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Dienstag, 7. August 2018, 19:34

Patrick Metzger - eher Berufung als Beruf

Leidenschaft, die in die Wiege gelegt wurde
Vor einiger Zeit staunte ich nicht schlecht, als ich im TV meinen ehemaligen Mannheimer Proberaumnachbar Patrick Metzger als Drummer von Beatrice Egli sah. Auf der diesjährigen Musikmesse trafen wir uns wieder und dann bot sich mir die Gelegenheit, ihn in seinem Proberaum zu besuchen. Danke an Patrick!



DF: Seid wann spielst du Schlagzeug und warum ausgerechnet dieses Instrument?
PM: Ich habe angeblich im Alter von vier oder fünf Jahren m dem Trommeln angefangen. So erzählt es zumindest mein Familienkreis heute noch. Warn ich mich erinnern kann, ist die Snaredrum, die tatsächlich mal unterm Weihnachtsbaum lag. Mein Vater war Hobbyschlagzeuger und irgendwie habe ich alles nachgemacht, was der Papa so macht. Dann fing ich an, Noten zu lernen, spielte automatisch im Musikverein, in dem auch mein Opa, mein Vater und mein Onkel waren. Später waren dann meine Kumpels auch im Verein.
Mit neun dann habe ich mein erstes eigenes Schlagzeug bekommen. Mir ist das also praktisch in die Wiege gelegt worden.

DF: Seit wann kannst du davon leben?
PM: Eigentlich seit dem Beginn meines Studiums, das ich mit Gigs und Unterricht geben finanzierte. Ich bekam zwar BAFÖG, aber das reichte höchstens für die Miete.
Mein Studium begann im September 2000 und das ist für mich auch der Start meiner Karriere als Profidrummer. Ich habe in Dinkelsbühl angefangen, weitere Stationen waren die Niederlande und schließlich die Popakademie hier in Mannheim, ich gehörte zu den ersten Jahrgängen. Ich bin dann auch bis heute in Mannheim geblieben.

DF: Tja, und dann bist du irgendwann hier in die Proberäume eingezogen und musstest u.a. mein Getrommel ertragen.
PM: Ja, wir standen ja auch des Öfteren draußen rum und haben gequatscht statt zu proben. Umso mehr hat es mich gefreut, dass du mich auf der Messe wegen dem Interview angesprochen hast.

DF: Was bedeutet das Instrument für dich?
PM: Als Erstes fällt mir spontan Leidenschaft ein, die mir ja in die Wiege gelegt wurde. Ich kenne auch nichts anderes und aus der Leidenschaft wurde eine Berufung. Natürlich ist es auch mein Beruf, aber trotz Allem, es hat ja nie jemand zu mir gesagt, dass ich das machen muss. Ich wollte und will trommeln!
Auch wenn es manchmal sehr stressig ist und zum Beruf sehr viel mehr als das reine Spielen gehört, die Leidenschaft ist noch da. Wer einmal mit dem Virus infiziert wurde, egal als Hobbytrommler oder Profi, der hat einfach Bock zu spielen.
Ich habe zwar nach der Schule noch eine Ausbildung als Orthopädie-Techniker gemacht, aber nie in diesem Beruf gearbeitet. Damals zwischen 1996 und 98 habe ich neben der Ausbildung schon viel gespielt und wollte das zu meinem Beruf machen, nur, ich wusste nicht, wie. Die Möglichkeiten, die sich uns Trommler heute bieten, gab es so noch nicht.

DF: Videokassetten?
PM: Genau, ich sage nur Superdrumming. Mit dem Videorekorder meines Vaters nahm ich das auf und analysierte, was die da so im Fernsehen machten. Leider guckte ich so oft und viel, dass das Band riss und ich den Rekorder schrottete.



DF: Was sind die weniger schönen Seiten des Profidaseins?
PM: Was ich nicht leiden kann, ist Unverlässlichkeit. Das hat jetzt nichts mit einer vermeintlichen Unpünktlichkeit zu tun, es kann immer mal ein Anruf kommen, den du als Freiberufler annehmen musst!
Es gibt in unserer Branche einen Ehrencodex, wir haben ja keine Gewerkschaft, dass auch eine mündliche Zusage zählt. Es geht auch darum, wenn ich einen Gig zusage, dann kann ich nicht noch einen anderen annehmen, der besser bezahlt ist, und kurzfristig absagen. Aber, klar, Kollegen, die so handeln, werden irgendwann nicht mehr gebucht, weil keiner mehr mit ihnen arbeiten möchte.
Was aber auf jeden Fall einem klar sein muss, dass du oft mehr Zeit am Schreibtisch oder im Auto verbringst als am Schlagzeug. Autofahren und Schreibtischarbeit gehören eben genauso zum Job wie das eigentliche Spielen. Aber, andererseits kann ich jetzt nicht sagen, dass mich das total nervt. Das ist eben bei Freiberuflern, die wir alle jenseits jeglicher Romantik nun mal sind, es sei denn, wir sind fest in einer Band.

DF: Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man als Profi seine Brötchen verdienen möchte.
PM: Genau! Nur gut Trommeln können reicht heutzutage nicht mehr aus. Sicher, du musst dein Instrument beherrschen und deine Hausaufgaben gemacht haben. Aber, die Selbstvermarktung zum Beispiel mit der Hilfe von Social Media nimmt viel Zeit in Anspruch und es gibt ein großes Angebot an Leuten. Du musst dich behaupten und auf dich aufmerksam machen. Das passierte alles neben der eigentlichen künstlerischen Arbeit.



DF: Was magst du besonders an deinem Beruf/deiner Berufung?
PM: Da gibt es zum Glück viel! Das Trommeln an sich gefällt mir immer noch sehr. Wenn ich am Set sitze, dann ist der Stress, der vielleicht vorher da war, nicht mehr so wichtig. Es ist für mich immer noch etwas Besonderes, wenn ich am Set sitze und spielen kann. Wenn ich zusagen meiner Berufung folgen kann.
Aber genauso schön ist es, wenn ein Schüler mit einem Problem zu mir kommt und ich kann ihm helfen. Oder, wie dieses Jahr auf der Messe im Rahmen des Drumcamps, wenn ich zusammen mit namhaften Drummern auftreten darf. Das ist ein Privileg und definitiv ein Highlight in meiner Karriere.

DF: Was macht für dich ein guter Drummer aus?
PM: Haha, die Standardfrage, egal ob Profi- oder Hobbydrummer, egal welcher Stil, er oder sie sollte wissen, wie die eigenen Fähigkeiten sind und sich selbst nicht überschätzen. Ich sollte mich musikalisch und technisch sicher fühlen um die Band sauber zusammen zu halten.

DF: Wie wichtig ist die zwischenmenschliche Kommunikation und sollte ein Schlagzeuger einen ausgleichenden Charakter haben, sprich soziale Kompetenz?
PM: Das macht sehr viel aus, ich sage es al ganz drastisch: Mit einem Arschloch will ja keiner etwas zu tun haben! Wenn du eher als anstrengend denn als entspannt giltst, du dir also einen schlechten Ruf erarbeitet hast, dann hat kaum noch jemand Lust, mit dir auf Tour zu gehen. Ich habe z.B. eine gewisse Art von Humor, die manche auch als makabrer bezeichnen, und so hat jeder seinen Eigenarten. Aber, trotzdem muss man miteinander klarkommen. So gesehen ist der soziale Aspekt der zweitwichtigste nach dem musikalischen Können.



DF: Wie muss ich mir eine Produktion wie bei Beatrice Egli vorstellen? Wer hat zum Beispiel die Musiker ausgesucht?
PM: Es gibt einen Bandleader. Unser Keyboarder ist der musikalische Leiter, der auch gleichzeitig zum Produzententeam gehört. Zu seinen Aufgaben gehört auch, die Band mit Musik und Infos wie die Setliste zu versorgen.
Es kommt häufiger vor, dass die Band ohne Beatrice anfängt zu proben. Das liegt auch daran, dass sie ganz andere Verpflichtungen wie Interviews und Promotion hat. Aber ich muss sagen, wenn sie dabei ist, ist es immer cool! Es macht Spaß und die Stimmung ist gut, wir lachen viel. Das macht den Job dann aber auch aus, sonst könnte ich ja auch anders mein Geld verdienen.
Zudem haben wir einen gewissen Freiraum, da werden auch mal Ideen in den Raum geworfen und jeder kann sich einbringen. Generell probieren wir viel aus. Unser Hauptaugenmerk ist natürlich, dass Beatrice sich mit uns wohlfühlt.

DF: Dann ist das nicht nur ein Job, sondern auch mehr?
PM: Absolut! Der Bassist und ich sind zum Beispiel seit 2013 dabei. Wir kennen uns relativ gut und dann ist das nicht mehr nur ein Kollege sondern es hat sich eine Freundschaft entwickelt. Durch das Touren und gemeinsame Warten lernt man sich u.U. besser kennen und redet auch mal über andere Sachen als das, was jetzt nur mit der Band zu tun hat.
Das macht dann auch die Stimmung in dieser Band aus. Dass ich menschlich da irgendwie reinpasse, ist sicherlich ein Grund, dass ich seit fünf Jahren dabei bin und immer wieder gebucht werde.



DF: Mag eine blöde Frage sein, aber, wie oft wurdest du schon gefragt, ob du Schlager spielst nur wegen der Kohle?
PM: Ja, die Leute haben oft Vorurteile. Mein Anspruch ist immer, dass ich es gut spielen und präsentieren kann und versuche, mein Niveau entsprechend zu trommeln. Hinzukommt, dass ich zu 90% die sogenannten Four-On-The_Floor-Grooves spiele. Solche Grooves habe ich schon vorher z.B. auf Galas mit Coverbands getrommelt, da ist also kein Unterschied. Der Unterschied ist, dass ich Einfluss auf die Songs habe und u.U. meine Ideen einbringen kann.
Wenn ich aber nur des Geldes wegen das machen würde, dann bekäme das Publikum das unterschwellig mit. Wenn mir das keinen Spaß machen würde, dann verbrächte ich ganz schön viel Zeit mit einem Job, den ich nur bedingt mögen würde. Dafür sind mir mein Leben und meine Zeit zu schade! Alle, die in Beatrices Band mitspielen haben Bock drauf, sonst würde das Ganze so nicht funktionieren.

DF: Ohne Leidenschaft läuft es nicht.
PM: Genau, wenn ich Leute auf der Bühne sehe, egal ob Hobby- oder Berufsmusiker, die offensichtlich keinen oder nur wenig Bock haben, dann frage ich mich, warum machen die das?! Es zwingt sie doch keiner, niemand wird geboren mit der Maßgabe, dass er oder sie Musiker werden muss. Dasselbe gilt auch für Leute, die Unterricht anbieten. Ich denke schon, dass jeder seines Glückes Schmied ist.

DF: Wie ist zu deinem Engagement in der Band gekommen?
PM: Der musikalische Leiter hatte die Aufgabe, die Band zusammen zu stellen, nachdem Beatrice DSDS gewonnen hatte. Er hat versucht mich anzurufen, während ich im Urlaub in Tunesien war. Ich habe dann zurück gerufen, obwohl ich die Nummer nicht kannte. Ich dachte mir, es könnte ja wichtig sein. Das ist eben typisch für unseren Job, du weißt nicht, ob der nächste Anruf wichtig ist oder nicht.
Wichtig ist, dass du dir einen Ruf als zuverlässiger Musiker erarbeitest. Die Agenturen zum Beispiel rufen dich nicht mehr an, wenn sie davon ausgehen können, dass du eh absagst. Zudem musst du dich präsentieren und einen gewissen musikalischen Level anbieten. Dafür nutze ich selbstverständlich auch und gerade das Internet.

Weitere Infos: https://www.patrickmetzger.com