Ein kurzes Mal muss ich jetzt einfach noch meinen Senf dazugeben...
Mir stösst es irgendwie schwer auf, wie hier teils sehr überheblich geurteilt wird. Ich kann mir jetzt nicht wirklich erklären, was daran so schlimm sein soll, wenn jemand, der jahrelang hart geübt hat, einmal eine Show seines Könnens abfeuert? Denkt ihr, der macht dies, um als musikalisch hochwertig zu gelten? Als innovativ? Etwa, um als besonders songdienlicher Drummer in die Geschichte einzugehen? wohl kaum...der will doch nur mal zeigen, dass ers kann. Das würden viele machen, wenn sies denn bloß könnten...
Das ist reine Show. Das wars, das ist alles und ich bin mir sicher, mehr soll das ganze nicht sein. Kein Grund zur Panik und zur Schlechtmacherei.
Irgendwer stellt das hier in die Hörzone und dann geben die geneigten Damen und Herren des DF ihren Senf dazu ab. Warum der Protagonist das alles spielt, ist mir eigentlich egal. Ich kann sagen, ob mir das gefällt oder nicht oder auch die Füße still halten. Was ist daran überheblich? Ich finde es auch nicht schlimm, wenn jemand zeigt, was er kann (btw.: Ich finde es technisch super, musikalisch langweilig, aber das hatten wir ja schon.). Und ich käme nie auf die Idee, zu behaupten, daß der junge Gattringer nicht songdienlich oder was weiß ich wie spielen kann. Doch die gezeigten Clips sind halt eher Zirkus Roncalli als Musik machen - zumindest für mich. Das ist auch nicht schlimm, er ist ja beileibe nicht der Einzige, aber sagen darf man's schon, oder?
Überall wimmelts nur so von Drumschools, wo genau solche Typen produziert werden. Dem stimme ich zu. Das gibts in Österreich noch weniger. Die Bruckner-Uni, die dieser junge Mann abgeschlossen hat, ist jedenfalls noch ein altmodisches, vollwertiges Jazzstudium. Der Mensch hat definitiv Gefühl und Musikalität. Da könnt ihr schreiben, was Ihr wollt. Momentan spielt er übrigens einen fixen Gig mit einem amerikanischen Gospel-Chor. Da wird er wohl kaum eine Selbstinszenierung abfeuern.
Das ist gerade das Problem. Es werden massenhaft Trommelingenieure ausgebildet, die über eine profunde Technik verfügen. Ich habe das Gefühl, daß dabei oft die Individualität auf der Strecke bleibt. Wenn man Musik als Kunst begreift, sind Individualität und das persönliche Statement sehr wichtig. Es mag Bereiche und Jobs geben, wo dies nicht die große Rolle spielt, z. B. bei Coverbands oder auch bei den Jungs im Graben von klassischen Orchestern (das ist jetzt überhaupt nicht abfällig gemeint). Der Großteil der Musik, die wir uns kaufen, hat aber genaun dieses individuelle Element, das Handwerk von Kunst unterscheidet. Van Goghs Individualität hat seine Message formuliert. Das würde man von einem Maler, der ein Haus verputzt nicht verlangen. Braucht er ja auch nicht. Aber ich würde mir wahrscheinlich auch lieber eine Kopie eines van Goghs an die Wand pinnen als eine Bild der professionell verputzen Hausfassade (obwohl, das hat schon iweder was...).
Technik ist Mittel zum Zweck. Je besser man sie beherrscht, desto mehr Expressionsvokabular ist im Sortiment. Lasst die Menschen doch ihr Können mal demonstrieren, ist doch für uns ganz schön, mal zu sehen, was denn so alles möglich wäre...
und ein Nicht-Drummer hört sich so etwas sowieso nicht an. Dies ist dann die Schnittstelle zur wirklichen Musik. Und diese wird von musikalischerer Trommlerei bedient. Auch ein Lang kann unheimlich gefühlvoll trommeln. Aber dafür interessiert sich dann ja wohl keiner hier im Drummerforum...
Laß den Lang stecken, das geht nicht gut aus (such mal TL-Freds).
Nein im Ernst. Die ganzen "Wahnsinnigen", die sich am Rande der Gesellschaft, oh sorry, am Rand des derzeit technisch "erforschten" Terrains unseres Instrumentes bewegen, finde ich schon wichtig, weil ein Teil der Errungenschaften irgendwann mal ins Repertoire der Normalos übergehen wird. Das wird seine Zeit brauchen und die Anforderungen an die Spieler werden auf Dauer steigen. Wenn man sich die Geschichte des Drumsets ansieht, kann man genau das rückblickend feststellen. Ich war oft hin und her gerissen zwischen Faszination und "Braucht man das - für was soll das gut sein?" und ich habe meinen Standpunkt diesbezüglich geändert. Der Nutzen vieler Errungenschaften und Entdeckungen hat sich erst nach längerer Zeit erschlossen. Warum sollte das beim Trommeln anders sein?
fwdrums