Zitat von flosch
Meines Wissen ist Masterwork - genau so wie Meinl - ein OEM. Die haben einen Namen und kaufen bei den üblichen Verdächtigen ein.
Um beim Beispiel Masterwork zu bleiben, die haben eine eigene Beckengießerei und produzieren, im Gegensatz zu diversen anderen türkischen Schmieden, mit B25 statt B20 fast alle ihre Beckenserien (eigenaussage von Masterwork). Der Yücel war mal in Lehre bei Istanbul, wenn ich mich recht entsinne, hat dann aber sein eigenes Unternehmen gestartet, so wie andere Lehrlinge auch, als sie irgendwann den Meisterstatus erreicht hatten. Inzwischen kaufen andere ihre Rohlinge bei Masterwork ein. Sonor (Armoni) und die amerikanischen Soultones werden z.B. von Masterwork gefertigt. Paiste hat übrigens auch nicht immer alles in der Schweiz selbst gemacht. Die B20 Teller, die sie für die 602er Reihe einst nutzten, hatten sie lange Zeit in der Türkei eingekauft und in der Schweiz lediglich "veredelt". Paiste hatte nämlich anno Dazumal noch keine Erfahrung mit B20, musste sich die Fertigungskenntnis erst mühsam aneignen im Laufe der Jahre, soviel mir bekannt ist.
Ich finde es generell etwas unglücklich, wenn man sagt, das sei alles mehr oder weniger dieselbe Soße. Zwar sind viele der heute bekannteren türkischen Beckenmarken aus Zildjian -> Istanbul ->Agop/Mehmet hervorgegangen, es gab aber parallel dazu seit Jahrhhunderten immer kleinere Beckenschmieden, die ebenfalls ausgebildet haben und den Markt somit mit geprägt haben, wenn auch nicht so stark wie die alte Zildjian-Sippe. Zudem sind die Lehrlinge von einst irgendwann ja selbst Meister geworden und haben ihre eigenen "Produktionseigentümlichkeiten" und Klangvorstellungen mit Neugründungen, wie etwa Bosphorus umgesetzt (1996 von drei Ex-Istanbbul Schmieden). Die verschiedenen Beckenhersteller unterscheiden sich inzwischen teils deutlich in der Herstellung ihrer Becken, da gibt es z.B. ganz unterschiediche Lathing-Prozesse und Philosophien des Hämmerns. Das alles über einen Kamm zu scheren, das wäre in etwa, wie zu sagen, dass Toyota, Ford, Tata, Aston Martin und Renault nichts anderes als ein Benz aus einer anderen Werkstatt sei, denn die werden ja alle mit Verbrennungsmotoren auf der Basis des Ur-Benz angetrieben. Ein Kern Wahrheit, aber dann doch komplexer, als es zunächst scheint.
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mal so aus Neugierde: welche Wurzeln hat eigentlich Ufip?
UFiP ist 1931 gegründet worden, war eigentlich zu Beginn mehr ein Handelsvertrieb denn Beckenhersteller im eigentlichen Sinne. Hervorgegangen ist die Firma aus dem Orgelhersteller Agati-Tronci, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts zudem mit der Produktion von Becken (für den Orchesterbereich, soviel mir bekannt ist) anfing, weil es zunehmend Probleme gab, Becken aus der Türkei zu beziehen (Wirtschaftskrisen, Embargos, Kriege...). Andere kleinere Beckenschmieden entstanden kurz nach dem Ersten Weltkrieg, fast alle in der Gegend zwischen Florenz und Pistoia, um den Bedarf an Becken am Markt zu decken. UFiP entstand dann aus einer Kooperation von vier kleinerer Firmen, damit eben jene kleinen Hersteller (Marradi-Benti, Zanchi e Biasei, Rosati Leopoldo, Fratelli Troncieine) eine kräftigere Marketing- und Vertriebsbasis hatten, sprich, den lokalen Markt zu stärken, anstatt sich selbst zu bekämpfen. Ein richtiger Beckenhersteller wurde UFiP erst 1968. Anfang der 70er hatten die Zanchi-Brüder der Marke ein Alleinstellungsmerkmal verpasst, als sie das Rotocast-Herstellungsprinzip erfanden.
So, genug Off-Topic. Pardon, liebe Mods. 