Erleben ist das neue besitzen.
Das ist richtig und wird seit einiger Zeit von verschiedenen Standpunkten aus so gesehen.
„Wenn du schon kaufen musst/willst, dann kaufe keine Güter sondern Erlebnisse“. Der Ansatz scheint an sich nicht falsch. Doch er befasst sich nur mit Symptomen.
Das Erlebnis, ein Ereignis welches uns „leben lässt“, nicht im biologischen aber im philosophischen Sinne, ist eine Pause vom Nicht-Leben, die wir uns gönnen insofern wir uns dies leisten können. Wir leben für einen Moment.
Unsere Sehnsucht zu leben ist grösser als in den Generationen davor, bzw. sie wird weniger unterdrückt. Doch kaum jemand hat gelernt wie „leben“ geht. Wie auch, in einer auf Besitztum basierenden Gesellschaft?
So bleibt es häufig beim konsumieren, um sich darüber zu definieren.
Erlebnisse werden sich angeeignet um so als Besitztum den Status der Besitzenden zu festigen bzw. zu erhöhen. Das eigentliche Erlebnis rückt in den Hintergrund und die mit dem Erlebnis verbundene „Einkehr ins Leben“ findet nicht wirklich statt.
Die dem obigen Zitat ursprünglich innewohnende Konsumkritik wurde längst vom „System“ vereinnahmt und der kommerziellen Verwertung zugeführt. So wie fast jede Subversion. Subkulturen, Graswurzelbewegungen, auch was in seinem Kern der dominierenden Verwertungslogik kritisch gegenübersteht, wird, sobald es seine Nische vergrössert und nicht in dieser verdorrt, aufgegriffen und benutzt um damit Geld zu verdienen.
So können wir zwar auf die hohen Ticketpreise schimpfen und uns dem verweigern, es wird aber keine nachhaltige Änderung bewirken, da es nur oberflächlich bleibt.
So lange wir unsere Lebensart nicht grundsätzlich überdenken, als Gesellschaft und Individuen, wird sich das auch nicht ändern.