Original von Mike James
Ich spiele Schlagzeug seit 1964. Die meiste Zeit meines Erwachsenendaseins bin ich rund um die Uhr auf Tour gewesen und habe sechs Abende in der Woche gespielt, zwischen 46 und 50 Wochen im Jahr. Das ist eine Menge Schlagzeug spielen, und ich mache das noch heute fünf Abende die Woche. Ich erwähne dies nur, um klarzustellen, daß ich eine Menge Equipment besessen und durch das Spielen von Jazz, Rock, Disco, Funk, Country, Latin, Blues, Orchester- und Marschmusik und so weiter, sowohl live als auch im Studio viel Erfahrung mit Drum Sounds gewonnen habe
Es ist wichtig, wenigstens einigermaßen gutes Equipment zu haben. Aber wie wir alle wissen, klingen fast alle Instrumente gut, wenn sie von einem guten Schlagzeuger gespielt werden. Also werdet nicht zu besessen von den technischen Details eures Equipment. Konzentriert euch auf den Gebrauch Eurer Hände (und Füße) um großartige Musik zu machen.
Wie sich Drums seit der Mitte der 70er entwickelt haben...
Als wir auf Tour waren, war Auftritt und Erscheinung wichtig, und ich war immer der Meinung, daß das Schlagzeug unbedingt gut aussehen sollte. Da Schlagzeuge in den 70ern und 80ern nicht besonders teuer waren, kaufte ich einfach ein/zweimal im Jahr neue Kessel und Becken. Im Laufe von ein paar Jahren führte mich das weg von Ahornkesseln zu solchen, die aus Birkenfurnier hergestellt wurden. Zunächst schien mir das zweckdienlich. Da sowieso die meisten die Absicht hatten, wie die Original-Studioaufnahme zu klingen, waren nah abgenommene Birkenkessel mit Pinstripefellen gut geeignet. Meine Meinung ist, daß sich das Schlagzeug zuerst verändert hat (indem die Hersteller zu Birke und simpleren Produktionsmethoden wechselten, um Geld zu sparen), und daß sich das Gesicht der Popmusik dann dadurch verändert hat.
Manche könnten argumentieren, daß sich die Musik als erstes verändert hatte, und dann das Schlagzeug, aber ich glaube das nicht. Die von uns, die dünne oder mittelstarke, ungedämpfte Felle verwendet hatten, fanden plötzlich, daß diese neuen Trommeln "scharf" klangen. Mehr und dünnere Holzlagen, mehr (und schwerere) Hardware an den Kesseln und schwerere Gußspannreifen machten die Trommel "hart". Ergänzt um die Tatsache, daß in den 80ern viele von uns in Plexiglas-"Aquarien" spielten, um uns akustisch zu isolieren, und sich damit an unser extrahartes Spiel anzupassen. Autsch! Ich habe immer gedacht, daß Remos Erfindung der Pinstripe-Felle in 1973 ihre Antwort und der Versuch war, uns zu helfen, einen etwas wärmeren Klang aus diesen neuen Trommeln herauszuholen.
Technisch gesehen hat dieser Ansatz einen schweren Nachteil. Wenn man Schlagzeug spielen traditionell lernt, so bekommt man beigebracht, den Rebound einer Trommel zu nutzen. Ein dünnes bis mittelstarkes, ungedämpftes Fell, daß etwa mittelhoch gestimmt ist, gibt dir eine Menge Rebound, eine gute Ansprache bei kleinen Lautstärken, und viel Power ohne große Anstrengung. Wenn man dickere Felle und Dämpfung benutzt, um einen "Pop"-Sound zu erreichen, reduziert sich dieser Rebound dramatisch. Wir kompensieren diesen Verlust von Rebound (und Power), indem wir kräftiger spielen. Kräftiger spielen, bedeutet, dickere Felle zu benutzen.... bei einigen ein Teufelskreis.
Ich dachte früher, "Na, ok, das ist der momentane "blabla" Top-40-Sound..., irgendwann würde es mir möglich sein, wieder einen guten Sound zu haben, wie ich ihn früher hatte. Klar, der Sound war angemessen für diese Art von Musik, aber ich war immer betrübt, wenn jemand, für den ich arbeitete sagte, er wolle live einen "authentischeren" Studiosound. Ja, man kann natürlich so etwas, wie eine Kombination des oben genanten benutzen, um den allgemeinen zeitgemäßen Popsound zu bekommen, aber Mann.... In meinen Augen gibt man dadurch eine Menge tonaler Möglichkeiten auf. Die wichtigsten, die wir zu opfern scheinen, sind Dynamik und Ansprache bei kleinen Lautstärken. Ich mag es laut, aber ich mag auch einen artikulierten Sound in allen Lautstärken. Und ich mag auch vollen Klang.
Eine Erfahrung, die mir die Augen geöffnet hat...
Ich spielte im "Ballys" Casino in Atlantic City, so um 1984, zu der Zeit benutzte ich eine 5,5" Slingerland- Ahornsnaredrum mit acht Spannschrauben. Um "hip" zu sein, hatte ich beschlossen, einen "fetteren" Sound zu bekommen, und hatte dafür eine moderne (Birke, 10 Schrauben, Gußreifen) 6,5" Snare bestellt. (ich möchte den Hersteller hier nicht verunglimpfen, denn seine Methoden sind ähnlich denen anderer moderner Hersteller.) Ich zog die selben Felle (Remo Coated Diplomat) auf, stimmte sie gleich, wie die kleinere Snare, und spielte sie. In der ersten Pause, kam der Mischer zu mir, und fragte, ob ich eine "Piccolo-Metalsnare" gekauft hätte, und sagte mir, daß meine "größere" Snare (er meinte die Slingerland) viel fetter klänge. Als ich ihm auf der Bühne dann die 6,5" tiefe "Metall-Piccolo" zeigte, war er geschockt. Auch der Vergleich dieser 6,5" Holzsnare mit zu meiner 5,5" Fibes (Fieberglas) Snare brachte das gleiche Ergebnis. Ich war quasi "erleuchtet" und hörte noch das selbe Jahr auf, Birke zu spielen.
Über den "Popsound" allgemein...
Seit den 50ern vereinheitlichte sich der im Studio erzeugte Sound der Musik mehr und mehr, und das schloß natürlich auch den Drumsound mit ein. Da arbeitest du jahrelang, um zu lernen, wie man einen guten, akustischen Sound erzeugt, und dann wirst du quasi genötigt, dicke Felle zu benutzen, ständig kräftig zu spielen, etc.. Tontechniker gewöhnen sich an die Einfachheit und Flexibilität (ihre, nicht eure), die sie bekommen, indem sie Euch dazu bringen, Löcher in eure Bassdrumm-Resos zu schneiden, ein Kissen in die Bassdrum zu stopfen, Pinstripes oder Hydraulics zu benutzen, etc.. Der größte Anteil des Tons wird dann künstlich durch den, der die Knöpfchen dreht, erzeugt. Und wenn ein Mikrofon dann bei einem Liveauftritt mal nicht richtig eingestellt ist, oder versagt, bist du gefickt. Ich persönlich möchte, daß der Mischer meinen Sound verstärkt, nicht, daß er ihn manipuliert.
Ich beteilige mich an diversen Schlagzeuginternetforen und kommuniziere überhaupt mit vielen anderen Drummern. Oft ist es jungen Leute unmöglich, in kleinen Lautstärken einen guten Sound zu erreichen, einen Presswirbel oder andere "Riffs" zu spielen. Wenn wir dann mit ihnen sprechen, finden wir typischerweise die übliche Mischung aus dicken, tief gestimmten Fellen und Dämpfung vor, die diese Techniken sehr erschweren. Die Trommel läßt sie diese Dinge einfach nicht spielen.
Technik, und was ihr wollt, daß sie es ist, variiert mit diesen Ansätzen. Wenn man ein kräftig spielender Pop-Drummer ist, werden manche sagen, es mangele einem an Finesse. Möglicherweise mag es ihm nicht persönlich daran mangeln, sondern die Trommeln verhindern einfach den Gebrauch bestimmter Techniken. Gleichermaßen muß ein Drummer, der den Ansatz verfolgt, daß die Trommel die Arbeit machen soll, kräftiger und nicht zuviel spielen, damit er in die Popszene paßt. Trotzdem ist das nicht alles. Wenn sich Leute an mein (traditionelles, akustisch gestimmtes) Set setzen, höre ich an ihrem Spiel, daß sie ihre "Pop"- Technik benutzen, die einfach mit ungedämpften Trommeln nicht funktionieren. Zum Beispiel tendieren die Popspieler, die die oben beschriebene Methode benutzen, dazu, regelrecht über die Trommel "herzufallen". Nach ihrer Einstellung ist das gut. Aber wenn sie damit ungedämpfte, akustische Trommeln spielen, erdrückt sie diese Technik, und läßt sie "boxy" klingen.
Warum bin ich so ein Fanatiker?
Bis jetzt handelte diese Seite nur von Schlagzeugequipment, aber ich denke, ein paar Worte zum sogenannten Muskelgedächtnis wären angebracht. Wenn Ihr typische Popmusik authentisch spielt, dann macht Ihr zwei Dinge. Zum ersten spielt Ihr relativ simple Parts, zum zweiten verbringt Ihr eine lange Zeit in derselben Position, Hi-Hat, Snare und Bassdrum spielend. Laßt euch diese ganzen Wiederholungen nicht zum Hindernis werden. Wenn ihr euch auf der Bühne nicht ausleben könnt, nehmt euch die Zeit, und spielt mehr außerhalb des normales Auftrittgeschäfts. Spielt alle Teile eures Sets, und spielt Sachen, die ihr normalerweise nicht die Gelegenheit habt, sie zu spielen, so haltet ihr euch flexibel. Ruft euch den Unterschied zwischen akustischem und PA-erzeugtem Sound in Erinnerung. Ich habe mal eine Aussage aus einem Interview mit Buddy Rich gelesen, in dem der Interviewer Buddy für die vielen Feinheiten und Rafinessen in dessen Spiel lobte. Buddy antwortete, "Ich mache nie etwas raffiniertes!" Was meinte Buddy denn wirklich damit?
Das weiß wohl nur Buddy selbst, doch ich habe beschlossen, es wie folgt zu interpretieren...
Buddy war einer, der ungedämpfte Trommeln spielte, so wie ich sie offensichtlich bevorzuge. Er hatte ein großartiges Gehör, gepaart mit vielen Jahren Erfahrung. Er wußte genau, was er das Publikum hören lassen wollte, ebenso, wie er wußte, daß der 20 Fuß entfernt sitzende Baritonsaxophonist wissen mußte, wo der Beat war. Ob mit oder ohne Mikrofon, Buddy war, wie Pat LaBarbara es nannte, verantwortlich dafür, die "Time" zu machen. Von Buddys Warte aus machte er "nie etwas raffiniertes". Wenn wir nun also etwas von Buddy hören, das uns raffiniert erscheint, sollten wir darüber ein wenig nachdenken. Beispielsweise baute Buddy seine Trommeln immer auf einem ¾-Zoll starken Sperrholzbrett auf. Das gab den Drums einen konsistenten Sound, und es ermöglichte ihm außerdem, diverse Dinge für die Band zu tun, wie z.B. den Takt mit der Ferse des linken Fußes auf der Hi-Hat- Fußplatte mitzutippen, laut genug für die anderen Musiker aus der Band, aber nicht zu aufdringlich. Er spielte manchmal leichte Figuren mit der linken Hand, dem Fuß, oder was auch immer, um den Fluß der "Time" für die Band aufrechtzuerhalten. Wenn wir manches davon hören, denken wir, das wäre raffiniert, doch ich denke für Buddy war das einfach etwas notwendiges, um die Band zusammenzuhalten. Er spielte oft "in Lücken rein", doch nie in einer Weise, die laut oder aufdringlich gewesen wäre. In Wirklichkeit machte das sein Spiel musikalisch, nicht "raffiniert".
Das gleiche gilt für Buddys Drumsolos.
Buddys Drumsolos und Fills hatten einen großartigen Fluß, unterstützt von dem, was wir als im ersten Moment als Raffinesse raushören mögen. Der Grund dafür ist, daß Buddy ziemlich oft einen konstanten Beat auf der Bassdrum spielte... typischerweise Viertelnoten im Swing. Diese war nicht wirklich drückend laut, doch instinktiv empfanden wir es so. Wieder mögen wir denken, es wäre raffiniert, aber wenn man es selbst versucht, so wie er zu tun, wird man herausfinden, daß es tatsächlich nicht so ist. Vielleicht sind diese Dinge viel offensichtlicher, wenn wir an das Gegenteil denken... Man denke an einen typischen jungen Schlagzeuger einer heutigen Popband in einem Nachtclub, der gedämpfte Trommeln spielt. Typischerweise sind nur die lautesten Parts hörbar, trotz dessen, daß diese Drummer nicht mit viel Finesse spielen. Die flache und tote Verson der Pop-Drumsounds ist für mich wie jedes andere gewöhnliche Staccatospiel. Es ist gut füe spezielle Effekte, aber ansonsten ist es leblos. Oft wenn diese Drummer einen Roll spielen, kann ich nicht zwischen den Toms untercheiden, weil sie keinen Ton haben. Stellt euch vor, wie es wäre, wenn andere bandmitglieder mit gedämpften Saiten oder ohne Sustain spielen würden. Es wäre eigenartig. Meiner Meinung nach sollten Trommeln Charakter haben... einen Ton, der in einer Art resoniert, daß er die Band ergänzt und bereichert, ohne aufdringlich zu sein, wie jedes andere Instrument auch.
Solange Produzenten und Tontechniker bestimmen, was im Studio produziert wird, werden wir im Studio wahrscheinlich die selbe Herangehensweise an Popmusik noch für eine Weile sehen. Aber... ich finde, daß der Sound traditionelleren Equipments in jedes Genre, daß ich gespielt habe ohne große Veränderungen reinpaßt. Heute genießen es die Musiker, mit denen ich spiele, verschieden zu klingen und nicht zu versuchen, "Klone" zu sein. Ich schlage vor, daß alle Schlagzeuger so viel Zeit wie möglich damit verbringen, Drums zu spielen, die einem "etwas zurückgeben". Ihr werdet herausfinden, daß ihr auf diesem Wege eure Hände und Füße bei weitem nicht so "kaputt haut". Ihr solltet dazu fähig sein, entspannt zu spielen, und dies lebenslang, ohne körperliche Schäden davon zu tragen.