Thomann-Läden, in Deutschland verteilt, würden Kunden die Möglchkeit geben, Instrumente vor Ort zu testen und evtl. Reparaturen abzugeben. Das fände ich toll, aber ich denke, für Thomann wäre das dann eher nur "Kundenservice". Ob sich das rechnet?
Genau. Für den Kunden toll, weil er dann wie früher alles ausprobieren könnte - alles? Wäre dann immer alles da? Wie groß müsste die Filiale dann sein? Thomann fährt mit eigenem Logistik-Zentrum und 30 Tage Money Back ganz gut und das nicht nur in Deutschland. Wozu sich die Mühe machen, überall Filialen hinzustellen? Okay, vielleicht hätte es einen kleinen gesellschaftlichen Effekt, nämlich dass sich das ein oder andere Kind wieder die Nase plattdrückt anstatt den Daumen auf dem Display - also Musikinstrumente wieder greifbar zu machen. Das erfordert auf der anderen Seite aber auch wieder die oben angesprochene Mentalität und gegenseitiges Vertrauen, "dass die Kinder nicht nur alles in die Hand nehmen und kaputt machen."
Und was brächte es dem Besitzer vom kleinen "Musik Meyer" oder "Stefans Schlagzeugladen"? Der hätte allenfalls einen mehr oder weniger sicheren Job in einem dieser Franchise-Container und könnte sich weiterhin mit seinem liebsten Hobby und seiner Berufung beim Job beschäftigen. Aber die Exklusivität und Unbefangenheit würde mit Sicherheit Abstriche machen:
Früher war das eben Treffpunkt, Ort für Austausch, Kennenlernen...Nase platt drücken...und dann nach langem Hin und Her auch mal kaufen...da hat keiner bei Music Meyer angerufen und gesagt "Schick die Bude mal per Post her"...Iss auch viel Nostalgie drin, doch früher war das Meiste eben nicht besser...
Hach war das schön, und das sag ich mit Mitte 30.
Damals mit 13 war ich noch lange nicht so vernarrt ins Schlagzeug-Spiel und -Gear, sondern stand stundenlang im Modellbau-Laden und hab am Ende ein reduziertes Tütchen Modellbahn-Gras und wenigstens den dicken bunten Märklin-Katalog (für damals Schutzgebühr 5€ ?) mitgenommen, weil das Taschengeld nicht reichte. Das erste große Sterben war aber meine ich nicht dem exzessiven Online-Handel geschuldet, sondern der anfangenden Digitalisierung. Irgendwann standen nur noch Video-Spiele in den Regalen und die Regale sowie die beherbergenden Läden wurden bald deutlich kleiner. Irgendwann hat der Müller (Drogerie) eine reduzierte Auswahl an Lego und Playmobil verkauft, neben einer ganzen Menge an Plastik-Billig-Spielzeug. Das war mir damals quasi als Kind schon ganz schön suspekt. Zwar OT, aber es ist doch überall das gleiche.
Ob das alles besser war damals? Fürs Gemüt bestimmt. Vieles war noch nicht so günstig und eine Investition war wohler überlegt und hielt dann ein (halbes) Leben lang. Die Läden waren einfach da und konnten sich halten, wenn auch gefühlt so gut wie nichts gekauft wurde. Also nicht alle paar Wochen ne Snare aus den Schnäppchen und Restposten. Ich frage mich, ist das alles nur so gekommen, weil ein paar wenige große aus ihrer Sicht alles richtig gemacht haben, oder wer hat am Ende wirklich die Schuld?