Für mich sind zwei Dinge beim Solieren wichtig.
a) dynamisch abwechslungsreich muss es sein
b) it must Schwing
Kein Mensch interessiert sich dafür, ob ich ohne hörbaren Unterschied von Singles zu Doubles, über Paradiddles, Pataflaflas über eine lange Linkskurve durch Reverse Flam Taps wieder zurück zu Singles rase. Aber die allermeisten hören, wenn ich in einen subtilen Roll ein paar Akzente knalle, ein paar Flams auf den Toms in einem langen Crescendo anschwellen lasse oder unvermittelt mal eine Generalpause in den Raum stelle.
Wenn mein Handwerkszeug es mir erlaubt, alles im Solo so zu spielen, dass der Swing nicht verloren geht und die Zuhörer nicht aufhören, mit den Füßen zu wippen, hab ich aus meinen überschaubaren technischen Fähigkeiten das beste rausgeholt.
Und abgesehen davon, dass ich es technisch natürlich gar nicht könnte, Soli wie Buddy Rich zu spielen, finde ich es auch gähnend langweilig. Buddy spielte Soli ohne Punkt und Komma, wie manch andere Leute reden, und beides ertrage ich nicht lange.
Ich finde, es lohnt sich, mal intensiver zuzuhören, wie die alten Meister solierten. Ob das nun Art Blakey, Gene Krupa oder Max Roach ist, alle haben oft mit recht einfachen technischen Mitteln großartige Wirkung erreicht, weil man den Swing jederzeit spüren konnte. Keiner von den dreien war techinsch in meinen Augen auch nur annähernd so gut wie Mr. Buddy Rich, aber sie hatten den Swing im Blut und waren keine Zirkusartisten wie BR.