Also wenn ich mir in meinem mittlerweile doch schon längeren Leben keine (damaligen) "Amateur"-Bands mit eigenen Kompositionen angesehen hätte, hätte ich so einiges verpasst.
Da stimme ich dir voll zu. Ich habe großartige Konzerte solcher Bands erlebt.
Wenn schon "Geißel der Menschheit", sind das dann für mich doch eher Cover Bands. Um mal mit den schönen Klischees weiterzumachen: Arrogante, innerlich frustrierte Mucker, die sich ein halbwegs akzeptables Niveau an ihrem Instrument erarbeitet haben, wobei es aber für den großen Wurf nie gereicht hat und sich jetzt als Rockstars fühlen und geben, weil sie in einem Zelt ein paar besoffene mit fremden Werken zum Grölen bringen...
Da ich ja selber in einer solchen "ein paar besoffene mit fremdem Werken zum Grölen bringen" Band spiele, würde ich gerne noch einen anderen Aspekt aufzeigen.
Ich habe viele Jahre lang in diversen Bands gespielt, mein "Baby" war über 10 Jahre lang meine Band, mit der wir zum überwiegenden Teil eigene Stücke gespielt haben (manchmal live mit ein/zwei Covernummern aufgefüllt). Ich habe mit den Jungs unglaublich viel Zeit im Proberaum verbracht, Songs geschrieben, Arrangements ausgearbeitet, an Lyrics gefeilt, Demos aufgenommen, eine Album aufgenommen und dann am Ende meist Gigs gespielt vor 30 Leuten und das hat sich immer richtig gut angefühlt.
Die Band war dann irgendwann aus Gründen am Ende und meine Frau und ich haben mehrere Kinder bekommen. Die Zeit, die ich vorher in die Band mit den eigenen Stücken investiert habe, wurde nun in der Familie gebraucht und ich musste mich entscheiden, ob ich mit dem Trommeln aufhöre oder in einer Coverband spiele, weil dort die Vor- und Aufbereitung der Songs für mich eine andere ist.
Mit ein paar Jungs aus einer anderen schwächelnden Band haben wir dann eine AC/DC Kapelle aufgemacht und dort spiele ich seitdem. Wir proben einmal die Woche für ca. 2 Stunden, ich kann die Songs zu Hause am Esstisch vorbereiten und dann bei der Probe auf das Set umswitchen. Wir spielen 8-10 Gigs im Jahr, bei denen viele Leute kommen (und besoffen grölen ;)) und wir auch vernünftig bezahlt werden. Für mich ist das jetzt musikalisch nicht die Offenbarung aber eine gute -wenn nicht momentan- die einzige Möglichkeit überhaupt in einer Band zu spielen.
Spaß macht es mir aber trotzdem, daher sehe ich mich nicht in der von dir beschriebenen Riege der "arroganten, innerlich frustrierten Mucker, die sich ein halbwegs akzeptables Niveau an ihrem Instrument erarbeitet haben", sondern als Vater von drei Kindern, für den das die Gelegenheit ist, weiterhin in einer Band zu trommeln.
Ich weiß, dass dein Beitrag nicht explizit auf mich oder auf jede Coverband gerichtet war, ich wollte nur meine Beweggründe kurz darlegen.
Viele Grüße
musikay