wolle70: Yamaha Recording Custom Restaurationsorgie oder "Support your local Music Club" (Seite 30)

  • Und im Sommer können wir draussen schön grillen und zechen, auf dem Grillplatz vor dem Museum, den der freundliche Vormieter errichtet und hinterlassen hat. Nachdem Du gestern weg warst, sind noch 2 Trixons, ein Telstar und ein Speedfire, ein Kriegs- Ludwig mit Holzböckchen und ein Perl President eingetroffen. Vielen Dank für Deinen ( Simmons-) Beitrag, haste klasse gemacht, Wolfgang!!!

  • Es hat mal wieder ganz was feines den Weg zu mir nach Hause gefunden. "Simmons" hieß nicht immer "Simmons" sondern erstmal "Musicaid" und war als solches eine kleine Hinterhofmanufaktur . Dort sind etwas die ersten 100 SDSV entstanden. Ende 1981 war Musicaid pleite und die Bereitschaft von Finanzinvestoren Geld in die Firma zu stecken war gleich null, obwohl der gute Dave Simmons gerade mal schlappe 20.000 Pfund benötigt hätte, um die Entwicklungen abzuschließen und um vor allem relevante Stückzahlen produzieren zu können. Aus dieser Zeit stammt mein Neuzugang, Musicaid SDSV #34:



    Leckerer Bestzustand. Nicht so wie das aus der Kloake gezogene von letztem Jahr, daß ich erstmal in Menigge baden musste . Die original zugehörigen Vollholzpads hatte ich schon letzten November abgegriffen, das vorliegende Brain eben mit etwas Verzögerung. Was lernen wir? Irgendwann landen sie eh alle bei mir.
    Und im Juli geht's wieder auf große Pilgerfahrt. Bericht folgt

  • Hi Wolfgang,
    da ist dir ja wieder was nettes ins Haus geflattert :thumbsup:
    Pilgerfahrt...laß mich raten evtl. nach Toronto..?
    Konntest Du eigentlich die Bassdrum Frage bei Dave klären?
    Gruß Rüdiger

  • Bei aller Sammelleidenschaft: Eigentlich ging es mir immer mehr um das Equipment und dessen Technologie als um die Personen dahinter. Simmons "Erfinder" und Gründer Dave Simmons war immer ein Mysterium für mich und sowieso nicht greifbar. Der hatte sich nach Produktionsende 1999 bekanntermaßen einer völlig anderen Branche zugewandt und sich gegen die ganze E-Drum Thematik abgekapselt. Es gab für mich nie einen Grund das nicht zu akzeptieren. Vorletztes Jahr kam es dann doch mal zur indirekten und letztes Jahr zur direkten Kontaktaufnahme. Und nun bin ich mal mit der Tür in's Haus gefallen und habe den guten für einen Interview Termin "gedatet" wie's so schön neu-deutsch heißt. Ich dachte ein Interview ist überzeugender als "da kommt so ein Spinner aus Germany". Und was soll ich sagen: So wie Dave Simmons zum Ende des letzten Jahrtausends den E-Drums gegenüberstand fühlt er sich heute nicht nur geschmeichelt, daß sich noch Menschen für seine Ideen interessieren, sondern motoviert sich selbst neue Ideen zu entwickeln. Ob davon jemals etwas umgesetzt wird ist eine andere Frage.


    Eine Seefahrt die ist lustig, und so kam auch dieses mal nichts anderes in die Tüte als mit der Fähre über den Kanal zu schippern. Und wie stimmt man die Frau gnädig, damit man überhaupt Ausgang bekommt? Genau: "Schatz, hast Du Lust mal wieder in London zu shoppen?". Also schnell ein knackiges 3 tägiges Unterhaltungsprogramm zusammengezimmert:


    • Donnerstag Anreise
    • Freitag Shoppen in Kings Lynn/Norfolk, dort abends Konzert von Howard Jones, zuvor Interview mit dessen Schlagzeuger Jonathan Atkinson
    • Samstag weiter nach London: Frau wieder Shoppen, Mann trägt die Einkaufstüten. Abends Frau in Stansted in den Flieger setzen und selbst im B&B übernachten
    • Sonntags dann alleine raus nach Newmarket zur Papst Audienz




    Wie immer wenn ich nach England fahre ist Kaiserwetter angesagt: 25 Grad, strahlender Sonnenschein ("why don't you move here?"). Die 800km bis Kings Lynn reißen wir in schlanken 12 Stunden inkl. Fähre ab. Kleinigkeit. Die englischen Unterkünfte offenbaren einmal mehr die Defizite britscher Handwerkskunst: Kabel auf den Putz genagelt, Silikon in den Duschwannen? Ach, das bisschen Feuchtigkeit... . Aber hat ja auch alles seinen Charm. Am nächsten morgen englisches Frühstück , dann auf zur ersten Shopping Tour. Als lebender Kleiderständer halte ich bis zu 25 Kleidungsstücke gleichzeitig. Nach 5 Stunden hat das Leid ein Ende. Ich bringe die Frau zum Hotel und mach mich auf zum Backline Aufbau und Soundcheck von Howard Jones auf dem Marktplatz von Kings Lynn. Am heutigen Tage und im Rahmen eines mehrwöchigen Musikfestivals als Support spielen die "Yesterdays", eine sehr sehr gute Oldie Brit Pop Cover Band. Howard Jones bringt wie schon letztes Jahr seine sehr Synth lastigen 80er Hits mit 2 Mitstreitern auf die Bühne: Robbie Bronnimann am Stehpult mit Mac Book, 2 Novation Controllern und einem 2 Oktaven Keyboard. Damit steuert er Ableton, von dem die vermeintlich "unspielbaren" Sequenzer Parts kommen. Besagter Jonathan Atkinson hat ein E-Drum Setup von dem viele von uns sprechen, daß aber wohl die wenigstens tatsächlich auch schon live eingesetzt haben: Reine VST Software Kiste. Als Midi Frontend verwendete er hier ein DDrum 4 und triggert damit einen ESX24 Sampler in Seinem Mac Book. Darauf sind die Samples der original 2-Zoll Bänder der alten Howard Jones Aufnahmen. Richtig gesampelt inkl. der Dynamik Stufen. Nur für die HiHat verwendet er Superior. Die Drums kommen also interessanterweise zu 100% live und nicht wie orinal aus dem Sequenzer. Howard Jones selbst singt und spielt die signifikanten Themen und Flächen alle live. Sehr interssantes Live Konzept. Auf jeden Fall ungewöhnlich. Der Sound war grandios. Zwischen Soundcheck und Konzert verzog ich mich mit Jonathan Atkinson dann für eine Stunde im Pub und quetschte ihn nach allen Regeln der Kunst aus. Super Typ! Hat absolut Spaß gemacht! Das ist übrigens der, der 2 meiner ollen Simmons Pads in sein Set integriert hat .




    Samstag. Wieder englisches Frühstück. Alle Diät Anstrengungen der letzten 5 Jahre zunichte gemacht. Egal. Auf nach Stansted, wo wir den Wagen lassen und mit dem Expresszug weiter nach London fahren. Mit der U-Bahn zum Oxford Circle, wo all die fiesen Frauengeschäfte sind. Riesengedränge: Heute ist CSD :-) "Frau" kann quasi die Geschäfte schon sehen, aber kommen wir über die Straße? OK, drunter durch.




    Das haben sich die anderen natürlich auch überlegt und so dauert die Unterquerung auch satte 30 Minuten für einen Landgewinn von 20 Metern. Und wieder: Lebender Kleiderständer. Der Muskelkater wird nicht weniger. Aber auch die Kondition der Frau läßt nach. Eigentlich hasse ich Metropolen, aber London ist irgendwie besonders... Aber auch das ist irgendwann zu Ende. Also wieder in den Expresszug und ab zurück nach Stansted. Dort die Frau in den Billigflieger gesetzt und weiter zum schnuckeligen B&B "Stansted Inn": Eine Art 10 Zimmer Bretterbude mit Gemeinschaftsbad. Aber völlig ok für 28 Pfund. Am nächsten morgen wecken mich die Schafe von der Nachbarwiese ... um 4:45. Na gut, ich schnapp mir den Laptop und tipper schonmal den gestrigen Interview Mittschnitt runter, bis das Frühstück anfängt. Sehr idyllisch alles.




    Um 8:00 dann weiter die 80km bis Newmarket. Dort bewohnt Dave Simmons einen 300 Jahre alten Bauernhof am Ende der Welt wie es scheint. Traumhaft schön. Bei dem Wetter mutet das wie ein Fehrienparadies an. Der Meister erwartet mich schon lächelnd mit seinem Hund, eher Hündchen, auf dem Parkplatz. Die Farm hat mehrere zum Teil ausgebaute Scheunen. Im Haupthaus wohnt er selbst nebst Familie, in einer der Scheunen ist seine jetzige Firma mit 20 Angestellten. Ich bekomme erstmal eine Führung. "Ich zeig Dir mal mein Hobby" meint er und führt mich zu einem kleinen Hangar, in dem eine einsitzige Sportmaschine steht. "Hab ich selbst gebaut". Woher er denn wisse, wie man Flugzeuge konstruiert will ich wissen. "Ich habe mir ein dickes Buch gekauft". Im Geiste rolle ich den Gebetsteppich aus. In einer weiteren Scheune war die letzte Produktion von Simmons Drums, etwa von Hexaheads oder Multimallet. Da stehen noch die original Werkbänke.




    Hinter einer weiteren Scheune steht ein Frachtcontainer, der die Reste der Simmons Drums Ära beherbergt: Dokumente, ein paar Ersatzteile, Korrespondenz mit Endorsern. Einige Kubikmeter Geschichte. Alles etwas modrig. "Da musst Du mal gesondert vorbeikommen, da ist sicher etwas für Dein Museum dabei". Jo, das wird wohl so sein. Da werde ich wohl nochmal vorbeischauen müssen.




    Dave Simmons hat auf jeden Fall Frieden geschlossen mit seiner E-Drum Vergangenheit. 2 Stunden dauert das Interview, in dem ich ihn über die Firmengeschichte, technische Details und Firmenpolitik befrage. Über Endorser, den Verbleib der Prototypen, warum alles so kam wie es kam und seine Meinung zum Entwicklungsstand heutiger E-Drums. Zum letzten Punkt sei gesagt: Er ist enttäuscht. Das SDX sei voll von Innovationen gewesen, kaum etwas davon habe aber auf Folgeentwicklungen der Konkurrenten abgefärbt. Die arbeiten immer noch mit Piezzos, obwohl die Technologie mittlerweile so viel mehr hergibt und das zu wesentlich geringeren Kosten. Richtiges Positional Sensing gibt es abgesehen von wenigen Nischenprodukten nicht oder nicht wirklich. In seinen Augen ist die einzige Innovation der letzten Jahre das Mesh Fell, räumt aber ein, daß immer noch viele Drummer Gummi Spielflächen schätzen und bevorzugen. Das sagt er mit gewisser Genugtuung. Wir unterhalten uns über seinen Prozess gegen Guitarcenter. Er hofft auf ein baldiges Ende mit Ausgang zu seinen Gunsten.


    So. Alles im Kasten. Es war ein sehr herzliches Aufeinandertreffen. Der gute Dave war glaub ich sichtlich gerührt, daß es Leute gibt, die seine Kits nach all den Jahren immer noch schätzen und öffentlich halten. Ich oute mich, daß die Simmonsmuseum Seite eigentlich ein halber Unfall war. Ich wollte doch nur "spielen" :-)


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    Egal, shake hands und ab zurück zur Fähre. Ein aufregendes, intensives Wochenende geht zu Ende...

  • Wow! Ein toller Beitrag, ein lebendiges Stück Zeitgeschichte zum Anfassen und ein weiterer Grund, das DF wertzuschätzen - VIELEN DANK WOLLE!!!


    Ich hab in den 80ern auch Erfahrungen mit Simmons gemacht, die Pads waren halt sehr gewöhnungsbedürftig - erst vor Kurze, hab ich ein SDS 8 in der Bucht geschossen, aber dann aus Vernunftsgründen (und Platzmangel) weiterverkauft. Fakt ist, dass das Simmons tatsächlich kein Schlagzeugersatz war (wie so viele E-Drums heute), sondern in meinen Augen ein eigenständiges Instrument, mit dem man auch Schlagzeug spielen konnte.

    “If you end up with a boring miserable life because you listened to your mom, your dad, your teacher, your priest, or some guy on television telling you how to do your shit, then you deserve it.”
    Frank Zappa (1940-1993)

  • Zitat

    Ich hab in den 80ern auch Erfahrungen mit Simmons gemacht, die Pads waren halt sehr gewöhnungsbedürftig

    sind sie heute noch. Früher waren sie eher zu hart, heute in Zeiten von Mesh Heads sind sie eher zu weich

    Zitat

    erst vor Kurze, hab ich ein SDS 8 in der Bucht geschossen, aber dann aus Vernunftsgründen (und Platzmangel) weiterverkauft

    jetzt komm mir nicht mit Vernunft :D

    Zitat

    Fakt ist, dass das Simmons tatsächlich kein Schlagzeugersatz war (wie so viele E-Drums heute)

    Das ist mehr These denn Fakt daß das heute anders ist und füllt hier schon den ein oder anderen Thread mit Gegendarstellungen. Für mich sind das heute noch zwei Welten

  • Hey Wolle,
    Was für ein toller Bericht.
    Ich nehme an da kommt noch etwas mehr in der Sticks.
    Ja Das Engliche Frühstück ist schon Hammer, aber eine Richtige Teetime kann das noch toppen.


    Ich oute mich, daß die Simmonsmuseum Seite eigentlich ein halber Unfall war. Ich wollte doch nur "spielen" :-)


    Wenn bei allem mit dem Du rum spielst so was raus kommt: spiel weiter :thumbup:

  • Du könntest auch einen Brötcheneinkauf beim Bäcker interessant beschreiben... Ich habe eigentlich gar keine Zeit gerade aber konnte trotzdem nicht aufhören, Deinen Bericht zu lesen... Klasse!!! :thumbup:

  • aus den USA von einem Backline Verleiher erstanden und frisch renoviert kommt -auch wenn's langsam langweilig wird- ein BLAUES SDSV. (Fehlt eigentlich nur noch gelb. Wer eins hat oder weiß wo eins steht: bitte petzen)
    Im Übrigen weise ich gerne nochmal drauf hin, daß sich an der Trigger Technik praktisch kaum etwas nennenswertes geändert hat, sieht man mal von Mesh Heads und FSR Folien (z.B. SPD-S) ab


    Also hier ein paar Impressionen meiner letzten Aufmöbelungsaktion...



    wie immer: die Schlagflächen müssen neu



    30 Jahre Rock'n Roll (oder falsche Lagerung) führen zur Selbstauflösung des Piezos



    das Herz eines Simmons Pads: Eine simple Holzplatte



    Die Acrylschale ist schon poliert



    ein neuer Piezo...



    ...wird verlötet



    Very British: Lötstellen in Heißkleber ersäufen, damit sie sich bei Erschütterung nicht lösen



    ebenfalls very British: das Kabel wird mit Gaffa fixiert



    Eine Schale voller Ersatzteile



    die neue Schlagfläche, diesmal in weiß



    ein Loch...



    ...für die XLR Buchse



    Der Alu Rim braucht Zuwendung



    und ich seh aus wie sau



    Die Anti Aging Box mit Salben und Püderchen



    Wichtig: Testen vor dem Zusammenbau



    Tataaa! Wie neu!



    das ganze Set








    Also dann bis zum gelben... oder bis zum nächsten Reisebericht, es gärt schon wieder der ein oder andere Plan

  • Zitat

    Übrigens habe ich gestern Deinen Bericht über Dave Simmons in der Sticks gelesen, super wenn so ein Pionier aus dem Nähkästchen plaudert. Bin schon auf den 2ten Teil gespannt.


    die Knaller kommen eigentlich erst noch 8)
    Die nächste England Reise (mit reichlich Infotainment Programm) ist schon für den Frühing geplant, aber erst komme ich zu Dir an die Mosel

  • Wie immer sehr interessant!


    In einem Simmons Pad habe ich alles vermutet nur kein Holz, wieder was gelernt.


    Der Sticks Arktikel über Mr. Simmons ist ebenfalls sehr aufschlussreich.


    Ich erinnere mich, als ich 1982 (oder war es 1983?) zum allersten Mal auf einem Simmons spielen durfte:
    Das Ding stand in einem Proberaum (in dem sich auch ein riesiges Tama Superstar und ein fettes Sonor Signature befand!) auf einem stillgelegten Bahnhof, einer der Mitbewohner hatte einen PA Verleih.


    Das Simmons war an eine mittelgroße PA angeschlossen, dazu eine riesige Batterie 2002 Becken.
    Als Playalong wurde zu Saga´s "wind him up" oder zu Spliff´s "deja vue" getrommelt, die PA ordentlich gekantet dass fast die Fensterscheiben rausgeflogen sind durch die Vibrationen. Das war ziemlich beindruckend und war damals für uns Trommler so, als wären Ausserirdische auf der Erde gelandet. ;)


    Ich weiss noch wie heute wie mir danach die Handgelenke weh taten,
    als richtiger Rocker drosch ich damals mit 5B auf die Herdplatten ein. :whistling:
    Von dünnen Sticks stand in der englischen Beschreibung nichts geschrieben...

  • Hi Wolfgang,
    versuche doch bei der nächsten Reise auch nochmal an Info`s über
    diese "Hexa-Oval" geformte Bass Drum zu kommen. Ein Prospekt/Infoblatt hatte
    Sibi mir damals in schwarz weiss kopiert geschickt... :whistling:

  • Liest man Beiträge wie deinen, weiß man zumindest immer das man selbst noch nicht verrückt geworden ist :D



    Kennst du eigentlich die Seite www.ruskeys.net? Das ist ein Museum von Synthesizern und E-Sets die alle in der Sowjetunion gefertigt wurde. Da ist auch das ein oder andere E-Set dabei.


    Lies die FAQ und benutze die Suchfunktion!

    2 Mal editiert, zuletzt von Fl0gging ()

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