Ohne jetzt den lehrenden Kollegen in den Rücken fallen zu wollen, glaube ich, dass jemand, der Musik machen will, weil er Musik zunächst schlicht als eine Leidenschaft begreift und Musik der Musik wegen macht, ohne dem Ziel, die sterile Perfektion eines Drumcomputers zu erreichen oder Vinnie Colaiuta zu übertrumpfen, grundsätzlich ohne gezielten Unterricht ein guter Musiker sein kann. Natürlich stellt sich hier zunächst die Frage: Was ist ein guter Schlagzeuger? Diese Grenze anhand einer eindimensionalen Messlatte zu definieren, ist dooferweise äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich.
Aus meiner Beobachtung heraus hängt die Tatsache, ob jemand an seinem Instrument Musik zu machen in der Lage ist, zuerst mal davon ab, ob ein gewisses Maß an Talent vorhanden ist. Das macht sich z.B. auch bemerkbar, indem jemand, der einem anderen Schlagzeuger bei der Arbeit zusieht/zuhört (sei es live, per Fernseher oder per Lautsprecher), das, was dort am Schlagzeug passiert, nachvollziehen und daraus Schlüsse ziehen kann, wie dieses Instrument grundsätzlich überhaupt funktioniert.
Sobald es am Talent hapert, kann ein Lehrer die beste Arbeit leisten - jedoch fast immer vergeblich. Um zu verstehen, was z.B. "Grooven" (das alte Thema *g*) bedeutet, bedarf es erstmal einer Begabung, anderen Trommlern zuzuhören, den Rhythmus zu fühlen sowie auch zu wissen, wie es sich anhört, wenn es mal nicht groovt. Die Threads hier im Forum zu diesem Thema beschreiben diesen Sachverhalt stellenweise sehr gut, aber Geschriebenes ist halt leider nur Theorie. Musik hören, aufsaugen, sich inspirieren lassen, weiterverarbeiten. Melodien, Harmonien und Klänge entdecken, Spannungsbögen und Dynamik ausmachen. Das alles ist meiner Meinung nach um einiges interessanter als stundenlang Doublestrokes an einem Gummipad zu üben. Musik lernt man durch Musik.
Vielleicht ist meine Sichtweise in mancherlei Hinsicht etwas altmodisch, einfältig und naiv, aber sicherlich nicht grundsätzlich falsch.