Ich mache mich mal wieder unbeliebt.
Solche Geschichten gehen nach meinen Maßstäben regelmäßig in die Hose. Ob jetzt Jacques Bach spielt oder ELP Mussorgsky oder - oh Gott - Ekseption Klassikhits verunstatltet: Da kommt nix Gescheites bei rum. Das Tonmaterial der Klassik wird vergewaltigt. Und wenn ich hundertmal darunter ein Swingride spiele, so will es doch nicht jazzen. Das klingt für mich immer gezwungen, weil ein Päärchen verheiratet wird, bei dem die beiden einzelnen jeweils alleine ein glücklicheres Leben führen können, die Ehe aber im Tod beider endet. Oder nehmen wir mal die Bilder einer Ausstellung in der ELP-Version. Ursprünglich war das ein Solostück für Klavier (die Ravel-Bearbeitung für Orchester ist schon eine Vergewaltigung). Wer eine gute Soloaufnahem hat, wird erst ermessen können, was ELP schlecht gemacht hat. Dem Stück wurde der Hals abgeschnürt, es kann nicht mehr atmen. Die Verzögerungen, das Subtile, z. B. das bildhafte Schreiten in der Ausstetllung - all das findet bei ELP nicht mehr statt und wurde zugunsten billiger Soundgimmicks und der vermeintlichen Notwendigkeit eines gleichbleibenden Metrums geopfert (Anspieltipp für Soloversion: Jesus G. Alonso - gab's vor 200 Jahren mal bei Zweitausendeins). Über Ekseption schreib ich jetzt nicht, denn jeder Buchstabe darüber ist einer zu viel. Auch ansonsten hervorragende Musiker vergreifen sich beim Fusionsversuch von Klassik und Jazz/Pop/Rock ordentlich in der Tonart. Siehe Nigel Kennedy. Ein hervorragender Geiger mit einem tollen Ton, doch die Versuche Unvereinbares zu vereinen sind auch bei ihm kläglich gescheitert. Und da wird von der Klassikerseite auch ein großen Mißverständnis offensichtlich. Die Machwerke sind dann harmonisch so einfältig gehalten, daß es schon fast peinlich ist. Man erkennt nicht, worin die eigentliche Qualität von Jazz/Pop/Rock liegt und offenbart dann genau in diesen Punkten Schwächen. Zum einen gibt's harmonisch - auch z. B. bei einigen Stonesnummern - ein paar Ausreißer, die die Sache interessant machen - auf so was wird dann gänzlich verzichtet - und die spezifische Emotionalität von Jazz/Pop/Rock wird durch unreflektiertes Nachkläffen nicht erreicht. Ich denke nur widerwillig an die Peter-Hofmann-Interpretationen von House Of The Rising Sun und anderern Geschmacklosigkeiten.
Umgekehrt wird auch kein Schuh draus. Als ich 1979 das erste mal Whole Lotta Love von den Londoner Sinfonikern hörte, wußte ich, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sein können.
Klassik kann auch grooven - ja tatsächlich. Und dazu braucht sie keine Verbreiung mit Zeitgenössischem. Wer's nicht glaubt, höre sich mal Mozarts Salzburger Symphonie Nr. 1 KV 136 Allegro an (übrigens ein Jugendwerk des wehrten Herrn - kein Witz). Die Achtel der Streicher sind Rockacteln nicht ganz unähnlich 
Es hat zwar keiner gefragt, aber das mußte einfach mal gesagt werde.
Schönen Tach noch
fwdrums