7qm Studio bzw. Proberaum richtig dämmen

  • Hallo,


    Ich hätte folgende Frage zur Dämmung in einem Raum, bzw. Verbesserung der Akustik. Es geht nicht darum nach Außen die Lautstärke zu dämmen.


    Ich beziehe in Kürze einen 7qm kleinen Raum im Gewerbegebiet. Ohne Fenster. Drei Wände sind tragend gemauert und eine ist aus Rigips, dort ist auch die Tür. Teppich wird verlegt.


    In diesem Raum wird ein Akustik Set stehen, sowie ein Mischpult, etwas Elektronik und ein Hocker für den Gitarristen.


    Die einzige Lautstärke wird das Schlagzeug erzeugen, da die Gitarre über einen Modeller direkt ins Mischpult geht. Das Drum ist komplett mikrofoniert, wird aber alles nur zum jammen genutzt. Das Set wird nicht aufgenommen.


    Meine Frage ist nun, wie und was ich Dämmen soll. Im Grunde benötige ich nur guten Sound auf den Kopfhörern mit den alle ausgestattet sind und die kaum Lautstärke von außen durch lassen.


    Was würdet ihr sagen könnte Probleme geben und wie müsste ich diese beseitigen? Reicht hier und da Noppenschaum in den Ecken, Decke und Wänden oder wird es kniffliger?


    Vielen Dank für eure Hilfe.

  • Ich könnte mir vorstellen, dass gerade in so einem winzigen Raum die Raummoden echt nerven können. Daher soweit vom Platz her möglich Bass traps in die Raumecken (evtl. dann eher an die Decke?), z.B. so: https://www.bonedo.de/artikel/…shop-no1-eckabsorber.html. Durch die und den Teppich hast Du dann wahrscheinlich schon mehr als genug Dämpfung bei höheren Frequenzen, so dass Noppenschaum höchstens zum gezielten Vermeiden von Flatterechos punktuell hie und da hilfreich sein könnte.

    Nix da.

    3 Mal editiert, zuletzt von Rampen ()

  • Super, vielen Dank. Sollte man also erstmal rein, alles aufbauen, loslegen und gezielt nach Bedarf dämmen.


    Müssen die Bass Traps von ganz oben nach unten reichen, oder reichen die in der Mitte so 60cm hoch? Und sollten sie in alle Ecken?


  • Müssen die Bass Traps von ganz oben nach unten reichen, oder reichen die in der Mitte so 60cm hoch? Und sollten sie in alle Ecken?

    Ich kann Dir einen Tipp geben, wie Du den Effekt von Basstraps ohne Aufwand und finanzielles Risiko erstmal abschätzen kannst: Geh in den Baumarkt Deines Vertrauens und kaufe ein oder mehrere Pakete Trennwandplatten aus Glaswolle - die Dicke ist egal, weil Du die Pakete so wie sie sind in eine Ecke stellst (dann vorzugsweise die unteren, weil sie oben nicht bleiben ohne Befestigung. Der Basstrap-Effekt funktioniert auch durch die Verpackungsfolie - die kann die tiefen energiereichen Frequenzen nicht abhalten. Ich würde Dir für Deinen Raum erstmal vier Pakete testweise empfehlen - stell sie einfach mal in eine oder mehrere Ecken und hör Dir an, was das mit der Akustik macht. Schön machen und bauen kannst Du dann immer noch.


    Wie komme ich auf diesen Tipp? Wir haben einen Übungsraum mit den Maßen 5 m x 5 m x 5 m - einen größeren akustischen Gau kann man fast nicht haben. Extreme nervige Resonanz im ganzen Raum, völlig unbespielbar mit einem Schlagzeug. Wir haben dann diese Dämmplattenpakete oben in den Raumecken fixiert (ging einfach, weil schon eine Stoff-Abhängung mit Holzrahmen oben auf ca. 3,5 m Höhe drin war. Es klemmen jetzt in allen vier Ecken jeweils 3 bzw. 4 Pakete von diesen Trennwandplatten, die wir vor dem Einbringen natürlich mit Folie und Aluklebeband an den Schmalseiten staubdicht verschlossen haben. Das Ergebnis ist absolut frappierend: die störenden Mulm-Resonanzen sind komplett weg - es lässt sich wunderbar in dem Raum trommeln und mit Band Proben. 2 1/2 Wände sind mit Molton abgehängt - eine Wand ist vom Raum her schon schräg zulaufend und akustisch unbehandelt. Einer der besten Übungsräume von der Akustik her, die ich je hatte. Es gibt einige Fotos davon in diesem Thread: https://www.drummerforum.de/fo…-nachher.html#post1182114

  • Super Tipp, danke.
    Ich frage mich bloß ob bei mir das Dämmen überhaupt etwas bringen wird, da ich ausschließlich alles über Mischpult und Kopfhörer mache. Es wird nicht einen Amp geben. Nur das Drum ist das einzige akustische Teil dort.


    Wird der Bass Sound der BD im Raum auch über die paar Drum-Mics Probleme bereiten?

    2 Mal editiert, zuletzt von epole ()

  • kaufe ein oder mehrere Pakete Trennwandplatten aus Glaswolle


    ich denke du meintes Steinwolle. Glaswolle taugt nicht zum dämmen.
    Bedenke das der Raum mit 7m² sehr winzig ist, da wird kaum Platz sein für Bassfallen, zumal die mindestens 60cm dick sein müssen.
    Dann fallen jeweils noch einmal 1,2m von jeder Wand weg. und es passt nichtmal mehr ein Schlagzeug rein.
    Etwas gegen den Bass zu machen kannst du in so einem Raum vergessen.
    Ich würde die Decke und 2 Wände mit 10cm Sonorock dämmen.
    einen 10cm Holzrahmen wo je 2 Platten rein passen, das ganze mit Stoff/alten Bettbezügen bespannen und an schrauben.
    Optional und besser wäre Basotect, kostet aber auch sehr viel mehr.
    Anfangen würde ich mit 3 solcher Absorber.
    gegebenenfalls die BD mehr dämpfen und mit schlechtem BD Sound leben.
    Der Raum ist einfach zu klein um akustisch dort irgendwas lohnendes zu optimieren.

    don´t panic

  • Ja, das vermute ich eben auch fast. Mit schlechtem BD Sound kann ich gut leben. Wir wollen dort keine großen Set Aufnahmen machen, sondern wie gesagt über Kopfhörer jammen.


    Ich denke ich muss da rein und dann einfach testen. Außerdem wird dort auch Zeug stehen und auch der Gitarrist in der Ecke, daran wird sich Schall vermutlich auch etwas brechen.


    Etwas "Theater Vorhang" habe ich auch noch.

  • Ich wäre vorsichtig, zu viel Dämpfung in den Nicht-Bassfrequenzen vorzunehmen, denn dadurch werden die Bassresonanzen noch nerviger. Und 60cm sind sehr dick für Bassfallen. Wir hatten in unserem alten Raum einfach Steinwollematten hochkant in den Ecken fixiert, was sehr gut gewirkt hat. Eine einizige Ecke hilft da schon. Und wie gesagt, wenn Du Matten schaffst an den Ecken zwischen Decke und Wänden zu befestigen, nimmt das kaum Platz weg.

    Nix da.

  • Steinwolle hat eine höhere Schalldämmung als Glaswolle bei gleicher Dicke.
    Abgesehen davon gilt Glaswolle als sehr krebserregend und sollte wie auch Steinwolle immer staubdicht verpackt werden.
    Steinwollplatten einfach an die Decke kleben ist nicht zu empfehlen.


    Die einfachste und biligste Lösung ist die von mir beschriebene.
    Ein Raum hat 12 Ecken, um eine Node mit einer Frequenz von zb 50Hz effektiv zu behandeln bedarf es einer Absorberstärke von
    1/4 Lamda also etwa 1,5m!
    Wenn man sich jetzt in jede Raumecke 1,5m stellt, schrumpft der Raum von 7m² auf etwa 0m² nutzbare Fläche.
    Dieser Raum wird nicht akkustisch im Bereich unter ca 140 Hz zu behandeln sein.
    Ist auch gar nicht nötig, da du dort nicht mischen willst sondern nur durch Kopfhörer isoliert dein mikrofoniertes Schlagzeug hören willst.
    Du kannst natürlich auch eine Messung im unbehandelten Rum durchführen um zu sehen wo die Probleme liegen.
    Bringt dich aber nicht weiter. Auch bei 7m² gilt die Physik.
    Du wirst große Probleme mit stehenden Welle haben, leider genau in dem Bereich wo die BD arbeitet.
    Du kannst dem ein wenig entgegenwirken wenn du mit den Mikrofonpositionen rumprobierst, viel Spielraum hast du allerdings nicht


    in dem kleinen Raum.
    Mit den Mikros so weit ran ans Fell wie geht, den trockenen Sound kannst du ja noch aufhübschen.
    Gute, natürlich klingende Aufnahmen wirst du nicht machen können
    Du wirst viel mit Low cuts arbeiten müssen um einen Kompromiss zu finden der aber auf Kosten des Drumsounds geht.
    Den Raum oberhalb ca 400Hz zu bedämpfen sollte aber vom Platz her passen.

    don´t panic

  • OK, super. Vielen Dank Euch. Das sind alles sehr wertvolle Tipps.


    Ich werde in der nächsten Woche alles drin haben und schauen können in welchen Bereichen ich Probleme bekomme. Dann werde ich die Tipps hier passend angehen.

  • Steinwolle hat eine höhere Schalldämmung als Glaswolle bei gleicher Dicke.
    Abgesehen davon gilt Glaswolle als sehr krebserregend und sollte wie auch Steinwolle immer staubdicht verpackt werden.

    Das kann sein, heißt aber nicht, dass Glaswolle nicht „taugt“. Das staubdichte Verpacken sollte man auf alle Fälle machen - so habe ich es ja auch dokumentiert in dem verlinkten Thread. Die heute verkaufte Glaswolle ist zwar immer noch nicht biologisch abbaubar, aber hat auch nicht mehr die lungengängigen Fasergrößen. Der von mir genannte Trick funktioniert auch mit Steinwolle, die in Verkaufspaketen gebündelt und komprimiert ist. Gibt es in Rollen und quaderförmigen Paketen und man kann diese auch an der Decke in eine Ecke bringen. Dann ist der Verlust an Bodenfläche gleich Null, wenn der Raum nicht gerade nur 1,80 hoch ist. Bei uns waren die räumlichen Gegebenheiten natürlich mit den fast 5m Deckenhöhe und 25 m^2 Grundfläche deutlich günstiger, aber einen Versuch ist es in dem kleinen Raum bei Null finanziellem Risiko allemal wert.

  • Moin,
    zum Thema Absorbtionsfähigkeit verschiedener Materialien fand ich folgende Auflistung der längenbezogenen Strömungswiderstände. Dieser ist ja der relevante Parameter, und der sollte je nach Verwendung - flacher Wandabsorber oder tiefe Bassfalle - auch unterschiedlich sein. Kurz gesagt, sollte der Strömumgswiderstand einer Bassfalle geringer sein als bei einem flachen Absorber damit die Welle tief genug in den Absorber eindringen kann und nicht schon auf halben Weg reflektiert wird.
    https://www.jochenschulz.me/de…le-hanf-absorber-material
    Finde es noch ganz interessant und muss zugeben, dass mir meine Erinnerung einen Streich spielte und sagte Glaswolle sei nicht so gut geeignet. Stimmt aber nicht. Das Thema Verarbeitung mal aussen vor gelassen. Wer Angst vor mineralischem Staub hat, nimmt Hanf. Ist i.R. teurer und soll angeblich eine Zeitlang komisch riechen.
    Grüsse

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Finde es noch ganz interessant und muss zugeben, dass mir meine Erinnerung einen Streich spielte und sagte Glaswolle sei nicht so gut geeignet. Stimmt aber nicht.


    Jein, an den Grafiken sieht man schon, dass bei höherer Materialdichte die Dämpfung zu den tiefen Frequenzen hin wesentlich besser ist. Geht es aber nicht unbedingt darum, die Dämpfung so weit wie möglich nach unten auszudehnen, ist Glaswolle in der Tat sehr gut geeignet!

    Nix da.

  • Zitat

    ...dass bei höherer Materialdichte die Dämpfung zu den tiefen Frequenzen hin wesentlich besser ist...


    Aber es geht doch nicht darum die höchste Materialdichte - die Steinwolle erreicht - zu nutzen. Im praktisch nutzbaren Bereich sehe ich da keinen Unterschied, ausser dass Glaswolle bei gleichem längenbezogenen Strömungswiderstand etwas leichter ist. Aber das hilft dem TS auch nicht.
    Bei 7qm sind die Möglichkeiten beschränkt.

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid breibt Blaubtkreid

  • Ich weiß nicht genau, was Du meinst, aber wenn ich mir z.B. die Grafik zur 10cm Absorbertiefe mit 5cm Wandabstand anschaue (was in so einem kleinen Raum ja noch machbar wäre) und z.B. von einer Raumgröße von 2,5x3m ausgehe, wo die kritischste Raummode so bei 340m/s / 3m = 113Hz liegt, dann hat Glaswolle mit der Dichte 20kg/m^3 dort einen Absorptionskoeffizienten von etwa 0,2 und schwere Steinwolle mit 70kg/m^3 einen Absorptionskoeffizienten von etwa 0,55. Sprich: man kann mit schwererem Material bei gleicher Absorbergröße tiefere Frequenzen effektiv dämpfen. Das wäre in dem Raum schon ein Vorteil, oder?


    EDIT: aber Du hast recht, stellt man eine richtig dicke Bassfalle in die Ecke (40cm), ist der Vorteil in dem kleinen Raum dahin, weil die Raummoden vergleichsweise hochfrequent liegen und dann Glaswolle sogar besser wirkt.


    EDIT2: ach, die tiefste Raummode liegt ja bei der doppelten Wellenlänge, also 56Hz. Da hat dann also die schwere Steinwolle selbst bei einer dicken Bassfalle einen großen Vorteil.

    Nix da.

    2 Mal editiert, zuletzt von Rampen ()

  • natürlich kann man mit einem Raummodenrechner die kritischen Frequenzen berechnen, das macht aber nur Sinn im Zusammenhang mit einer Messung.
    Dann wird man feststellen das dann in jeder Ecke 60cm Absorber keinen Platz mehr fürs Schlagzeug lassen.


    Zumal der Raum rein zum spielen genutzt wird und das auch noch mit KH, spielen die Noden und stehenden Wellen auch nur eine geringe Rolle.
    Maßnahmen dagegen sind bei der Abstellkammer eh nicht möglich.
    Ich würde ca 1/4 der Wände und Decke ohne Messung pauschal mit 10cm Rockwool dämmen und gut ist.
    Sollte man etwas Geld investieren können vielleicht noch einige Basotect Absorber.


    Damit schafft man eine entspannte Dämpfung von den unteren Mitten bis in den oberen Bereich, was den OH Mikrofonen zu gute kommt.
    Die BD schön trocken dämpfen und den störenden Mulm mit high pass bei bedarf abschneiden.
    Parallel dazu nach einem Raum umsehen der mindestens 3m Deckenhöhe hat und eine Seitenlänge von mindestens 5m.
    Da lohnt es sich dann auch in akustische Maßnahmen zu investieren.

    don´t panic

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