Natürlich kann man programmierte Sounds jedwelcher Art nutzen. Man kann sie auch gut nutzen in manchen Kontexten und es ist auch okay, wenn es ehrlich und offen gesagt wird, dass solche Klänge zum Einsatz kommen. Nur wenige können mit solchen Klängen meines Erachtens aber wirklich gut umgehen, z.B. die bereits genannten Kraftwerk & Yello. In vielen anderen Kontexten wiederum finde ich diese Techniken gruselig. Warum? Unter anderem deshalb:
Zitat von redsnare
Mir gehen diese völlig klinischen Produktionen, die dazu noch komplett tot produziert werden, ziemlich auf die Nerven. Ich fühle darin einfach keine Emotionen, wenn alles sauber bis in`s Kleinste ausgesteuert und am Ende vielleicht sogar programmiert ist.
Weiter vorne wurde schon gesagt, es wird eingesetzt, um Zeit und Geld zu sparen. Und im Pop- und Metalbereich wird zunehmend auf Konservenbasis produziert, wie man überall so liest und hört. Perfektion des Klanges über alles, jeder Ton muss 1000%ig sitzen, darf keine Millisekunde zu lang oder zu kurz sein. Am Ende ist die Musik so glatt und Charakterlos wie die Modelbilder bei H&M/L'oreal/Vichy/Mabelline/Vogue,... Aber ist das sinnvoll, das am Ende die persönlichen Besonderheiten, wie Fehlbarkeit des Drummers, minimale Temposchwankungen, persönliches Dynamikempfinden, Interpretationsgabe, der räumliche Nachhall des Aufnahmeraums usw. auf der Strecke bleiben? Ich glaube nicht. Und ich glaube auch, dass die Zuhörer solchen Kunststoffklängen nach einer Weile wieder den Rücken kehren, weil es eben musikalisch nicht befriedigt und weil auch die Frage zurückbleibt: Ist der Ruhm des Musikers eigentlich gerechtfertigt? Ist er noch ein Musiker im eigentlichen Sinne? Was höre ich mir da eigentlich an, aufrichtige Musik die mir nahegeht oder eine austauschbare, klinisch tote Massenproduktion einer zunehmend fragwürdigen Musikindustrie? (Es sei denn, der Anspruch geht eh nur dahin, zu saufen und dazu irgendwelches Geschraddel vom Band zu hören und das ganze im Rauschzustand als "super Party" im Hirn zu deklarieren.)
Für mich ist der authentische, handgemachte akustische Klang jedwelchen Instruments einfach lieber, als ein synthetisierter, programmierter Klang. Auch die Interaktion mit den Musikern ist mir wichtig, zu sehen, welche Emotion in ihnen gerade steckt, diese aufzugreifen und musikalisch zu untermalen. Im Endergebnis einer Musiksession und/oder Aufnahme will ich MICH mit meinen Bandkollegen wiederfinden, keinen Computer. Daher sind alle technischen Kinkerlitzchen an Drums, egal was, einfach ganz und gar nichts für mich.
Was mich traurig stimmt: Selbst Herbie Hancock hat solche programmierten Elemente inzwischen in seinen Live-Konzerten mit drinnen, weil es auf den oftmals kleinen Bühnen sonst nicht klangtechnisch realisiert werden kann (50-köpfiger Chor auf der Bühne, eine Gruppe afrikanischer Trommler, u.ä.), gut finde ich das aber nicht - eher irritierend. Will ich das wirklich? Teil-Live-Musik?
Ist es eine Schande, programmierte Drums einzusetzen? Nein, aber es ist auch kein Ruhmesblatt. Oftmals eher ein Armutszeugnis, wie ich finde.