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Mortipherus

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1

Montag, 11. Juli 2011, 19:16

Aufnahme von Streichern

Hallo Forum ;)

Da sich einige generell gut mit Aufnahmetechnik auskennen, wollte ich fragen, ob jemand Erfahrung und Know-How mit der Aufnahme von Streichern hat?
Wäre schön wenn sich hier im Thread oder via PN jemand melden würde.

Danke im Voraus.

  • »trommelfrosch« ist männlich

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2

Montag, 11. Juli 2011, 19:47

kommt auf die komplexität deiner frage(n) an ... ich spiele in einem salonorchester, dessen vier streicher (violinen, cello, bass) regelmässig abgenommen werden müssen (live und studio) ... bissi was kann ich evtl. helfen ... wenn nicht, kann ich dich evtl. weitervermitteln

trommelmann

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  • »trommelmann« ist männlich

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3

Montag, 11. Juli 2011, 19:57

Vor allem wäre interessant wie viele Streicher.
ein Streicher, Quartett, Symphonieorchester?
LgTrommelmann

Mortipherus

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4

Montag, 11. Juli 2011, 20:08

Danke schon einmal für Hilfbereitschaft.

Es geht um mehrere Geigenstimmen (Geige und Chello), allerdings steht uns nur eine Geigerin zur Verfügung.

Meine erste Frage ist es nun, ob es denn wirklich so schwer ist (wie in anderen Foren beschrieben), diesen "Orchestereffekt" zu erhalten, wenn man nicht mehrer Musiker zur Verfügung hat, sondern eine Spur nach der anderen eingespielt wird.
Ich denke, für die Aufnahme sollte ein Großmembranmikrofon genügen, oder täusche ich mich? Wie sieht es mit der Positionierung dieses Mikros aus? Nahe an der Geige? Soweit ich mich informiert habe, sollte es leicht über dem Musiker in ca. 1,5 m Abstand stehen.
Die nächste Frage bezieht sich auf die Räumlichkeit: Soweit ich aus Blasmusikaufnahmen weiß, ist es schwer, einen Hall der bereits auf der Aufnahme ist zu korrigieren. Ist es dann besser, um die Geigerin alles mit Dämmwänden zu verstellen, um diesen Hall zu verhindern?

Lg

  • »trommelfrosch« ist männlich

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5

Montag, 11. Juli 2011, 20:44

ich habe zugegebenermassen noch nie versucht, mit einer violine eine streichergruppe zu simulieren ... ich sehe da vor allem ein problem (falls ich diene beschreibung nicht missverstehe): mit der geige kannst du eigentlich keine cellostimme spielen ... das ist, wie wenn du mit dem 10er tom ein 16er floortom ersetzen wolltest

eine gute streichergruppe reagiert eben aufeinander, spielt nicht 100% synchron, aber 99,9% ... das erzeugt schon von sich aus einen breiten, weicheren klang ... eine musikerin alleine müsste schon sehr oft einspielen, um diese "streuung" zu erreichen (die aber auch nicht zu gross sein darf, sonst klingts einfach unsauber intoniert)

je nach deinen technischen möglichkeiten könntest du versuchen, zwei oder drei fassungen der geigenstimme zu kopieren, im panorama zu verteilen und evtl. um ein paar millisekunden gegeneinander zu verschieben

zur mikrofonierung der streicher würde ich so vorgehen, wie du´s beschrieben hast, das klingt vernünftig ... im anhang kannst du sehen, wie das bei der letzten aufnahme bei unserem chefgeiger und cellisten ausgerichtet war

die sache mit dem naturhall ist nicht zu unterschätzen ... zuviel davon kriegst du imho nicht mehr weg, aber mit einer völlig toten umgebung wird die dame an der geige sich vermutlich sehr unwohl fühlen ... da müsstest ihr zumindest auf ihr monitorsignal im kopfhörer einen hall legen ... streicher sind da etwas empfindlich, wenn so gar kein raumklang vorhanden ist (zumindest die, die ich so kenne)

ausserdem treten in einem engen "klanglosen" raum evtl. die bogengeräusche (kratzen) stärker hervor also in einem grosszügigen raum mit etwas eingenklang, das könnte beim "multiplizieren der spuren nachteilig auffallen

hoffe, ich konnte dir helfen ... grüssle
»trommelfrosch« hat folgende Dateien angehängt:
  • DF_MG_7052.jpg (103,84 kB - 41 mal heruntergeladen - zuletzt: 12. Juli 2011, 14:57)
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Mortipherus

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6

Montag, 11. Juli 2011, 20:48

ich habe zugegebenermassen noch nie versucht, mit einer violine eine streichergruppe zu simulieren ... ich sehe da vor allem ein problem (falls ich diene beschreibung nicht missverstehe): mit der geige kannst du eigentlich keine cellostimme spielen ... das ist, wie wenn du mit dem 10er tom ein 16er floortom ersetzen wolltest

eine gute streichergruppe reagiert eben aufeinander, spielt nicht 100% synchron, aber 99,9% ... das erzeugt schon von sich aus einen breiten, weicheren klang ... eine musikerin alleine müsste schon sehr oft einspielen, um diese "streuung" zu erreichen (die aber auch nicht zu gross sein darf, sonst klingts einfach unsauber intoniert)

je nach deinen technischen möglichkeiten könntest du versuchen, zwei oder drei fassungen der geigenstimme zu kopieren, im panorama zu verteilen und evtl. um ein paar millisekunden gegeneinander zu verschieben

zur mikrofonierung der streicher würde ich so vorgehen, wie du´s beschrieben hast, das klingt vernünftig ... im anhang kannst du sehen, wie das bei der letzten aufnahme bei unserem chefgeiger und cellisten ausgerichtet war

die sache mit dem naturhall ist nicht zu unterschätzen ... zuviel davon kriegst du imho nicht mehr weg, aber mit einer völlig toten umgebung wird die dame an der geige sich vermutlich sehr unwohl fühlen ... da müsstest ihr zumindest auf ihr monitorsignal im kopfhörer einen hall legen ... streicher sind da etwas empfindlich, wenn so gar kein raumklang vorhanden ist (zumindest die, die ich so kenne)

ausserdem treten in einem engen "klanglosen" raum evtl. die bogengeräusche (kratzen) stärker hervor also in einem grosszügigen raum mit etwas eingenklang, das könnte beim "multiplizieren der spuren nachteilig auffallen

hoffe, ich konnte dir helfen ... grüssle


Danke Dir vielmals, hast mir wirklich sehr geholfen!

7

Montag, 11. Juli 2011, 21:09

Kann Trommelfrosch da nur beipflichten. Entweder nimmt man viele, viele Takes auf oder man nimmt wenige und versetzt sie zeitlich.
Im Panorama verschieben würde ich aber grundsätzlich immer, für den angesprochenen Orchestereffekt.

Habe das so schon mehrfach mit Chorsimulationen gemacht, hat ganz ordentlich geklappt.
"Freibier für alle, der letzte zahlt!"
___________________________________________________________________________________________________________________________________
Dieser Beitrag wurde bereits 347921 mal editiert, zuletzt von »Mb10« (Heute, 14:19)

moschus

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8

Montag, 11. Juli 2011, 21:58

Auch wenn ich mich jetzt nun bei Dir evtl. unbeliebt mache: nur mit 1 Geige und ungeeignetem Raum wird es nichts werden. Da ich mir vorstellen kann, was Du gerne am Ende hören möchtest, gebe ich Dir folgenden Tip: benutze eine amtliche Sample Libary wie East West Quantum Leap oder NI Komplete 7 oder was auch immer. Mache damit den ganzen Kram per Midi fertig und recorde dann die echte Violine als Overdub dazu, lass sie die Hauptmelodien spielen. So fügst Du zumindest etwas "besonderes" in die "Plastikgeigen" ein, sofern die Violine auch gut spielt. Ansonsten wirst Du wahrscheinlich äusserst enttäuscht sein, weil man bei Klassik nicht um ein Orchester herum kommt. 10x die gleiche Geige in mono kannst Du noch so sehr im Pan oder zeitlich versetzen. Nachher klingt es einfach nach 10x der gleichen Geige (weil die Obertonstrukturen immer gleich sind), die ausserdem alles andere als in tune spielt. Schlimmstenfalls ergibt sich ein regelrechter ätzender Choruseffekt. Ohne stereo Mikrofonie (xy, ORTF etc) einen guten Raum und Positionswechsel des Musikers samt verschiedener Instrumente ist eine solche Simulation aussichtslos.

sorry, aber Du wirst diese Erfahrung selbst machen müssen.

Mortipherus

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9

Montag, 11. Juli 2011, 22:15

Auch wenn ich mich jetzt nun bei Dir evtl. unbeliebt mache: nur mit 1 Geige und ungeeignetem Raum wird es nichts werden. Da ich mir vorstellen kann, was Du gerne am Ende hören möchtest, gebe ich Dir folgenden Tip: benutze eine amtliche Sample Libary wie East West Quantum Leap oder NI Komplete 7 oder was auch immer. Mache damit den ganzen Kram per Midi fertig und recorde dann die echte Violine als Overdub dazu, lass sie die Hauptmelodien spielen. So fügst Du zumindest etwas "besonderes" in die "Plastikgeigen" ein, sofern die Violine auch gut spielt. Ansonsten wirst Du wahrscheinlich äusserst enttäuscht sein, weil man bei Klassik nicht um ein Orchester herum kommt. 10x die gleiche Geige in mono kannst Du noch so sehr im Pan oder zeitlich versetzen. Nachher klingt es einfach nach 10x der gleichen Geige (weil die Obertonstrukturen immer gleich sind), die ausserdem alles andere als in tune spielt. Schlimmstenfalls ergibt sich ein regelrechter ätzender Choruseffekt. Ohne stereo Mikrofonie (xy, ORTF etc) einen guten Raum und Positionswechsel des Musikers samt verschiedener Instrumente ist eine solche Simulation aussichtslos.

sorry, aber Du wirst diese Erfahrung selbst machen müssen.


Die Sache ist die, dass die Stücke so arrangiert sind, dass nur selten Akkorde gespielt werden, sondern eher eine Geige durchläuft und manchmal Einwürfe gespielt werden. Deshalb ist dieser Sound eines Geigenensembles nicht das vorrangige Ziel, sondern eher diese Solo-Geige so authentisch wie möglich aufzuzeichnen.
Siehst du jetzt mehr Licht bei der Sache oder bleibts gleich hart :) ?

Ergänzung: Das Ganze wird dann noch mit E-Gitarren, Bass-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard gepaart. Das Orchesterarrangement nimmt nur eine begleitende Rolle ein.

noch ein Edit: Das beschriebene Krachen des Bodens sollte durch einen dickeren Teppich verhindert werden können oder?

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moschus

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10

Montag, 11. Juli 2011, 22:31

Sologeigen sollten rein technisch kein Problem sein. Grossmembran oder Kleinmembran Mic, das ist egal. Nix qualitativ unterhalb nem Rode NT2A oder NT5 nehmen. Schön sauber in mono recorden, ohne fx, und gegebenenfalls durch nen Autotune jagen - welcher Geiger spielt schon so perfekt in tune, als daß es innerhalb einer Pop/Metal/Rockband passt. Da muss man oft viel nachbearbeiten, sofern die Streicher nicht gewohnt sind mit Kopfhörer zu spielen, und deshalb nicht mehr richtig intonieren können. Die haben schliesslich keine Bünde:) Bei Folk sieht das ja völlig anders aus...

Danach ggfl. vorsichtig komprimieren (damit sie zwischen den Bratgitarren etc. nicht absäuft) und mit gutem Hall effektieren. Das kann klappen, sofern man nicht versucht, einen Orchestereindruck zu simulieren. Den sollte man lieber den Plastikgeigen überlassen.

Das Mic von oben auf die Violine richten (Niere), Abstand so etwa 50cm. Das Foto hier im Thread passt schon.
VORSICHT mit dem Kopfhörer-Playback!!! Das knallt da voll rein, Click leakage ist tödlich! Vielleicht besser Ohne Click im Playback arbeiten, oder InEars benutzen - sofern die Intonation dann noch klappt. Wer an der Geige viel nachbearbeiten muss, muss sie sehr sauber und ohne Leakage recorden.

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11

Dienstag, 12. Juli 2011, 00:14

noch ein Edit: Das beschriebene Krachen des Bodens sollte durch einen dickeren Teppich verhindert werden können oder?
ähm ja ... das krachen des bodens sollte durch einen weichen belag des selbigens verhindert werden können ... das kratzen des bogens (was ich meinte) ist fester bestandteil des geigenklangs, tritt bei extrem trockener akustik und close miking deutlicher hervor, als mit einem meter mikroabstand in einem grossen raum :D

Mortipherus

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12

Dienstag, 12. Juli 2011, 00:49

Ich danke Euch vielmals für Eure Mühe. Ehrlich das ist besser als jedes Lehrbuch.
Sehr genau und gut beschrieben, danke Moschus, Trommelfrosch und Mb10 ;)

Oha, ja bei der Sache mit dem "Boden" hab ich etwas zu schnell gelesen :D

moschus

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13

Dienstag, 12. Juli 2011, 07:30

das völlig geile Bogen/Boden Missverständnis hab ich erst jetzt geschnallt

Moigus

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Dienstag, 12. Juli 2011, 08:27

Wir hatte mal ein Cello für einen Song aufgenommen. (Rode NT2A, 25qm Raum) Gefallen hat uns die Aufnahme erst, nachdem wir das Mic circa 3m entfernt aufgestellt hatten und ich glaube auf Kugelcharakteristik umgestellt hatten. Erst dadurch hat das Cello erst richtig "geatmet". Also ruhig mal diverse auch abwegige Positionen durchprobieren.

Grüße Moigus
Wer anderen eine Grube gräbt, sollte nicht mit Steinen werfen!

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