Bin aber grundsätzlich bei dir. So sehr ich die heutigen günstigen technischen Möglichkeiten schätze - für das was ich so mache hätte ich noch vor der Jahrtausendwende ein seeehr teuer eingerichtetes und technisch aufwändiges Tonstudio gebraucht - so sehr schätze ich allerdings auch die "alte Schule" und handgemachte Musik.
Wir sind ja immer die Kinder unserer Zeit und viele favorisieren die Musik ihrer Jugend - und damit auch die Entstehungsprozesse. Die wahren Helden sind die Pioniere von damals.
Ich saß an einem Mittwochabend vorm Radio und hörte Mal Sondocks Hitparade, als eine Neuvorstellung gespielt wurde. Falco sang "Der Kommissar". Maximale Verwirrung. Es wurde gleich anschließend mit Freunden telefoniert. Die Frage "Was war das denn?" konnte nicht beantwortet werden. Fanden wir den auf Anhieb Song gut? Ich weiß nicht mehr, aber ich erinnere mich, dass wir tagelang über nichts anderes geredet haben. Es war so neu!
Aber letztendlich wird alles Neue normal. So wie die fast schon wieder abgeschafften CDs, die damals ebenfalls einfach Hammer waren. Die jüngeren Generationen können das nicht mehr nachvollziehen.
Wie mögen sich die Menschen (z.B. in der ehemaligen UDSSR) gefühlt haben, die sich in den 50ern/60ern illegal westliche Musik, gepresst auf aussortierte Röntgenfilme, unter Androhung von 15 Jahren Arbeitslager für ein Monatsgehalt gekauft haben? Als es plötzlich mit Einzug der Musikkassette sehr viel einfacher wurde? Auch sie - und diejenigen mit den Pressmaschinen im Keller - sind in meinen Augen Helden und Pioniere.