Ich war gestern in Frankfurt. Das Wichtigste in Kürze:
Das Leben ist schön
Gillan hatte einen guten Tag. Dann kann eigentlich nix
mehr schief gehen. Der Sound war richtig gut, für Fest-
hallenverhältnisse sogar sensationell gut. Die Band rockt
und groovt nach wie vor auf höchstem Niveau. Die Truppe
hat einfach diesen unnachahmlichen Groove und das ist
vor allem Meister Ian Paice zu verdanken. Ich hab's zwar
schon tausendmal gesagt, aber man kann es gar nicht
oft genug sagen: Ian swingt wie die Hölle. Auch bei
brachialen Rockbeats hat er immer dieses leichte,
federnde Feel in seinem Spiel. Deswegen liebe ich ihn.
Nein, nicht nur deswegen, aber deswegen ganz besonders.
Die Setlist war super, man konnte ein paar Sachen hören,
die nicht so oft zum Besten gegeben werden (No One Came,
Maybe I'm A Leo, The Mule...) und natürlich wurden die gespielt,
die immer gespielt werden. Einzig Highwaystar fehlte. Das stand
zwar als erste Zugabe auf der Setlist, wurde aber zu Gunsten
von Speed King ersetzt (die Setlist hatte ein Nachbar von
mir abgegriffen). Der Abend war reich an kleinen Zitaten,
die meist elegant und eher en passant in die Stücke integriert
wurden (Who knows von Hendrix, ein paar Zep-Riffs). Paiceys
Solo war eher kurz und es gab wieder ordentliches Snare-Gerühre
und das Übliche. Das ist nicht despektierlich, man kennt es halt
schon recht gut. Und hier noch ein Akt der Gotteslästerung: Der
One-Handed-Roll kam schon runder aus dem Handgelenk. Aber
das juckt außer ein paar Trommeldeppen wie mich wirklich
niemanden. Die geilsten Momente waren die, wenn sie mal
ein bisschen die Zügel locker ließen und einfach mal schauten,
was so passiert. Also zuhören, was in den Ring schmeißen, hören
was kommt und drauf reagieren. Diese Szenen waren natürlich
auch nicht total frei, aber es kam ansatzweise schon ein Hauch
von Jamfeeling auf. Man wird trotz aller Professionalität den
Eindruck nicht los, daß es der Rentnergang immer noch Spaß
macht live den Rockstar zu geben.
Was gibt's zu meckern?
Überflüssig fand ich wie immer die Klassik-Zitate in Don Aireys
Solo. Das ist für mich weder Fisch noch Fleisch, sprich weder
Klassik noch Rock. Das hat mir schon bei Jon Lord nie gefallen.
Den meisten anderen aber schon. Insofern: auch egal. Wie bereits
erwähnt, gefiel mir die Setlist ausgesprochen gut. Aber wie sich das
unsägliche The Battles Rages On dahin verlaufen konnte, bleibt
mir schleierhaft.
Unterm Strich
Rockkonzerte sind heute ein recht teurer Spaß geworden. Karte,
Parken, Cola und Brezel - 100 € spüren da den Schlag nicht. Und
eigentlich ist mir der beschauliche Colos-Saal in AB auch viel lieber.
Aber so lange DP dort nicht spielt, werde ich halt immer wieder
in die olle Fetzhalle pilgern, um mich abfingern und von Securitys
durch die Gegend schieben zu lassen. Egal: Ich habe meine Kohle
schon für viel Sinnloseres und weniger Unterhaltsames auf den
Kopp gehauen.
Na denn bis zum nächsten mal, Ian
fwdrums