Das mit der teuren Ausbildung des Musikstudenten stimmt schlicht nicht. Was ist denn mit den teilweise sündhaft teuren Versuchsaufbauten im Chemiebereich, bei den Maschinenbauern etc.? Die werden natürlich nicht selten von Unternehmen gesponsert, die sich damit gleich qualifiziertes Personal zur späteren Mehrwertgenerierung heranzüchten. Wogegen ja nix zu sagen ist. Aber die Darstellung ist falsch.
Jetzt ist die Frage, ob man möchte, dass Leute eher bereit sind, Geld in Unterricht zu investieren oder ob die Wertschätzung von Musik gesteigert werden soll. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Zum Thema Musik und Kultur allgemein: in unserer materiell geprägten Gesellschaft haben es Dinge schwer, die nicht a) schnellen Mehrwert generieren, b) sichtbar sind, c) Status ausdrücken oder sonstige kurzfristig sichtbare Vorteile bringen. Deswegen hat es ja auch die Bildung schwer. Man sieht nicht sofort Ergebnisse und wer heute investiert, bekommt vielleicht nicht mehr die Resultate zu sehen. Musik ist nichts zum Anfassen, sie heilt keine körperlichen Leiden, ihr Nutzen ist nicht quantifizierbar. Etwas anders ist es bei Hochkultur. Der Besuch im Theater drückt Bildung und Geld und Kultiviertheit aus und hatte somit direkte Signalfunktion. Das darf dann schon was kosten und wird als wertvoll eingeschätzt.
Zum Thema Unterricht: ich mache die Erfahrung, dass die Leute für gut gemachten Unterricht bei einem freundlichen Lehrer, der ihnen oder ihrem Kind Freude am Instrument vermittelt, und ihnen eine gute Zeit bereitet, auch entsprechendes Geld ausgeben. In den Unterrichtssituationen, in denen ich unterwegs bin (Drumschule und privat) herrscht eine nette Atmosphäre. Ich interessiere mich für die Leute, die zu mir kommen und freue mich, wenn sie Fortschritte machen.
Ich glaube daran, dass echte Begeisterung dazu führt, dass man von dem, was man machen möchte, auch leben kann. Und ich muss ebenso sagen, dass ich von nicht wenigen Lehrern höre, die es offenbar falsch machen. Da kommen welche gerade von der Uni und verlangen zwar gleich großes Geld (weil man ihnen das dort geraten hat), haben aber nur ein kleines Räumchen mit nur einem Set und überfallen Schüler mit Sachen, die die gar nicht brauchen können. Oft höre ich auch von musikalischen Zurechtbiegereien. Da will ein 40 jähriger Schüler Rock machen und wird dann erstmal ewig zum Thema Jazz aufgeklärt. Sie überladen die Schüler mit Material und verstehen nicht, dass die meisten das Instrument nur als Hobby und mit Spaß spielen wollen. Das führt zu schlechtem Gewissen bei vielen Schülern und dem Gefühl, vielleicht doch nicht geeignet zu sein.
Wenn Schüler dann wechseln, jammern diese Lehrer dann nicht selten, dass Kompetenz nix mehr kosten darf. Ich kenne Mucker, die Musik studieren und sich schon vor dem Ende fürchten, weil sie dann unterrichten müssen. Das kann nichts werden, auch nicht mit einer Gewerkschaft. Musik ist eine Herzensangelegenheit und keiner wird sich musikalisch öffnen können, wenn der Lehrer keine Lust auf seinen Job hat.
Und jetzt mal Hand aufs Herz: wieviel Geld sollen Schlagzeuginteressierte denn für Untericht ausgeben? 100, 120, 140 monatlich? Für eins von möglicherweise mehreren Kindern, die alle verschiedene kostenintensive Hobbies haben?
Wie üblich: das Geschriebene stellt nur meine persönliche Erfahrung dar. Ich wohne und unterrichte übrigens in einem der ärmsten Bundesländer, in Bremen.
lg
max