Letzten Samstag in Westheim (nahe Würzburg) in einem MC-Clubheim mit SCHEMEN gespielt...
Ich hake die Highlights mal stichpunktweise ab:
1. Bei der Ankunft wurde uns mitgeteilt, dass die PA defekt sei. Mein Sänger und ich hatten sofort bessere Laune, da wir keinen Bock auf diesen Gig hatten (außer uns spielten noch drei andere, stilistisch nicht gerade ähnliche Bands). Irgendein Freak mit Lötkolben (klar, war ja ein Moppedclubhaus) hat die Anlage dann so hinbekommen, dass sie halbwegs funktionierte. Dazu später mehr.
2. Das Etablissement war halbwegs für Konzerte geeignet, Platz gab es keinen. Als ich mich nach Nahrung erkundete, kam die nächste Keule. Einen Kasten mit verschiedenen Getränken für die ganze Band gab es, Essen (entweder Hot Dog oder Bulettenbrötchen) mussten wir bezahlen. Hallo? Wir spielen da und sorgen für reichlich Bierkonsumenten und dann gibts nichts zwischen die Zähne? Na großartig. Nach einem halben geborgten Twix, zwei aus den Untiefen meines Rucksacks aufgetauchten Äpfeln sowie 4 Euro und zwei Hot Dogs (naja, der eine war für meine Freundin) später war dann meine Stimmung halbwegs wieder hergestellt. Schön ist immer wieder, dass unsere Band aus Nichtrauchern und -trinkern besteht und die Veranstalter dem immer etwas ratlos gegenüber stehen. So auch diesmal, denn es gab im ganzen Haus kein Mineralwasser. Ja nee. Biker halt.
3. Der Drummer der Supportband war der Knaller. Ich wunderte mich schon, als er reingestiefelt kam und fragte, ob er denn seine Fußmaschine dranschrauben soll. "Nee, du kannst ja auch mal probieren, wie es klingt, wenn du mit dem Sportschuh gegen das Fell trittst, du Spaßvogel" dachte ich in meiner No-Food-Laune. Ich musste übrigens ein paar meiner Beckenständer zum Allgemeingebrauch mitbringen, also tat ich mal meine Pflicht. Bei den letzten beiden fragte ich den Nachwuchsprügler, wieviele Becken er denn habe (damit ich weiß, wieviele Stative ich aufbauen muss). Er nur: "Ja, ich hab mal eins mitgebracht." Ich mit hochgezogener Augenbraue: "Wie - eins?" "Jaja, nur für den Fall." Ich (mit nicht mehr zu verheimlichendem Sarkasmus): "Für den Fall, dass du spielen musst oder was?" Er: "Nee, falls nicht genug da sind. Kann ich denn eure nicht mitbenutzen?" Ich (mit Blick auf meine mit RUDEs vollgepackte Beckentasche): "Nein?" Bestürzter Blick von ihm. Ich: "Haste wenigstens deine Snare dabei?" Er: "Neee..." Da hab ich mich dann rumgedreht und bin erstmal atmen gegangen.
4. Wir spielten als dritte Band des Abends und in den beiden Umbaupausen vor uns gab es eine (Überraschung, wir sind in einem Moppedclubhaus) jeweils halbstündige Stripshow. Na super, Proletentum ahoi. Was solls. Sound auf der Bühne war halbwegs annehmbar, obwohl die Gitarren nur über die Stacks kamen, vom Schlagzeug nur die Kickdrum (angeblich, hörbar wars jedenfalls nicht) abgenommen wurde und es keine Monitorboxen gab. Aus Angst, die PA zu schrotten, haben die Mischstümper, die ja eigentlich keinen Job hatten, wenn nur der Sänger über die PA singt, den Regler erst bei der letzten Band ein bisschen angehoben, so dass von den ersten drei Sängern nichts zu hören war. Zum Glück hab ich mir Metronom und Kicktrigger-Sound auf meine In-Ears gelegt, sodass ich wenigstens mich selber gehört habe und sicher spielen konnte.
5. Unser Gig wäre sehr gut gewesen, wenn mich nicht zum ersten Mal überhaupt das Axis-Pech getroffen hätte. Irgendwie habe ich die Kardanwelle am linken Pedal falsch aufgesteckt und bei den letzten 4 Songs ist dann irgendwann das linke Pedal abgesackt. Nun ist es natürlich ein bisschen schwer, da Uptempo-DB-Zeugs zu spielen, wenn der linke Fuß gefühlte 5cm weniger Weg zu bewältigen hat. Nachdem ich einen Song im Intro zweimal abbrechen musste, habe ich dann einfach weitergespielt und es ging auch halbwegs. Außer ein paar versemmelten Einsätzen und ab und zu den Pedalen geschuldeten Wacklern hat das Fachpublikum nichts bemerkt. Nächstes Mal guck ich mir die Maschine dreimal an.
6. Die Band nach uns hat bis nachts halb drei gespielt, was in Ordnung gewesen wäre, wenn die nicht meine Stative gebraucht hätten. So konnten wir dann gegen 3 dann doch endlich abfahren, woraufhin wir dann noch satte 20 Minuten im Burger-King-Drive-In verbringen mussten. O-Ton Gitarrist: "Das geht schneller."
Fazit: Ich war erstaunt, dass wir es trotz den ganzen Umständen bis zum letzten Song geschafft haben und alle noch ihre Nerven behalten haben. Die Motorradtypen waren alle ein bisschen "elitär" drauf, außer ein paar Dudes an der Feuertonne vor dem Gebäude, die mit leuchtenden Augen von ihren Lieblingskonzerten von 1996 berichtet haben. Und ich habe völlig vergessen, sie aufzufordern, mir ihre Stiefel, ihre Kleidung und ihre Motorräder zu überlassen...