Ein guter Song ?
Der braucht nur diese eine Melodie, dies Bestimmte etwas, nicht erklärbar, nicht hinterfragbar. Ein guter Song funktioniert in jeder Geschwindigkeit, in jeder Umgebung, in jeder Instrumentierung.
Wenn Du wissen willst , ob ein Song gut ist: Spiel ihn einfach mit der Klampfe und hör, ob er funktioniert. Wenn ja, hast du einen Song, wenn nein, hast du von mir aus ein "Musikstück", vielleicht sogar ein ganz Gutes oder eben sogar nur Scheiße, nur eben keinen Song.
Die meisten haben und produzieren Scheiße. Im Radio läuft nur Scheiße.
Deswegen wird dann diese ganze Scheiße auch aufgeblasen mit technischem Schnickschnack, Triangel hier, Doublebass dort, und am besten das Ganze aufführen in Geschwindigkeiten, Lautstärken und mit Lichteffekten, unter denen man eigentlich gar nichts mehr merkt, insbesondere das Entscheidene nicht: das eben gar kein Song da ist.
Genauso die Videoführung. Die Schnittfolge gibt es vor: Die Bildschnitte werden so schnell gemacht, das man nicht mehr merken kann, dass da gar nichts ist. Alles ergeht sich nur noch in Pose.
Des Kaisers neue Kleider sind noch immer nicht da, der Typ ist nach wie vor nackt, aber der Videoschnitt ist so schnell, dass es aussieht, als trage er Hermelin. Dazu braucht es dann auch nicht mehr eines Mutigen und Klugen, der die Wahrheit tapfer auspricht: Der, der zusieht, kann schon froh sein, wenn er am Ende des Videos keinen epileptischen Anfall bekommt.
Das Ganze wird dann noch mit einer Attidtüde, einem Image zugekleistert: Das muss sein, damit es verkaufbar wird: Hierbei ist es dann auch vollkommen egal, ob die Protagonistin eine leichtbekleidete Hupfdohle mit dem Verstand eines Kronkorken ist oder gefährlich dreinblickende Spießgesellen sind, die einen auf Gesellschaftskritiker und Anarcho-Revoluzzer machen:
Die Industrie muss halt alle Sparten abdecken und am Ende ist es egal, die Kohle ist alleinig entscheidend: Und die will und bekommt man von dem heimlichen Britney- Spears- Anhänger, der nachts feuchte Träume hat genauso, wie vom Modepunk oder Metaller, der auf die Gesellschaft kotzt, aber eben alles mit Netz und doppeltem Boden.
Ach so, wir waren ja bei Song. Ja, ein Song, ein guter zudem hat schon etwas geniales, etwas zufälliges. Selbst mit Technik kommt man ihm ja nicht bei: Jazzer z.Bsp. haben meist keinen Zug zum einem guten Song.
Ich glaube, Songs entstehen aus dem Nichts. Man kann sie nicht kaufen, insofern sinds keine Huren, eher Musen. Sie funktionieren wie alle große Ideen, glaube ich, so wie zugelaufene Katzen, und du kannst die Idee zu ihnen bekommen, während du ein Rad wechselst, vielleicht sogar eher, als wenn du am Piano sitzt.
Selbst die, die die besten Songs geschrieben haben, wissen ja auch nicht, wie's geht. Das ist insofern schon tröstlich und läßt einen nicht ganz so bescheuert dastehen, wenn mans selber mal wieder nicht hinbekommt, auch wenn man sein Leben lang Musik macht. Darin ist man verbunden mit Millionen.
See