Arzt zum Jazzmusiker: "Sie haben nur noch 4 Wochen zu leben."
Jazzmusiker: "Aber wovon denn???"
Zunächst hat ja jeder, der was musikalisches darbietet, das Recht, für diese Darbietung eine Entlohnung zu verlangen. Der Vollblutamateur (so Leute wie ich) genau so wie der Absolvent eines musikalischen Studiengangs, der sein Instrument perfekt beherrscht und Musik auf hohem technischen Niveau darbieten kann. Und ich kann jeden verstehen, der meint, wenn man auf gewissem musikalischen Niveau agiert, müsse dafür auch Geld fließen. Das große ABER: Alle Anbieter musikalischer Vorführungen müssen jemanden finden, der diese Vorführung nachfragt und bereit ist, etwas dafür zu bezahlen. Und es ist müßig, darüber zu streiten, was Kunst den Leuten oder der Gesellschaft wert sein SOLLTE, und dass ein Künstler von seiner Kunst auch leben können sollte. Solange diese Kunst keinen Abnehmer findet, kann man das schlicht vergessen. In der guten alten Zeit (als Fett noch mit u geschrieben wurde) war es so, dass die guten (oder gut vernetzten) Musiker die Gigs bekommen haben und regelmäßig Auftritte hatten. Heute gibt es ganz andere Wege, sich zu vermarkten (von nichts anderem reden wir hier), und wer die nicht einschlägt, droht nicht wahrgenommen zu werden. Auch heute noch kann man sicher als aufstrebende Band sich den Arsch abspielen, eine Fanbase heranziehen und so attraktiv für Veranstalter werden. Aber sicher nicht mit Gage von Anfang an. Und der Absolvent der Jazz-Akademie XY kann mit dem Anspruch auftreten, er sei so gut, dass er mindestens 500 Öre pro Auftritt haben will. Wenn das was er darbietet, aber keiner hören oder veranstalten will (keine Nachfrage nach Jazzmusik, keine Leute im Club, wenn Jazz angeboten wird), kann er sich seinen Anspruch aber ans Bein streichen. Da ist es wie in jedem anderen Beruf auch: Wenn ich was anbiete, was keiner haben will, klappt es nicht. Und da braucht mir auch keiner damit kommen, dass Kunst mehr gefördert werden muss, damit mehr Künstler überleben können. Irgendwo muss das Geld zur Förderung aber auch herkommen. Und wer legt fest, was ein "Künstler" ist, der darunter fällt? Schauspieler stöhnen ja auch über die schlechten Einkunftsmöglichkeiten, aber vielleicht gibt es auch einfach zu viele davon.
Heute hat man ja die Chance, sich auch über das Internet zu promoten. Ohne diese Möglichkeit wäre Anika Nilles heute wahrscheinlich eine regionale Größe, die in ein paar Bands gegen Kohle spielt, nebenbei Unterricht gibt und ab und zu mit ihrem Quartett ihre Strebermusik aufführt, die aber kaum jemand hören will.
Fazit meinerseits: Gesellschaftliche Debatte hin, künstlerische Fertigkeiten her: Auch bei Kunst gilt, dass der Köder dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler.