Mein Verständnisproblem liegt da, dass ich nicht verstehe, inwiefern Wellenlänge und Hindernisgröße zusammenhängen, also weshalb und wo der Unterschied zwischen Beugung und Reflexion passiert.
Oha, da wird es kompliziert. Um das zu verstehen, musst Du relativ weit eintauchen in die Theorie der Wellenausbreitung. Was man hier als Modell benutzen kann, ist das Huygenssche Prinzip.
Vereinfacht kann man es sich etwa so vorstellen: Wenn eine Welle auf ein Hinderniss trifft entsteht an jedem Punkt eine neue Kugelwelle, und die Überlagerung aller Kugelwellen bildet eine neue Wellenfront. Betrachtet man zB ein punktförmiges (dh beliebig kleines) Hindernis, dann bildet sich eine auslaufende Kugelwelle, die sich mit der einfallenden ebenen Welle (dh parallel einlaufende Wellenfronten) überlagert. Dann entsteht keine stehende Welle, weil die auslaufende Welle kreisförmig und die einfallende Welle eben ist - es gibt dann keine Linie, auf der sich die ein- und auslaufenden Wellenfronten addieren könnten. Ist das Hindernis sehr klein, ist man immer noch recht nahe an dieser Situation und die stehende Welle kann sich nicht bilden. Erst wenn das Hindernis sehr gross ist, bildet sich davor ein Bereich in dem sich die ausfallenden kreisförmigen Wellen zu einer ebenen Wellenfront addieren, die dann wiederum mit der einfallenden Wellenfront eine stehende Welle bilden kann.
Wo kommt nun die Wellenlänge ins Spiel? Die Wellenlänge ist ein Maß für den Abstand gleicher Phasen in einer Welle. Die Bedingung dafür, dass sich Wellenberge konstruktiv, dh. so, dass eine größer Amplitude entsteht, überlagern, ist, dass die sich überlagernden Wellen an einer bestimmten Position gleichzeitig einen Wellenberg haben, sie müssen also in Phase sein. Wenn sich zwei Wellen treffen, so dass ein Wellental mit einem Wellenberg zusammenfällt, wenn sie also außer Phase sind, gibt es keine konstruktive sondern destruktive Überlagerung, dh. die Wellen löschen sich gegenseitig aus. Jetzt kannst Du also leicht erkennen, dass im Fall des kleinen Hindernis kein Bereich entsteht, in dem die einfallenden und ausfallende Welle in Phase sind. Einfach, weil die Form der Wellen nicht zusammen passt.
Zusammengefasst ist also die Wellenlänge ein Maß dafür, wie klein ein Objekt sein darf, damit eine Welle es noch "sehen" kann. Das ist übrigens exakt der gleiche Grund, warum man mit Mikroskopen keine beliebig kleinen Objekte sehen kann. Wird das Objekt kleiner als die Wellenlänge (also beim Licht einige hundert Nanometer) wird es vom Mikroskop einfach nicht mehr wahrgenommen.