -
ich denke das ist das was als Muskelgedächtnis bezeichnet wird.

Und wenn's auch nur 2-3 sind - damit ist schon eine super Grundlage für ein geschmackvolles

Solo da, die den Groove/Swing vom Song weiter trägt, ohne die Gefahr sich zu verlaufen.Klar interessiert sich kein Mensch dafür für die heißen,

ich denke aber das ein Drummer damit tatsächlich die Grundlage für sein Tun aufbaut.Genau da liegt ja der Witz, dass sie klingen und Groove erzeugen - richtig eingesetzt dynamisch und abwechslungsreich werden.
Ist m.E. ähnlich zu den Harmoniemusikern - die wissen ja auch in welcher Tonart sie

spielen, welche Noten da nicht rein passen, mit welchen Harmonien sie solieren können.Die solistische Freiheit kommt dann in der Verteilung über das Set, die Betonungen,
die Pausen usw.Und nochmal ich rede hier von 2-3 Rudiments, kein Mensch verlangt das
alle 40 im Muskelgedächtnis sein brauchen (auch nicht 2-3, das ist ja nur meine Ansicht 8) ) - das wird dann was für die Studierten.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »KC« (18. Mai 2019, 09:08)


trommla

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11

Samstag, 18. Mai 2019, 10:06

Aber alle (zumindest von mir gehörten) bekannten Jazz-Drummer bauen auf den gleiche Grundprinzipien (Rudiments halt) auf

Ich sage oder meine damit auch nicht, dass man seine Rudiments nicht üben sollte. Ein paar davon zu können hat noch niemandem geschadet ;)

Lass es mich mit einem Vergleicht veranschaulichen, was ich meine. Einen Vortrag vor Publikum baut man nicht auf dem Alphabet auf, sondern auf den Inhalten, die man dem Publikum vermitteln möchte. Die einzelnen Buchstaben mögen Teil des Werkzeugkastens sein, aber sicher nicht Inhalt der Rede. Ein Mensch mit schlampiger Handschrift kann trotzdem ein guter Redner sein.

Da nicht jeder von uns Rudiments wie Buddy Rich oder Dave Weckl beherrscht, stelle ich beim Solieren mehr die musikalische "Kernaussage" in den Vordergrund, denn das kann ich - und auch viele andere Durchschnittstrommler - in dem einem mir zur Verfügung stehenden Leben sehr viel wahrscheinlicher erlernen als solche Zirkusnummern.

@bergheimer: Danke für die Blumen :)
Beim Jazzsolo zähle ich oft überhaupt nicht konkret mit, sondern denke in musikalischen Phrasen. Wenn es heißt "da machma dann ein Schema Drumsolo", läuft bei mir die entsprechende Melodie, Basslinie oder Akkordfolge im Kopf mit, und ich begleite solistisch die Band in meinem Kopf. Das klappt natürlich leichter bei einfacheren Stücken, und manchmal stoße ich auch an meine Grenzen. Aber das, was wir Teilzeitjazzer so spielen, sind ja meist die allseits bekannten Gassenhauer des Jazz wie Tenor Madness, Take the A Train, St. Thomas oder Take Five, um nur ein paar zu nennen. Entsprechend bei 4ern/8ern.

Oder halt das freie Solo, bei dem man vorher ausmacht, welchen Cue man der Band gibt, um wieder reinzukommen. Mach ich aber nicht so gerne, weil ich mich schnell selbst dabei langweile :D

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »trommla« (18. Mai 2019, 10:10)


KC

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12

Samstag, 18. Mai 2019, 10:26

Ich denke wir meinen beide schon das Gleiche,
gehen die Sache nur etwas anders an.
Ich führe folgende Dialog gelegentlich mit meinem Gitarristen -
der ein fühlt (Talent?), der andere muss es sich erarbeiten (ich?).


Bei Buddy Rich könnte ich mit vorstellen dass er tatsächlich als einer der
ganz wenigen großen Ausnahmen bereits viel Talent in die Wiege
gelegt bekommen hat und dazu ein stoischer Wiederholer war (Rudiments) - bis es halt im Muskelgedächtnis war.
Was ja auch gut dazu passen würde das er glaube ich auch ein leidenschaftlicher Karateka war - und da geht es
zumindest soweit ich weiß auch im Kern darum Bewegungsfolgen stur so lange zu wiederholen bis sie einfach
abgerufen werden können.
Wahrscheinlich wirkt er deshalb bei den Zirkusnummern ja auch meist eher maximal gelangweilt ?

bergheimer

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13

Samstag, 18. Mai 2019, 10:41

Mal ne allgemeine Frage: Sprechen wir eigentlich bei 2 oder 4 Bar Fill's und Solo's vom Gleichen? Solos scheinen mir noch eine ganze Ecke freier und auch meistens länger zu sein. Die Fill's, von denen ich spreche, sind aber in gewissem Sinne auch Solo's, da die Band ja während dieser Takte auch Sendepause hat.

Hier mal ein paar Beispiele von 2 bzw. 4-Bar Fill's. Davon hatte ich in meinem Beitrag gesprochen. Schon beim 4 Bar Fill fällt es mir schwer, mitzuzählen. Die Melodie im Kopf zu spielen klappt hingegen ganz gut. Die Hi-Hat läuft bei mir immer mit. Bei den Proben ist es für mich trotzdem noch schwierig, genau auf den 4. Takt wieder zurück zur Band zu kommen bzw. die Band wieder mitzunehmen.

2-Bar Fill:
https://www.youtube.com/watch?v=fEHeNuM27mk


4-Bar Fill:
https://www.youtube.com/watch?v=w4L_X1vTtDc

Was meinen persönlichen Geschmack als Zuhörer betrifft: Fill's find ich super und geben Swing-Songs einen gewissen Kick, ewig langes Gefrickel hingegen langweilt bzw. nervt mich.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »bergheimer« (18. Mai 2019, 10:52)


Jürgen K

PS: Mitglied

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14

Samstag, 18. Mai 2019, 12:33

Hallo,

ich will mal die Standart's für die Rechtschreibung hoch halten.
Kein Solo muss oder braucht wie eins von BR zu klingen

Wer das probiert, hat ja sowieso schon verloren, von daher ...

Einen Vortrag vor Publikum baut man nicht auf dem Alphabet auf, sondern auf den Inhalten, die man dem Publikum vermitteln möchte.

Das ist die Quintessenz.
Das Problem ist natürlich, wenn man kein Alphabet kann, wird es mit dem Ausdruck halt vielleicht ein bisschen unverständlich.
Das Genie kann halt Technik und Musikalität.

Und wenn einer Zirkusartist ist, ist das ja auch etwas, was die Leute unterhält.

Genauso wie der Anfänger, wo die Verwandtschaft Tränen weint vor Rührung, weil er mal ein Lied halbwegs unfallfrei geklöppelt hat.

Es kommt halt immer darauf an, wo und wofür.

Einfach so pauschal kann man das meiner Meinung nach nicht diskutieren, wenn es zu vernünftigen Ergebnissen führen soll.

Grüße
Jürgen

KC

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15

Samstag, 18. Mai 2019, 12:41

mhh, irgendwie scheint mir das Thema zugetan, ich gebe dann aber auch wieder Sendepause...
Ein Fill ist ja meist als Überspieler notiert, gemeint - oft ja nur ein halber Takt, quasi der Aufspieler in einen neuen, etwas anders klingenden Teil/Tonartwechsel etc.

Bei 2-Bar/4-Bar ist dann schon mehr, aber ich habe das Gefühl das gerade hier eher das Grundfeel vom Song beibehalten werden sollte - also
wie du schon meinst weniger frei. Bei solchen Fills finde ich es im Zweifel auch gar nicht schlimm stur den Rhythmus, evtl etwas variiert, weiter zu spielen, alleine das passt oft schon sehr gut,
und je sicher du dich dabei fühlt im nächsten Schritt etwas freier zu werden - ich wiederhole mich leider, aber auch hier als Grundlage Rudiments wieder perfekt.
Das "Big Drum Solo" sehe ich dann auch als sehr frei an - hier darf, kann, muss natürlich nicht, gezeigt werden werden was du willst, kannst, geübt hast, einfach dein Instrument vorführen darfst

wie es dir gefällt, toll klingt, die Leute etwas verblüffen kannst.
Das große Solo ist deines, alle anderen Lead-Instrumentalisten finden ja quasi in jedem Lied ihre Chance dazu während du ja meist der Steuermann bist.
Für den Kopfsalat ist mein Tipp leider auch wieder Rudiments, damit bleiben dir die Zählzeiten wunderbar erhalten.

HiHat mitlaufen ist doch perfekt, mach es doch alternierend Bassdrum/HiHat, dann kommst du auf der eins immer mit der BD raus

und bist diesbezüglich schon mal wieder da.

DoctorCajon

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16

Samstag, 18. Mai 2019, 16:12

Also ich finde es persönlich beim Drumsolo im Jazz ganz gut, wenn man die Meldodieführung im Solo beibehält. Also die Melodie quasi rhythmisch über‘s Set verteilt. Wenn‘s 4/4 sind übernehme ich auch gerne das, was das Melodieinstrument vorher macht.

Man muss sich beim Abgucken auch nicht nur an die „alten Meister“ halten. Ali Jackson, Mark Guiliana, Stanton Moore und Jeff Hamilton sind auch geile Jazzdrummer :)

Das Jazz at Lincoln Center hat übrigens ganz prima, kleine Lehrvideos zum Thema Jazz online. Unter anderem auch zum Jazzdrumming.
"The first rule of drumming: If you make a mistake, turn around and look angrily at the bass player" - Nick Mason

trommla

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17

Samstag, 18. Mai 2019, 16:24

Ich führe folgende Dialog gelegentlich mit meinem Gitarristen -
der ein fühlt (Talent?), der andere muss es sich erarbeiten (ich?).

Hihi, die Situation kennen im Freizeitbereich viele Drummer mit ihren Gitarristen, glaube ich. Hat aber weniger mit Musikalität/Talent zu tun, als dass viele Stromgitarristen keine echten Teamplayer sind , sondern nur solieren wollen, was das Zeug hält. Zählen und grooven können die einfach nicht.
Ergänzend kommt dann noch gelegentlich der Spruch "Zwei Minuten das gleiche Riff spielen, des is mir zu langweilig". Wenn sie dann auch noch Leadsänger sind, wird die Band schnell zur reinen Begleitband.
Jaja, ich weiß, ich bin ein Gitarristenhasser ;)

  • »drumrumköln« ist männlich

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18

Sonntag, 19. Mai 2019, 08:31

erstmal ganz spartanisch die Melodie spielt (mit Snare, Toms und Bassdrum zB),

Das ist wohl ein guter Ansatz, wenn man über die komplette Form des Stücks, bzw. zumindest über längere Teile solieren will, wobei WIRKLICH die "Melodie" spielen da schon sehr ambitioniert ist. Wenn man es schafft, die jeweiligen Phrasen des Themas irgendwie sinnvoll am Set umzusetzen, ist das schon sehr gut.
Das ist anfangs natürlich gar nicht einfach und je mehr (virtuoser ausgestaltet) man spielt, desto schneller "verliert" man die Melodie. Als Einstieg kann man zunächst mal immer bloß 4 Takte "im Kreis" singen und das begleiten....Das baut man dan aus - sowohl die Länge der Passagen , als auch die Virtuosität betreffend. Irgendwann hat man dann den Überblick und zählt quasi parallel zum Mitsingen auch noch mit, so dass die Form auch gewahrt bleibt, wenn man sich eben mal zu weit in's "out" gespielt hat. Bei "Vierern" kann man auch einfach rhythmisch/melodisch Bezug auf den jeweils vorigen Solisten nehmen bzw. selbst "Motive anbieten, die der nachfolgende Spieler aufgreift. Hier ist die Zeit für "nah am Thema" mit den 4 Takten eigentlich immer sehr kurz, zumal die anderen Solisten diesen Bezug häufig selbst nicht nehmen. Trotzdem ist es aber wichtig, die Form im Kopf zu verfolgen, um eben zu wissen, wo man sich im Stück befindet.