Auch wenn die schöne Grafik von MS-SPO grob zutreffen mag: Jede Zusammenkunft von Idividuen kreiiert eine ganz eigene Dynamik. Jeder reagiert auf jeden anders, bei Gemischen wird es schnell unüberschaubar multidimensional. Auch nach den 3 Brotkrümeln des TS ist das Thema in einem Forum, wo man den Sachverhalt nicht halbwegs vollständig und die psychologische Gruppenchemie überhaupt nicht mitbekommt und vor allem die Sichtweisen der übrigen Betroffenen nicht gehört werden können, nicht "lösbar" (kurze Erleichterung kann man sich evtl. mal hier verschaffen). An welchen Punkten es hier konkret hakt, kann bis jetzt nur spekuliert werden.
Was aber vllt. helfen kann, sind Gedanken über generelle Aspekte der "Wirklichkeit" im Hobbymusikbereich. Im Staatstheater (als Gegensatz) ist klar (weil vorgegeben), was gespielt wird, wann es gespielt wird, wie es gespsielt wird und auch noch mit wem.
Im Hobbybandbereich muss unheimlich viel "passen", damit eine gut funktionierende Band zusammenkommt und zusammenbleibt. Alle Mitglieder sollten etwa die gleichen musikalischen Interessen haben, am selben Tag zur selben Zeit Zeit für´s Proben haben und auch einigermaßen vom Niveau zusammenpassen. Das ist in der Praxis oft schon mal (sehr) schwer zu finden. Wenn das gewuppt ist, kommen weitere Aspekte:
Einer will nur alle 2 Wochen proben, ein anderer 3 x Woche. Einer will am liebsten 100 Gigs im Jahr, ein anderer vllt. max. 5. Einer mag fette Instrumentierungen, ein anderer spielt am liebsten im Trio. Einer würde für einen Gig 500 km fahren, ein anderer vllt. max. 50. Einer will mind. 200,- pro Gig verdienen, ein anderer spielt vllt. auch für Umme. Einem macht´s nur Spaß, wenn alle Knöpfe auf 10 sind, ein anderer steht so gar nicht auf Hauptsache laut.
Und jetzt kommt der Clou: Keiner hat Recht. Es gibt da kein richtig oder falsch.
Das machen sich glaube ich viele nicht so klar. Oft hält man doch eigene Vorlieben (unbewusst und fälschlicherweise) für allgemeingültig. Und schlussfolgert, dass - wenn andere andere Ansichten haben - die ja dann wohl nicht alle Latten am Zaun haben können.
Da sollte m. E. am besten ein Gedankenaustausch stattfinden. Sich ruhig und sachlich (also möglichst ohne Ausrasten und persönliche Anfeindungen), konstruktiv unterhalten. Positionen klären, Missverständnisse ausräumen, die jeweiligen Befindlichkeiten sachlich ansprechen und gucken, ob man einen Kompromiss findet. Und: selbstkritisch sein! Wenn dir einer sagt "zu schnell", ist die Meinung "Warum kümmert sich nicht jeder um seinen Scheiß?" zumal in einer Band m. E. kein guter Ansatz. Probier´s doch mal mit nicht austicken, sondern sich erst mal fragen, ob da was dran sein könnte. Und wenn du nach Überprüfung meinst Nein, dies ruhig und freundlich kommunizieren. Notfalls mal einen Click laufen lassen zum Objektivieren. Und wenn einer eine Doublebass ins Spiel bringt - nicht als persönlichen Angriff auf deine Fähigkeiten nehmen, sondern als konstruktive Anregung. Einfach mal probieren und sehen, wie es gefällt.
"Warum kümmert sich nicht jeder um seinen Scheiß?" ist eine gleichberechtigte Vorstellung von vielen. Andere haben halt andere Vorstellungen, wie eine Band laufen sollte, aber die sind deswegen nicht falsch und die anderen sind deswegen nicht per se doof oder nervig.