Ich schreibe wie Nils als einer, der die professionelle Seite des Business kennt, sich aber letztendlich gegen eine Laufbahn als Berufsmusiker entschieden hat. Eigentlich wurden von meinen Vorschreibern alle Aspekte genannt, die es zu berücksichtigen gilt. Vielleicht noch ein paar eigene Eindrücke als Musiker im fortgeschrittenen "Besten Alter" 
Seit Jahren spiele ich regelmäßig auch mit Berufsmusikern, meist natürlich mehr oder weniger in meiner Altersgruppe. Ein paar davon sind tatsächlich schon hochbetagte Jazzer alter Schule mit all ihrer Erfahrung - und allen Zipperlein, die das Alter so mitbringt. Wären sie nicht ihr Leben lang in einem Anstellungsverhältnis gewesen, ob nun in einem bürgerlichen Beruf oder als Musiklehrer, sähe es wohl elend aus. Mit den Profis in der eigenen Altersgruppe tauscht man inzwischen schon mal seine Rentenansprüche aus, und wenn ich die Zahlen höre, wird mir erst klar, dass Altersarmut in diesem Geschäft nicht nur ein Risiko, sondern oft vorprogrammiert ist. Wohlgemerkt, wir sprechen von Musikern und Instrumentallehrern mit Studium, die ihre Einkünfte überwiegend durch Musik generieren. Wer nun ins Rentenalter kommt und vom Staat vielleicht 300 oder 400 Euro Rente bekommt, weiß nicht erst angesichts des heutigen Preisniveaus, dass der Lebensabend wohl ziemlich bescheiden - in vielerlei Hinsicht - wird, und man im Grunde notwendigerweise weiterarbeiten muss, bis man sein finales Zuhause bezieht.
Gleichzeitig merke schon ich als Ü50er, dass Körper und Geist nicht mehr vor Kraft strotzen und man beginnen sollte, sich die Kräfte besser einzuteilen. Auch wenn ich natürlich hoffe, noch in 20 Jahren gelegentlich mal mein Set auf irgendeiner Bühne aufbauen zu dürfen, wird mir schlagartig anders bei der Vorstellung, es im Rentenalter immer noch tun zu müssen, damit am Monatsende noch was zu beißen bleibt. Und zwar egal, ob der Körper gerade mal wieder schmerzt oder einem die zunehmende Harninkontinenz das Leben schwer macht. Von einem unfreiwilligen Sturz mit anschließendem Krankenhausaufenthalt ganz zu schweigen. Insofern bin ich jeden Tag dankbarer dafür, mich in meinem Leben richtig entschieden zu haben.
Und genau das ist am Ende, was zählt. Man muss einen Weg finden, zu dem man auch in einigen Jahrzehnten noch stehen kann. Denn eins ist klar. Man ist nie zu alt dafür, was neues zu beginnen. Aber mit jedem Lebensjahrzehnt wird es schwieriger, große Weichen zu stellen. Wer wie ich immer gespürt hat, zu feige für ein Leben ohne Netz und doppelten Boden zu sein, trifft sicher andere Entscheidungen, als jemand, der das Risiko liebt und es gewohnt ist, auf die Fresse zu fallen, aufzustehen und weiterzumachen, bis man das nächste mal am Boden liegt usw usf.
Solange man zu seinem Weg stehen kann, statt zunehmend wegen vertaner Chancen dem Selbstmitleid zu verfallen, ist eigentlich alles ok. Nur kann ich dir da konkret halt wenig raten. Außer vielleicht, den Weg eines "normalen" Berufes in Kombination mit der Musik nicht außen vor zu lassen. Mit einer Festanstellung im Rücken hast du nämlich auch die Option, die Gewichtung zu verschieben, wenn die Musik so richtig gut läuft. Statt 5 Tage die Woche nur noch 3 zu arbeiten, oder halbtags nur Vormittags, schafft immer noch Sicherheit, aber eben auch Freiräume für die Musik. Und wenn die Musik langfristig nicht läuft, beißt man halt in den sauren Apfel und buckelt wieder in Vollzeit.
Ach ja, die Frage zum Studium war ja auch noch. Ich kenne alle Arten von Musikern, Hochschulabsolventen, Absolventen freier Musikschulen, Musiker ohne Abschluss. Die Probleme sind bei allen gleich, sofern sie nicht in einem Orchester angestellt sind. Aber die gehen ja auch zum Dienst, nicht zum Gig 