Ich habe so ziemlich die gleichen Erfahrungen gemacht (allerdings über nen kürzeren Zeitraum). Ich denke, das frühere Gefühl "ich kann ganz ordentlich spielen" ist genau das von Matzdrums im "gut klingender Drummer-thread" zitierte
Zitat
das argument "das ist eben mein ding/stil" ist in 99,5 prozent der fälle eine rechtfertigung bzw. ein hochstilisieren der eigenen schwächen.
Dies merkt man jedoch erst später, wenn man sich mehr mit der Technik beschäftigt.
Es limitiert einen doch ganz arg, Sachen, die man im Kopf hat, nicht umsetzen zu können. Beim Lehrer bekommt man das Handwerkszeug beigebracht, und während man eben übt, mit dem Handwerkszeug umzugehen, ärgert man sich, das man jetzt das "wie" weiß, aber es noch nicht richtig anwenden kann. Soweit kennt das sicher jeder.
Um hier aber auch mal einen positiven Aspekt einzufügen, berichte ich mal von meinem gestrigen Erlebnis:
Ich bin im Moment fleißig dabei, Fingercontrol für Doublestrokes zu üben. Das ganze soll erst mal so angewendet werden, daß ich Paradiddles quasi mit je einem Schlag der Hand spielen kann. Fingercontrol auf der linken Seite ist (komischerweise) kaum das Problem, mit der rechten jedoch sehr schwierig. Nun übe ich schon seit einem Vierteljahr, die rechte nicht aus dem Handgelenk als Einzelschläge (was bis zu einem gewissen Grad durchaus funktioniert...), sondern aus den Fingern zu spielen. Ohne nennenswerten Fortschritt. Das ist sehr frustrierend, und man fängt an, nach abstrusen Gründen zu suchen.
Gestern hat es bei mir "Klick" gemacht. Es war, wie als ob ein Schalter im Kopf umgelegt wurde. Gut, es hakelt natürlich noch, aber das PRINZIP ist mir innerhalb von ein paar Sekunden klar geworden. Ich kann jetzt auch mit der rechten Hand aus den Fingern spielen, ohne mich permanent darauf konzentrieren zu müssen, wie ich welchen Teil meiner Hand bewegen muss. Das Spiel wurde plötzlich locker und frei.
DAS sind die Erfolgserlebnisse, die einen weiterbringen, und genau DAS sind die Lerneffekte, mit denen man auch das Spiel auf dem kompletten Set bereichern kann. Es ist, als würde sich eine neue Tür öffnen, man hat plötzlich 100e neue Möglichkeiten. Es war mir z.b. gestern beim normalen trommeln am Set möglich, mit der rechten Hand doubles auf der HiHat einzuwerfen, die einigermaßen in Time waren. Mit der linken klappte das schon lange, jedoch hat mich das wieder dahingehend limitiert, daß nicht "1 e" sondern nur die "+ e" "doublen" konnte, bedingt dadurch, daß ich die Linke zur HH ziehen musste.
Gut, meine Erzählung fängt langsam an, sich im Kreis zu drehen, die Kernaussage sollte allerdings klar geworden sein, oder?
Puh... nun hab ich nen halben Roman geschrieben, dabei wollte ich doch noch Pakete versandbereit machen 