Two: JAZZ aus der Kölner Region

  • Ca. 1974 bekam ich zu Weihnachten ein Schlagzeug. Vorher hatte ich mit einem Schulfreund eine „Band“ gegründet: er war klar im Vorteil – er besass ein Klavier und er konnte (eingeschränkt) darauf spielen. Mein Instrument bestand aus einer Waschmitteltrommel als Tom und einer improvisierten Bassdrum. Ich sollte besser „Kickdrum“ sagen, denn es handelte sich um eine auf die Seite gestellte Plastik-Aufbewahrungskiste, quadratisch, gegen deren Boden ich mit dem Fuss trat.

    Diese Band hatte ein Stück und etwa fünf Proben. Nach der ersten oder zweiten Probe kam noch ein Gitarrist dazu. Er hatte eine alte E-Gitarre irgendwoher bekommen aber keinen Verstärker. Spielen konnte er auch nicht, aber das scheint uns nicht gestört zu haben. Um das Verstärkungsproblem zu beheben, löteten wir ein Kabel mit Klinke auf der einen und DIN-Stecker auf der anderen Seite und benutzten ein altes Radio als Amp.

    Nunja, meine Eltern bissen dann, wie gesagt, in den sauren Apfel und Weihnachten ’74 war es so weit. Es war allerdings kein vollständiges Schlagzeug, nicht mal ein ansatzweise vollständiges, sondern nur eine Snaredrum mit einem seitlich, über einen Ausleger an einer Spannschraube, befestigem Becken. Die Snare war von Maxwin, das Becken war ca. 10“ und extrem scheisse. Mir war auch recht schnell klar, dass man mit dieser Ausrüstung nicht wirklich gut Stücke begleiten konnte. War aber nicht so schlimm, denn die Band gab es schon nicht mehr.

    Meine Eltern versprachen mir, dass mehr kommt, wenn ich übe und dranbleibe, wenn also klar ist, dass es sich lohnt, in ein Schlagzeug zu investieren. Ich fand das ungerecht - meine Schwester hatte einfach so ein Klavier hingestellt bekommen, und für das gleiche Geld hätte man schon ein annehmbares Schlagzeug kaufen können. Aber da kann man nicht viel machen als Achtjähriger. Weil nichts anderes ging mit dem „Set“ übte ich nach dem Buch „Gene Krupa Drum Method“ und machte Paradiddles, Up- und Downstrokes, und ander Rudiments. Mir war nicht klar wozu das alles gut sein sollte, aber es ging ja nichts anderes….

    Im Laufe der Jahre kam dann tatsächlich mehr Kram dazu. Verteilt auf Geburtstage, Weihnachten und Zeugnisse kam, ich weiss nicht mehr in welcher Reihenfolge, eine Bassdrum und ein 12“ Tom, eine Hihat-Maschine mit schlimmen Becken und ein Ride-Becken dazu. Damit trommelte ich jahrelang vor mich hin. Ich hatte keinen Lehrer und spielte nach dem Krupa-Buch und zu Platten. Meine damaligen Favoriten, was die Schlagzeugbesetzung betraf, waren The Specials, Toto, The Police, Supermax, etc..

    Zwischenzeitlich war ich auf einem Internat. Dort gab es eine Band, mit einem Drummer, der noch unerfahrener war als ich. Aber immerhin hatte er ein Schlagzeug. Er war externer Schüler, und der Rest der Band aus dem Internat. Weil ich als Interner immer da war spielte meistens ich mit der Band und konnte prima sein Set benutzen. Es muss schlimme Musik gewesen sein, aber weil wir, wie in Internaten üblich, niemals nüchtern probten, fiel uns das selber nicht so auf und machte gewaltig Spass. In der Zeit hatte ich meinen ersten "Lehrer": einer der Gitarristen der Band hatte schon mit anderen Schlagzeugern gespielt und brachte mir bei, was er so mitbekommen hatte. Wie man Fills über mehrere Toms spielt, Timing, Zusammenspiel, etc. Diese Phase ging zu Ende, als die Internatsleitung irgendwann auf meine Anwesenheit verzichten wollte.

    Wieder zuhause, 1984, meldete mich meine Mutter bei der örtlichen Musikschule an. Ich bekam Unterricht bei einem hervorragenden Lehrer, Reinhard Kobialka (heute Topaz Audio Studios Köln), zu der Zeit Dozent an der Kölner Musikhochschule, sehr aktiv im Kölner Jazzhaus, und auf einigen Jazzplatten (mit Dieter Manderscheid, Georg Ruby, „Heinz“, etc.) zu hören. Ein etablierter Jazzer also, der mich richtig weiterbrachte.

    In dieser Zeit ging es dann musikmäßig richtig los. Ich hörte die „richtigen“ Platten (altes Herbie-Hancock-Zeug, Stanley Clarke, Billy Cobham, etc.) die mich bis heute prägen. Einer meiner Freunde war Percussionist, und zusammen spielten wir täglich stundenlang mit abwechselnden Soli. Ich hatte auch meine erste ernsthafte Band „Methode 435“. Der Keyboarder war Wolfgang Stach („Stackman“), der heute ein erfolgreiches Studio in Köln betreibt und die Sängerin ist sicher einigen aus dem Kölner Drummers Focus bekannt (Heike). Wir spielten ein Programm gemischt aus eigenen Songs und Cover, darunter Sachen von Joe Jackson, The The, Style Council, Mezzoforte, etc. Wir hatten einige Auftritte im Kölner Raum und sogar einige Gigs in England. Gleichzeitig spielte ich noch in der Big-Band der Musikschule.

    Ich hatte auch zum ersten Mal eigenes Geld (ich arbeitete neben der Schule auf dem Bau). Das was ich nicht in den Kölner Clubs ausgab (damals ging man in den "Wartesaal" (gut aber teuer), ins "Blue Shell", oder ins "Luxor"), investierte ich ins Schlagzeug. Zu der Zeit überlegte ich Jazzschlagzeug zu studieren, entschied mich dann aber doch anders, zog nach Aachen und schrieb mich für Physik ein. Ich verließ Methode 435 und suchte mir eine neue Band. Auf meinen Aushang in der Stadtbücherei antwortete zunächst ein Hardrock/Punk-Band. Sie bestand aus einem engagierten Keyboarder, einem mäßig begabten Bassisten und einem ebensolchen Gitarristen. Die Musik war schlecht und zu laut, aber ich wollte unbedingt wieder spielen. Also sagte ich nach dem Vorspielen zu und schleppte mein Set nach AC in den Musikbunker. Nach einiger Zeit konnte ich den Weg vom Eingang zum Proberaum selbstständig finden (ein wahres Labyrinth) und bekam einen eigenen Schlüssel. Ich konnte nun wieder regelmäßig üben, und musste dafür einmal wöchentlich mit der schlechten Band proben. Musikalische Prostitution, könnte man sagen.

    Aber glücklicherweise hatte die Punkband meinen Zettel in der Bücherei hängen lassen. So meldete sich nach einiger Zeit der Kopf einer anderen Band, die Jazz spielte. Also Vorspiel, man akzeptierte mich, und ich verließ die Punk-Band. Die neue Band, die sich später nach einem Zappa-Zitat "Towels of Destiny" nannte, bestand aus Gitarre (Marc Blum, jetzt als Bassist aktiv in der Aachener Szene), Bass (Bernd Weitzmann) und Martin Wolf an den Keyboards. Martin war der Kopf der Gruppe, schrieb die Stücke und spielte sehr gekonnt und kreativ ein Rhodes und einen Moog. Später kam noch ein Tenorsaxophonist dazu. Mit dieser Band hatten wir einige Auftritte im Aachener Raum.

    Danach wurde es zeitweilig etwas ruhiger mit dem Schlagzeugspielen. Ich machte mein Studium fertig, promovierte und heiratete. Meine Frau ist Opernsängerin, also hatte ich weiterhin viel mit Musik zu tun, aber nicht in der Weise, wie ich mir das vorstellte. Mein Set stand in der Zeit bei meinen Eltern, die hatten genug Platz. Sicherheitshalber übte ich, wenn ich dort war, regelmäßig. Man weiß ja nie. Ich verlegte mich aufs Musikhören, kaufte Platten was das Zeug hielt, hörte den Drummern genau zu. Ich hatte in einigen Jahren nur zwei aktive Projekte, aber dann war zufällig Patrick Grün, Drummer bei Caliban, mit seiner Freundin bei mir auf einer Party. Die Art von Musik, die er macht, gefällt mir überhaupt nicht, aber irgendwie motivierte mich das Gespräch und es ging wieder richtig los. Danke also, Patrick.

    Seit Anfang 2007 bin ich wieder aktiv und es hat sich viel getan. Das Set hat sich verändert, die derzeitige Fassung ist hier zu sehen. Ab Januar 2008 spielte ich in einer Cover-Rock-Band und bis Anfang 2011 in einer bekannten kölner Soul-Band.

    Aktuelle Bands: Von mir mitgegründetes Jazztrio (p, b, dr) seit März 2008, seit 2013 als Quartett mit vocals. Ende 2014 Neugründung eines Quartetts (voc, keys, b, dr) mit Jazz- und Soul-Einflüssen, 2017 zeitweilig Drummer bei [klartekst]: Funxter Rap Deluxe aus Aachen, Sonic99 (Hürth), Up All Night (Kerpen), diverse Kurzprojekte im Köln-Aachener Raum, Drummer bei JamTime und MusicBox in Middelburg (Niederlande), etc.


    Meine Instrumente aktuell:

    Trommeln:

    Gretsch Renown Maple 18"; 12", 14", dark Walnut

    Premier Artist Birch 20"; 10", 12", 14", red laquer


    Snares:

    Canopus "The Bronze" 14" x 4"

    Sonor SQ2 mit Thin Birch Kessel 14" x 5"

    Dixon 13" x 4" maple snare ca. 1990


    Becken:

    Zildjian Avedis 14" Vintage hollow logo Hihat (810 g/ 990 g)

    16" Hihat aus Agop Signature Crash (1024 g) und Bosphorus Ferrit Crash (1044 g)

    14" Hihat aus Zildjian Avedis Thin Crash und Sabian HH thin crash (750 g/ 730 g)


    Istanbul Agop Signature Ride 24" (2365 g)

    Istanbul Agop Special Edition Jazz Ride 21" (2070 g)

    Zildjian K Custom Special Dry Ride 21" (2430 g)

    Diril Raw Flat Ride 22" (2140 g)

    Istanbul Mehmet Nostalgia 50's Ride 20" (1875 g)

    Vintage Meinl Romen Ride 24" (2630 g)


    Zildjian Avedis 18" Thin Crash

    Turkish Classic Splash 10"


    Sonstiges:

    Hardware: Canopus, Pearl, Dixon

    Fussmaschinen: Yamaha FP 9500-D, Tama Camco

    Tama Rhythm Watch 105

    Aktuelles Set: Gretsch Renown Maple
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    Intensiv-Probenphase mit meiner New Crossover Jazzband; Gretsch Renown mit 24" Agop Signature Ride, 21" Agop SE Ride.
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    Im Studio von Dieter Kirchenbauer für Aufnahmen mit meinem Jazz-Quartett.
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    Open-Air-Gig mit meiner Soulband - Premier Artist 20/10/14 mit K/Z Hihat, Avedis Crashes, Agop Jazz Ride und SQ2 Snare.
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    Mein neues Gretsch Renown Maple frisch ausgepackt...
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    ... und frisch aufgebaut.
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    Bilder aus meinem Proberaum - Premier Artist im Minisetup mit Istanbul Mehmet Hihat und leichtem Agop Ride.
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    Mit Dry Light Ride...
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    ... mit Mapex Phoshpor-Bronze-Snare...
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    Gretsch Renown mit Agop SE und Agop Sig Rides und Misch-Hihat: Vintage Avedis Top mit Istanbul Mehmet Bottom.
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    Gibts nicht mehr: Yamaha Stage Custom 18/10/14 mit Mehmet HH, Agop SE 21, Agop Sig 22 und Bos 22.
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    Auch schon lange her: Premier Artist mit Agop und Bosphorus Rides, Bosphorus Hihat und Sonor SQ2 Snare
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    Ride-Becken:

    AgopSig24_small.jpg Istanbul Agop Signature Ride 24". Wahnsinn!
    ZSDR_2_m_small2.jpg Mein zweites Special Dry Ride. Trocken aber ausgewogen, und: records extremely well!
    13011-istanbul-mehmet-nostalgia-50-s-ride-20 Istanbul Mehmet Nostalgia 50's Ride, 20", 1875 gramm
    SE21_1.jpg Agop Special Edition Jazz Ride 21"
    SE21_2.jpg Man beachte die Rückseite, die wie ein Agop Signature ausgeführt ist. (Es gibt auch SE-Rides mit abgedrehter Rückseite (s.u.))
    DF22.jpg Diril Raw Flat Ride 22". Dunkel, tief, grollend. Geil!


  • Zitat

    Original von TwoStroke
    ...
    Bitte nicht nach Bildern fragen. Die kommen noch, auf jeden Fall, aber erst, wenn die Geschichte zuende erzählt ist.


    Mick


    Du glaubst doch nicht im Ernst, daß Du mit so was durchkommst, oder?
    Andersrum wird ein Schuh draus: Bilder her oder kein Schwein liest, was Du geschrieben hast! Faktisch kollektiver Leseboykott.
    Das wäre ja wie eine Kunstgalerie, bei der's nur die Schildchen rechts unten gibt, aber die Bilder nicht gehängt sind...


    Ach so: Herzlich willkommen
    fwdrums

    nontoxic: kurze lange CD-Pause

    Einmal editiert, zuletzt von fwdrums ()

  • Text habe ich durch, einige Parallelen zu meinem eigenen Werdegang gefunden und empfehle Dir, aufgrund dieses Satzes


    Zitat

    Ich bin nie so sehr der Einkäufertyp gewesen. Ganz am Anfang hatte ich kein Geld, und später war ich mit dem, was ich hatte, zufrieden.


    dich ganz schnell wieder abzumelden. Mich hat es hier auch erwischt. Nie was gekauft und dann ins DF gestoplert. :D


    Schöne Geschichte und endlich mal jemand, der viel Geschrieben hat. Willkommen :P

    Grüße,


    De' Maddin Set
    ________________________________


    Dängdäng-Dängdäng-Dängdäng
    Bababababaaa-baba - Brack........Meet you all the way....dadadab...usw.

  • Moin!


    Ja, viel zu lesen gab es auch hier, aber ich bin ja maddinerprobt :D , wer sich da durchgeackert hat, den schreckt so schnell nix mehr ab.


    Da ich aber sowieso gerne lese, fand ich diese Vorstellung doch mal sehr gelungen- immer schön, wenn man auch etwas über den Menschen hinter dem Set erfährt. So Tennisclubgigs habe ich auch schon öfter gehabt- was einen nicht umbringt... ;)


    Zitat

    von Maddin
    Schöne Geschichte und endlich mal jemand, der viel Geschrieben hat.


    Es kann ja nicht jeder so sabbeln wie Du ;), und ich habe mich schon bemüht... :D


    LG


    Edit sorgt für mehr Übersichtlichkeit

  • Danke für die nette Begrüßung!


    Für Martin hab ich auch noch was schönes. Es hat einen Durchmesser von ca. 10 cm. Vielleicht denke ich heute abend dran, ein Foto davon zu machen ;)




    Zitat

    Ich meine im Bild ein Paiste 505 Heavy Ride zu erkennen und kein 805 - lieg ich da richtig?


    Kann sein, dass Du recht hast. Ich schaue noch mal nach was draufsteht...

  • Zitat

    Original von TwoStroke
    Für Martin hab ich auch noch was schönes. Es hat einen Durchmesser von ca. 10 cm. Vielleicht denke ich heute abend dran, ein Foto davon zu machen ;)


    =) =) =)

    Grüße,


    De' Maddin Set
    ________________________________


    Dängdäng-Dängdäng-Dängdäng
    Bababababaaa-baba - Brack........Meet you all the way....dadadab...usw.

  • Ich fand, deine Vorstellung war (Mal von Maddin abgesehn..Unserem Vorstellungs-Sonderfall..;) ), die bisher spannenste und auch am besten geschriebene. Qualität ist nicht gleich Quantität, aber bei Dir findet sich beides..Wunderbar zu lesen, ich habe mir sehr viel Zeit dafür genommen.


    Willkommen im Forum!


    Das Wissen, dass dir fehlt, wirst du dir bei regelmässiger Nutzung des Forums, Teilnahme an Gesrächen und Dialogen und viiiel lesen relativ schnell aneignen.


    Bis die Tage. ;)


    Nico

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