Und ja, das nimmt Profis natürlich Auftrittsmöglichkeiten weg
Nein, es nimmt ihnen keine Auftrittsmöglichkeiten weg, nur können sie ihre Existenz eben nicht mehr durch überwiegend Konzerttätigkeit absichern. Wer als Durchschnittsmusiker in den letzten Jahren über die Runden kommen wollte, war überwiegend als Musiklehrer tätig, hatte vielleicht noch nen Nebenjob, und Livegigs waren bestenfalls ein kleines Zubrot. Mal ehrlich, hundert bis hundertfünfzig Euro pro Nase sind GAR nichts, wenn man ehrlicherweise noch Steuern abführen müsste. Klar, der Hutgig umgeht im Zweifelsfall den Fiskus, aber in dem Moment, wo du Festgage auf Rechnung erhältst, ist das ein echter Treppenwitz.
Dennoch wird diese Diskussion ähnlich Erfolg versprechend sein wie jede "Früher war alles besser" Diskussion. Die Gesellschaft verändert sich, und damit auch die möglichen Geschäftsfelder, mit denen man Geld verdienen kann. Oder wie viele würden beispielsweise freiwillig noch auf den Onlinehandel verzichten, selbst wenn massig Fachgeschäfte peu a peu über den Jordan gehen?
Auch wenn es sehr, sehr traurig ist, halte ich in Zeiten des Turbokapitalismus kulturelle Vielfalt als Ganzes für ein gefährdetes Gut. Das liegt aber weder an bösen Amateuren, die den Profis das Wasser abgraben, noch an niederträchtigen Gastwirten, die Musiker ausbeuten, sondern letztendlich am fehlenden Interesse der Gesellschaft, ihre Kultur (finanziell) mit zu gestalten. Vielleicht doch wieder sozialistische Intervention wie ehedem in der DDR mit Musikerlizenz und garantieren Festgagen? Es bekommt wohl wieder mal jede Gesellschaft die Kultur, die sie verdient.