Ich wäre bei diesem Studien ohnehin sehr vorsichtig:
1. Es wurden hier nicht 650 Musiker, Stichprobenartig ausgewählt, sondern über das Interview-Netz von Allensbach 450 Interviewer angesprochen, die sich dann entsprechende Interviewpartner (650) gesucht hatten. Das kann man methodisch vertreten, eine definitive repräsentative Stichprobe ist es aber dennoch nicht.
2. Selbstreferenzielle Angaben über "Nettoeinkommen" sind extrem fehlerbehaftet: Nicht nur unsere ehemalige Bundeskanzlerin und auch andere aktuelle Politiker haben ihre Probleme mit dem auseinanderhalten von Brutto und Netto. Im künstlerischen Bereich ist es am ärgsten, die einen verstehen unter netto Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben vor Steuern, andere wiederum nach Steuern, andere wiederum das, was ihn auf dem Konto verbleibt und dann wiederum andere, dass was nach Abzug auch noch der Sozialausgaben (Krankenversicherung) verbleibt.
Wenn man zehn Musiker fragt, wie sich ihre Einkommensteuer berechnet, wird man sehr wahrscheinlich 13 Rechenwege als Antworten erhalten.
3. Skepsis ist auch allein darin schon begründet, dass bei der Studie keine exakten Euro Angaben zu machen waren, sondern Einkommensgruppen gebildet worden, in die sich die Musiker einordnen sollten.
4. Im übrigen hat Geldverdienen nichts damit zu tun, wie qualitativ die Musik ist, im Gegenteil: ergreifende Musik wird im Regelfall von Musiker und Komponisten geschrieben, die mehr oder weniger arm waren und sind.
In der modernen Pop – Musik liegts allein schon daran, dass dort die Musik von Wert im Regelfall von 20 bis 35-jährigen geschrieben werden, die noch nicht so zu Reichtum gelangt sind (Auch hier ist die aktuelle Entwicklung jedoch schon eine andere: "Hits" - Oder das, was sich heute Hit schimpft, wird zunehmend von einem sündhaft teuren ProduktionsTeam entwickelt als reines Konsum-Produkt).
Spätestens mit 40 ist in der modernen Unterhaltungsmusik sowieso Feierabend in Sachen Kreativität, es gibt so gut wie kein wichtigen Song, der von jemandem über 40 geschrieben wurde (vielleicht von ein bis zwei Ausnahmen abgesehen).
Klassische Komponisten sind dagegen zwar im Regelfall alt gewesen (Mozart mag die Ausnahme gewesen sein), aber auch die hatten im Regelfall keine Kohle.
Es bleibt daher dabei:
1. große Kunst entsteht aus einer Mangel-Situation heraus. Unglück ist kreativer als Glück. Es gibt nichts schlimmeres als ein Lovesong eines frisch verliebten, beziehungsweise frischverheirateten. Der Rest ist Kitsch und Kommerz.
2. Bei den ganzen Verdienstmöglichkeiten wäre im übrigen noch zu bemerken, dass die gesamten Berechnungen endgültig zusammenbrechen, wenn man die gesamte staatlich-öffentlich-rechtliche Förderung abzieht. Wenn man also diesen Hofnarr – Status herausnimmt, wird's dann endgültig düster.
Musik in ihrer Bedeutung, wie Sie in den letzten Jahrzehnten, insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg dagestanden hat, gehört wohl der Geschichte an: sowohl Sozio – kulturell, gesellschafts-politisch als auch eben notwendig damit verbundenfinanziell.