Zeit für ein altes Set ... - und 'nen alten Snarekessel

  • ... mal richtig neu herzurichten, versteht sich. Da in den letzten Monaten eh nichts mit Proben war (und teilweise immer noch ist ;( ), blieb mir nichts anderes übrig, als die frei gewordenen Abende kreativ in der Werkstatt zu verbringen, um mal wieder ein altes Set nach Strich und Faden aufzumöbeln. Ihr ahnt es schon - ein altes Sonor Champion musste herhalten. Diesmal erweitert um einen Sonor Force 2000 Snarekessel. Als Finish hatte ich Cottonwood (Pappel) Maser ausgewählt. Inspiriert dazu hat mich die Sonor AS 12 1406 CM Artist Snare. Da das Furnier fast weiß ist, entschied ich mich für einen Beizton in Eigenkreation. Das Set sollte honigfarben werden. Maserpappel ist sehr wellig, nicht gerade einfach zu verarbeiten. Die Auswahl, bis ich das richtige Furnier gefunden habe, war nicht einfach und hat recht lange gedauert. Aber es hat sich gelohnt, denn mit jeder neuen Furnierung will ich immer was Neues probieren, gewissermaßen experimentieren. Das fertige neue Set sollte nicht mehr an ein Sonor erinnern, außer dem Klang. Also neue Hardware mit Beavertail-Lugs ran. D. h. vor allem, alte Bohrlöcher schließen und passgenau neue anbringen. Das Set sollte den Touch der 40er-Jahre haben, aber durchaus modern klingen, so man das bei Kesseln von 1980 noch sagen kann. Das gewellte Furnier habe ich diesmal mit Ratschen versehenen Spanngurten aufgebracht, da ist gewaltig Zug drauf. Einfacher Beizauftrag und insgesamt sechsfacher Hartwachsölauftrag (seidenmatt) mit diversen Zwischenschliffen. Nach dem letzten Hartwachsölauftrag und der Trocknung habe ich dann an den Kesselgratungen 0,5 cm und an der Bassdrum 1 cm Furnier abgenommen, damit die Felle problemlos aufzuziehen sind. Das Set ist seit heute fertig. Ich lasse hier die Fertigung in zeitlicher Folge als Daumenkino laufen.


    Wer also Lust, Zeit und Muße hat, den möchte ich damit ermutigen, selbst mal ein Set neu einzukleiden.


    Viel Spaß.



    Rohfurnier Cottonwood Maser



    Furnierzuschnitt und Werkzeuge



    Abkleben der Gratungen für die Furnierlagen



    Pressvorgang der aufgeleimten Lage mit Ratschenspanngurten



    Ergebnis Furnierlage



    Weiterer Pressvorgang



    Floortom und Bassdrum rohfurniert



    Tom und Snare rohfurniert



    Floortom und Bassdrum gebeizt (nass)



    Tom und Snare gebeizt (nass)



    Floortom und Bassdrum gebeizt (trocken)



    Tom und Snare gebeizt (trocken)



    Fertiges Set



    Furnierbild Bassdrum



    Furnierbild Snare



    Set



    Set

    Ein Mann vom Schlag eines Zeugers!

    4 Mal editiert, zuletzt von Katschi ()

  • Wow. Tolles Set. Das Finish ist klasse. Farbton & Muster (Maserung) sehen wirklich umwerfend aus. Auch die Hardwareauswahl finde ich schick. Ebenso die schwarzen Bassdrumhoops. Sehr stimmig.
    Grossen Respekt auch für die Arbeit mit den Furnieren. :thumbup:


    edit: trommeltom, ich habe in der Zwischenzeit einen anderen Thread gelesen. :)

    Blaukraut bleibt Blaukraut & Brautkleid bleibt Blaubtkreid

  • Das hier war das Ausgangs-Set. Macht auf dem Foto einen schlanken Fuß, aber die Folie hatte Fissuren und ein Craquelée-Muster, wie man sieht.
    Außerdem verblichen, was ja üblich ist für Folien aus dieser Ära. Das Tom hatte mehrere Brandflecken, Brüche und aufgebrochene Blasen, das sah seltsam aus.
    Also nix wie runter mit dem alten Zeugs :)

  • Hi,


    mir sind Umbauten absolut zuwider.
    Dann wird auch noch der Urzustand gnadenlos schlechtgeredet(Gewissensbisse!?)...



    Gruß
    Dan


    P.S. Dit is jut!!!!

    Ich bin nicht intolerant, ich hasse jeden!

  • Wer also Lust, Zeit und Muße hat, den möchte ich damit ermutigen, selbst mal ein Set neu einzukleiden.


    Würde mich schon reizen so eine 1214" schweden TRAX und eine 1412" japan HOSCHINO von meinem letzten Bauprojekt neu einzukleiden. Der Gedanke muss noch reifen. :pinch:
    Prächtige Arbeit, mit den Lugs sieht das richtig gut nach früher aus. Alt bewährt, halt Vintage.


    -

  • Sehr schön geworden, Respekt! Machst Du Werbung für ST-Drums? Den Badges nach sieht es nach einer dortigen Arbeit aus, was es ja sicher nicht ist. Langsam wird es wohl Zeit, dass Du ein eigenes Logo entwirfst ...

  • Ein wirklich schönes Set! Die Arbeit ist sehr gelungen! Verwendest Du bei den Funierkanten Zulagen?

    Ich würde Dich bitten, die Bilder etwas zu verkleinern. Die Auflösung von 5472x3648 Pixel ist schon sehr ambitioniert.
    Edit: Danke!

    Einmal editiert, zuletzt von greb ()

  • So, die Bilder sind verkleinert und ich hoffe, dass der Aufbau und Zugriff nun für alle deutlich schneller geht.


    mir sind Umbauten absolut zuwider.
    Dann wird auch noch der Urzustand gnadenlos schlechtgeredet(Gewissensbisse!?)...


    Ich restauriere - vorzugsweise die alten Champion - nun schon seit über 15 Jahren. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen wieviele das inzwischen sind. Eingangs hatte ich die alten Sets im Originalzustand restauriert mit dem Ergebnis, dass potenzielle Käufer am Zustand des Finishs ohne Ende rumgemäkelt hatten. Die Arbeit, die man reinsteckt, wird nicht im Geringsten gewürdigt, es geht nur darum, den Preis zu drücken. Darauf hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Die Sets, die ich neu foliere/furniere, suche ich sehr gewissenhaft aus. Deswegen weiß ich ganz genau, welches ich im Originalzustand lasse und welches nicht. Ich brauche hier nichts schlechtreden. Es gibt nun mal sehr erhaltenswerte Champions und es gibt auch völlig abgewichste Sets, deren Kessel aber in Ordnung sind. Nur die sind für mich interessant. Ich habe alternativ ein altes Ludwig und aktuell ein altes Rogers, die beide äußerst behutsam im Originalzustand restauriert wurden bzw. werden, weil es sehr seltene Perlen sind. Das Champion hingegen war ein sehr häufig verkauftes Shellset zum vergleichsweise günstigen Preis, das überwiegend von Musikvereinen und Drummern gekauft wurde. Entsprechend häufig ist es noch zu finden, aber in sehr unterschiedlichem Allgemeinzustand. Das Finish hatte keinen UV-Schutz, Folien aus dieser Zeit neigen zum Schrumpfen, damit zur Rissbildung und je nachdem, wie das Set genutzt wurde, ist die Folie eben mehr oder weniger hinüber. Und genau solche Sets werden von mir restauriert - gnadenlos :). Die Kessel jedoch sprechen für sich. Warum hatte Sonor für die 140-Jahre-Vintage-Serie den Kesseltyp der Champions als Vorlage genommen und nicht die des Phonic-Klassikers?


    Es werden noch genügend dieser Sets z. B. in den Kleinanzeigen angeboten, da mache ich mir keinen Kopf der Rarität wegen.


    Zu den Badges: Ja, die habe ich von Stdrums, weil die komplette Hardware von denen ist. Ich mache aber ausdrücklich dafür keine Werbung, es ist auch kein Stdrums-Set. Mir haben die halt gefallen und irgendwas musste drauf. Sollte das verkauft werden, wird der Käufer von mir genau aufgeklärt, was er da vor sich hat. Versteht sich.


    Hier noch ein paar restaurierte Sets aus meinem Gruselkabinett ... :D

  • Wow, das neue wie auch die anderen -> sehr cool!
    Optisch sprechen mich besonders das blaue und das birke/rote an.


    Leide hatte ich noch nie ein Champion unter den Sticks. Ich hoffe das ergibt sich mal, würd ich gern mal eins verkloppen :D


    Darf man fragen wie viel du in etwa in so eine Restauration investierst? Wie hoch waren die Materialkosten z.B. beim aktuellen Projekt?

  • edit: trommeltom, ich habe in der Zwischenzeit einen anderen Thread gelesen. :)


    Und ich habe zwei Tage verstreichen lassen und bin mittlerweile an meinem Arbeitsplatz mit Schnell-Internet. :whistling:


    Ach so: Ganz tolle Arbeit!
    Gefällt mir sehr gut!
    Macht allein schon großen Spaß, das anzuschauen!
    Und das Trommeln darauf macht bestimmt ebenso viel Laune. =)

  • Vielen Dank für die netten Rückmeldungen, dann hat sich die Arbeit gelohnt :) .


    Einen Klangunterschied habe ich nicht rausgehört, das ist der Sonor-typische Klang älterer Buchenkessel mit kurzem Sustain. Nach meinem Empfinden. Bei sechs, respektive neun Lagen hat das keine Auswirkung auf eine Änderung des Klangbildes.


    Bei den BD-Spannreifen habe ich bewusst schwarze Holzreifen genommen, weil die helleren Naturtöne sehr gut dazu harmonieren, Vintage Style eben. Zu Chrom passen dunklere kräftige Farben wie Blau und Rot.

    Ein Mann vom Schlag eines Zeugers!

  • Gestatten?


    Seit ein paar Tagen habe ich noch eine weitere feine Snare restauriert. Das ging aber ruckzuck.


    Ich hatte in der Bucht einen äußerst seltenen Slingerland Student Model Radio King Snarekessel erworben,
    die originalen Nickel Beavertaillugs waren dabei. Das Teil ist von 1955, dreilagig mit Verstärkungsringen.
    Das Finish nennt sich Marble Laquer. Da ich alle Replika-Teile neu vorrätig hatte, konnte ich die Snare sehr
    schnell herrichten. Einmal behutsam reinigen und das Finish mit Ballistol-Öl einreiben. Zusätzlich habe ich
    Remo Ambassador Classic Fit draufgezogen, da die speziell für die alten Snares wg. der minimalen Übergröße
    gut passen - meistens, jedenfalls :). Für die Radio King optimal, weil normale 14"-Felle doch zu eng sitzen.
    Die Maße sind 14" x 5,5".


    Ich höre faktisch keinen Unterschied zwischen dieser und der "klassischen" Radio King. Warm, weich,
    angenehm dunkel, eine feine Jazz-Snare eben.



    Ein Mann vom Schlag eines Zeugers!

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