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Samstag, 2. September 2006, 15:01

Manni Neumeier - immer wieder sehens- und hörenswert

Trommeln ist gut für Geist und Seele
Manni Neumeier ist einer der kreativsten Drummer der deutschen Musikszene. Seit der Gründung seiner Band Guru Guru gilt er als einer der Vertreter des sogenannten Krautrocks. Doch der umtriebige Drummer ist ständig auf der Suche nach neuen Klängen, Rhythmen und Einflüsse anderer Kulturen. So spielt er zusammen mit seiner asiatischen Frau auf der Bühne mit Korallenstückchen. Er versteht es zudem seine Show durch ungewöhnliche Einfälle aufzulockern.
Nach einem wahren Happening im Rahmen der zweiten Nacht der Trommel in Hockenheim stand er freundlich und gut gelaunt für die obligatorischen Fragen zur Verfügung. Vielen Dank!




DF: Seit wann spielst du Schlagzeug und warum ausgerechnet dieses Instrument?

MN: Ich spiele seitdem ich siebzehn bin, das war 1957. Ich hatte immer eine Vorliebe für Trommeln, habe aber auch andere Instrumente wie Saxophon getestet, ob die was für mich sind. Ich spiele auch melodiöse Schlaginstrumente wie Marimbas, aber, mein Hauptding ist das Schlagzeug. Außerdem singe ich ja bei Guru Guru noch ein paar Stücke.

DF: Was bedeutet das Instrument für dich?

MN: Es bedeutet, dass ich mich damit besser ausdrücken kann als zum Beispiel mit meiner Stimme. Wenn meine Trommeln weg wären, würde ich mir Neue besorgen. Aber, ich habe eine Reihe von Trommeln und Becken gefunden, die für mich ordentlich klingen und die möchte ich nicht mehr missen. Letztendlich sind das alles Werkzeuge, in einem anderen Beruf bräuchte ich ja andere Geräte

DF: Seit wann bist du ein professioneller Schlagzeuger?

MN: Seit 1966, also seit 40 Jahren. Davor habe ich Jazz- und Swingsachen gespielt, aber dann entdeckten wir den Freejazz, wir waren ziemlich früh damit dran. Zwei Jahre später gründete ich dann mit anderen Musikern Guru Guru. Durch diese Band bin ich ja eher im Rocklager gelandet, aber, seit zehn Jahren mache ich auch wieder Jazz und anderes. In Japan spiele ich auch öfters, vor allem Avantgarde und andere, moderne Sachen. Ethno und Worldmusic mag ich auch sehr gerne. Stil ist für mich keine Frage, allerdings würde ich nie etwas nach Noten spielen, das interessiert mich nicht. Egal, was ich mache, das muss grooven.



DF: Was macht für dich einen guten Schlagzeuger aus?

MN: Dass er groovt und eine gewisse Technik hat, aber eben auch über ein gewisses Feeling verfügt und in der Lage ist, die Band zu tragen und Sicherheit zu geben. Dynamik ist auch wichtig, sowie Phantasie. Wenn aber die Technik nur ihrer selbst Willen gespielt wird, dann leidet oft die Musik darunter.

DF: Was ist die Rolle eines guten Drummers in einer Band?

MN: Er ist der Motor und Dirigent und oft auch die Seele einer Band. Außerdem muss er mit dem Bassisten das Fundament bilden. Anhand meiner Vorbilder wie Art Blakey oder Elvin Jones wurde mir bewusst, dass ein Drummer grooven muss.



DF: Wie wichtig ist außer-musikalische Kommunikation in diesem Zusammenhang?

MN: Ganz wichtig, wenn die Band nur wegen dem Geld zusammen spielt, dann fließt das nicht. Wenn es menschlich unter den Musikern aber stimmt, dann entsteht etwas Besonderes und die Leute merken das indirekt. Die zwischenmenschliche Kommunikation ist ganz wichtig. Z.B. heute bei der Nacht der Trommeln; den Armin kenne ich schon länger, aber, die anderen habe ich heute erst kennen gelernt. Es war trotzdem sehr schnell für uns klar, das wir ein Stück zusammen spielen werden. Das hat wunderbar funktioniert obwohl ja jeder auch ein Solist ist. Wir bildeten eine Einheit innerhalb der jeder sein Solo spielen konnte und sich danach wieder in die Gruppe integrieren konnte.

DF: Wie wichtig ist dabei das Ego für dich?

MN: Wenn ich ganz gut spiele, dann vergesse ich mein Ego und auch die Technik, es fließt einfach. Wenn du schon lange Musiker bist, dann hast du natürlich ein Ego, aber, damit musst du umgehen können. Egoismus, mit den Ellenbogen kämpfen oder so was funktionieren aber nicht. Das musst du dir abgewöhnen, sonst stolperst du immer wieder darüber. Leute, die arrogant sind, ecken überall an und mit denen will dann irgendwann niemand mehr spielen.

DF: Was bedeutet für dich das Internet?

MN: Ich habe mich aber lange gegen diese Entwicklung gewehrt. Aber, ich habe gemerkt, dass die Kommunikation gerade mit dem Ausland doch viel einfacher ist und ich benutze es mittlerweile gerne. Außerdem habe ich Fotos online gestellt und suche im Netz nach Informationen. Trotzdem möchte ich pro Tag nicht länger als eine Stunde vorm Rechner sitzen.

DF: Dein Tipp für junge Schlagzeuger?

MN: Verbringt Zeit mit dem Drumset, mit den Trommeln, bastelt am Sound. Habt ruhig Vorbilder und versucht Sachen nachzuspielen, aber, seht zu, dass ihr irgendwann euer eigenes Ding macht. Wenn ihr einen vermeintlichen Fehler macht, dann versucht es, ihn zehn Mal zu wiederholen. Manchmal entstehen so ganz eigene, kreative Sachen. Probiert viel aus, auch wenn ihr das dann nicht sofort in einer Band einbringen könnt.
Tja, Trommeln ist gut für Geist und Seele und ansonsten freut euch des Lebens und habt Spaß an der Musik.


Weitere Infos:http://www.guru-guru.com/start.htm