Beiträge von nils

    Hallo zusammen,



    am Sonntag war der ganz wunderbare und inspirierende Beckenworkshop bei Chris Kamin. Ich habe ein echt krass trockenes Ride mit rauem Abdrehmuster (wollte ich genau so) mitgebracht. Es gab jede Menge zu lernen, u.a. dass Messing auch ein brauchbares Beckenmaterial ist, wenn man es vernünftig bearbeitet. Jetzt hab ich ein Vorurteil weniger.


    Wir waren von 14:00 - ca. 18:30 plus Zugabe bei Chris in seiner sehr aufgeräumten Werkstatt und haben nach einem Einstieg mit etwas Theorie, wie man z.B. das nötige Werkzeug herstellt (gibts nicht so zu kaufen), die meiste Zeit mit Hämmern auf Metall geschlagen. Die Ergebnisse sind sehr beachtlich. Ich hätte nie gedacht, dass ein Messingbecken so trocken klingen und so gut aussehen kann.


    Seht selbst:



    Erläuterungen



    Ein Bronze-Rohling



    Jetzt darf man selber ran an die Messing-Rohlinge






    Am Schluss noch abdrehen
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    Zufriedene Menschen


    Und hier nun das Ergebnis:







    Wenn Chris wieder mal so einen Workshop anbietet: HINGEHEN!


    Nils

    Hab da auch gleich mal ne frage zur Abnahme eines Drumset. Stimme ich die Trommeln anders,wenn ich mit oder ohne Abnahme spiele?

    Ein klares "es kommt drauf an". Wenn es direkt und am Mikrofon gut funktioniert,dann nicht.


    ABER:


    OHNE MIKROFONE stimme ich insbesondere die Bassdrum für den Raum. Dabei nutze ich die akustischen Eigenschaften des Raums, indem ich den Grundton der Bass so einstelle, dass dieser vom Raum verstärkt wird. So klingt sie schön groß und fett. In gewissen Grenzen geht das auch mit den anderen Trommeln.


    MIT MIKROFONEN mache ich es genau anders herum und stimme die Bassdrum von den Frequenzen weg, die vom Raum verstärkt werden, weil es sonst mit der Verstärkung durch die PA leicht zur Resonanzkatastrophe (Rückkopplung) kommen kann.


    Frage nur deshalb,weil sich oft das Schlagzeug erst gut anhört,wenn man es über die Abnahme hört.

    Das sollte nicht so sein. Wenn doch, ist stimmtechnisch noch Luft nach oben.

    Da sollte doch jedes Bassdrum Fell ohne Dämpfungsring funktionieren!?


    Es kommt darauf an, ob ein Bassdrumspannreifen an der Trommel ist, oder ein Stahlspannreifen, wie er bei Toms üblich ist. Bassdrumfelle haben einen etwas weiteren Kragen, daher passt der Aluminiumring nicht ein einen Stahlspannreifen hinein. Man braucht dafür tatsächlich ein Tomfell mit etwas kleinerem Aluminiumring.

    Auch die Wahl des SM57 für die Snare hat triftige Gründe: "Peak" des Nahbesprechungseffekts bei 200Hz, Präsenzbetonung bei 6-7kHz. Das 4 mal so teure Sennheiser MD421 - ebenfalls ein Klassiker - hat den Nahbesprechungseffekt Peak bei 100Hz und die Präsenzbetonung bei 5kHz. Der Grundton von Snares liegt meistens bei ca. 200Hz, die Grundtöne von Toms gehen eher Richtung 100Hz. Der Snareteppich wird zudem gerne bei 6-7kHz auch in der Nachbearbeitung betont.


    :thumbup: Super Post, gerne mehr davon!

    Und man sollte wissen, was man (nicht) kann und dass immer Luft nach oben ist.


    Ja, und wenn man weiß, was man kann und was nicht, und sich im Bandkontext darauf beschränkt, was man kann, wird man i.d.R. für einen guten Schlagzeuger gehalten.

    Etwas unübersichtlicher wird es für die, die sich nicht mit Fourier oder Laplace auskennen, dadurch, dass das Fell selbst bereits mit einem Klangspektrum antwortet.

    Wenn man sich eine Hochgeschwindigkeitsaufnahme eines Schlags auf ein Fell ansieht, kann man erkennen, dass die eingebrachte Energie etwas Zeit benötigt, um von der Mitte an den Rand zu gelangen.
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    In dieser Zeit wird bereits Schall abgestrahlt, außerdem wir ein teil der Energie an der Gratung zurück ins Fell reflektiert usw.....man kann es beliebig komplex betrachten. Ebenso dauert es etwas, bis die Störung am Reso ankommt. Erst danach beginnt die gekoppelte Schwingung.


    Hab' sie nicht nachgemessen, aber es werden eine Reihe diskreter Frequenzspitzen mit variierenden Amplituden sein (vgl. Klänge von Musikinstrumenten aller Art).

    Die Schwingung der Kreismembran samt ihren Oberschwingungen wird über eine Bessel-Funktion beschrieben. Es gibt einige Quellen hierzu, Wikipeda sagt (der ganze Artikel hier:(


    Schwingung der ungedämpften Kreis-Membrane
    Die Schwingung der ungedämpften Kreismembrane lässt sich mit der d'Alembert'schen Schwingungsgleichung in Polarkoordinaten beschreiben. Dabei gilt, dass die Membrane beim Radius {\displaystyle a} eingespannt und somit die Auslenkung {\displaystyle u} gleich Null ist. Im Sinne der Theorie der partiellen Differentialgleichungen entspricht dies der homogenen Dirichlet-Randbedingung. Damit lässt sich diese Problemstellung wie folgt beschreiben:



    Die Herangehensweise an ein solches Problem ist in der Regel ein Separationsansatz, welcher besagt, dass sich die gesuchte Funktion {\displaystyle u(r,\varphi ,t)} aus separaten Funktionen {\displaystyle f(r),g(\varphi ),h(t)} zusammensetzt. Da die Membrane am Rand eingespannt ist, sind in erster Linie nur bestimmte Schwingungsformen möglich, die Eigenschwingungen (auch Moden genannt). Durch Superposition dieser Eigenschwingungen lassen sich jedoch auch andere Schwingungsformen darstellen.


    Die Lösung setzt sich im Falle von Zylinder- bzw. Kreis-Geometrien zusammen einerseits aus komplexen Exponentialfunktionen (bzw. trigonometrischen Funktionen) und andererseits aus den Zylinderfunktionen (auch Bessel-Funktionen genannt). Im Folgenden ist eine mögliche Darstellung der Lösung abgebildet:



    Hierbei ist das Nullstellenproblem die Bedingung dafür, dass eine Schwingungsform mit der Kreisfrequenz {\displaystyle \omega _{n}} eine mögliche Lösung ist. Gesucht sind also die Nullstellen der verwendeten Besselfunktion.


    D.h. der Stockschlag (Dirac-Impuls im Zeitbereich) setzt sich bereits am ersten Fell in einen Multi-Dirac-Impuls (im Frequenzbereich) um, der dann für jede Frequenz tut, was Du beschrieben hast.

    Tatsächlich ist der Dirac-Impuls ein Konstrukt, das es in der mechanischen Welt nicht gibt. Jeder reale Impuls ist breiter als der Dirac-Impuls, der unendlich schmal ist (irregulär, nicht lokal integrierbar).


    Man kann alles theoretisch betrachten und über die Komplexität staunen, die so ein archaisches Konzept wie eine über einen Hohlraum gespannte Membran mitbringt. Aus meiner Sicht ist für das Verständnis der Vorgänge an einer Trommel ein stark vereinfachtes Modell völlig ausreichend, denn,machen wir uns nix vor, Man schraubt und horcht,bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Mit ein wenig Durchblick in der Theorie kann man voraussagen, in welche Richtung man schrauben muss. Das reicht eigentlich. Obwohl so nerdige Diskussionen durchaus Spaß machen :D

    Die kurze Antwort für Nachrichtentechniker ist übrigens: (nichtlineare) Impulsantwort des Fells (unter variablen Gebrauchsbedingungen) (Das subsummiert alle Anmerkungen von Moe ). Keine erschöpfende Beschreibung des Trommelgeschehens, aber der richtige Startpunkt für weitere Beobachtungen.

    Die Trommel kann vereinfacht als zeitlich invariantes schwingendes System aus drei gekoppelten Oszillatoren betrachtet werden: zwei Felle und ein Kessel. Für zwei der Oszillatoren (Felle) kann die Eigenfrequenz eingestellt werden. Die Eigenfrequenz des Kessels* ändert sich abhängig von der Fellspannung und der Elastizität der Folie (und natürlich mit der Masse der Anbauteile). Durch die Verhältnisse der Eingenschwingungen zueinander, die beteiligten schwingenden Massen und die wirksame Dämpfung wird die Impulsantwort bestimmt. Ob linear oder nicht spielt keine Rolle, ich würde das System Trommel aber für linear halten.


    Nils


    :* siehe Eric J. Macaulay "Properties of Drum Shells and Bearing Edges" (2003)

    Gute Frage. Jalokin bringt es auf den Punkt. Ich spiele selbst auch im klassichen Bereich, aber wenn ich im Guggenmusik-Umfeld von einer grossen Trommel spreche schauen mich alle nur fragend an. Hat sich wirklich einfach so eingebürgert (vielleicht weil es nicht unbedingt sinfonisch ist und es einfach nur laut klingt und knallt). Daher war mir beim ersten Post schon bewusst, was die TE gemeint hat. :)


    Greets


    OK,also reden wir hier von einer zylindrischen Trommel mit ZWEI Fellen? Und nicht von einer Pauke mit konischem Kessel und nur EINEM Fell?


    Dann hängt der Wumms auch von der Stimmung ab. Das tonale Verhältnis zwischen Schlagfell und Resonanzfell ist ein, nein DER wichtige Faktor.

    Bei einer Pauke ist das Kesselvolumen im Verhältnis zum Durchmesser eine wichtige Größe. Sollte das bei beiden gleich sein, tippe ich ganz stark aufs Fell als Ursache für den mangelnden Bumms. Das Gewicht des Fells, respektive die Folienstärke, ist die entscheidende Größe. Und natürlich die Frage wie alt das Fell ist.

    Ich tue mich trotzdem schwer, zu Hause mein Schlagzeug aufzubauen und dann regelmäßig zu üben. Das hört man mindestens 6-8 Reihenhäuser weiter noch laut genug, um es als störend zu empfinden.
    Mich schreckt die Vorstellung, mit meinen Nachbarn, die größtenteils ganz sympathische und umgängliche Menschen sind, die Sache vor Gericht auszufechten.

    Vulfpeck ist für mich DIE Entdeckung der letzten Jahre. Pure Spielfreude und alles so dermaßen auf den Punkt.
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    Inwieweit muss ich mir mühsame Videos mit Schritt-für-Schritt Erklärungen anschauen und nachmachen, wenn ich durch schlichtes ausprobieren und so letztlich durch die Erfahrung das gleiche Ergebnis erziele? Wo ist der Sinn solcher Videos, Stimmworkshops etc.


    Mit Anleitung geht es schneller und gezielter, genau so wie bei üblichem Schlagzeugunterricht auch. Mit Lehrer ist manches einfacher und man kommt schneller ans Ziel. Alles über eigene Erfahrung zu lernen, dauert lange und ist mit Sackgassen versehen.



    Ja, das sind die wichtigen Basics und genau die unterrichte ich auch in meinen Workshops.


    Wollte damit eher verdeutlichen, dass Zentrieren halt wichtig ist.


    Ja schon, mach ich bei Bassdrums aber nur , wenn die offen gespielt werden soll. Sobald relevante Dämpfung drin ist, sehe ich keinen Grund dafür, weil das Fell ohnehin nicht richtig schwingen kann.


    Snare ist Zentrieren i.d.R. weniger wichtig, weil diese meistens sowieso recht hoch gestimmt wird....Zentrieren heißt nix anderes, als das Fell gut an die Gratung anzupassen. Das Vorgehen: Fell ordentlich anziehen (bei BD und Toms definitiv viel mehr als normal gestimmt), an jeder Spannschraube die selbe Tonhöhe herstellen (also ganz normal) und dann ein paar Mal mit ordentlich Druck in die Mitte drücken.


    Snarefelle muss man tatsächlich nicht unbedingt zentrieren. Beim Snarereso ist es dazu außerordentlich schwierig zu hören, ob es in Stimmung mit sich selbst ist. Daher richte ich es nur noch nach Auge aus,sodass der Spannreifen rundherum gleich hoch über der Gratung sitzt (natürlich nicht im Bereich des Snarebeds).


    My2cents, Nils