Aktuelle Gagen

  • Jetzt müsste mein Lebensmotto eigentlich heißen:
    - wohnen in Berlin
    - essen in Wien
    -spielen in Stuttgart


    ;)


    Genau so hält man es in Berlin!
    Außer das ich leider nicht so oft zum Essen nach Wien komme.


    Der Standard in unzähligen Bands in Berlin:
    Unbekannte Rockpop-Band mit eigenem Material,
    Tour im ganzen deutschsprachigen Raum.
    3-4 Spieler + 1 Tonmann + Mietwagenkosten,
    PA und Übernachtung wird gestellt.
    +/- € 500,- pro Gig. (Mehr Reputation = ein paar Hunderter mehr)
    Davon gehen 100 - 150 für den Tonmann raus,
    evtl. noch mal 100-150 für den gemieteten Drummer,
    dann die Mietwagenkosten und die 20% für den Booker/das Management,
    und die Band kommt nach 1-2 Wochen mit Null Euro nach Hause.
    Außer der Tonmann und der Mietmusiker, die haben ihr bescheidenes aber immerhin Geld verdient.
    Wenn am Ende ein Plus in der Kasse der Band ist, dann nur durch DIY CD- und Merch-Verkauf neben der Bühne,
    oder evtl. noch durch GVL-Einnahmen.


    Für anständige StudiJobs in Berlin fängt es bei 150/Tag an und ich kenne auch renommierte Kollegen, die 700/Tag in Berlin kriegen.
    Ganz typisch ist aber "die Berliner Nummer":
    "Ich Songwriter brauche einen Schlagzeuger für Live/Studio/Bandaufbau und natürlich hat niemand Kohle um irgendetwas zu bezahlen,
    willst Du Schlagzeuger nicht das Geld (die Zeit) von Deinem 2. und 3.Job in meine tolle Band stecken. Oder auch Deine Kohle vom Amt ?
    Wir werden auch sicher irgendwann mal Geld verdienen, wenn wir berühmt sind."
    Ich persönlich hab Jobs im ganzen genannten Spektrum (Null bis 700,-) (wenn ich denn Jobs habe ... ).


    Insofern funktioniert HartIV in Berlin irrerweise schon als Kunstsubventiensprogramm,
    da das Geld vom Amt bei vielen Leuten ihr musikalisches Schaffen erst ermöglicht.
    Die "kaufen" sich von ihrem HartzIV-Geld dann Zeit um zu proben/zu spielen, wo sie ansonsten in der Zeit Teller waschen müßten.
    Ist das etwas gutes oder etwas total falsches ?


    Diese Lebens- und Arbeitsbedingungen sind für sehr Viele der Preis,
    den sie für ein Leben als "Künstler/Musiker" in Berlin zahlen müssen.
    Und das ist bei aller Prekarität paradoxerweise auch ein Luxus,
    denn so ein Leben ist in London/NewYork/Paris meißt gar nicht möglich.
    Von Bangladesh und Peking mal ganz zu schweigen.


    Manchmal sehe ich das schwarz und wünsche mich nach München oder Stuttgart, wo die Bedingungen wohl besser sein sollen.
    Manchmal sind diese Verhältnisse auch vollkommen tragbar, weil es eine große Anbindung an die internationale Musikszene gibt,
    man immerhin doch überhaupt luxuriöserweise einen Alltag mit kreativer Musik leben kann.
    Global gesehen nicht so schlecht.
    Oder um es mit Nitzsche zu sagen: "Gelobt sei die kleine Armut".


    Familienkompatibel ist das natürlich nicht.
    Gesund und nachhaltig auch nicht unbedingt.
    "Gesellschaftlich gerecht" ist es schon gar nicht.
    Mindestlöhne oder eine Gewerkschaft
    (eine funktionierende Interessenvertretung heißt ja heutzutage anscheinend nicht mehr "Gewerkschaft" sondern "Lobby") wären toll.
    Historisch gesehen bleibt es aber ein Segen, daß so ein Leben überhaupt möglich ist,
    und die meißten können sich auch noch ihr Macbook und Iphone dabei leisten.


    Komplexes, kompliziertes und interessantes Thema !

  • und die meißten können sich auch noch ihr Macbook und Iphone dabei leisten.


    Wenn sich irgendein Harz-IV-Empfänger ohne Schwarzarbeit ein Apfelprodukt leisten kann, sind die Regelsätze definitiv zu hoch.

    "Ich verlor bisher Filze, Sticks und einen Bassisten. Weiß der Geier was man damit will."
    Barumo, 2008

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