Ein guter Thread. Schön, dass wir über so etwas mal reden.
Dass man schnell zu viel anhäuft, ist nicht ungewöhnlich, finde ich. Man ist beständig Reizen ausgesetzt. Seien es Verkaufsportale, Schlagzeugläden oder Foren wie dieses hier. Jemand holt sich etwas, schwärmt hier davon, es werden automatisch Begehrlichkeiten geweckt. "Muss ich auch mal ausprobieren..." Man sieht die Ansammlungen von tollen Trommeln hier und da, die vielen schönen Becken... das man sowas auch gerne hätte - ja Gott - ist nicht schlimm. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Der eine behält die Kontrolle, der andere "Verirrt" sich im Dschungel der vielen Trommeln und Becken. Aus Spielleidenschaft wird Sammelleidenschaft, wird Obsession. Wer z.B. ein Becken gekauft hat und - anstatt sich darn zu erfreuen - sogleich nach dem nächsten Becken Ausschau hält, der ist vermutlich in einer nicht ganz problemlosen Situation.
Erst einmal stellt sich bei der Betrachtung des eigenen Fundus die Frage: Was braucht man denn wirklich? Ich denke, fast jeder hier hat das eine oder andere zuviel stehen. Was als "ausreichende Ausstattung" bezeichnet werden kann, ist immer dabei davon abhängig, was für Musik in welchem Umfang jemand macht. Wenn jemand z.B. in drei Bands spielt, die Stilistisch sehr unterschiedlich sind, würden drei Schlagzeuge, drei Snares und mindestens drei Beckensätze als völlig normal, ja fast minimalistisch gelten. Für jemanden, der im Hauskeller vor sich hintrommelt, kann das schon dekadent wirken. Wer Studioaufträge übernimmt, kann locker zehn oder 20 Snares und 30, 40, 50 Becken besitzen und es darf immer noch als angemessen bezeichnet werden. In welche Schublade man gehört, ist ein erster guter Weg, sein eigenes Kaufverhalten einzuschätzen.
Was man braucht ist also sehr individuell. Wer viel braucht, kauft viel, das ist dann noch kein GAS. Wenn aber vorher alles minimalistisch gewesen ist und ausreichte, plötzlich aber angeschafft wird, ohne einen echten triftigen Grund, dann muss man aufpassen. Der eine probiert aus und nach dem Ausprobieren ist Schluss mit der Kauferei. Bei anderen geht es endlos weiter. Und das ist dann GAS.
Bei mir ist es ja auch so, dass ich vieles angehäuft habe. Zu vieles. Ich bin aber immerhin noch in der Lage, mich von Sachen zu trennen. Was ich mir geholt habe, ist sicher zum Großteil dem geschuldet, dass ich eine mehr als zehnjährige Pause am Schlagzeug "kompensieren" wollte, nachholen, ausprobieren, was ich verpasst habe. Da gehört dann auch dazu, dass man schaut, was es gibt, sich Wissen anliest und aneignet durch beständiges ausprobieren, und dass man sich seinem veränderten musikalischen Stil und der veränderten Spielweise schrittweise anpasst. Der eine schafft das innerhalb einer bestimmten Zeit, der andere nie - aus diversen Gründen. Entweder z.B. weil er nicht weiß, was er stilistisch eigentlich will, bzw. seine "musikalische Sprache" einfach nicht findet, ergo bestädnig kauft, in der Hoffnung das passende Puzzleteil zu finden. Der andere, weil er ständig Bands wechselt und daher immer neues, stilistisch passendes kauft. Und manch einer kauft z.B. immer weiter, weil er sich an bestimmten Dingen satthört oder sattsieht. (In diesem Fall empfiehlt sich, so meine ich, Schlagzeuge in klassischen Maßen und Farben zu holen und klassische "Allrounder"-Becken. Die nerven auf Dauer wohl am wenigsten)
Ich besinne mich zum Glück immer wieder und frage mich: Brauchst du das wirklich??? Willst du z.B. die Snare nur wegen der Optik behalten? Ja, manche Sachen sind schön. Aber nur zum angucken eine Snare zu behalten ist für mich dann doch etwas unsinnig. Ich habe mir die Regel gesetzt, hast du ein Instrument ein Jahr lang nicht gespielt, merke es zum Verkauf vor. Sollte in den kommenden sechs Monaten weiterhin kein Verwendung des Instruments erfolgen, braucht man es nicht. Verkaufen. Rigoros. An diese Regel halte ich mich seit einiger Zeit mit recht gutem Erfolg. Diverse Snares und Becken sind aus meinem Fundus bereits verschwunden. 