Beiträge von nils

    My2cents:

    So wie ich das sehe, ist die zentrale Ursache des Problems die hohe Bühnenlautstärke. Wäre die nur halb so hoch (oder noch kleiner), wäre ein ganz normaler lose sitzender Apple-Kopfhörer schon ausreichend, um das Click und die Band ausreichend zu hören. Warum also nicht einfach das Problem an der Wurzel packen und die Bühne anders organisieren?


    Die Latte auf der Bühne legt das Schlagzeug, also muss dessen Lautstärke runter. Dazu können verschiedene Faktoren beitragen: leichtere Sticks, kleinere Trommeln, andere Spielweise.

    Der nöchste Schritt wäre, die Amps der anderen Instrumente so platzieren, dass alle sich gegenseitig gut hören können. Ich hab das vor Jahrzenhten mit intensiven Stellproben mit einer Band mal durchexerziert. Auf die Weise konnten wir damals sämtliche Instrumente vom Monitor nehmen, die Lautstärken der Amps reduzieren und nur noch die vier Stimmen drauf belassen. Noch heute sorge ich in meinen Bands dafür, dass die damals gewonnenen Erkenntnisse zum Aufbau umgesetzt werden, weil alle davon profitieren.


    Im Ergebnis kann der technische Aufwand massiv reduziert werden, was Zeit und Kosten spart und obendrein zu besserem Sound für's Publikum UND für die Band führt, weil wesentlich weniger Bleed von der Bühne kommt.

    Zitat aus dem Artikel:

    Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Obama-Berater Alan Krueger hat in einer Studie 2017 festgestellt, dass gerade einmal ein Prozent der Musiker*innen und Bands sechzig Prozent der weltweiten Konzerteinnahmen erzielten. Die oberen fünf Prozent der Performer generieren 85 Prozent aller weltweiten Konzerteinnahmen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass für die unteren 95 Prozent der Musiker*innen gerade einmal 15 Prozent aller Konzerteinnahmen übrig bleiben.


    Dass es in der Branche eine Schieflage gibt, ist ja offensichtlich, aber dass es so schlimm ist, wusste ich nicht.

    Aber wieviele Menschen kämen heutzutage noch zu den Konzerten, wenn nicht jedesmal die Dimensionen ein Stück weiter verschoben würden?

    Musik oder Show lautet hier die Frage.

    Musik ist definitiv besser in kleinen bis mittleren Stätten zu erleben, man kann die Musikanten sehen, der Sound ist besser (es gibt kaum Echo- und Laufzeitprobleme), das Gedränge hält sich in Grenzen, die Lautstärke kann niedriger gehalten werden und trotzdem hören alle alles (manche lassen es trotzdem brutal krachen).

    Show dagegen lebt meist von der Größe.

    Die geilsten Konzerte, die ich erlebt habe, waren alle in eher kleinem Rahmen. Aber mir geht es auch schwerpunktmäßig um die Musik.

    Ich mag beispielsweise diese Mode überhaupt nicht, möglichst kleine Kessel zu spielen. Klar, praktisch bei Proben wegen des geringen Transportaufwandes, aber auf Bühnen gefällt mir der Look einfach nicht. Bei richtiger Nischenmusik, bei der eh "alles anders" ist, gerade noch ok, wenn aber Jazz, Rock, Pop und Co gespielt werden, will ich ein richtiges Drumset sehen, kein Playmobil.

    Kleine Kessel haben diverse Vorteile, die ich sehr schätze:

    - Transport ist leichter, insbesondere, da ich gerne mit dem Lastenrad zum Gig fahre

    - ich kann in kleinsten Locations mit Minibühnen spielen, wie z.B. unserem Band-Stammlokal, der Schnoor Destille (ca. 30m² Gastraum incl. Theke, die Bühne ist vielleicht 2m² und da müssen der Gitarrist und der Basser auch noch mit drauf)

    - kleine Trommeln sind leiser als große

    - der Aufbau ist für mein Empfinden deutlich ergonomischer möglich

    - kleine Bassdrums wie meine 16er klingen ohne viel Aufwand schön kompakt, auch und gerade mit Mikrofonierung


    Ich bin inzwischen an dem Punkt, dass mir Kesselmaße und -konfigurationen beinahe komplett am Allerwertesten vorbei gehen und ich vor allem danach entscheiden würde, was mir optisch oder intuitiv zusagt.

    Hmmm, offenbar gehen dir Kesselmaße nicht am A* vorbei, da dir die Optik wichtig ist.

    Für mich sind solche "unterbrochenen" Reihen bei 3 oder mehr Toms nix. 10-12-16 hatte ich mal kurzzeitig und will ich definitiv nicht wieder. Und ich mag auch gleiche tonale Abstände zwischen den Toms bei z.B. 10-12-14-16.

    Sehe ich ganz genauso. Gleiche Größendifferenzen machen es viel leichter, gleiche Intervalle von Tom zu Tom hinzustimmen.

    Frage an den TS: hast du denn mal verschiedene Stimmungen ausprobiert? Und stimmst du die Toms grundsätzlich alle gemeinsam? Ich fände es glaube ich leichter, so rum dranzugehen und mir schon beim Stimmen vorzustellen, ob man eins weglassen könnte, als ein drittes Tom nachträglich zu ergänzen, wenn 2 Toms schon toll zusammen klingen. (Ich hoffe man versteht, was ich meine).

    ! So mache ich es auch. 2 Toms stimme ich, sofern die Größen das hergeben, zu einer Quinte. Ein drittes in der Mitte eingefügt stimme ich dann zu beiden auf etwa eine kleine bzw. große Terz.

    Es ist keine Frage der Stimmung, sondern eher ein systematisches Problem. Egal wie hoch oder tief die Toms absolut gestimmt sind, das Phänomen stellt sich bei mir meistens ein.

    Hmmm, ich höre das zum ersten mal. Meist spiele ich 1 up 1 down ( 8-12 oder 10-13 oder 10-14), aber manchmal auch 2 up 2 down (8-10 up 12-14 down). Dann rücke ich die Hihat ein klein wenig weiter nach links, damit das Ride da bleiben kann, wo es ist. Aber dass ich mit der Tonhöhe eines der beteiligten Toms nichts anfangen könnte, ist mir noch nicht passiert.

    Ich spiele das hohe Tom tatsächlich auch oft alleine, ohne zu anderen überzuleiten.

    Es geht dabei auch nicht einfach nur um einen Weiterverkauf, wenn man dann doch nicht aufs Konzert geht. Sondern es geht um Leute, die systematisch zu Beginn vom jeweiligen Verkaufsstart viele Tickets kaufen, dann bis zum Ausverkauf des Events warten und diese mit z.T. erheblichem Gewinn wieder verkaufen.

    Ich wollte mal mit meinem Sohn ein Bundesligaspiel besuchen. Bei Werder gibt es ein Bewerbungssystem, bei dem man den Kartenwunsch angibt und dann werden die Karten unter den Interessenten quasi verlost (bezahlen muss man sie natürlich trotzdem). Nach einigen erfolglosen Versuchen, bin ich auf den Schwarzmarkt und habe da Karten in etwa zum regulären (Einzel)Preis bekommen, ABER es waren Dauerkarten. Der Vermieter der Dauerkarten kam dann in der Halbzeitpause vorbei und hat sie wieder eingesammelt. Der hat duzende Dauerkarten mit verschiedenen Namen drauf und verdient eine Menge Kohle damit. Werder findet das offenbar OK, jedenfalls unternehmen die nix dagegen.

    Bin erst bei der 5. Nummer angekommen, aber bis hierhin ist schon eine ordentliche stilistische Bandbreite zu hören.

    Bei Rise up hab ich tatsächlich zuallererst gedacht "Prog-Träume werden wahr". Aber spätestens Call me ist für mein Ohr eher eine gefällige Pop/Rocknummer ohne viel Prog. Stand up ist dann wieder was ganz anderes, irgendwo zwischen Toto und old school HipHop. Hut ab für die Eier, so ein Album zu machen!

    Kaum einer weiß noch einzelne Musikalben als Gesamtkunstwerke zu schätzen, kaum einer konsumiert noch ein Album so, wie es im Mastering angedacht wurde.

    Dabei entgeht einem ein wesentlicher Teil der künstlerischen Intention, der Spannungsbogen, der sich über das Werk zieht, wird nicht wahrgenommen. Ein Album war ja darüber hinaus in vielen Fällen auch ein visuelles Kunstwerk. Aufwändige Grafiken, Booklets oder Gimmicks, wie Wischgrafiken. Musik hatte zur Hochzeit des Albums zwischen den späten 1960ern bis in die 1990er einen kulturellen und gesellschaftlichen Stellenwert, den sie heute nicht mehr hat. Das hat einerseits mit dem Wandel vom Künstlergeschäft zu einem Produzentenbusiness* zu tun, andererseits aber auch mit dem Transportmedium. Neil Postman schrieb einst: das Medium ist die Botschaft.

    * : Interessanterweise war die Musik im 20. Jh bis in die 1960er hinein bereits ein Produzentenbusiness, es gab Produzenten, Autoren und Interpreten. Motown war in diesem Sinne außerordentlich modern.

    Ich kann mich da selbst an das TOOL-Konzert erinnern. Hatte die Band bis dahin als früherer Fan noch nie live gesehen und da war mir nach der Entscheidung auch egal, ob das Ticket 150 oder 100€ kostet.

    Egal, wie geil die Band ist, irgendwann ist für mich die Schmerzgrenze erreicht. Ich hab für Tool in Hamburg (2022 meine ich) 105 Euro bezahlt. War ein gutes Konzert, würde ich aber kein zweites Mal machen: die viel zu große Halle führt zu eher schlechtem Sound und schlechter Sicht. Psychotic Waltz im übersichtlichen Knust war ein Schnäppchen dagegen, Sound und Sicht deutlich besser und einen Schnack mit dem Gitarristen nach dem Konzert gab es auch noch.

    Die freie Marktwirtschaft kann sich halt schlecht selbst regulieren. Da müsste schon die Politik eingreifen.

    Nanana, wer wird denn da den neoliberalen und marktradikalen Ideologen widersprechen? Der Markt regelt doch ALLES.

    Alles was trommla schrieb.

    Zum Punkt "Der Drummer": Nach meiner Erfahrung kann man durch veränderte Spielweise den Klang von Becken formen. Möglicherweise liegt die Lösung tatsächlich ein einem anderen Anspielwinkel und/oder einer anderen Anspielposition und/oder einer anderen Handbewegung.


    In meinem Repertoire wären das meine Sabian 14" HH Regular Hihats, die genauso spektakulär sind wie ihr Name, aber eben in vielen Stilen gut funktionieren. Die können so ziemlich alles, was nicht ausgesprochen brachial klingen muss. Aber du willst ja was von Ratiopharm Zildjian ;)

    Ich hatte bisher nur Zildjian Hihats, die mir zu dick und zu schwer waren. Daher bin ich bei anderen Herstellern gelandet. Für eher unauffälligen Pop-Sound nehme ich immer noch gerne die Paiste 2002 Medium, soll es etwas silbriger sein, kommen die Paiste 602 Medium aus den frühen 1970ern zum Einsatz. Für etwas dreckiger sind Dream Bliss 13" Hats mein Favorit, schön dünn, leicht trashig und funky. Wenn es etwas schwerer sein soll, ohne gleich zu aufdringlich zu werden, verwende ich 1980er Sabian Handhammered.

    Da frage ich mich ob die Musiker während eines Konzerts konzentriert wie die Sau am Werk sein müssen, um es nicht zu vergeigen

    Ehrlich gesagt denke ich, dass volle Konzentration die Grundhaltung beim Musizieren in der Öffentlichkeit sein sollte, ganz unabhängig vom Status "Profi" oder "Amateur".


    Wenn man Profi definiert als "verdient den Lebensunterhalt mit Musik", dann war ich auch mal einer, kann also aus Erfahrung sprechen. Auch wenn ich meinen Lebensunterhalt schon lange anders verdiene, darf ich immer mal wieder mit den Profis spielen und versuche dabei, möglichst nicht als der Hobbymusiker aufzufallen, der ich mittlerweile eigentlich bin.


    Grundsätzlich: Man sollte seinen Kram schon können (Dienstleistungsaspekt: die Leute bezahlen mich und ich bin daher vorbereitet) und, aus meiner Sicht das wichtigste überhaupt, man sollte auch seinen Werkzeugkasten kennen. Versucht man auf der Bühne Dinge, die man (noch) nicht richtig kann, geht es schnell mal schief. Es braucht Vertrauen in das eigene Können und Wissen um die Grenzen. Bewegt man sich innerhalb, sind die Voraussetzungen gut, dass es ein ordentlicher Gig wird.


    Für mich ist es dabei ein Unterschied, ob man in der Unterhaltungsbranche aktiv ist, also Covermucke, Tribute und dergl. macht (hier gilt für mich: Original oder originell, gewollt und nicht gekonnt ist ganz schlecht), oder ob man mit eigener Musik unterwegs ist, also als Künstler. Unterhalter werden an der Vorlage gemessen, Künstler haben größere Freiheiten, erst wenn man als Künstler SEHR bekannt ist, wird man am eigenen Original gemessen. Das ist mir persönlich noch nicht passiert.


    Dann gibt es noch ein Zwischending zwischen Unterhalter und Künstler: die Künstlerbegleitung, ein Segment, in dem ich immer mal aktiv bin. Ich werde quasi gebucht, um Künstlern die Bühne zu bereiten, spiele Originale, die aber nicht unbedingt den Bekanntheitsgrad des Materials von Coverbands haben. Derzeit arbeite ich am Material vom Piet Gorecki Trio, wo ich möglicherweise als Trommler einsteige und von Rockwark, wo ich möglicherweise als Sub für den eigentlichen Trommler aktiv sein werde. Ersteres würde mittelfristig auch die Mitarbeit an Kompositionen bedeuten, letzteres ist mit Click und Backingtracks und erlaubt daher kaum kreative Freiheiten, aber in beiden Fällen geht es im Wesentlichen um Kompositionen anderer Menschen, die ich lediglich umsetze. Dabei gehe ich selbstverständlich konzentriert zu Werke, ich will ja kein Störfaktor sein, siehe weiter oben.


    Spielt man eine Aushilfe oder steigt irgendwo neu ein und ist von Notizen abhängig, wird's besonders mit langen Sets stressiger.

    Absolut, ich arbeite auch gelegentlich mit Aufzeichnungen, versuche aber immer, diese so schnell wie möglich loszuwerden.


    Letzten Monat war ich Teil der Begleitband einer Theaterproduktion. Abgesehen von einigen Coversongs, die Teil des Stücks waren (Deichkind, Dota Kehr und Faber), haben wir die Musik in den Proben mit dem Schauspielensemble selbst geschrieben. Dazu gehörte u.a., Übergänge zwischen Szenen musikalisch zu gestalten, damit keine Löcher entstehen, aber auch Szenen stimmungsmäßig zu unterstützen. Das erforderte einen großen Dynamikbereich, weil wir die Sprache nicht überdecken durften, aber an Stellen ohne Sprache auch mal Vollgas geben mussten, etwa in einer Prügeleiszene. Um den Überblick zu behalten, was genau wann dran ist, hatte ich entlang des Regieplans zu den Szenenbeschreibungen jeweils Hinweise zur Musik notiert. Auch solche Sachen wie, welche Schlegel ich wann einsetze bzw. wann ich sie o bereitlegen muss, um sie zum richtigen Zeitpunkt parat zu haben.

    Da mach ich jetzt lieber mal Top40 als Sachen, die mir zwar stilistisch und spielerisch besser passen aber in allen anderen Hinsichten schlechter laufen.

    Man braucht ein Dach über dem Kopf und der Kühlschrank muss gefüllt sein. Ich hab mich damals irgendwann entschieden, zum Broterwerb was ganz ohne Musik zu machen und die Musik zum Hobby zurückzustufen.

    Es gibt halt auch viele Amateur-Bands, die man sich als professioneller Musiker kaum anhören kann, weil einem sonst alles weh tut.

    Es gibt sogar im Profi-Lager Bands, bei denen sich die Fußnägel aufrollen. Jedenfalls kann ich mich erinnern, schon öfter solche gesehen zu haben. Ob das an mangelnden Fähigkeiten oder mangelndem Willen/Engagement gelegen hat, weiß ich nicht, vermutlich eher zweiteres.