Kreativität entsteht nicht im luftleeren Raum. Es ist imho das Verarbeiten von Einflüssen auf eine - im besten Falle - künstlerische Art & Weise. Technik kann dabei behilflich sein. Es ist auch der umgekehrte Fall möglich, nämlich, daß die Beschränktheit uns neue Wege finden läßt. Johnny Cash hatte in früher Zeit keinen Drummer, dafür ein Blatt Papier, das er zwischen die Saiten klemmte. Fertig war der berühmte Boom-Chicka-Boom-Sound. Wenn wir ein Set mit zwei anstatt fünf Toms bearbeiten, müssen wir uns etwas einfallen lassen, damit man nicht immer dasselbe spielt. Ein Kreativling kann andererseits aus mehreren Soundquellen Sachen rausholen, die mir nie & nimmer einfallen würden. Auch der bewußte Ideenklau in Kombination mit etwas anderem bereits bekannten, kann tolle Ergebnisse liefern, z. B. eine Cascara-Ridefigur über eine durchlaufende Doublebassdrum-Figur legen (ist nicht von mir, sondern von Rod Morgenstein). Gut klauen und verwursten zählt imho also auch dazu. Ich habe mal aus Interesse mal an einem Kreativitätsseminar teilgenommen (hatte nichts mit Musik zu tun). Dort wurden ganz systematisch verschiedene Techniken zur Erreichung des gleichen Ziels eingesetzt mit erstaunlichen Ergebnissen (Brainstorming, Mindmapping, alleine, in Gruppen - da war noch mehr mit dabei, fällt mir jetzt nicht ein). So etwas kann schon helfen. Mein musikalischer Kreativ-Output ist für die Nachwelt wohl verzichtbar, aber dennoch gibt es Situationen, die mein kleines Rinnsal positiv beeinflussen. Das ist zum einen das Musikmachen mit mich inspirierenden Musikanten (=Bandkollegen) und ebenso Musikhören und da vor allem das, was man nicht jeden Tag hört, sondern sich etwas abseits der eigenen Hörgewohnheiten bewegt. Das bringt das eigene "Weltbild" durcheinander und das ist oft nicht das Schlechteste.
fwdrums