Die Wertschätzung des Drummers unterscheidet sich danach, wer was wertschätzen soll:
I. Das Publikum:
Das spezifische am Drummer ist nicht er selbst, sondern die schizophrene EInstellung, die andere zum Drummer haben und das scheinbar paradoxe, was im Drumming selber liegt:
Einerseits ist er ja "nur" Trommler, hampelt mit "nur"zwei Sticks rum, sodass einige den Eindruck haben: "naja, mit ein bißchen Übung kann das doch wohl jeder, so pralle kanns ja jetzt nicht so sein". Gerade diese Einstellung erweist sich dann aber letztlich als Bumerang. Gerade weil die Ausgangsposition so simpel ist - zwei Hände, zwei Füße - fliegen die Leute halt weg, wenn der Drummer Dinge macht, die nicht mehr nachvollziehbar sind, sowohl optisch als auch aktustisch.
Andererseits stehen die Leute fast ehrfurchtsvoll vor dem Set mit all seinen blinkenden und glänzenden Cynbals und Trommeln, Ständern, Streben und Pedalen. Drumsets sind cool, Drumsets sind sexy, das Set selbst macht bereits das Rennen, es umgibt immer so eine leichte Aura des Magischen.
Das Publikum liebt in der Regel Drummer, es sei denn, sie spielen halt scheiße oder hämmern so laut, dass sich alle die Ohren zu halten müssen. Es ist halt diese Mischung aus Einfachheit und unerwarter Komplexheit gepaart mit der Ausstrahlung eines schönes Sets.
II. Musiker
Musiker bzw. Mit-Musiker wissen einen guten Drummer zu schätzen. Aber wann ist eine Drummer gut im Sinne der Mit-Musiker ?
Wenn er das macht, was die wenigsten können: Wenn er den Grundgroove entwickelt, wenn er den Laden zusammenhält, wenn er allen anderen Musikern eine gute Basis liefert, auf der sich die anderen Musiker entwickeln oder ausruhen können, wenn er sich zurückhält, wenn andere im Vordergund stehen, wenn er vorne ist, wenn er da sein muss, wenn er ein Musikstück seinem Wesen nach begreift und dieses rhythmisch umsetzt, wenn er nicht nur Drummer ist, sondern Musiker am Schlagzeug ist, wenn er groovt. Wenn er auf dieser Basis dann auch noch einen draufsetzen kann und mit einem oder zwei Licks die MitMusiker flasht, ist man in der Rangliste ziemlich weit oben.
Dass das selten passiert, liegt an den Drummern zumeist selber: Sie haben keinen Groove oder opfern ihn für irgendeinen Schwachsinns-Lick, der das ganze Stück zerhackt, sie spielen zu viel, das auch noch zu laut und zudem wackelt ihr Time auch noch wie ein Wackel-Dackel in Opa's Opel Jetta auf der Ablagebank. Dynamik halten die meisten für ein Ersatzteil am Mountain-Bike und wenn sie den Begriff kennen, dann können sie ihn nicht anwenden, weil dann in ruhigen Passagen der Groove einschläft und in lauten gespielt wird, als wenn ein angeschossenes Streifenhörnchen auf Ecstasy ist.
Woran erkennt man einen schlechten Drummer ? Wenn er immer viel zu viel mit seinem eigenen Spiel beschäftigt ist und nicht auf das hört, was um ihn herum geschieht. Das führt dann auch dazu, dass der Drummer das Musikstück oder eine entsprechende Passage nicht als Musik begreift, sondern lediglich als willkommner Anlaß, mal wieder irgendeinen gerade gelernten Break in die Felle zu dreschen, ohne Sinn und Verstand. Und wenn alles nichts hilft, kann man ja noch mit einer mehr oder weniger gelungenen Double-Bass alles planieren.
III. Ergo
Keine Frage: Es ist schwer, ein guter Drummer zu sein. Man muss sich im Hintergrund halten und auf Knopfdruck vorne sein, man muss viel zuhören, obwohl das eigene Instrument doch so laut ist. Ein guter Drummer ist ein Meister des Understatement: er kann Wunder bewirken, macht er es aber, führt man es nicht direkt auf ihn zurück. Erst wenn er fehlt, weiß man um seinen Wert.
Und genau deshalb muss sich ein Drummer halt entscheiden, was ihm wichtiger ist: Sein Drummen oder die Musik, in der er spielt. Die Antwort dürfte dem entsprechen, aus welchem Grund man überhaupt Musik macht: Aus Selbstdarstellung oder aus Liebe zur Musik. Wenn letzters, dann klappts auch mit der Wertschätzung anderer, word.
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