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Montag, 24. März 2008, 18:59

Marco Minnemann - Immer mehr mit sich selbst zufrieden

Zuhören, Respekt und Wissen
Marco Minnemann gehört zu den deutschen Ausnahme-Drummern, die auch international Beachtung finden. Letztes Jahr im Oktober beantwortete er die mehr oder minder bekannten Fragen. Er präsentierte sich als angenehmer Gesprächspartner, selbstkritisch, aber auch mit einer guten Prise Humor. Das Gespräch rundete den gelungenen Abend im Rockshop Karlsruhe ab. Vielen Dank an alle, die ihn ermöglichten und natürlich an Marco, dass er während seines Essens noch Zeit für das Interview fand.



DF: Seit wann spielst du Schlagzeug und warum ausgerechnet dieses Instrument?

MM: Weil ich am Schlagzeug am meisten Gefallen gefunden habe. Mit fünf oder sechs Jahren habe ich angefangen Klavier sowie Orgel zu spielen und später dann Gitarre, was ich heute noch mache. Mit elf habe ich dann mit dem Schlagzeug angefangen. Das hat mir am meisten Spaß gemacht. Irgendwie bin ich an diesem Instrument hängen geblieben. Als Drummer bin ich dann auch in meine ersten Bands eingestiegen. Allerdings benutze ich Gitarre und Keyboards als Hauptinstrumente beim Komponieren. Aber, das Schlagzeug spiele ich wohl am besten. Tja, die verschiedenen Instrumente inspirieren mich, so beeinflusst die Gitarre auch mein Drumming. So baue ich meine Soli wie ein Orchester auf, ich habe Arrangements, die ich auf dem Set spiele.

DF: Was bedeutet das Instrument heute für dich?

MM: Zuerst war es natürlich das große Lernen und Experimentieren, Erfahrungen sammeln. Dazu gehört die Entscheidung, was ist wirklich notwendig für mein Spiel und was kann ich an Toms oder Becken und ähnliches weglassen. Mittlerweile habe ich erfahren, was ich brauche. Alles, was du heute siehst, steht nicht ohne Grund da. Alles macht Sinn und deswegen verändere ich nur noch selten das Set. Klar, für spezielle Bands überlege ich mir schon ein für mich passendes und stimmiges Setup. Das Schlagzeug ist für mich ein Instrument, auf dem ich mich frei ausdrücken kann, in jeglicher spielerischer und auch kompositatorischer Hinsicht.



DF: Seit wann bist du professionell dabei?

MM: Geld verdiente ich als Drummer schon mit 13. Davon leben kann so seit 20 Jahren, mit 18, 19 war dieser Punkt erreicht. Für mich ist es aber nicht das pure Geldverdienen, wenn ich heute auf der Bühne stehe. Ich denke also nicht an die Gage, sondern ich muss einfach spielen, sonst fehlt mir was. Ich versuche alles zu geben, 120 %. Es ist jeden Abend eine neue Herausforderung, auch nach den ganzen Jahren. Der Reiz ist, etwas Neues auf der Bühne zu komponieren. Wenn du es nicht ehrlich meinst und nur auf die Kohle aus bist, das merkt das Publikum sehr schnell. Der Unterschied ist, ist es dein Beruf oder deine Berufung.

DF: Was macht für dich einen guten Schlagzeuger aus?

MM: Musikalität ist das Zauberwort. Dazu gehört die Fähigkeit des Zuhörens und des Wissens, an welcher Stelle welcher Schlag oder welche Figur passt. Einerseits nicht zu viel spielen, aber eben auch andererseits ist ein guter Drummer in der Lage, das Ganze am Leben zu erhalten und interessant dabei zu klingen. Dazu gehört auch ein guter Ton, die Spieltechnik muss so gut sein, dass er weiß, wie er welchen Ton aus der Trommel bekommt. Sensibilität für das Instrument muss da sein. Es gibt Kollegen, die machen das eher unbewusst, andere wiederum arbeiten ihr ganzes Leben am Sound. Tja, dann gibt es da noch die Drummer, du hörst drei Schläge und du weißt, da spielt gerade z. B. Stewart Copeland, Simon Phillips, Terry Bozzio oder auch Buddy Rich. Aber auch Phil Rudd von ACDC weiß genau, wie er seinen Sound hinbekommt. Vor diesen Leuten habe ich großen Respekt.



DF: Wie ist die Rolle eines guten Drummer innerhalb einer Band/eines Projektes?

MM: Als Drummer in der Band lieferst du Service für die Band, nicht mehr und nicht weniger. Du musst das rüber bringen, was die Musik verlangt. Du musst auf die Band achten, wer wann was spielt. Dazu gehört auch, dass du die Soli der anderen respektierst und nicht kaputt trommelst. Das kann schon eine Weile dauern, bis du so was drauf hast.

DF: Wie siehst du die Zukunft der Musikindustrie gerade auch im Hinblick auf das Medium Internet?

MM: Das Internet ist für mich ganz große Klasse. Ich bin in der Lage meine Musik selbst zu vertreiben, muss mich also nicht mehr mit irgendwelchen Managern der Plattenindustrie rumschlagen, die versuchen in meine Projekte rein zu reden. Es ist wohl klar, dass diese Business-Typen, die von Musik keine Ahnung haben und nur an den Profit denken, nach und nach abgesägt werden. Als jemand, der an die freie Sprache der Musik glaubt, freut es mich sehr, dass es neue Vertriebswege gibt und ich mein Publikum anders erreichen kann. Meine CDs verkaufe ich übers Internet. Heute ist es so, wenn du eine gute CD produzierst, die die Leute anspricht, dann bezahlen sie auch etwas dafür.
Für mich war dieser Wandel positiv. Außerdem läuft eine ganze Menge kostenloser Promotion über das Internet. Aber auch die Informationssuche ist durch das Internet einfacher geworden. Oder auch die Kommunikation, heute kann ich meine Interviews online führen.



DF: Wie ist der Unterschied zwischen Deutschland und den Staaten?

MM: In den USA ist ein breiteres Angebot an Musikern, du hast also mehr Auswahlmöglichkeiten. Das war auch der Grund, warum ich rüber gezogen bin. Viele meiner musikalischen Freunde wohnen in den USA. Was das Publikum anbelangt, muss ich meinen Landsleuten leider ein wenig-in den Rücken fallen. Als Künstler in den Staaten wirst du vom Publikum unterstützt. Die sind stolz darauf, dass da jemand aus ihrem Land auf der Bühne steht und was drauf hat.
In Deutschland ist es eher so, da wird analysiert, was du nicht kannst oder wo du einen Fehler machst. Du kannst machen, was du willst, irgendetwas finden sie immer. Aber, komischerweise mögen sie meine Performance, die Verkaufszahlen sind hier nicht gerade schlecht.
Die hiesige Neid-Abteilung habe ich drüben echt nicht vermisst. Das gibt es so woanders nicht, in Mexiko z.B. sind sie auch sehr schnell zu begeistern und feiern dich ab. Ich denke, sie picken sich das Positive raus.

DF: Dein Tipp für junge Drummer?

MM: Macht das, was ihr gerne machen wollt, zieht das durch und macht euer Ding. Seid konsequent und seht zu, dass ihr es wirklich gut macht. Versucht immer mehr als nur 50% zu geben. Musik machen ist auch Arbeit, deswegen üben und aufnehmen. Seid selbstkritisch, ich gehe jeden Abend von der Bühne und mir fallen meine Fehler auf, bzw. ich sehe, an der einen oder anderen Stelle muss ich noch dran arbeiten.
Allerdings gibt es mehr Abende als früher, an denen ich zufrieden mit mir bin. Der Druck ist nicht mehr so groß. Na ja, ich gehe mittlerweile auch selbstbewusster auf die Bühne. Wichtig ist aber auch, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Du spielst ja schließlich, weil es Spaß macht zu trommeln.
Mein Konzept funktioniert schon seit Jahren, ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg. Es gibt sogar Leute, die kopieren meine Bücher und DVD. Das war zu Anfang eine Ehre für mich. Leider hat das mittlerweile Dimensionen erreicht, in denen es um massive Urheberrechtsverletzungen geht. Es ist also nicht alles toll als Profi. Du musst schon sehr auf deine Belange aufpassen. Generell komme ich mit den Musikern und den anderen aus dem Profibereich gut klar. Aber, bei Einigen wundere ich mich denn doch, was sie so treiben.

Weitere Infos: http://www.marcominnemann.com