Mir werden solche Betrachtungen ehrlich gesagt schnell zu akademisch. Viel lieber möchte ich einfach spielen, meinetwegen mit nicht stilechtem BD-Sound, der dafür mir gefällt. 18er nehme ich aus Platz- und Transportgründen dabei gerne her, dürfte sogar über die letzten Jahre meine am meisten für Gigs genutzte Bassdrum sein. Nur gruselt es mich vor diesen hochgepitchten Bassdrum-Fusstom-Sounds. Wo auch immer das herkommt, mit Bassdrum hat das für mich nicht viel zu tun. Lange Haare mit Pony, Kotletten und Schnauzer trag ich schließlich auch nicht, wenn ich Classic Rock spiele, obwohl das in den 70ern mal modern war.
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob die Reproduktion "traditioneller" Jazzsounds überhaupt im Vordergrund steht. Wenn ich Oldschool-Jazz spiele, denke ich in erster Linie über die passende Optik nach und hätte Spaß an entsprechendem Gerät. Einfach, um auf der Bühne aufzufallen. Über die Authentizität des Sounds habe ich mir bisher wenig Gedanken gemacht und versuche lediglich, mit heutigem Verständnis eine Hommage an vergangene Zeiten zu kreieren.
Meine Vorstellung, wie eine Bassdrum anno 1924 geklungen haben könnte, geht dabei eher in die Richtung "man nahm, was halt so rumstand", war aber nicht wie heute Soundtüftler. Schließlich war die Dimension heutiger Aufnahme-, Konservierungs- und Austauschoptionen (Podcasts, YT, Streams, CD's usw.) noch nicht mal am Horizont zu erahnen. Woher sollte Drummer A in NY City wissen, wie in Chicago ein Drumset klingt?
Dass Drummer einem aufnahmetechnisch falsch kolportiertes Soundideal nachhängen, kann ich mir nicht vorstellen. Gerade mit dem Ende der Bigband-Ära und dem Aufkommen von Bebop und folgenden Strömungen waren die Protagonisten ja Kreative auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, warum sollten sie alte Sounds kopieren? Dann kamen noch synthetische Klänge hinzu, weiter war man glaube ich nie vom Oldschool-Sound entfernt. Wenn man heute Richtung Oldschool geht, weiß man glaube ich instinktiv, dass man nur einer Vorstellung folgt, ohne die damalige Wirklichkeit zu kennen. Vielleicht ein bisschen, wie wenn man heute auf ein Mittelalterfest geht. Da ist auch jedem klar, dass das nie und nimmer ein 1:1 Abbild der mittelalterlichen Wirklichkeit ist, sondern eine Phantasiewelt der Menschen im 21. Jahrhundert.