Zitat
Oder Argumente wie Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit? Bei Holz gabs da schon Threads zu, bei Hardware glaub ich noch nic
Nie hau!
Doch das hatten wir natürlich schon mehrfach. Schadet aber nicht es immer wieder u.a. für die Rookies erneut zu erwähnen.
U.a. ich hatte mal von einem chinesischen OEM (Drums, Drumhardware, aber auch andere Instrumentengruppen) den ich besucht habe, berichtet. Ein nicht gerade kleiner, der sehr billig produziert.
Nur nochmal 3-4 Stichpunkte:
Maskentragen-Pflicht-Schild weißt optisch deutlich sichtbar Mitarbeiter beim "veredeln" von Blasinstrumenten darauf hin, dass diese anzulegen sind. Mehrere Mitarbeiter tragen aber keine Maske. Dt. Investor, der mich zu Prüfung der Drums des OEM-Herstellers dabei hatte, fragte die Firmenleitung ganz konket an dieser Produktionsstelle: "warum legen die Mitarbeiter die Masken nicht an?"
Antwort vom General Manager (also recht weit oben in der Firmenhierarchie): "Es ist den Mitarbeitern freigestellt. Sie können die Masken tragen oder einen Ventilator einschalten".
Die Pointe: die Ventilatoren (handelsübliche Billiggeräte für Privathaushalte Marke "es ist warm im Sommer in der Studentenbude") waren auch bei jenen die keine Maske trugen nicht an jedem Arbeitsplatz eingeschaltet. Und selbst wenn jene teilweise eingeschaltet waren, bliesen diese die Dämpfe nur zum nächsten Arbeitsplatz zum nächsten Mitarbeiter! einen halben Meter weiter. Es gab also kein Abluftsystem/Abzugssystem oder dergleichen für die Dämpfe.
Beim Gang in einen ganz anderen Fertigungsbereich in dem sich (aus gutem Grund, würde ich heute sagen) nur 1-2 Mitarbeiter weit weg von dem dt. Investor und mir ausmachen ließen, erhielt ich rasch nach dem Betreten dieser Fabrikhalle einen massiven "Stich" im Gehirn von dem ich dachte mir setzt einer eine Hornisse ins Nasenloch und diese sticht von dort durch das Gehirngewebe bis in die Schädeldecke. Vielleicht nicht ganz überraschend: es war die Halle mit der Galvanisierungsstraße für Drumhardware etc. Wir waren zig Meter von den Becken entfernt (die Halle war recht groß) - aber zweifelsohne war da nichts! Gutes in der Luft.
Thema Produktlebensdauer:
Viele der Produkte waren direkt nach der Produktion und/oder schon während! der Produktion mit Teildefekten "ausgestattet". Wurden aber nicht aussortiert sondern durchliefen den ganzen Rest der Fertigungstrecke, so als sei nichts gewesen. Auch der Showroom offenbarte: die lichttechnisch sehr ansprechend angestrahlte Hardware war in der Mehrzahl der Fälle dysfunktional. Auf die Defekte angeprochen, insbesondere die erscheckend hohe Quote mängelbehafteter Produkte wurde ein Mitarbeiter/Ingenieur eilig herbeizitiert/telefoniert, jener mit einer Zange in der Hand
. Aber diese surreale Story wo er mit der Zange vor unseren Augen den Mist zurechtbiegen wollte, den diverse Abteilungen vorher verbockt hatten, hatte ich hier im Forum auch schon 1-2 Mal erwähnt. Es wäre vieles zum Lachen, wenn es eigentlich nicht so traurig gewesen wäre.
An anderer Stelle im Werk: Viele der Drumkessel rochen extrem auffallend nach Lösungsmitteln. Diesbezüglich hatte ich dann später noch die ein oder andere Email geschrieben, dass man bitte sowohl an die Endkunden in Europa denken soll, die sich nicht vergiften wollen, als auch an die Mitarbeiter im Werk!, die ja sicher auch noch ein langes Leben führen wollen und gesunde Kinder haben möchten. In jedem Falle machte der Kleber mit denen die Holzlagen bei den Kesselpressen verleimt wurden schon einen extrem (chemischen) Lösungsmittel-haltigen Eindruck. Die Lackierung der Kessel hat damals aber sicher auch nicht nur aus wasserbasierten Lacken bestanden. Denn auch in dem Showroom der Firma, wo schon vor längerem gefertigte Drumkits ausgestellt waren, breitete sich sobald man Felle wechselte ein extrem lösungsmittelhaltiger, strenger Geruch aus. Auch das wurde dann später nochmal thematisiert wobei mir da ein netter Drumbau-Kollege noch mal 1-2 Hinweise gab, die ich weiterreichte. Ob diese Mails je gelesen, ins chinesische übersetzt und an die tatsächlich entscheidungsbefugten Funktionsträger weitergereicht wurden, habe ich nie erfahren. Aber auch das ist womöglich? typisch, sobald ein potentieller Kunde abgesprungen ist und kein Auftrag mehr im Raum steht, macht jede weitere Kommunikation (bzw. das Binden von Zeit der Mitarbeiter) monetär/produktionstechnisch betrachtet keinen Sinn mehr.
Man ist oftmals nicht sicher, ob überhaupt Appelle (Qualitätsverbesseung der Produkte, Schulung der Mitarbeiter, Meiden toxischer Stoffe) verstanden werden. Hoher Produktionsoutput bzw. möglichst lückenlose Produktionsauslastung ist für diverse Produzenten ein Ziel das weitreichende Schatten auf andere Bereiche wirft, die garnicht wahrgenommen werden (wollen). Kommunikation ist mitunter ein sehr spezielles Thema. Alles was das Thema Stückzahl und Verkäufe betrifft (es wurde vom Investor u.a. auch aufgrund meines Eindrucks gegen den Import dieser Produkte entschieden) wird durchaus zeitnah beantwortet.
Andere Themen - hust - siehe oben, werden entweder mit Hinhalte-Floskeln "ach so, ja da hören wir uns mal um", "Das ist machbar, wir kümmern uns darum" oder garnicht kommentiert. Man/ich hat dann mitunter Zweifel ob manche Rückmeldung oder Mail überhaupt gelesen, verarbeitet, bearbeitet bzw. an den richtigen Adressaten weitergereicht wurde.
Das liegt nicht etwa am "bösen" Chinesen, sondern ist mitunter brutalst einfach zu erklären. In der Drum- und Instrumentenindustrie (wie in anderen extrem exportabhängigen Industriezweigen Chinas sicher auch) sind jene Chinesen an den "Schnittstellen nach Außen" tätig, deren Eltern sich vieles abgespart haben um diese zu einer besseren/weiterführenden Schule zu schicken, wo besseres Englisch vermittelt wird. Z.B das Schulenglisch unserer 7. - 9. Klassen entspricht
. Aber eben für Landesverhältnisse deutlich über dem Durchschnitt. Deutlich besser als die Fremdsprachenkenntnisse anderer Bevölkerungsgruppen wo mangels Geld weniger in die Ausbildung der Kinder investiert werden kann. Jene durch teure Ausbildung geförderten Kinder sind dann als erwachsene, als erwerbstätige Arbeitnehmer in exportrelevanten Firmen einer sehr hohen! moralischen und Leistungserbringungs-Verantwortung den Eltern gegenüber. Sie müssen durch ihren Status im Beruf beweisen, dass sich das vom Leib absgesparte der Eltern, um in die Bildung der Kinder zu investieren, gelohnt hat.
Das bedeutet ganz konkret, dass mitunter chinesische Mitarbeiter in der Musikinstrumenteindustrie mit jenen guten (für uns eher rudimentär erscheinenden) Englisch-Kenntnissen meist für verkaufsrelevante Kontakte/Aquisen eingesetzt werden. Die haben dann ein üppiges Grundgehalt von 300 oder 350 Euro im Monat und bekommen noch gewisse Prozente - aber eben nur, wenn! es zu nennenswerten Aufträgen kommt. Alles andere, wie z.B. Produktverbesserungen besprechen, umweltrelevante Dinge erörtern, Mitarbeitergesundheit oder -Schulung erörtern, kostet sie ihre Zeit, wird aber freilich nicht durch die Ausssicht auf eine Provision belohnt. Im Gegenteil: in der Zeit in denen jene Mitarbeiter E-Mails von dt. Investoren übersetzen, die möglicherweise von einer konrketen Bestellung nennenswerter Stückzahlen schon abgerückt sind, hätte man längst andere europäische oder amerikanische Investoren per E-Mail oder Telefon zum Bestellen veranlassen/"bereden" können. Und auch auf Seite der Firmenführung (denn letztere müßten die Verbesserungen ja initiieren und durchsetzen) stoßen diese Anregungen die nicht sofort zu einer höheren Produktionsauslastung führen, nicht selten auf halb- bis ganz taube Ohren.
Ein nicht ganz unwichtiges weiteres Thema, ist auch die wirtschaftsförderung spezieller Regionen. Will heißen mitunter wird die wirtschaftliche Expansion von Firmen bzw. die Erschließung neuer Regionen als Produktionstandorte vom lokalen Machtapparat gefördert bzw. "protegiert" Es werden dann viele lokale Menschen eingestellt, also ausnahmslos Mitarbeiter rekrutiert die aus der Region! kommen. Dies sind nicht grundsätzlich die kompetentesten für das jeweilige Berufsprofil, aber das spielt mitunter erschreckenderweise keine Rolle. Unsere Vorstellung per nationaler oder gar internationaler Stellenausschreibung für spezielle, sehr wichtige Jobprofile (z.B: Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems, Produktverbesserung, Produktinnovation, Chef-Ingenieur etc.) unter den besten Bewerbern des Landes auszuwählen ist noch für diverse chinesische Firmen geradezu SCIENCE-FICTION. Vieles des protegiertern basiert genau darauf, dass man viel!!! produziert und den Menschen vor Ort irgendeinen Job anbietet und jene dadurch (im kleinen Maßstab) vom Wohlstand träumen können.
edits: unendlich viele Schreibfehler. Inhaltlich wie meist, nix verändert. Aber noch 3-4 Nebensätze ergänzt zum - hoffentlich - besseren Verständnis.