Rumgedengel an einem kleinen Jazzkit..

  • Groove und Technik


    Ich bin der Überzeugung, dass Groove und Technik zwei weitgehend unabhängige Dinge sind. Es ist durchaus möglich und kommt häufig vor, dass jemand der Schlagzeug spielt (ich sage bewusst nicht Schlagzeuger) groovt ohne eine entwickelte Technik zu besitzen.


    Ein Beispiel: Mein Vater (mittlerweile 72 Lenze) begann mit Mitte 50 abends beim Bier in der heimischen Kellerbar auf einem meiner Schlagzeuge, das dort geparkt war, herumzudengeln. Er begann mit Blues (schön langsam) und spielte dann zu Swing vom Band.
    Er hatte weder Unterricht noch würde ich irgend eine entwickelte Technik bei ihm finden, keine theoretische Vorbildung, nix.
    ABER
    wenn er Swing spielt, dann swingt es richtig, ganz im Gegensatz zu dem was man bei mir hört, wenn ich Swing spiele (ca. 25 Jahre Schlagzeug).


    Er hat diese Musik seit früher Jugend verinnerlicht und kann deshalb ohne genau zu wissen wie, das spielen was er fühlt, deshalb groovt es.


    Unbestritten ist, dass man mit mehr Technik die Musik die man fühlt noch besser umsetzen kann. Aber Technik ohne Gefühl taug nicht zum Musik machen, sondern nur zum Noten spielen.


    Nils


  • Unbestritten ist, dass man mit mehr Technik die Musik die man fühlt noch besser umsetzen kann. Aber Technik ohne Gefühl taug nicht zum Musik machen, sondern nur zum Noten spielen.


    Hallo Nils,


    danke für deinen Kommentar. Es stimmt unbesehen, dass es Leute wie deinen Vater gibt, die die Musik fühlen und keine Technik gemäß Vorschrift brauchen, um zu grooven oder zu swingen. Aber irgendwie bekommt dein Vater ja auch seinen Swing zustande, denn "Gefühl" ist eine Kopf- bzw. Bauchsache, die aber schlussendlich doch mechanisch auf das Set umgesetzt werden muss. Da gibt es keine Magie, jedenfalls glaube ich das nicht ;)


    Wenn das so ist, dann stelle ich mir die Frage, was das Prädikat "technisch gut" denn nutzt, wenn man damit keine groovende/swingende musikalische Aussage an den Start bekommt. Unter "Technik" wird meiner Meinung nach ein viel zu statisches Gebilde verstanden.
    Klingt ein Schlagzeuger gut, wird neben der Technik viel auf den mystischen Parameter "musikalisches Gefühl" (und die anderen dafür vorhandenen Namen) geschoben. Das ist aber unter der Prämisse der Magielosigkeit genau der Punkt, an dem sich die Trennung von Groove und Technik für mich aufhebt. Selbst wenn es wie Kraut und Rüben aussieht, wie die Leute die Stöcke halten, dann kann die Technik trotzdem süperb, weil geeignet sein. Auf der anderen Seite kann es bilderbuchmäßig aussehen, wie die Stöcke gehalten werden und trotzdem klingt es nicht so, wie man es sich erhofft.


    Es ist mir klar, dass gewisse Normierungen Sinn machen und dass die Erfahrung zeigt, dass sich mit den konventionellen bzw. erprobten Techniken für viele Trommler befriedigende Ergebnisse erzielen lassen. Mein Punkt ist ein anderer: Unter Umständen kann es sein, dass der Normkram eben nicht funktioniert, ergo es schön aussieht, wie gespielt wird, es aber nicht klingt, was gespielt wird. Aber nur weil es "gut" aussieht, ist es das Ergebnis noch lange nicht. Und die Trommelei ist doch viel mehr an ihrem Ergebnis zu messen als an ihrem "Aussehen", oder?


    Bottom line: "Gute Technik" ist für das, was mich ohne gesundheitliche Schäden gut klingen lässt. Wie sich das im Endeffekt auf einem Video darstellt, ist mir persönlich egal.

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